Sport für’s Herz

Oktober 2015 | Psyche & Beziehung

Welche Bewegung die Pumpe fit hält
 
Sport ist ein wahrer Gesundbrunnen: So wie für uns insgesamt auch für den Motor unseres Lebens, das Herz. Doch welche Bewegung hält das Herz am besten fit? Warum ist das so? Und hilft Sport auch dann noch, wenn die Pumpe bereits angeschlagen ist? Ein Experte beantwortet wichtige Fragen rund um Sport für das Herz.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Alle paar Jahre fragt das Wiener Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) Österreicherinnen und Österreicher danach, ob sie Sport betreiben, und wenn ja, wie oft und welchen: Zuletzt, 2014, wurden diese Fragen an 3000 über 15-Jährige gerichtet. Lediglich ein knappes Drittel der Befragten, 30 Prozent, gab an, regelmäßig und mindestens einmal in der Woche zu sporteln. 21 Prozent erklärten, gelegentlich sportlich aktiv zu sein bzw. zwei- bis dreimal im Monat. 19 Prozent sind dies selten, also einmal im Monat oder weniger oft. Und wiederum fast ein Drittel, 30 Prozent, war gänzlich inaktiv. Dabei verzichtet, wer nur gelegentlich, selten oder nie Sport betreibt, auf einen wahren Gesundbrunnen: Denn so wie uns insgesamt hält Bewegung auch den Motor unseres Lebens fit, das Herz. Doch welche Bewegung ist für das Herz die beste? Sind die Lieblingssportarten der Österreicher – laut IFT das Radfahren, Wandern, Skifahren, Laufen und Schwimmen – dafür geeignet? Lesen Sie, was Prim. Univ. Doz. Dr. Sebastian Globits, ärztlicher Leiter des Herz-Kreislauf-Zentrums Groß Gerungs, im Interview mit MEDIZIN populär zu Fragen rund um Sport fürs Herz sagt.

MEDIZIN populär:
Herr Primarius Globits, welcher Sport hält das Herz am besten fit?

Prim. Univ. Doz. Dr. Sebastian Globits
Am besten eignet sich für die Gesunderhaltung des Herz-Kreislauf-Systems ein Ausdauertraining. Das heißt, man ist gut damit beraten, Sportarten wie Radfahren, Laufen oder Schwimmen zu betreiben. Um wirklich positive Effekte für die Gesundheit zu erzielen, reicht es allerdings nicht, sich nur gelegentlich, zum Beispiel, wenn das Wetter gerade schön ist und man nichts Besseres vorhat, sportlich zu betätigen. Und man sollte auch nicht allzu gemächlich unterwegs sein.

Wie schnell und wie oft muss man Schwimmen, Laufen oder Radfahren, damit der Sport die Herzgesundheit fördert?

Für Gesunde gibt es dazu allgemeingültige Empfehlungen sowohl, was die Häufigkeit, als auch das Tempo betrifft: Man sollte dreimal in der Woche jeweils 30 bis 40 Minuten lang unterwegs sein und dabei eine Pulsfrequenz erreichen, die circa zwei Drittel der maximalen Herzfrequenz beträgt. Diese lässt sich mit der Formel 220 minus Lebensalter berechnen. Ein 50-Jähriger, der gesund ist, sollte sich also während dem Ausdauertraining in einem Frequenzbereich von etwa 113 Pulsschlägen pro Minute bewegen, was mit einem Pulsmesser kontrolliert werden kann.
 
Warum wirkt sich besonders Ausdauersport so günstig auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems aus?

Ein menschliches Herz schlägt durchschnittlich 80-mal in der Minute und pumpt dabei circa fünf Liter Blut durch den Körper, um die einzelnen Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Durch Ausdauersport wird das Herz darauf trainiert, effizienter und ökonomischer zu arbeiten. Das Ergebnis eines konsequenten Trainings besteht schon nach einigen Wochen darin, dass das Herz weniger oft zu schlagen braucht, um dieselbe Leistung zu erbringen und für eine gute Durchblutung des gesamten Körpers zu sorgen. Durch regelmäßige Bewegung bleiben außerdem die Blutgefäße ‘geschmeidig’, was daran  liegt, dass durch Sport eine Reihe von biochemischen Prozessen in Gang gesetzt wird, die dem Abbau gefäßschädigender Substanzen dienen. Zu diesen Substanzen zählen zum Beispiel das schlechte LDL-Cholesterin oder die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Die gefäßerweiternde Wirkung von Sport senkt auch hohen Blutdruck, der ja ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.
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Hilft Ausdauersport auch, wenn die Pumpe bereits angeschlagen ist, man zum Beispiel schon einen Herzinfarkt hinter sich hat?

