Gürtelrose

Mai 2016 | Medizin & Trends

Rasche Behandlung ist Um und Auf
 
Der wohlklingende Name täuscht: Die Gürtelrose ist eine höchst schmerzhafte Erkrankung und kann obendrein gefährlich werden. Kommt es zu Komplikationen, sind die Aussichten alles andere als rosig. Ein Experte erklärt, wie die Krankheit behandelt wird – und wie man ihr wirksam vorbeugen kann.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Der blumige Name geht auf die unerfreulichen Aktivitäten zurück, die mit der Krankheit in Gang kommen: Es entwickeln sich äußerst schmerzhafte Bläschen, die gürtel- bzw. bandartig über den Körper verlaufen. Die Bläschen hinterlassen typischerweise Hautentzündungen, die man früher als „Wundrosen“ bezeichnet hat.
Bevor die Haut erblüht, sind die Symptome meist unspezifisch: Man fühlt sich matt, abgeschlagen, hat Fieber oder Gelenkschmerzen. Nach zwei bis drei Tagen bilden sich dann Knötchen auf geröteter Haut, die sich rasch in den schmerzhaften Ausschlag verwandeln. Spätestens jetzt sollte man zum Arzt, etwa dem Hautarzt, um Komplikationen oder einem schweren Verlauf entgegegenzusteuern.

Jeder ein Virusträger

Die verantwortlichen Übeltäter? Varizella-Zoster-Viren, die – bei den meisten schon im Kindesalter – die „Ersterkrankung“ Windpocken (= Feucht- oder Schafblattern) auslösen. Mit dem 40. Lebensjahr haben erwiesenermaßen rund 95 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus im Blut.
Sind die Feuchtblattern abgeheilt, verschwinden die Viren nicht einfach. Sie ziehen sich entlang der Nervenbahnen zu den Nervenwurzeln zurück und „schlafen“. „Der einzige Rückzugsbereich, in dem das Virus nicht direkt vom Immunsystem attackiert werden kann, sind die Ganglien des Nervensystems“, präzisiert Prof. DDr. Martin  Haditsch, Allgemeinmediziner und Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie sowie Tropenmedizin in Leonding. In vielen Fällen kann das Immunsystem das Virus ein Leben lang in Schach halten. Ist die Körperabwehr jedoch geschwächt, kann es zur erneuten Aktivierung des Virus kommen, das dann nicht wieder Windpocken, sondern eine Gürtelrose verursacht. Zwischen ein und drei Prozent der Erwachsenen erkranken in Mitteleuropa daran, in Österreich sind es Schätzungen zufolge rund 12.000 Menschen im Jahr.

Gefährlicher Ausbruch

Besonders gefährdet sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, sei es durch eine HIV-Infektion, eine Krebserkrankung oder spezifische Medikamente. Dazu zählen solche, die  die Funktion des Immunsystems mindern, Immunsuppressiva. Offensichtlich zählt fortgeschrittenes Alter allein zu den Risikofaktoren: Gürtelrose tritt meist im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf, und zwar auch ohne augenscheinliche zusätzliche Belastungen. Großer Stress steht ebenfalls als Auslöser in Verdacht.
Warum genau es zum Ausbruch der Erkrankung kommt, ist noch nicht restlos geklärt, räumt Haditsch ein. „Wahrscheinlich gelingt den Viren aufgrund einer Reduktion der körpereigenen Abwehr – unabhängig von der jeweiligen Ursache – ein Ausbruch aus den Ganglien.“

Gefahr für Augen und Gehirn

Die Erreger wandern dann entlang der Nervenbahnen zurück zur Haut und lösen den typischen Ausschlag aus. Der Hintergrund: Manche Hirnnerven und besonders die Nervenwurzeln des Rückenmarks versorgen bestimmte Hautareale. Kommt es zur Reaktivierung der Viren, entstehen die Bläschen genau an jener von dem jeweiligen Nerv versorgten Stelle der Haut –  mit dem typischen Erscheinungsbild: ein Ausschlag, band- bzw. gürtelförmig und streng einseitig, rechts oder links vom Rumpf.
Im Kopfbereich ziehen die Bläschen kein Band, sind aber umso gefährlicher. Wenn das Virus – in selteneren Fällen – im Bereich der Hirnnerven sitzt und reaktiviert wird, drohen schlimme Folgen. Beim „Zoster ophtalmicus“ etwa, bei dem auch der Trigeminusnerv betroffen ist, kann es zu Hornhaut- und Bindehautentzündungen bis hin zur Erblindung kommen. Beim „Zoster oticus“ kann die Entzündung des Hörnervs bis zur Taubheit führen. Selten sind Lähmungen, insbesondere der Gesichtsmuskulatur, sowie eine Hirn- oder Hirnhautentzündung als hochgefährliche Komplikationen.
Wie die Windpocken kann auch die Gürtelrose Narben zurücklassen. Außerdem kann es vorkommen, dass sich auf die durch Bläschen verursachte Hautentzündung eine weitere bakterielle Infektion „setzt“. Diese „Superinfektion“ muss mit Antibiotika behandelt werden.

