Zahnimplantate

Mai 2016 | Medizin & Trends

Wann ist ein Zahnimplantat empfehlenswert? Wie läuft das Setzen eines Implantats ab? Müssen Zahnimplantate speziell gepflegt werden? Fragen, die der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Implantologie (ÖGI), Assoz. Prof. DDr. Michael Payer von der Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit an der Medizinischen Universität Graz für MEDIZIN populär beantwortet.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Wann ist ein Zahnimplantat empfehlenswert?


Assoz. Prof. DDr. Michael Payer

Die Versorgung mit einem Zahnimplantat ist empfehlenswert, wenn ein Zahn oder mehrere Zähne ersetzt werden sollen. Außerdem kann man mit Zahnimplantaten Einzelzahnkronen oder mehrgliedrige Zahnbrücken verankern und herausnehmbaren Prothesen zusätzlichen Halt geben.

Welche Alternativen gibt es?

Eine Alternative zur Versorgung von Zahnlücken mit Implantaten ist die Anfertigung einer Brücke, die an benachbarten Zähnen befestigt ist. Der Nachteil von Brücken ist, dass dafür Zähne beschliffen werden müssen, also gesunde Zahnsubstanz ‘geopfert’ werden muss. Eine weitere Alternative zu Implantaten sind herausnehmbare Teil- oder Vollprothesen. Bei jungen Patienten bietet sich noch die Möglichkeit, Zahnlücken mit einer Zahnspange zu schließen oder eine Zahntransplantation durchzuführen.

Kann sich jeder ein Zahnimplantat einsetzen lassen?

Prinzipiell ja. Bei jungen Patienten unter 18 Jahren sind wir mit Implantaten aber zurückhaltend, da der Kiefer in diesem Alter noch wächst. Im Frontbereich des Oberkiefers hält das Wachstum häufig sogar noch bis zum 30. Lebensjahr an. Würde man während des Wachstums ein Implantat setzen, wären sowohl ästhetische als auch funktionelle Probleme die Folge, da das Implantat ja nicht mitwächst. Nach oben gibt es kein Alterslimit, allerdings andere Hindernisse.

Welche Hindernisse?

Ältere Patienten leiden häufig an Allgemeinerkrankungen und müssen Medikamente nehmen, die den Erfolg einer Versorgung mit einem Implantat negativ beeinflussen können, wie zum Beispiel Medikamente zur Behandlung von Osteoporose. Sehr alte Menschen sind aus verschiedenen Gründen außerdem manchmal nicht mehr in der Lage, sich gründlich genug die Zähne zu putzen. Das erhöht die Gefahr für eine Entzündung, eine Periimplantitis, und den Verlust des Implantates.

Gibt es Krankheiten, die ein Implantat unmöglich machen?

Nicht möglich ist der Einsatz von Implantaten zum Beispiel bei Patienten, deren allgemeiner Gesundheitszustand so schlecht ist, dass der operative Eingriff ein Risiko darstellt. Auch während Therapien zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen, Chemo- oder Strahlentherapien, ist das Einbringen von Implantaten nicht möglich.

Kann man auf ein Implantat allergisch reagieren?

Implantate bestehen in der Regel aus Titan. Zelluläre Typ IV-Sensibilisierungen auf Titan im Sinn einer Allergie sind eine Rarität. Ebenso sehr, sehr selten kommen Reaktionen im Sinn einer Unverträglichkeit vor.

Was ist, wenn der Kieferknochen nicht für ein Implantat geeignet ist?

Wenn das Knochenangebot nicht ausreicht, um ein Implantat im Kiefer verankern zu können, kann der Knochen meistens wieder aufgebaut werden, während das Implantat eingebracht wird. Bei ausgedehnten Knochendefekten ist es manchmal nötig, noch vor dem Setzen des Implantats den Knochen aufzubauen. Dafür werden Knochenersatzmaterialien verwendet und/oder eigenes Knochenmaterial, das mittels Ultraschall-Technik aus dem hinteren Unterkiefer gewonnen oder während des Bohrvorgangs gesammelt wird.

Wie läuft das Setzen eines Implantates ab?

