Hausmittel für die Haut

Januar 2015 | Kosmetik & Pflege

Was tatsächlich wirkt und was nicht
 
Vom Honig für spröde Lippen über Topfen bei trockener Haut bis zur Zahnpasta gegen Pickel: Die Liste der empfohlenen Hausmittel für die Schönheit ist lang. MEDIZIN populär zeigt auf, was wirklich wirkt und was nicht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Milchbad für samtweiche Haut

Zahlt es sich wirklich aus, dem Vorbild der ägyptischen Königin Kleopatra zu folgen und immer wieder einmal in Milch zu baden? „Tatsächlich durchfeuchtet Milch die Haut und wirkt zudem rückfettend, wodurch sich die Haut nach einem Bad in Milch bestimmt samtweich anfühlt“, bestätigt Dr. Patricia Gill-Figwer, Fachärztin für Hautkrankheiten in Wien. Die Sache hat nur einen Haken, fügt die Hautärztin an: „Um diese Wirkung zu erzielen, müsste man schon ein Vollbad in unverdünnter Milch nehmen.“ Ein Luxus, der wohl bis heute den oberen Zehntausend vorbehalten bleibt.

Honig für spröde Lippen

Wer sich immer wieder etwas Honig auf die Lippen streicht und es schafft, die süße Köstlichkeit nicht gleich abzuschlecken, sondern länger einwirken zu lassen, soll vor einem im Winter weit verbreiteten Leiden gefeit sein: vor spröden und rissigen Lippen, die sich nicht nur unangenehm anfühlen, sondern außerdem anfällig für Fieberblasen machen. Patricia Gill-Figwer schließt sich der Empfehlung an und nennt auch den Grund: „Honig enthält viele Vitamine und andere Substanzen, die gut für die Lippen sind und diese schön geschmeidig machen.“

Topfen bei trockener Haut

Sich auf das Gesicht aufzutragen, was wir sonst aufs Brot schmieren oder zum Kochen und Backen verwenden – ein guter Tipp? „Topfen hilft tatsächlich gegen trockene Haut“, weiß die Hautärztin. Für diese Wirkung verantwortlich sind die Milchsäure und das Milchfett, die im Topfen stecken. „Milchsäure durchfeuchtet die Haut. Und Milchfett wirkt rückfettend, was dazu führt, dass die Feuchtigkeit aus dem Topfen gut in der Haut gespeichert wird“, weiß die Ärztin.

Viel Wasser für straffe Haut

Mit den Jahren verliert die Haut an Straffheit und wird schlapper: Orangenhaut, Winke-Arme, Hängebäckchen, Schlupflider und Falten sind die unliebsamen Folgen. Wie bleibt man möglichst lange von diesen Alterserscheinungen verschont? „Viel Wasser trinken“, ist ein oft gehörter Rat. Doch die Vorstellung, dass Wasser, das wir trinken, in die Haut geleitet wird und Körper sowie Gesicht straff hält, ist leider zu schön, um wahr zu sein. „Die Haut ist straff, solange das Bindegewebe fest ist“, stellt Gill-Figwer klar. „Und dieser Zustand lässt sich durch das Trinken von viel Wasser nicht verlängern.“

Gurken bei fettiger Haut

Sie zählt zu den Klassikern unter den Hausmitteln für die Schönheit: die Gurkenmaske. Bestehend aus Gurkenscheiben, die auf das Gesicht gelegt werden, soll sie sowohl das Erscheinungsbild fettiger Haut verbessern, als auch gegen geschwollene Augen helfen. Patricia Gill-Figwer: „Beides kann die Gurke bis zu einem gewissen Grad tatsächlich, denn die Fruchtsäure, die in ihr steckt, wirkt adstringierend.“ Das heißt: Durch den Einfluss der Säure ziehen sich die Talgdrüsen zusammen und produzieren weniger fettigen Talg. Zusätzlich transportieren die Lymphdrüsen durch das Zusammenziehen jene Lymphflüssigkeit ab, die Schwellungen verursacht.
    