Narben und Superinfektion

Den möglichen Risiken zum Trotz verläuft die Erkrankung individuell recht unterschiedlich. In den leichteren Fällen sind die Bläschen nach einigen Tagen ohne weitere Konsequenzen Geschichte. Andere leiden wochen- oder monatelang an den Folgen. Um dem vorzubeugen, sollte die Gürtelrose so rasch wie möglich behandelt werden. Das heißt: in den ersten zwei bis drei Tagen nach Ausbruch der Erkrankung. Wer an sich die typischen, schmerz­haften Hautbläschen entdeckt, sollte rasch mit den richtigen Medikamenten versorgt werden: Virostatika (Mittel gegen die Herpesviren) in Kombination mit Tinkturen für die Haut. Erfolgt die Behandlung zeitgerecht, sind die Heilungschancen sehr gut, Komplikationen oder schwere Verläufe können meist verhindert werden.
Ist die Gürtelrose chronisch geworden, gibt es hingegen keine spezifische Therapie, lediglich die Möglichkeit, die Symptome zu behandeln.

Heftige Nervenschmerzen

Zu den möglichen Komplikationen, von denen geschwächte, alte Menschen eher betroffen sind, zählen chronische Schmerzen. Abhängig vom Alter leiden zwischen zehn und 75 Prozent der Betroffenen nach der Erkrankung an heftigen, brennenden, stechenden Nervenschmerzen, die man als Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet. Die Schmerzen gehen auf eine Schädigung der Nerven durch die Varizellen-Viren zurück und dauern im Durchschnitt drei Jahre. Um das Leiden abzukürzen, und die Schmerzen in den Griff zu bekommen, sollten sie möglichst rasch behandelt werden.
Im Einsatz ist eine Kombination aus antiviralen Medikamenten, Antiepileptika, Antidepressiva und Schmerzmitteln. Wenn diese nicht ausreichend helfen, kann im Einzelfall auch eine Operation mit Betäubung oder Ausschaltung des verantwortlichen Nervs die Schmerzen lindern.  

Hochansteckende Krankheit

„Gürtelrose ist ansteckend wie Windpocken, es gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen“, warnt Haditsch. Besonders Schwangere und Menschen, deren Immunsystem (z. B. durch Medikamente) unterdrückt ist, sollten weder mit Windpocken- noch mit Gürtelrosepatienten in Kontakt kommen. „Hatte man nie zuvor Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus und wird von einem Gürtelrosepatienten infiziert, bekommt man Windpocken“, erklärt Haditsch. Wer, wie die meisten Erwachsenen, früher bereits Feuchtblattern durchgemacht hat, kann sich bei einem Gürtelrosepatienten nicht mehr anstecken. „Sollte dann eine Gürtelrose ausbrechen, geschieht dies, weil die eigenen Viren aufgrund einer Abwehrschwäche wieder aufgeweckt wurden – und nicht, weil man sich bei einem Erkrankten neu infiziert hat“, räumt Haditsch mit einem verbreiteten Irrglauben auf.

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Gürtelrose: Das sollten Sie wissen

  • Gürtelrose ist eine hochansteckende Erkrankung, hervorgerufen durch Varizella­Zoster-Viren, die auch die Windpocken (= Schaf- bzw. Feuchtblattern) auslösen.
  • Wenn Sie einen schmerzhaften Bläschenausschlag auf der Haut bemerken, sollten Sie einen Arzt, am besten einen Hautarzt, aufsuchen!
  • Eine rechtzeitige Behandlung – am besten in den ersten zwei bis drei Tagen nach Ausbruch der Erkrankung – verhindert mögliche Komplikationen.
  • Risikopersonen (z. B. Menschen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Menschen) sind besonders gefährdet, an Gürtelrose zu erkranken.
  • Menschen ab dem 50. Lebensjahr wird eine Impfung gegen Gürtelrose empfohlen.

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Varizellen-Impfung: Vorbeugung und Therapie

Die beste Maßnahme, um sowohl die Erstinfektion als auch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus zu verhindern: eine spezielle Impfung. „Neben dem isolierten Varizellen-Impfstoff gibt es für Kinder mittlerweile den Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen“, erklärt der Allgemein- und Tropenmediziner und Mikrobiologe Prof. DDr. Martin Haditsch. Wenn man unsicher ist, ob man die Krankheit durchgemacht hat und den sicheren Schutz braucht – das betrifft etwa Frauen mit Kinderwunsch – sollte man entweder einen Bluttest machen oder sich impfen lassen. „Mit der Impfung verhindert man in sehr hohem Ausmaß die Infektion mit dem Wildvirus“, betont Haditsch. Allerdings kann nach durchgemachten Windpocken mit dieser Impfung eine Gürtelrose nicht verhindert werden. Dazu dient die höher dosierte Gürtelrose-Impfung, die ab dem 50. Lebensjahr empfohlen wird. „Die Impfung gegen Gürtelrose enthält die 14-fache Dosis an Varizella-Zoster-Impfviren im Vergleich zur Impfung gegen Windpocken“, sagt Haditsch. Dies ist die notwendige Menge, um das Immunsystem ausreichend zu stimulieren. Dann zirkulieren auch im Fall einer Abwehrschwäche ausreichend Abwehrstoffe, um zu verhindern, dass die Viren wieder aktiv werden. Die Impfung ist auch dann empfehlenswert, wenn man bereits einmal an Gürtelrose erkrankt oder von einer Post-Zoster-Neuralgie, chronischen Nervenschmerzen, betroffen ist.

Stand 04/2016

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