Zähneputzen, aber richtig!

Oktober 2015 | Medizin & Trends

Zwölf häufige Hygieneirrtümer – und was wirklich stimmt
 
Richtig putzt nur, wer von Rot nach Weiß putzt. Milchzähne braucht man nicht so oft reinigen. Elektrische Bürsten sind besser als Handzahnbürsten: Nicht alles, was über die richtige Zahnhygiene gesagt wird, stimmt. Für MEDIZIN populär räumt ein Experte mit zwölf häufigen Irrtümern auf.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Irrtum 1
Je öfter man die Zähne putzt, desto besser

Für ein Frischegefühl zwischendurch kurz  einmal die Zähne putzen, das kann doch nicht schlecht sein? „Wenn die Zähne mehr als zwei Mal am Tag geputzt werden, belastet sie das viel zu sehr“, sagt dazu Univ. Ass. DDr. Oliver Jandrasits von der Universitätszahnklinik in Wien. „Um die Zähne gesund zu erhalten, reicht es aus, sie morgens und abends so lang zu putzen, bis sie sauber sind.“ Ob man in der Früh vor dem Frühstück oder danach die Zähne reinigt, ist egal: Man sollte nur jeweils 30 Minuten zwischen Putzen und Essen vergehen lassen, damit sich die Zähne von den Beanspruchungen erholen können. Abends heißt es aber, nach dem Zähneputzen nichts mehr zu essen und höchstens Wasser zu trinken.

Irrtum 2
Elektrische Zahnbürsten sind besser als Handzahnbürsten

Wer beim Zähneputzen auf Technik vertraut und mit elektrischen Bürsten arbeitet, putzt nicht automatisch besser: Nicht jeder kommt mit den rotierenden Bürsten oder Schallzahnbürsten zurecht, was zu Putzfehlern führen kann, weiß Jandrasits: „Außerdem ist die häufig vorgeschlagene Putzdauer von zwei Minuten zu kurz.“ Für die gründliche Reinigung der Zähne benötigt man mit elektrischen Bürsten genauso lang wie mit Handzahnbürsten, „mindestens vier Minuten“. Richtig verwendet, putzen Handzahnbürsten die Zähne zudem genauso sauber wie elektrische Bürsten.

Irrtum 3
Mit aufhellenden Pasten wird man Verfärbungen los

„Wer aufhellende Pasten in sein Zahnputzprogramm integriert, ist meistens nicht gut beraten“, warnt Oliver Jandrasits und erklärt auch den Grund dafür: „Viele dieser Pasten wirken abrasiv, das heißt, sie entfernen nicht nur die Verfärbungen, sondern reiben wie Schmirgelpapier auch den Zahnschmelz weg und schädigen so die Zähne.“ Wer selber aufhellen möchte, sollte zumindest aufhellende Pasten verwenden, die nicht abrasiv wirken. Wirklich ratsam ist laut dem Experten aber eine andere Maßnahme: Die Zahnverfärbungen ein- bis zweimal jährlich in einer Mundhygienesitzung entfernen zu lassen. Dabei werden Mittel verwendet, die das Gebiss schonen, trotzdem aber wieder weißer machen.

Irrtum 4
Kaugummikauen ersetzt das Zähneputzen

Oliver Jandrasits räumt auch mit diesem Irrtum auf: „Kaugummikauen kann das Zähneputzen nicht ersetzen“, sagt er. Etwas lässt sich mit den Gummis, egal welcher Art, aber schon für die Zahngesundheit erreichen, so der Zahnmediziner weiter: „Wer einen Kaugummi kaut, erhöht den Speichelfluss, und je mehr Speichel sich im Mund befindet, desto schwerer lagern sich bakterielle Beläge an die Zähne an und das Risiko für Karies sinkt.“

Irrtum 5
Mundduschen sind besser als Zahnseide

Nach dem Putzen den Wasserstrahl aus der Munddusche gegen die Zahnreihen richten – und schon sind auch die Zahnzwischenräume rein? Leider nicht, informiert Jandrasits: „Die Reinigung von Zahnzwischenräumen gelingt nur mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen und empfiehlt sich einmal am Tag morgens oder abends.“ Mundduschen helfen laut dem Zahnmediziner einzig und allein Trägern von festsitzende Zahnspangen, „denn in den Spangen verfangen sich oft Speisereste, die sich mit dem Wasserstrahl gut wegspülen lassen“.  Wer keine Spange hat, benötigt keine Munddusche, und bei Zahnfleischtaschen ist die Verwendung der Geräte oft sogar kontraproduktiv. Sie schaden eher, als dass sie nützen, denn: „Der Wasserstrahl spült zwar zum Beispiel größere Krümel aus Taschen weg, kleine Speisereste drückt er aber eher tiefer hinein, was die Entzündung in Zahnfleischtaschen verschlimmert.“    ‘

