Kälte, Rauchen, Asthma: Was den Atemwegen schadet

Dezember 2015 | Medizin & Trends

Kälte, Bewegungsmangel, schlechte Luft, Rauchen, Allergien, Asthma und COPD: Alles das kann unseren Atemwegen jetzt im Herbst und Winter zu schaffen machen und bei Attacken von Viren und Bakterien besonders leicht zu Halsweh, Schnupfen, Husten, Fieber und gefährlichen Infekten führen. MEDIZIN populär über Gifte für die Atemwege und wie man sich am besten davor schützt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Viren und Bakterien

Sie sind zwar das ganze Jahr über aktiv, doch jetzt, wenn die Quecksilbersäule des Thermometers nach unten sinkt, laufen sie zur Höchstform auf: Rhinoviren, die Erkältungen mit Schnupfen, Halsweh und Husten verursachen, finden genauso mehr Opfer wie Viren, die gefährliche Infekte hervorrufen, wie die Grippe, Bronchitis oder eine Lungenentzündung. Dafür, dass Viren und Bakterien nun Gift für die Atemwege sind, gibt es mehrere Gründe – wie den simplen, „dass es Viren und Bakterien offenbar besser geht, wenn es kälter ist“, erklärt die Past-Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie Prim. Dr. Sylvia Hartl von der 2. Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals in Wien. „Zudem sind wir Menschen bei Kälte empfänglicher für Rhino- und Grippeviren sowie Bakterien, die sich meist auf die viralen Infektionen draufsetzen“, so Sylvia Hartl.

Wie schützt man sich?
Angehörigen der Generation 50plus rät die Pneumologin dazu, sich vom Arzt über Impfungen beraten zu lassen – etwa gegen Grippe, Pneumokokken oder auch Keuchhusten bzw. Pertussis. Ansonsten ist in der Erkältungs- und Grippezeit laut Hartl eines gut: „Man sollte ein besonderes Augenmerk auf die Mundhygiene legen, sich ausführlich die Zähne und die Zunge putzen, auch einmal die Nase mit einer Salzlösung spülen.“ Das kann Erreger, die über Mund und Nase in den Körper eingedrungen sind, unschädlich machen.

Kälte   
Wenn bei jedem Atemzug eisige Luft Nase oder Mund durchströmt, wie das bei der jetzt öfter herrschenden Kälte der Fall ist, ist das insofern Gift für die Atemwege, als sie dadurch empfindlicher werden – weshalb Viren und Bakterien ein leichteres Spiel mit uns haben. Hartl erklärt, wie die größere Empfindlichkeit zustande kommt: „Damit bei Kälte das Körperinnere besser warm gehalten werden kann, wird die Durchblutung der Außenbereiche des Körpers gedrosselt, indem sich die Gefäße zusammenziehen.“ Zu diesen Außenbereichen, durch die dann weniger Blut fließt, zählt auch die Schleimhaut der Atemwege. Und wenn die Schleimhäute in der Nase, im Mund, im Rachenraum, im Bereich der Bronchien und der Lunge schlechter durchblutet werden, hat das Folgen. Hartl: „Die Atemwege werden nicht mehr so gut mit Schleim durchfeuchtet und die Flimmerhärchen von der Nase bis zu den Lungenbläschen tun sich dann schwerer damit, krankmachende Erreger wieder hinaus zu bugsieren.“ Außerdem sind die Schleimhäute bei reduzierter Durchblutung auch weniger gut mit Abwehrstoffen wie Immunglobulinen und Leukozyten gegen Viren, Bakterien & Co versorgt.

Wie schützt man sich?

Den Kragen hochziehen und einen Schal umlegen, reicht normalerweise aus, um sich vor kalter Luft zu schützen, erklärt Hartl, ergänzt aber: „Wer sich bei großer Kälte sportlich betätigt und die scharfe, kalte Luft intensiv durch den Mund einatmet, also zum Beispiel läuft, skilangläuft oder skifährt, ist gut damit beraten, sich mit einer Sturmhaube oder Skimaske zu schützen.“

Bewegungsmangel
Wind, Regen und Nebel machen für viele Sport im Freien unvorstellbar, und für Sport im Fitnessstudio oder Verein fällt es auch schwer, sich aus dem gemütlichen Zuhause weg zu bewegen. Das ist schade, meint Sylvia Hartl. Denn auch der Bewegungsmangel, der auf diese Art und Weise zusammenkommt, ist Gift für die Atemwege. „Wird der Körper weniger bewegt, wird er auch nicht so gut durchblutet, und bei reduzierter Durchblutung sind die Abwehrkräfte geschwächt“, informiert Hartl. Außerdem gilt: In einem fitteren Körper wohnt ein stärkeres Immunsystem.

