Schwitzen, aber richtig

September 2017 | Fitness & Entspannung

So finden Sie das passende Fitnessstudio
 
Sie boomen allerorts: Fitnessstudios, die sich vielfältige Schwerpunkte setzen – vom Crossfit- bis zum Gesundheitstraining. Doch was bewirken diese eigentlich? Und wie verschafft man sich im Dickicht des Studiodschungels einen Überblick? MEDIZIN populär informiert, wie man das passende Studio für seine Workouts findet.
 
Von Wolfgang Kreuziger

Es wird gestemmt, geturnt oder in die Ergometer-Pedale getreten: So viel Schweiß wie derzeit ist noch nie in den heimischen Fitnessstudios geflossen. Laut den neuesten Zahlen der internationalen Unternehmensberatung Deloitte hat seit dem Vorjahr die Zahl der Fitnesseinrichtungen in Österreich die 1000 überschritten. 740.000 rot-weiß-rote Hobbyathleten geben dort monatlich im Schnitt 53 Euro aus. Allerdings gibt es nicht nur laufend mehr, sondern vor allem zunehmend spezialisierte Studios mit Schwerpunkten, die manchen potenziellen Neukunden ratlos zurücklassen. „Es bringt wenig, sich wahllos bei irgendeinem Fitnessstudio einzuschreiben“, glaubt Sportarzt Dr. Peter Schödl, Leiter des Medical Centers Hoch-Form in Wien. Nicht nur niedrige Preise oder die angeschlossene coole Sportbar sollte bei der Auswahl ausschlaggebend sein. „Der Gesundheit zuliebe sollte man genau überlegen, wo man künftig schwitzt“, betont Schödl.

Vorm Startschuss zum Sportarzt 

Bevor der allererste Schweißtropfen rinnt, steht für Schödl eine ausführliche medizinische Voruntersuchung am Beginn jeder Fitnesscenter-Auswahl. Nur wenige hochpreisige Fitnessstudios bieten diese an – und wenn, dann meist erst nach abgeschlossener Mitgliedschaft. „Ich empfehle allen Trainingswilligen ab 35 Jahren – speziell, wenn schon länger kein Sport betrieben wurde –, und vor allem älteren oder gesundheitlich eingeschränkten Menschen, einen solchen Gesundheitscheck vorab bei einem unabhängigen Sportarzt machen zu lassen“, betont er. Zur Untersuchung gehören nicht nur eine vollständige Erörterung der Krankengeschichte, der allfälligen Medikamenteneinnahme oder erblich bedingter Risiken wie Bluthochdruck und Schlaganfall. Auch eine Abklärung vorhandener Muskelverkürzungen, Gelenkseinschränkungen sowie ein Belastungs-EKG sollten dabei sein, um die Tauglichkeit für maximale Anstrengungen festzustellen.        

Muskeln für Selbstwert und Gesundheit

Mit diesem Sicherheitsnetz kann eine Trainingsüberlastung leicht vermieden werden und der Betroffene erfährt oft auch gleich, welche Trainingsform für ihn passend ist. So sind nicht nur Männer, die gerne mit großen „Muckis“ in der Sauna posieren, beim Krafttraining gut aufgehoben, sondern ebenso Menschen mit Gelenks- oder Bandscheibenproblemen. Für Diabetiker wiederum wirkt sich eine hohe Muskelmasse positiv auf die Insulinsensitivität aus. Für diese Gruppe von Hobbysportlern empfiehlt der Sportarzt zum Beispiel stationäres Training an Kraftmaschinen mit Gewichten, wo gezielt Muskeln aufgebaut und Gelenke gestärkt werden können. Bei orthopädischen Problemfällen wie Arthrosen sind Studios mit „gesundheitsorientiertem Krafttraining“ angesagt. Ihr großes Plus: Spezielle Maschinen, auf denen man, starr in den Sitz eingespannt, bestimmte Muskeln isoliert trainieren kann und damit Verletzungen durch falsche Haltung vermeidet. In diesen etwas teureren Einrichtungen ist zudem das Betreuungspersonal meist sehr gut geschult und ein Arzt ständig anwesend. Nachteil: Es finden sich hier in der Regel keine Ausdauergeräte wie Ergometer.