Ölbad für raue Hände

Raue Hände und rissige Fingernägel gehören bald der Vergangenheit an, wenn man die Hände immer wieder einmal in Öl badet, so ein weiterer Rat auf der langen Liste der Hausmittel für die Schönheit. „Wer eine kleine Schüssel mit Olivenöl, Klettenwurzelöl oder Jojobaöl füllt und die Hände eine Zeit lang hineinlegt, erreicht, dass Haut und Nägel optimal durchfeuchtet werden“, bestätigt Gill-Figwer: „Öl dringt besonders gut und tief in die Haut ein und versorgt sie nachhaltig mit Feuchtigkeit.“

Teebeutel gegen geschwollene Augen

Wer schlecht geschlafen hat und morgens mit Schwellungen unter den Augen aufwacht, die an Tatort-Kommissar Derrick erinnern, sollte zu Schwarzteebeuteln greifen und diese gleich doppelt verwerten: erst für den Frühstückstee, dann als Schönheitsmittel. Auf die Schwellungen gelegt, sollen die Beutel die unschönen Überbleibsel der Nacht flugs zum Verschwinden bringen, heißt es. Stimmt das tatsächlich? „Ja, das ist richtig, denn der Schwarztee enthält Gerbsäure, und diese Säure wirkt adstringierend auf die Lymphgefäße“, weiß Patricia Gill-Figwer. „Ziehen sich die Lymphgefäße zusammen, transportieren sie die Lymphflüssigkeit weiter, die sich in den Schwellungen gesammelt hat, und diese gehen zurück.“

Ei für stumpfe Haare

Vom Frühstückstisch vertraut ist uns ein weiteres Mittel, das uns schöner machen soll: das Ei. Aufgeschlagen, verrührt und in die Haare geschmiert, soll es stumpfes Kopfhaar erglänzen lassen. „Grundsätzlich schützt Lecithin, aus dem Eidotter besteht, das Haar vor dem Austrocknen, und wenn es nicht so trocken ist, hat es auch mehr Glanz“, so Gill-Figwer. Doch damit man die Eimasse nach der Anwendung wieder mühelos aus den Haaren ausspülen kann, sollte man unbedingt kaltes Wasser verwenden. „Wer mit warmem Wasser spült, riskiert, dass das Ei fest wird und sich schwer entfernen lässt.“ Und wer will schon Eierspeise auf dem Kopf statt auf dem Teller?

Zahnpasta gegen Pickel

Morgens beim Zähneputzen geht der Blick automatisch in den Spiegel – und das Ärgernis wird sichtbar: Am Kinn prangt ein Pickel. Praktisch, dass die Zahnpastatube griffbereit ist, denn was für Zähne und Zahnfleisch gut ist, soll Pickel den Garaus machen können. Stimmt das tatsächlich? „Zahnpasta wirkt antibakteriell und austrocknend“, so Gill-Figwer. „Daher kann ein Klecks davon helfen, die eitrige Flüssigkeit im Pickel aufzutrocknen und die bakterielle Entzündung zu lindern.“ So ist der Pickel gleich weniger unangenehm und heilt rascher ab.

Hefe bei unreiner Haut

Wer unreine Haut hat, ist bereit, viel dagegen zu tun, sogar wenig geschmackvolle rohe Hefe zu essen. Da Hefe besonders viele B-Vitamine enthält, die der Haut gut tun, soll ein täglicher Happen davon helfen, Unreinheiten vom Mitesser bis zum Pickel gar nicht erst entstehen zu lassen, so ein Tipp der Hausmittel-Kenner. Doch ist das wirklich wahr? „Leider ist das Gegenteil der Fall“, informiert Gill-Figwer. „Die Vitamine aus der B-Gruppe, die in Hefe stecken, können unreine Haut sogar verschlimmern.“

Saunieren für porentiefe Reinheit

Durch das Schwitzen und den wechselnden Heiß-Kalt-Reizen beim Saunieren tut man nicht nur sich insgesamt, sondern auch der Haut etwas Gutes, betonen Hausmittel-Experten. Schließlich wird die Haut zugleich porentief gereinigt und gut durchblutet, also mit Nährstoffen versorgt, die sie braucht, um gesund zu bleiben. „Beides ist wahr“, so Gill-Figwer. Eines gilt es jedoch zu bedenken: „Die Haut wird beim Saunieren und auch im Dampfbad stark aufgeweicht und trocknet dadurch sehr aus.“ Nach dem Baden feuchtigkeitsspendende Cremen oder Öle aufzutragen, ist daher laut der Hautärztin unbedingt empfehlenswert. Und: Wer zu deutlich sichtbaren Äderchen im Gesicht (Couperose) neigt, sollte den heißen Kammern fernbleiben und auf dieses „Hausmittel für die Haut“ verzichten.

Buchtipp:

Lindlbauer, Bauer
Gesund & schön von Kopf bis Fuß.
Alles über Haut, Haare, Nägel
ISBN 978-3-902552-15-0
250 Seiten, € 19,90
Verlagshaus der Ärzte

Stand 01/2015

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