Zunächst wird das Implantat in den Kieferknochen eingebracht. Danach dauert es etwa zwei bis drei Monate, bis das Implantat eingeheilt ist. In dieser Zeit wächst der Kieferknochen direkt an die Implantatoberfläche heran. Nach der Einheilphase wird das Implantat, das in der Regel unter dem Zahnfleisch einheilt, freigelegt und für den Abdruck vorbereitet, der für die Herstellung der Zahnkrone nötig ist. Ist die Krone fertiggestellt, wird sie durch Verschrauben oder Zementieren am Implantat befestigt.  

Oft wird doch aber auch angeboten, das gesamte Prozedere an einem Tag zu erledigen?

Wenn das Knochen- und Weichgewebsangebot ausreichend ist, ist es möglich, Implantate sofort mit Kronen oder Brücken zu versorgen. Dafür sind aber eine 3-D-Diagnostik und eine Behandlungsplanung bis zur Schablonen-geführten Chirurgie sowie digitale Techniken zur Abdrucknahme und Herstellung der Versorgung nötig. Außerdem sind diese Sofort-Versorgungen sicherlich als komplexer und auch risikoreicher einzustufen.

Muss man sonst in der Zeit zwischen dem Einbringen des Implantats und dem Aufsetzen der Krone mit einer Zahnlücke leben?

Nein, die Zahnlücke wird unmittelbar nach der Zahnentfernung mit einem Provisorium versorgt, das auch nach dem Einbringen des Implantats getragen werden kann.

Ist das Einbringen eines Implantats schmerzhaft?

Dank gut wirksamer Betäubungsmittel spürt der Patient während der Implantation keine Schmerzen. An den ein bis drei Tagen nach dem Eingriff helfen entzündungshemmende Schmerzmittel.

Muss man vor oder nach dem Eingriff etwas Bestimmtes beachten?

Vorher nein. Unmittelbar danach sollte man wegen der vorangegangenen Anästhesie kein Auto und auch kein anderes Fahrzeug lenken. An den ersten drei Tagen nach dem Eingriff ist es außerdem ratsam, körperliche Anstrengung zu meiden.

Müssen Zahnimplantate speziell gepflegt werden?

Ein Implantat benötigt die gleiche Pflege wie ein eigener Zahn. Zu dieser Pflege gehört es, sich zweimal täglich die Zähne zu putzen und einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide, Super-Floss oder Zahnzwischenraum-Bürsten zu reinigen. Wie oft eine professionelle Mundhygiene und Kontrollen zur Nachsorge beim Zahnarzt nötig sind, wird individuell auf den Patienten und vor allem seine Hygienefähigkeit abgestimmt.

Ist man mit einem Implantat beim Essen oder sonst wie eingeschränkt?

Nein, viele Patienten vergessen nach einiger Zeit sogar fast, dass sie ein Implantat haben.

Wie lang hält ein Implantat?

Bei guter Pflege durch den Patienten und regelmäßiger Nachsorge durch den Zahnarzt ist ein Implantat eine sehr langfristige Versorgung. Studien belegen unter diesen Voraussetzungen eine Haltbarkeit von 15 bis 20 Jahren und mehr. Auch ich habe viele Patienten gesehen, die ihr Implantat schon seit über 20 Jahren haben. 

Wonach richten sich die Kosten?

Die Kosten richten sich vor allem nach dem Aufwand, der mit der Behandlung verbunden ist und werden höher sein, wenn beispielsweise zusätzlich ein Knochenaufbau während oder vor der Implantation nötig war.

Wozu dient der Implantatpass, den man nach dem Einbringen eines Implantats erhält?

In den Implantatpass werden Marke und Dimensionen des Implantats eingetragen. Mit diesen Informationen ist es jedem Zahnarzt möglich, ein Implantat mit einer Krone zu versorgen oder Teile des Zahnersatzes zu warten oder auszutauschen.

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Was ist ein Zahnimplantat?

Ein Zahnimplantat ist eine Schraube aus Titan oder Zirkonoxid, die in den Kieferknochen eingebracht wird und die Zahnwurzel ersetzt. Auf die Schraube wird die Zahnkrone aus Keramik gesetzt. Je nach Lage des Implantats lassen sich an ihm aber auch mehrere Zahnkronen befestigen – laut Assoz. Prof. DDr. Michael Payer bis zu vier. Daher ist es möglich, mit wenigen Implantaten einen gesamten Zahnersatz zu schaffen und sich bei Zahnlosigkeit die Vollprothese zu ersparen.

Stand 04/2016

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