Irrtum 6
Milchzähne braucht man nicht so oft reinigen

Experte Jandrasits dazu: „Sobald die Milchzähne durchbrechen, müssen sie genauso häufig und gründlich geputzt werden wie die zweiten Zähne, also zweimal täglich, morgens und abends.“ Wer denkt, es sei egal, wenn die Milchzähne frühzeitig verlorengehen, weil ohnedies die zweiten Zähne nachkommen, liegt vor allem aus einem Grund falsch, so Jandrasits weiter: „Müssen Milchzähne entfernt werden, führt das dazu, dass der Kieferknochen im Wachstum zurückbleibt.“ So erhöht sich die Gefahr für Kieferfehlstellungen und Zahnfehlstellungen, die wiederum das Risiko für Karies erhöhen und darüber hinaus auch nicht schön sind.

Irrtum 7
Am besten putzt man sich gleich nach dem Essen die Zähne

Oliver Jandrasits: „Sich unmittelbar nach dem Essen die Zähne zu putzen, ist keine gute Idee.“ Denn gleich nach der Nahrungsaufnahme befindet noch viel Säure aus den Speisen auf den Zähnen. Wer dann mit der Bürste die Zähne abschrubbt, arbeitet die Säure in den Zahnschmelz ein, was den Schmelz aufweicht und anfällig für Karies macht. „Bis der Säuregehalt im Mund wieder auf das Normalmaß reduziert ist, dauert es ungefähr 30 Minuten“, so Jandrasits. „Dann kann man sich gut die Zähne putzen.“

Irrtum 8
Nur mit Mundspülungen wird der Mund richtig sauber

Mundspülungen sorgen zwar für ein Gefühl der Sauberkeit im Mund, doch, so der Zahnmediziner: „Um die Zähne, das Zahnfleisch und die Zunge zu reinigen, reicht es aus, die Zähne zu putzen und über die Zunge zu bürsten.“ Mundspülungen sind nur dann sinnvoll, wenn der Zahnarzt sie empfiehlt – was beispielsweise bei Parodontitis, also einer Zahnfleischentzündung, nach Zahnentfernungen oder anderen Operationen im Mund der Fall sein kann.

Irrtum 9
Mundgeruch kommt aus dem Magen

„Noch bis vor zwanzig Jahren hat man gedacht, dass Mundgeruch vorwiegend von Magenerkrankungen herrührt“, erinnert sich Jandrasits. „Heute weiß man aber, dass Mundgeruch bei 95 Prozent der Betroffenen im Mund, Rachen und der Nase entsteht.“ Die häufigsten Ursachen sind Zahn- und Zahnfleischerkrankungen sowie Zungenbelag, die wiederum auf unzulängliche Hygiene zurückgehen. Manchmal sind auch Mandel- und Nasennebenhöhlenentzündungen am üblen Odeur schuld. Jandrasits: „Nur bei fünf Prozent geht Mundgeruch auf eine Refluxerkrankung oder eine Magenschleimhautentzündung zurück.“

Irrtum 10
Zahnbelag wird man mit harten Bürsten am schnellsten los

Mit der harten Bürste über die Zähne schrubben, so wird man den Zahnbelag bestimmt schnell los? Jandrasits rät von der Verwendung von Bürsten mit harten Borsten ab: „Sie belasten die Zähne viel zu sehr.“ Mit mittelharten, weichen und sehr weichen Borsten putzt es sich laut dem Zahnmediziner genauso gut – und noch dazu zahnschonend.

Irrtum 11
Apfelessen reinigt Mund und Zähne

Äpfel: Isst man sie, hat man, so wie oft auch nach dem Verzehr von anderem Obst, Salat und Gemüse das Gefühl, der Mund und die Zähne wären sauberer als davor. Doch: „Die Zähne werden durch den Verzehr von Lebensmitteln mit Fruchtsäure nicht reiner, sondern sogar anfälliger für Karies“, erklärt Jandrasits. „Das liegt daran, dass Fruchtsäure den Zahnschmelz aufweicht, was den Bakterien Angriffe erleichtert.“ Getränke, die mit Kohlensäure oder Zucker durchsetzt sind, verstärken den zerstörerischen Effekt der Fruchtsäure noch.
 
Irrtum 12
Richtig putzt nur, wer immer von Rot nach Weiß putzt

So lernt man es: Immer vom Zahnfleisch aus nach oben bis zur Zahnkrone bürsten. „Von Rot nach Weiß zu putzen ist aber nicht für alle empfehlenswert“, betont Experte Jandrasits. So sind bei bestimmten Empfindlichkeiten oder Erkrankungen andere Techniken anzuraten. Immerhin zehn verschiedene gibt es laut dem Zahnmediziner: „Und jeder sollte bei der Zahnarztkontrolle oder der Mundhygienesitzung fragen, welche Technik die beste für ihn ist.“

Stand 09/2015

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