Was Yoga alles kann

Dezember 2016 | Fitness & Entspannung

Fit und gesund mit dem Trend „made in India“
 
Anders als wohl viele vermuten, kann Yoga weit mehr, als nur für Entspannung sorgen. Richtig aus­geführt, macht der Trend „made in India“ Körper, Geist und Seele gleichermaßen fit und hilft auch dann, wenn bereits gesundheitliche Probleme bestehen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Werden Yoga-Praktizierende gefragt, ob sie durch Yoga Veränderungen an sich wahrgenommen haben, sagen so gut wie alle, „Ja“. So war das zumindest bei einer aktuellen Umfrage für eine Studie des deutschen Berufsverbands der Yogalehrer. Auch um welche Veränderungen es sich handelt, erfragte man. Das Ergebnis: Die Yogis antworteten, dass sie sich „körperlich fitter“, „geistig konzentrierter“, „seelisch wohler“ und  auch „entspannter“ fühlen, seit sie Yoga betreiben.
Und das tun weltweit immer mehr. Das Training, das ursprünglich Teil einer indischen philosophischen Lehre war, boomt. In den USA ist die Zahl der Menschen, die sich für Übungen mit klingenden Namen wie „Sonnengruß“, „herabschauender Hund“ oder „Kobra“ begeistern, auf 20 Millionen gestiegen, in Deutschland auf 2,6 Millionen, und hierzulande praktizieren bereits 350.000 Österreicher die Methode „made in India“, Tendenz weiter steigend.
Und das ist auch gut so. Denn die Erkenntnis, dass die Bewegungs- und Atmungslehre neben ihrer positiven Wirkung auf Körper, Geist und Seele auch dann hilft, wenn bereits gesundheitliche Probleme bestehen, beruht nicht mehr nur auf Erfahrungswerten. Das zeigen außerdem immer mehr wissenschaftliche Studien, vorwiegend aus den USA und Deutschland. Für MEDIZIN populär erklärt der Wiener Arzt, Manual- und Yogatherapeut sowie Bestseller-Autor Dr. Peter Poeckh (siehe Buchtipp), was Yoga alles kann.

Yoga hebt die Stimmung
Sie begannen, regelmäßig jede Woche Yoga-Übungen zu machen, und taten dies drei Monate lang: Teilnehmer an einer Studie des Boston University Medical Centers in den USA, die zeigen sollte, ob sich die Yoga-Praxis auf die Stimmung auswirkt. Das Ergebnis: Nach dem Versuch war bei den Probanden der Anteil des Nervenbotenstoffs GABA im Zentralnervensystem, der sowohl stimmungsaufhellend als auch beruhigend wirkt, stark gestiegen. Demgemäß sagten die Neo-Yogis, dass sie sich besser gelaunt fühlten und weniger Angstgefühle hätten, als vor ihrem Einstieg ins Yogi-Leben: Ein Effekt, der vor Missstimmungen schützt und mutmaßlich sogar vor Depressionen. Poeckh dazu: „Yoga besteht aus einer Vielzahl von körperlichen und geistigen Übungen, deren Gemeinsamkeit der gezielt eingesetzte Atem, die atemgeführte Bewegung, ist.“ Und die spezielle Kombination aus Haltungen, Bewegungen und bewusster Atmung sorge dafür, „dass man sich rundum wohler fühlt“. Und besser drauf ist.

Yoga hilft gegen Schmerzen

Yoga regelmäßig jede Woche betrieben und dies neun Wochen bzw. ein halbes Jahr lang: Diese Programme reichten bei Teilnehmern an Studien am US-National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) sowie an der Berliner Charité aus, um chronische Rücken- und Nackenschmerzen zu lindern oder zu vertreiben. Dass Yoga bei Schmerzen im Bewegungsapparat zur Schmerzlinderung und Schmerzfreiheit führt, und das oft schon während der ersten Übungseinheit oder gleich danach, hat auch Poeckh bei seiner Arbeit als Yogatherapeut vielfach erfahren. „Bei über 90 Prozent der Therapierten geht der Schmerz auf Muskelverspannungen oder sogenannte Verklebungen des Bindegewebes beziehungsweise der Faszien zurück, die sich durch Yoga meistens rasch lösen lassen.“ Etwas länger dauert es bis zur Linderung oder Heilung, wenn Gelenke oder Nerven schmerzen – dann müssen durch geeignete Übungen erst Bänder, Sehnen und Muskeln gestärkt werden, bis die Schmerzen abnehmen.

Yoga fördert die Muskelkraft
Nach einiger Zeit des regelmäßigen Yoga-Trainings hatten Probanden des Zentrums für Naturheilkunde im Immanuel-Krankenhaus in Berlin einen ausgeprägteren Muskelapparat als vor dem Beginn. „Wenn das Trainingsziel im strukturellen Muskelaufbau besteht, kann Yoga mit kräftigenden Übungen, Dehnungen und Entspannungszyklen so gestaltet werden, dass der Muskel­aufbau rasch und gezielt eintritt“, sagt Poeckh. Da die Übungen präzise auf die individuellen körperlichen Voraussetzungen abgestimmt werden können, eigne sich Yoga auch besonders gut für die Rehabilitation bzw. die gezielte Muskelkräftigung bei Muskelschwund z.B. nach Verletzungen.

