Kräuter zum Trinken

Januar 2017 | Ernährung & Genuss

So gesund sind Kamillentee & Co
 
Vom Baldrian über die Kamille bis zum Spitzwegerich: Kräuter zum Trinken bzw. Kräutertees haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und helfen sogar dann, wenn bereits Beschwerden aufgetreten sind – dies aber nur, wenn es sich dabei um kontrollierte, hochwertige Ware, sprich: Arzneitees, handelt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Ob der Baldrian gegen Unruhe und Schlafstörungen, die Kamille gegen Magen- und Darmprobleme, der Spitzwegerich gegen Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut: Dass gewisse Kräuter bestimmte Wirkungen auf die Gesundheit haben, weiß der Mensch schon seit Tausenden Jahren – Schriften aus dem Altertum, etwa der alten Ägypter, Chinesen oder Inder, dokumentieren dies. Was anno dazumal wohl nur durch Probieren, Beibehalten oder Verwerfen herausgefunden werden konnte, wird aktuell immer wieder im Zuge verschiedener Forschungen mithilfe moderner Untersuchungsmethoden bestätigt.
So ist auch die Wirkung von Kräutern zum Trinken bzw. Kräutertees auf die Gesundheit nachgewiesen. Wird die Wiener Ernährungswissenschafterin Mag. Marlies Gruber, die wissenschaftliche Leiterin des Vereins zur Förderung von Ernährungsinformation „forum ernährung heute“ ist, nach dieser Wirkung gefragt, schickt sie eines voraus: „Hier muss man ganz klar unterscheiden, und zwar zwischen Kräutertees, die zum Beispiel im Supermarkt erhältlich sind, und Kräutertees aus der Apotheke.“ Kräutertees aus der Apotheke, also Arzneitees, werden aus kontrollierter, hochwertiger Ausgangsware hergestellt, aus Heilpflanzen, die besonders sorgfältig geerntet und verarbeitet sowie speziell verpackt werden. Sie können mehr, sie helfen gegen verschiedene gesundheitliche Beschwerden. Gruber über den Grund: „Das liegt daran, dass der Wirkstoffgehalt in den Arzneitees deutlich höher ist als in herkömmlichen Kräutertees.“ Bei vielen Sorten sogar doppelt so hoch.    

Heilung durch sekundäre Pflanzenstoffe
Nur was genau ist es, das Kräuter zum Trinken zur Arznei macht? „Das sind die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe, die in den Pflanzen stecken“, erklärt Gruber. Dies nicht nur in den Blättern, auch in Blüten, in Früchten, der Rinde, den Samen und Wurzeln. Die wirksamsten Wirkstoffe unter diesen Pflanzenstoffen sind die ätherischen Öle, die der Pflanze dazu dienen, Schädlinge abzuwehren oder Insekten zur Bestäubung anzulocken. Sie werden über den Wasserdampf inhaliert, der aus dem Tee aufsteigt. Zusätzlich entfalten sie ihre Wirkung im Mund- und Rachenraum sowie im gesamten übrigen Verdauungstrakt. Gruber: „So wirken zum Beispiel die ätherischen Öle Anethol und Fenchol im Fenchel gegen Magen- und Darmprobleme wie ein Völlegefühl, das Menthol in der Pfefferminze gegen Magenverstimmungen, aber auch gegen Kopfschmerzen.“ Wirksame sekundäre Pflanzenstoffe sind laut der Ernährungswissenschafterin des Weiteren „Bitterstoffe, wie sie zum Beispiel in den Blättern des Löwenzahns stecken“. Den Pflanzen dienen die Bitterstoffe als Schutz vor Fraß, bei uns Menschen aktivieren sie die Galle, bringen so die Verdauung auf Trab und helfen daher bei Magen- und Darmproblemen. Und auch die Flavonoide, jene Pflanzenstoffe, die der Pflanze ihre Farbe geben, wirken. Gruber: „Die Flavonoide der Kamille helfen beispielsweise ebenfalls bei Magen- und Darmproblemen.“ (siehe auch „15 Kräuter und Ihre Wirkungen“, unten)

Korrekte Zubereitung sehr wichtig
Um das Beste aus einem Arzneitee herauszuholen, ist die korrekte Zubereitung sehr wichtig. „Dabei sollte man sich an die Anweisungen auf der Packung halten“, rät Gruber. Die Zubereitungsart richtet sich danach, welche Inhalts- und Wirkstoffe aus den Pflanzen herauszulösen sind. Meistens werden die Kräuter mit heißem Wasser übergossen und nach einer bestimmten Zeit abgeseiht, eine Zubereitung, die sich „Infus“ nennt. Oft wird auch „Dekokt“ praktiziert, wo Pflanzenteile gekocht und abgeseiht werden. Bei „Mazerat“ werden Pflanzenteile mit kaltem Wasser aufgegossen und nach einer bestimmten Zeit abgeseiht. Ob man den Tee lose in die Tasse gibt, oder ob man einen Teebeutel oder ein Teeei verwendet, hat keinen Einfluss auf die Wirkung. Bezüglich der Dosierung, also in den Fragen, wie viele der getrockneten Kräuter man in die Tasse gibt, wie viele Tassen pro Tag empfehlenswert sind und über wie viele Tage lang der Tee getrunken werden soll, folgt man laut Gruber am besten auch den Angaben der Hersteller, denn: „Arzneitees sind eine Arznei, und eine Überdosierung ist zwar nicht lebensbedrohlich, könnte aber zu Unwohlsein führen.“ Ist der Arzneitee angerichtet, gilt aber generell eines: Man sollte ihn zugedeckt ziehen und nicht lang stehen lassen, denn dann hätte man nicht viel davon, besser ist, das Getränk relativ zügig zu sich zu nehmen. Gruber erklärt, warum: „Wenn der Tee lang stehen gelassen wird, verflüchtigen sich einerseits die wertvollen Inhaltsstoffe, andererseits können enthaltene Pilzsporen wieder auskeimen.“

