Menopause mit 40

März 2015 | Medizin & Trends

Warum der Wechsel immer öfter zu früh einsetzt
 
Zyklusschwankungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungstiefs: Was normalerweise rund um den 50. Geburtstag beginnt, trifft bis zu zehn Prozent der Frauen bereits vor ihrem 40er. Warum die Wechseljahre immer häufiger vorzeitig einsetzen und was Betroffene wissen sollten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Um den 50. Geburtstag herum ist es bei den meisten Frauen so weit: Die Regelblutung tritt nicht mehr so regelmäßig wie gewohnt auf und bleibt immer wieder einmal aus. Im Alter von durchschnittlich 51 Jahren ist es endgültig vorbei damit. Mit der letzten Blutung, der Menopause, beginnt die abschließende Phase der Wechseljahre. Wie Frauen diesen Wechsel von der fruchtbaren Zeit ihres Lebens in die unfruchtbare erleben, ist völlig unterschiedlich: Ein Drittel bemerkt keinerlei negative Auswirkungen der hormonellen Umstellung, ein weiteres Drittel hat leichte Beschwerden, ein Drittel leidet stark. „Stimmungstiefs, Schlafstörungen und Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen sind die klassischen Wechseljahressymptome“, so Univ. Prof. Dr. Christine Kurz, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universitätsklinik am AKH Wien. Die Medizinerin hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Beschwerden vielfach mit pflanzlichen Mitteln lindern lassen. Eine Hormonersatztherapie, die dazu dient, den Schwund der körpereigenen weiblichen Sexualhormone, der Östrogene, eine Zeit lang über Medikamente auszugleichen, sei hingegen nicht so oft nötig.

Künstliche Hormone empfohlen

Ganz anders verhält es sich bei jenen Frauen, die frühzeitig in den Wechsel kommen. Frühzeitig heißt, dass sie schon gut zehn Jahre vor ihren Geschlechtsgenossinnen, also bereits vor ihrem 40er, unregelmäßige Zyklen haben, immer öfter das Ausbleiben der Monatsblutung erleben oder bereits in der Menopause sind und die klassischen Wechselbeschwerden spüren. Zwar fallen die Symptome auch beim sogenannten Klimakterium praecox unterschiedlich schwer aus, und nur ein Drittel fühlt sich durch Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Stimmungstiefs in der Lebensqualität beeinträchtigt. Dennoch gelte für alle Frauen, die zu früh in den Wechsel kommen: „Sie sollten die körpereigenen Östrogene durch künstliche Hormone ersetzen“, empfiehlt Kurz, „und das in etwa so lange, bis sie das Alter erreichen, in dem die meisten anderen Frauen die letzte Monatsblutung haben, also die natürliche Menopause beginnt.“

Wenn noch Kinderwunsch besteht

Dies sei aus verschiedenen Gründen wichtig: „Wenn zum Beispiel Frauen mit Kinderwunsch erste Wechsel-Erscheinungen wie Zyklusschwankungen an sich bemerken, lässt sich oft nur mit hormoneller Unterstützung erreichen, dass die Frauen noch schwanger werden können.“ Künstliche Hormone in Pillen- oder Spritzenform sorgen dann dafür, dass in den Eierstöcken Eizellen heranreifen und eine Schwangerschaft möglich wird – sofern die Eizellen überhaupt befruchtungsfähig sind. Doch die Gynäkologin rät nicht nur Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, die weit vor der üblichen Zeit Symptome der Wechseljahre an sich bemerken, ärztliche Hilfe zu suchen: Das sollten auch jene tun, die nicht oder nicht noch einmal Mutter werden wollen. Denn stellt der weibliche Körper den Hormonhaushalt frühzeitig um, indem er die Östrogenproduktion drosselt, hat dies auch noch andere Folgen als Unfruchtbarkeit.

Frühzeitiges Altern mit Folgen

„Die körpereigenen weiblichen Sexualhormone schützen das gesamte System Frau vor Alterserscheinungen. Fällt dieser Schutz weg, tritt der Alterungsprozess früher ein, was der Gesundheit schaden kann“, bringt es Kurz auf den Punkt. So halten sich Betroffene aufgrund des vergleichsweise frühen Eintritts in die neue Lebensphase oft für weniger attraktiv als Gleichaltrige und befürchten, auch sexuell nicht mehr anziehend zu sein. Beides kann die Psyche krank machen und dazu führen, dass Stimmungstiefs, die ohnedies aufgrund der Hormonumstellung entstehen, sich zu depressiven Verstimmungen oder gar Depressionen auswachsen.
Für die körperliche Gesundheit bringt das frühzeitige Altern bedingt durch den Östrogenschwund ebenfalls mehrere Gefahren mit sich. „Insbesondere erhöht sich das Risiko für Osteoporose, den Knochenschwund, bei dem die Knochen rascher an Dichte verlieren und porös werden“, warnt Christine Kurz. Beginnt dieser Prozess bereits   vor Abschluss des vierten Lebensjahrzehnts, ist die Wahrscheinlichkeit groß, vergleichsweise früh sogar schon bei ungewohnten Bewegungen Knochenbrüche zu erleiden, die nur schwer heilen und schlimmstenfalls zu bleibenden Gehbehinderungen führen.