Früher hat man Patienten nach einem Herzinfarkt geraten, sich körperlich nicht anzustrengen und eher zu schonen. Heute weiß man, dass regelmäßige Bewegung nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vermutlich auch anderen Krankheiten, wie Alzheimer-Demenz oder Krebs schützt, sondern auch eine äußerst wichtige Sekundärprophylaxe nach Herz-Kreislauf­-Erkrankungen ist. Das heißt, Sport senkt das Risiko für das neuerliche Auftreten eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls, und zwar sogar drastisch. Bei Patienten in der Rehabilitation zeigen sich die Effekte einer regelmäßigen, gezielten Bewegung besonders schnell. In vier Wochen sinkt der Bluthochdruck, Übergewicht wird reduziert, etc. Der Grund dafür ist, dass die meisten Reha-Patienten vor der Erkrankung gar keinen oder nur wenig Sport betrieben haben. Natürlich sollte niemand, der bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatte, auf eigene Faust mit Ausdauertraining beginnen, sondern sich von einem kundigen Arzt untersuchen und hinsichtlich Sportart und Intensität beraten lassen sowie sich auch einen Trainingsplan erstellen zu lassen.

Wenn Ausdauersport so gesund ist, warum kommt es dann immer wieder einmal dazu, dass oft noch junge Sportler an plötzlichem Herztod sterben?

Wenn zum Beispiel ein junger Fußballspieler während eines Matches zusammenbricht und stirbt, erregt das großes Aufsehen. Bei den Betroffenen handelt es sich aber um eine verschwindende Minderheit, bei der sehr oft angeborene, leider unentdeckte Herzfehler vorliegen, die in der Wettkampfsituation zum Tod führen können.  

Dürfen Menschen mit solchen angeborenen Herzfehlern keinen Sport betreiben?

Das hängt vom zu Grunde liegenden Problem ab. Auch bei angeborenen Herzfehlern kann Ausdauersport die Herzgesundheit stärken.

Wie verhält es sich mit Krafttraining oder Gymnastik? Nutzt das dem Herzen nichts?

Ein Krafttraining oder Gymnastik ist als Ergänzung zum Ausdauertraining durchaus sehr sinnvoll. Damit trainiert man freilich nicht vorrangig das Herz, erzielt aber ganz andere Effekte, die ebenfalls wichtig sind: Die Muskelkraft wird gestärkt, und die Koordination wird verbessert, sofern man regelmäßig ein- bis zweimal in der Woche seine Übungen macht. Eine Ausdauersportart sollte aber immer die Basis sein, da man eine gute Grundlagenausdauer braucht, um sinnvoll Krafttraining betreiben zu können. Beim Krafttraining sind Anfänger und Menschen mit Herzerkrankungen gut damit beraten, mit leichteren Gewichten zu trainieren und dafür aber mehr Wiederholungen zu machen. Denn beim Stemmen schwerer Gewichte steigt der Druck im Brustkorb überproportional an, was belastend für das Herz ist.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
Todesursache Nummer eins

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut Statistik Austria hierzulande die Todesursache Nummer eins: Jedes Jahr sterben daran über 40 Prozent der Österreicher. Die zweithäufigste Todesursache ist Krebs, daran stirbt in etwa ein Viertel. Auf Platz drei folgen Verletzungen und Unfälle. Alle übrigen Österreicher sterben nach diversen Krankheiten der Atmungsorgane, Verdauungsorgane oder sonstigen Erkrankungen.

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Sport für’s Herz
So sportelt Österreich

Laut Forschungstelegramm des Wiener Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) vom Juli 2015 über die Sportausübung im Bundesländervergleich…

  • … sind die Burgenländer und Vorarlberger am sportlichsten, die Niederösterreicher eher Sportmuffel: Während nur 20 Prozent der Burgenländer nie Sport betreiben, sind 36 Prozent der Niederösterreicher Sportverweigerer (im Österreichschnitt 30 Prozent).
  • … ist der Unterschied bei der Anzahl der wöchentlich sportlich Aktiven gering.
  • … gibt es keine grundsätzlichen Unterschiede bei den beliebtesten Sportarten: Diese sind in allen Bundesländern Radfahren, Wandern, Skifahren, Laufen und Schwimmen.

Buchtipp:

Lovse, Fuchs
Bewegt durch den Alltag.
Das Gesundheitsprogramm für alle

ISBN 978-3-99052-032-1
104 Seiten, € 14,90
Verlagshaus der Ärzte

Stand 10/2015

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