Wie schützt man sich?

Die Pneumologin rät zu regelmäßiger Bewegung, auch zu Sport im Freien, selbst dann, wenn das Wetter schlecht ist – freilich geschützt durch entsprechende Kleidung.

Schlechte Luft
Wenn eine Mischung aus Autoabgasen, dem Rauch aus Heizungsanlagen und Industriebetrieben hochkonzentriert in der Luft liegt, wie das bei Inversionswetterlagen oder dem jahreszeittypischen Nebel öfter der Fall ist, „kann dies die Atemwege reizen“, weiß Sylvia Hartl. Gift für die Atemwege ist aber nicht nur schlechte Luft, sondern auch trockene Luft. Stundenlanges Einatmen trockener Heizungsluft  im Büro oder der Wohnung kann ebenfalls den Schleimhäuten von der Nase bis zu den Lungen schaden. Der Schleim verändert sich in seiner Zusammensetzung in einer Art und Weise, dass Erreger nicht mehr so leicht abzuwehren sind. Zudem werden die Flimmerhärchen, die bei der Abwehr der Erreger helfen, in ihrer Funktion beeinträchtigt. Hartl: „Dadurch steigt das Risiko, sich mit Rhinoviren oder Grippeviren zu infizieren.“

Wie schützt man sich?
Gegen Beschwerden, die durch trockene Luft in geheizten Räumen hervorgerufen werden, hilft es, „viel zu trinken“, so Hartl und – sofern das möglich ist –, zusätzlich die Luft zu befeuchten. Dafür eignen sich entweder Geräte, wie Luftbefeuchter oder Zimmerbrunnen, oder schlicht das Aufhängen frisch gewaschener Wäsche.    

Rauchen
„Wer raucht, nimmt mit jedem Zug neben dem Nikotin Tausende andere Schadstoffe wie Ruß und Teer auf“, warnt Hartl und ergänzt: „Diese Schadstoffe sind Gift für die Atemwege und reizen sie permanent beziehungsweise schädigen sie anhaltend.“ Das macht Raucher wesentlich anfälliger für Viren und Bakterien, die Erkältungen bis hin zu Bronchitis und Lungenentzündung übertragen.

Wie schützt man sich?

Durch den Verzicht auf das Rauchen.

Allergien, Asthma & COPD
Chronische Atemwegserkrankungen wie Allergien, die die Atemwege betreffen, Asthma und COPD, „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, im Volksmund Raucherlunge genannt, bringen mit sich, dass die Atemwege ständig gereizt sind, was sie empfänglich für Erkältungen bis hin zu gefährlichen Infekten wie Bronchitis und einer Lungenentzündung macht. Sylvia Hartl warnt: „Bei solchen Vorschädigungen haben es Rhinoviren und Grippeviren leicht.“

Wie schützt man sich?

Wer an chronischen Atemwegserkrankungen leidet, dem empfiehlt die Pneumologin, sich auf jeden Fall impfen zu lassen. Dies freilich in Absprache mit dem behandelnden Arzt: In Frage kommen die Grippeschutzimpfung, eine Impfung gegen Pneumokokken und Keuchhusten bzw. Pertussis.

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Schnupfen, Halsweh, Husten, Fieber:
Wann zum Arzt?

Haben Rhino- oder Grippeviren zugeschlagen und ist man an Halsweh, Schnupfen, Husten und Fieber erkrankt, dauert es, wie Ärzte oft scherzhaft sagen, ohne Medikamente eine Woche, bis alles wieder vorbei ist, mit Medikamenten fünf bis sieben Tage. Doch was, wenn dies nicht der Fall ist, und die Beschwerden anhalten? Dann, so Prim. Dr. Sylvia Hartl von der 2. Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals in Wien, sollte man zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Denn in dem Fall könnte eine Bronchitis oder Lungenentzündung hinter den Beschwerden stecken, beides Erkrankungen, die mit Medikamenten behandelt werden müssen.

Stand 11/2015

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