Yoga schult den Gleichgewichtssinn
Teilnehmer an einer Studie der Indiana-University in Indianapolis in den USA praktizierten zwei Monate lang zweimal wöchentlich Yoga. Danach funktionierte ihr Gleichgewichtssinn deutlich besser als davor. Poeckh erklärt, warum das so ist: „Yoga ist ein ausgezeichnetes Training für den Gleichgewichtssinn, da es viele Übungen bietet, die die Balance verbessern, beispielsweise wenn sie auf einem Bein stehend durchgeführt werden.“ Ein besserer Gleichgewichtssinn schützt vor Stürzen – und Verletzungen.

Yoga beugt Verletzungen vor
Die genannten Studien aus den USA und aus Berlin, wonach Yoga den Gleichgewichtssinn schult und die Muskelkraft stärkt, beweisen außerdem, dass Yoga Verletzungen vorbeugt. „Bei Yoga-Übungen werden die innere Struktur der Muskeln, Bänder und Sehnen, ihre Funktion und auch die Funktionsfähigkeit der Gelenke speziell gefordert und gefördert“, erklärt Poeckh. Und sind alle Bestandteile des Bewegungsapparats in Topform, fällt es etwa beim Ausrutschen auf Glatteis leichter, sich wieder zu fangen.

Yoga schärft das Gehirn
Probanden, die für Forschungen an der Charité in Berlin und an verschiedenen Universitäten in den USA Yoga betrieben, und sich anschließend der Lösung neuer geistiger Aufgaben unterzogen, taten sich dabei leichter als Gleichaltrige mit gleicher Bildung und gleichem Lebensstil ohne Yogapraxis. Das Mehr an geistiger Fitness ergibt sich laut Poeckh durch die Konzentration, die für die Ausübung der Haltungen und Bewegungen, die Yoga beinhaltet, nötig ist.

Yoga sorgt für Entspannung

Da Yoga wie erwähnt dafür sorgt, dass der stimmungsaufhellende und beruhigende Nervenbotenstoff GABA im Zentralnervensystem im Gehirn und im Rückenmark vermehrt produziert wird, befreit Yoga von Stress und geistiger Anspannung.  Der Entspannungseffekt der Methode  geht aber auch auf die Entspannung des Körpers, wie des Muskelapparats, zurück. so Poeckh. „Wer sich mithilfe spezieller Bewegungsabfolgen von Muskelverspannungen beziehungsweise von einem damit einhergehenden Unwohlsein oder Schmerzen befreit, ist sowieso insgesamt entspannter.“ Das Übrige dazu tun die begleitenden, Geist und Seele beruhigenden Atemtechniken.

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Fragen & Antworten (von Dr. Peter Poeckh)

  • Wie viel Zeit muss ich aufwenden, damit Yoga wirkt?
    Dreimal in der Woche je 20 bis 30 Minuten aufzuwenden und währenddessen acht bis zehn Übungen zu absolvieren, reicht vollkommen, damit Yoga wirkt.

  • Kann jeder sofort mit Yoga beginnen?
    Grundsätzlich ja. Aber das höchste Prinzip des Yoga ist die Anpassung der Yoga-Übungen an den Praktizierenden, seine Voraussetzungen und Fähigkeiten. Deswegen empfehle ich jedem, der mit Yoga beginnen möchte, zunächst einen Kurs zu besuchen, wo Yogalehrer zu den Übungen anleiten, ehe man eventuell daheim für sich allein nach Anleitungen aus Büchern oder von DVDs weiter macht.

  • Wann ist eine Yogatherapie empfehlenswert?
    Wenn gesundheitliche Probleme bestehen, wie etwa Schmerzen im Bewegungsapparat, ist es erforderlich, zunächst einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache für die Schmerzen abzuklären. Der Arzt entscheidet dann, ob eine Yogatherapie empfehlenswert ist und ob sie ausreicht.

  • Wie beuge ich Yoga-Verletzungen vor?
    Indem ich mir für mich geeignete Übungen von einem Yogalehrer oder Yogatherapeuten zeigen lasse und sie nur in der von ihm angeleiteten Intensität und Ausprägung ausführe.
     
  • Welche Art von Yoga eignet sich für Einsteiger?
    Grundsätzlich die, die für den Einsteiger abhängig von seiner Konstitution und seinem Alter geeignet ist, und die ihm vom Profi empfohlen wurde. 

  • Welcher Sport ist der ideale Begleiter zu Yoga?
    Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking, die das Herz-Kreislauf-System trainieren, sind ideale Begleiter, so wie Yoga auch eine gute Ergänzung zu diesen Sportarten ist. Yoga eignet sich darüber hinaus hervorragend, um einseitige Belastungen bei anderen Sportarten auszugleichen und Verletzungen vorzubeugen.


Buch/DVD-Tipp:

Poeckh,
Gesund durch Yoga.
Praktische Übungen aus der Yogatherapie
Buch ISBN 978-3-86616-303-4
160 Seiten, € 24,95
Verlag Via Nova 2014

und:

Übungen für den unteren Rücken
DVD ISBN 978-3-86616-349-2
65 Minuten, € 14,95

 

Stand 12/2016

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