Restless Legs: Was hilft gegen unruhige Beine?

Dezember 2015 | Medizin & Trends

Zehn bis 15 Prozent der Österreicher leiden mehr oder weniger stark am Restless Legs-Syndrom (RLS), der Krankheit der unruhigen Beine, das sind rund 900.000 Menschen. Geheilt werden kann RLS nicht, doch es gibt heute gute Hilfen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Meistens passiert es nachts, kurz vor dem Einschlafen: Die Beine beginnen zu brennen, kribbeln, stechen, ziehen, klopfen, zucken, wollen aneinander gerieben – und bewegt werden. „Betroffene können dann nicht anders, als wieder aufzustehen und herumzugehen“, weiß Ass. Prof. Priv. Doz. Dr. Stefan Seidel, Leiter der Spezialambulanz für Schlafstörungen und des Schlaflabors an der Universitätsklinik für Neurologie des AKH Wien. So bringt das Restless Legs-Syndrom (RLS), die Krankheit der unruhigen Beine, die Betroffenen um ihren Schlaf. Als wäre das nicht schon schlimm genug, bleibt es nicht immer nur dabei. Seidel: „Bei gut der Hälfte der Patienten treten die Beschwerden irgendwann auch tagsüber auf, wenn sie länger sitzen.“ Laut dem Neurologen, der sich u.a. auf RLS spezialisiert hat, kommt es auch vor, dass die Unruhe von den Beinen auf andere Körperteile übergeht, wie die Arme, den gesamten Oberkörper und das Gesicht.

Lang leiden braucht niemand

Von den verschiedenen Ausprägungen des quälenden Leidens sind nach Schätzungen zehn bis 15 Prozent der Österreicher betroffen, also rund 900.000 Menschen. Frauen erkranken eher daran als Männer, Ältere eher als Jüngere oder Kinder, die ebenfalls schon RLS haben können. Gerade die große Mehrheit der Patienten, Frauen nach dem Wechsel und im Alter zwischen 60 und 65 Jahren meint oft, das Problem hinnehmen zu müssen. Sie sprechen erst dann mit einem Arzt darüber, wenn die unruhigen Beine bereits seit geraumer Zeit ihren Schlaf stören und zu Folgebeschwerden wie ständiger Müdigkeit, Antriebslosigkeit und depressiven Verstimmungen geführt haben – oder zu Problemen mit dem vielfach mitbetroffenen Partner. So lang zu leiden braucht niemand, betont Neurologe Stefan Seidel: „Zwar kann RLS nach wie vor nicht geheilt werden, doch es gibt sehr gute Hilfen.“

Medikamente helfen rasch

Manchmal ist das Syndrom eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten wie der Polyneuropathie, die z.B. im Rahmen von Diabetes oder  Morbus Parkinson auftritt, doch meist tritt das Leiden für sich genommen auf. Welche Ursachen RLS dann haben kann, darüber wird nach wie vor geforscht – man vermutet Zusammenhänge mit einer Stoffwechselstörung im Gehirn, die geerbt oder erworben worden sein kann. Bei vielen Betroffenen zeigt sich etwa ein Mangel an Eisen bzw. an Ferritin, einem Eiweiß, das Eisen im Körper bindet: Ihnen helfen oft Eisenpräparate. Seidel: „Eisen sollte man aber nicht in Eigenregie nehmen, sondern nur in Absprache mit dem Arzt.“ Patienten, die etwas stärker unter den Beschwerden leiden, helfen oft Medikamente in Tablettenform oder als Pflaster, die den Nervenbotenstoff Dopamin oder Dopamin-Antagonisten enthalten, und rasch für mehr Ruhe sorgen. „In wirklich schweren Fällen lassen sich mit Antiepileptika, also Medikamenten, die auch bei Epilepsie eingesetzt werden, und Opiaten, starken Schmerzmitteln, Verbesserungen erzielen“, sagt Seidel und ergänzt: „Nebenwirkungen treten meistens nur zu Beginn der Behandlung auf, und theoretisch können die Medikamente ein Leben lang genommen werden.“

Akut wirkt Kälte gut

Parallel zur medikamentösen Therapie sind bei RLS aber auch noch verschiedene andere Maßnahmen hilfreich. Stefan Seidel: „Im Akutfall, also wenn die Beschwerden losgehen, hilft es vielfach, die Beine zu kühlen, zum Beispiel ein Coolpack draufzulegen, oder auch, sie mit einer harten Bürste zu bürsten.“ Vorbeugend können Aufenthalte in Kältekammern oder Akupunktur-Behandlungen hilfreich sein, so der Neurologe. Bei vielen wirkt auch Bewegung dem Leiden gut entgegen, wie Laufen, Radfahren, Schwimmen, Yoga oder Tanzen.

Stand 11/2015

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