Gefäßschutz schwindet

Sehr wichtig sind die Östrogene auch für die Gesundheit der Gefäße. Die Sexualhormone halten diese elastisch und schützen sie so vor Verengungen durch Ablagerung. Schwindet dieser Schutz vorzeitig, erhöht sich nach und nach die Gefahr z. B. für Thrombosen, also für Gefäßverschlüsse, die im Extremfall mit dem Blutfluss in die Lunge weitergespült werden können und so zu Lungeninfarkt führen. Über starre Gefäße und Gefäßverengungen kann es außerdem zu Bluthochdruck und nachfolgend zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt kommen. „Mit einer Hormonersatztherapie können alle diese Risiken, die mit dem frühzeitigen Wechsel verbunden sind, deutlich reduziert werden“, betont Kurz. Abgesehen davon, dass sie künstliches Östrogen nehmen sollten, gilt für Frauen im vorzeitigen Wechsel ganz besonders: „Sie sollten im Sinn ihrer Gesundheit weitere Risikofaktoren für Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Osteoporose vermeiden.“ Dazu zählen Übergewicht, fett- und zuckerreiche Ernährung, mangelnde Bewegung und Rauchen.

Rauchen, Stress, Depressionen

Dass immer mehr Frauen rauchen – in Österreich ein Drittel – und aufgrund von Bewegungsmangel sowie schlechter Ernährung übergewichtig sind, wie hierzulande ebenfalls etwa jede Dritte, könnte laut Experten mit ein Grund dafür sein, warum der Wechsel immer mehr Frauen unter 40 Jahren trifft: Nach Schätzungen sind es mittlerweile bis zu zehn Prozent. Als weiterer Grund für die Zunahme werden Mehrfachbelastungen durch Beruf, Kinder und die Pflege von Angehörigen genannt. Diese fordern viele Frauen häufiger als früher gleichzeitig, da sie später Mütter werden und sich erst dann um ihre noch kleinen Kinder kümmern, wenn die immer älter werdenden Eltern ebenfalls Betreuung benötigen. Nach Beobachtungen können auch derartige Stressbelastungen zum frühzeitigen Beginn der Wechseljahre führen.
Genauso können depressive Verstimmungen, Depressionen und andere Krankheiten, die den Hormonhaushalt durcheinanderbringen, die frühzeitige Umstellung auslösen. „Dazu zählen etwa Schilddrüsen- sowie Nierenfunktionsstörungen und Erkrankungen der Eierstöcke“, nennt Kurz einige Beispiele. Mitunter provozieren Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder bestimmte Hauterkrankungen das Klimakterium praecox. „Bei Frauen mit Essstörungen und jenen, die außergewöhnlich viel Sport betreiben, kann der Hormonhaushalt so durcheinandergeraten, dass es zu einem frühen Wechsel kommt“, nennt Kurz weitere Risikogruppen. Doch diese haben einen Vorteil gegenüber anderen Betroffenen: Bei ihnen lässt sich die unerwünschte Umstellung allein durch eine Normalisierung des Lebensstils wieder rückgängig machen.

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Ist das schon der Wechsel?

Die Wechseljahre mit der letzten Regelblutung, der sogenannten Menopause, als Zwischenstation, können sich mit folgenden Beschwerden ankündigen:

  •    Zyklusschwankungen
  •    Hitzewallungen
  •    Schweißausbrüche
  •    Schlafstörungen
  •    Stimmungstiefs

Die Ärztin oder der Arzt diagnostiziert vorzeitigen Wechsel (Klimakterium praecox) durch eine Reihe von drei Blutuntersuchungen im Abstand von einigen Wochen, bei der vor allem die Konzentration des Sexualhormons Östrogen ermittelt wird. Ist der Östrogenspiegel dreimal hintereinander sehr niedrig, droht die frühzeitige Menopause, also der Abschied von der Regelblutung noch vor dem 40. Lebensjahr.

Buchtipp:
Foisner (Hg.)
Wechseljahre. Natürlich durchs Klimakterium

ISBN 978-3-99052-013-0
188 Seiten, € 19,90
Verlagshaus der Ärzte
November 2012
 

Stand 02/2015

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