Kopfschmerzen

Juni 2016 | Medizin & Trends

Alles über das verbreitete Leiden
Was verursacht Kopfschmerzen? Was kann man selber tun, um die Schmerzen loszuwerden? Wann soll man zum Arzt gehen? Fragen wie diese beantwortet der Leiter der Kopfschmerzambulanz an der Universitätsklinik für Neurologie des Wiener AKH, Univ. Prof. Dr. Christian Wöber für MEDIZIN populär.Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Was verursacht Kopfschmerzen?


Univ. Prof. Dr. Christian Wöber

Für Kopfschmerzen ist in 90 Prozent der Fälle keine Ursache feststellbar. Sie sind ein eigenständiges Leiden, deswegen werden sie primäre Kopfschmerzen genannt. Die Auslöser dieser Kopfschmerzen können Schlafmangel, zu viel Schlaf, Flüssigkeitsmangel zum Beispiel nach dem Sport, ein längerer Aufenthalt in schlechter Luft oder Stress sein. Zu Migräneattacken kann es auch durch flackerndes oder grelles Licht, Lärm oder Gerüche kommen. Bei Frauen treten oft vor der Blutung oder während der Blutung Kopfschmerzen auf.

Gibt es auch Männer-spezifische Auslöser für Kopfschmerzen?

Nein. Männer haben außerdem viel seltener Kopfschmerzen als Frauen.

Wenn Kinder Kopfweh haben, was steckt dann meist dahinter?

Kinder haben oft Kopfschmerzen, wenn sie belastet sind, zum Beispiel durch Schulprobleme. Ein anderer Auslöser ist eine zu intensive Nutzung von Elektronik auch noch vor dem Schlafengehen. Studien zeigen, dass das bläuliche Licht, das von TV- und PC-Schirmen sowie Handy-Displays ausgeht, die Produktion des Schlafhormons Melatonin reduziert, wodurch man schlecht schläft und am nächsten Tag Kopfweh hat. Da geht es Erwachsenen, die sich so verhalten, aber vielfach genauso.

Welche Ursachen können die zehn Prozent der Kopfschmerzen haben, die kein eigenständiges Leiden sind?

Diese zehn Prozent der Kopfschmerz-Fälle, die sekundären Kopfschmerzen, sind die Begleiterscheinung einer Krankheit, wie etwa einer Erkältung.

Können bestimmte Wetterverhältnisse zu Kopfschmerzen führen?

Einerseits erweist sich in Studien immer wieder, dass die Wetterlage generell keinen Einfluss auf das Auftreten von Kopfschmerzen hat. Andererseits geht aus Berichten mancher Kopfschmerzpatienten hervor, dass bei ihnen sehr wohl ein Zusammenhang zwischen bestimmten Wetterlagen und Kopfschmerzen besteht.

Wie äußern sich Kopfschmerzen?

Die weitaus häufigste Kopfschmerzart, der Spannungskopfschmerz, wird von Betroffenen als drückend und dumpf beschrieben. Begleiterscheinungen gibt es beim Spannungskopfschmerz kaum. Bei der zweithäufigsten Kopfschmerzart, der Migräne, die als klopfend und pochend beschrieben wird, schon: Migränepatienten leiden während der Attacken oft auch unter einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm oder Gerüchen und an Übelkeit bis hin zum Erbrechen.

Was schmerzt eigentlich genau, wenn der Kopf schmerzt?

Das Gehirn an sich schmerzt nicht, nur die Hirnhaut kann schmerzen. Außerdem können andere Strukturen, wie verspannte Muskeln im Nacken eine Rolle spielen.

Was kann man selber tun, um Kopfschmerzen loszuwerden?

Wer ein-, zweimal im Monat Kopfschmerzen hat, kann den Schmerzen durch regelmäßig betriebenen Ausdauersport vorbeugen. Das liegt unter anderem daran, dass Laufen, Radfahren oder Schwimmen für eine bessere Durchblutung und Sauerstoffversorgung des gesamten Körpers und so auch des Gehirns sorgen, und die Schlafqualität verbessern. Zusätzlich ist es ratsam, vermeidbare Auslöser zu meiden, wie etwa Flüssigkeitsmangel. Ist der Schmerz trotz Vorsichtsmaßnahmen da, kann es schon helfen, Pfefferminzöl auf die Schläfen zu geben. Wenn jemand hin und wieder Kopfschmerzen hat, spricht auch nichts dagegen, eine Kopfschmerztablette zu nehmen. Häufig sollte man dies aber nicht tun, da solche Tabletten, im Übermaß konsumiert, ebenfalls Kopfschmerzen auslösen.

Wie kommt es dazu?

Aus vielen Gründen, unter anderem aufgrund einer Gewöhnung an die Inhaltsstoffe. Wenn der Körper  dann länger keine Tablette mehr bekommt, reagiert er mit Entzugserscheinungen in Form von Kopfschmerzen.

Wann soll man wegen Kopfschmerzen zum Arzt gehen?

Bei Kopfschmerzen wie noch nie davor im Leben. Wenn plötzlich starke Schmerzen auftreten, und wenn schmerzstillende Medikamente nicht binnen zwei Stunden wirken. Auch, wenn Kopfschmerzen jede Woche einmal oder noch öfter auftreten.

Welche Möglichkeiten der Therapie hat der Arzt?

Das hängt davon ab, um welche Art von Kopfschmerzen es sich handelt. Bei den sekundären Kopfschmerzen muss die Ursache therapiert werden, um eine Besserung zu erzielen. Bestehen primäre Kopfschmerzen, wie ein Spannungskopfschmerz, gibt es eine breite Palette an Möglichkeiten – vom Pfefferminzöl auf den Schläfen bis hin zu speziellen Medikamenten. Sind die Schmerzen chronisch, kann ein Antidepressivum helfen. Antidepressiva, Antiepileptika und Betablocker, eigentlich Mittel gegen Bluthochdruck, und Triptane helfen bei Migräne. Die Anzahl und Schwere der Attacken lässt sich mit Mutterkraut oder Vitamin B 2, Coenzym Q 10 und Magnesium reduzieren. Bei Muskelverspannungen ist eine Physiotherapie überlegenswert, bei psychischen Belastungen eine Verhaltens- oder Gesprächstherapie.

Warum sollen Kopfschmerzpatienten einen Kopfschmerzkalender führen?

Die Aufzeichnungen helfen dabei, die Art der Kopfschmerzen zu bestimmen und so die passende Behandlung zu finden.

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Daten & Fakten: Kopfschmerzen

 

  • Häufigkeit: Zwei Drittel aller Österreicher haben mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen.
  • Arten: Die mehr als 200 Arten von Kopfschmerzen werden in zwei Kategorien geteilt: Primäre Kopfschmerzen, die für sich genommen bestehen und 90 Prozent aller Kopfschmerzen ausmachen. Die übrigen zehn Prozent, die sekundären Kopfschmerzen, sind die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung.
  • Die häufigsten Unterarten: Der Spannungskopfschmerz (40 Prozent der Österreicher sind einmal im Monat betroffen, bis zu fünf Prozent an mehr als 14 Tagen pro Monat) und die Migräne, an der zehn Prozent leiden.

Webtipp:
Kopfschmerzkalender der Wiener Universitätsklinik für Neurologie zum kostenlosen Download auf www.medizinpopulaer.at/downloads

Stand: 05/2016

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