Gesteigertes Wohlbefinden durch Aroma
Zügig konsumieren sollte man auch die Kräutertees aus dem Supermarkt oder dem Teegeschäft, die eigentlich nur teeähnliche Erzeugnisse sind und als Lebensmittel gelten. Denn lässt man diese Tees länger stehen, geht das angenehme Aroma verloren, und zumindest mit dem Aroma fördern sie die Gesundheit – insofern, als sie das Wohlbefinden steigern. Diesem zuträglich ist wohl vielfach auch das Ritual der Zubereitung, meint Gruber: „Allein, wer sich die Zeit nimmt, sich einen Tee zuzubereiten, und diesen in Ruhe genießt, tut sich etwas Gutes.“

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Frage der Definition:
Was ist „Tee“?

Als Tee dürfen strenggenommen nur Sorten bezeichnet werden, die von der Teepflanze stammen, also schwarzer, grüner und weißer Tee. Kräuter- und Früchtetees aus dem Supermarkt oder dem Teegeschäft sind „teeähnliche Erzeugnisse“, die als Lebensmittel gelten. Arzneitee ist ein Arzneimittel und unterliegt dem Arzneimittelgesetz. Wie hoch der Wirkstoffgehalt in den einzelnen Sorten sein muss, ist im Österreichischen Arzneimittelbuch festgehalten.

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Wie lagere ich Kräutertees richtig?

Sowohl Arzneitee als auch herkömmlichen Kräutertee lagert man am besten eher kühl und in dicht schließenden, dunklen Gefäßen – so behalten die Tees ihre Wirkung bzw. ihr Aroma am längsten und sind vor Schädlingsbefall geschützt.

Wie trinke ich Kräutertees?

Mag. Marlies Gruber empfiehlt, weder den Arzneitee noch anderen Kräutertee nach der Zubereitung lang stehen zu lassen:
Bei dem einen verflüchtigen sich dadurch die wertvollen Inhaltsstoffe, der andere verliert sein Aroma. Da selbst kochendes Wasser Pilzsporen nicht abtötet, können diese nach einiger Zeit wieder auskeimen.  

Was können Kräutertees leisten?

Arzneitees aus der Apotheke bieten die Garantie, aus hochwertiger, kontrollierter Ausgangsware hergestellt zu sein, Heilpflanzen, die sorgfältig geerntet und verarbeitet sowie verpackt werden. Aufgrund des sehr hohen Wirkstoffgehalts helfen sie gegen verschiedene gesundheitliche Beschwerden. Bio-Kräutertees sind frei von Pestiziden und Schwermetallen, doch enthalten sie nicht mehr Wirkstoffe als andere Kräutertees aus dem Supermarkt oder dem Teegeschäft. Diese herkömmlichen Kräutertees können durch ihr Aroma oder das Ritual der Zubereitung das Wohlbefinden steigern.

Wie wirken Kräutersaft und Kräuterschnaps?

So wie ein Arzneitee hat auch ein Pflanzensaft aus der Apotheke, der aus Heilpflanzen gepresst wird, heilende Wirkung. Das gilt aber nur, wenn der Kräutersaft nach dem Öffnen und Einschenken sofort getrunken wird. Bleibt der Kräutersaft etwas länger stehen, verflüchtigen sich die heilenden Substanzen. Auch der restliche Saft in der geöffneten Flasche behält nicht lang seine Wirkung und sollte binnen weniger Tage nach dem Öffnen verbraucht sein. Alkoholhaltige Kräuterlösungen wie Kräuterschnaps oder Kräuterlikör halten hingegen lang. Ihre Wirkung geht laut Ernährungswissenschafterin Mag. Marlies Gruber jedoch eher auf den Alkohol zurück, der dämpfend wirkt, wodurch diverse Beschwerden weniger spürbar sind.

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15 Kräuter & ihre Wirkungen

  • Baldrian: Hilft gegen Unruhe und Schlafstörungen.
  • Brennnessel: Wirkt entzündungshemmend und harntreibend.
  • Eibischkraut: Beugt Erkrankungen der Atemwege vor und hilft gegen Atemwegserkrankungen.
  • Fenchel: Hilft bei Erkrankungen der Atemwege und Magen- und Darmbeschwerden.
  • Holunder: Wirkt bei Erkältungskrankheiten.
  • Johanniskraut: Wirkt stimmungsaufhellend.
  • Kamille: Lindert Magen- und Darmbeschwerden
  • Lindenblüte: Hilft bei Erkältungskrankheiten.
  • Löwenzahn: Steigert die Abwehrkräfte.
  • Malve: Lindert Magen- und Darmbeschwerden.
  • Melisse: Wirkt bei Erkältungskrankheiten und bringt Entspannung.
  • Pfefferminze: Wirkt gegen Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen.
  • Purpursonnenhut: Beugt Erkältungskrankheiten vor.
  • Spitzwegerich: Hilft bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
  • Schafgarbe: Lindert Magen-, Darm-, Menstruations- und Wechselbeschwerden.

Buchtipp:
Klein
Pflanzenkraft für die Frau.
Wechselbeschwerden, Prämenstruelles Syndrom, Harnwegsinfekte & Co.
ISBN 978-3-99052-103-8
160 Seiten, € 14,90
Verlagshaus der Ärzte
April 2015

 

Stand 01/2017

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