Crossfit und Ausdauertraining  

Andere Trainingsformen wie etwa das Crossfit-Training setzen weniger auf „Muskelberge“ als vielmehr auf koordinative Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (z. B.) Kniebeugen oder verwenden freie Gewichte (z. B. Kettlebells, eine Art Kurzhanteln). Dabei sollen Kraft und Ausdauer im Einklang verbessert werden. Älteren oder körperlich Eingeschränkten würde Sportarzt Schödl diese Trainingsart nur bedingt empfehlen, da die Verletzungsgefahr erhöht ist. In etwas moderaterer Form setzen neuerdings manche Frauenfitnessstudios auf dieses Konzept ohne Maschinen. „Ich finde die derzeitige Entwicklung hin zu speziellen Studios etwa für Frauen sehr gut“, betont der Sportmediziner. „Wenn sich die Mitglieder wohl fühlen, weil sie unter sich bleiben, trainieren sie auch lieber.“    

Training aus der Steckdose

Besonders gefragt ist derzeit, während der schweißtreibenden Workouts in EMS-Instituten (Elektro-Myo-Stimulationstraining) „unter Strom“ zu stehen: Die Sportler müssen bei einem koordinativen Kraft-Ausdauer-Training zusätzlich gegen den Widerstand leichter Stromstöße ankämpfen, die durch eine Spezialweste und Elektroden auf den Körper übertragen werden. „Es kommt dabei zu intensiveren Muskelkontraktionen, wodurch in kurzer Zeit ein hoher Trainingseffekt möglich ist“, erklärt Schödl dieses Prinzip, das Fitness in kurzen Einheiten von 15 oder 20 Minuten verspricht. „Dieses Training ist aus medizinischer Sicht vor allem für sportliche und umsichtige Menschen geeignet. Wenn der Strom nämlich für ehrgeizige Kunden zu hoch dosiert wird, besteht die Gefahr von leichten Trainingsbeschwerden wie Kopfweh und im Extremfall bis hin zu einer Schädigung der Nieren.“     

Betreuung als Zünglein an der Waage
Ob nun Maschinen-, Crossfit- oder EMS-Training: Aus Sicht des Sportarztes muss am Anfang vor allem die persönliche Betreuung passen. Schödl empfiehlt zumindest drei Wochen lang eine wiederholte, kompetente Begleitung einzelner Workouts durch qualifizierte Coaches, selbst wenn dies ein kostenpflichtiges Extra ist. „Weiß der Trainierende erst einmal genau über Übungen, Durchführungen und mögliche Trainingsfehler Bescheid, spricht bei gesunden Menschen danach nichts gegen Diskont-Fitnessketten, bei denen es keine ständig verfügbaren Trainer oder Ärzte gibt.“ Die Qualifikation der Trainer vor Ort kann erfragt werden, sagt Schödl. „Durch viel Nachfragen wird schnell offenbar, wer sich auskennt.“ Für die Zeit nach der Einführung sollte vom Coach im besten Fall ein exakter Trainingsplan mit Übungen, Anzahl und Reihenfolge erstellt werden, der auch auf Muskelverkürzungen oder Einschränkungen Rücksicht nimmt und zumindest alle paar Monate variiert werden sollte. Wer hier keinerlei Kompromisse eingehen will oder gesundheitlich eingeschränkt ist, sollte von Beginn an einem Premium-Fitnesscenter mit hoher Betreuungsqualität vertrauen.

In der Gruppe oder einzeln?

Zu guter Letzt kann vor allem für die Motivation bedeutsam sein, ob man lieber als „einsamer Wolf“ an Maschinen oder im Gruppentraining seine Fitness aufbaut. Viele „Gyms“ bieten zusätzlich Rückengymnastikkurse oder Aerobic-Einheiten an und machen aus ihren Crossfit-Einheiten regelrechte Partys, um durch die Gruppendynamik den Spaßfaktor zu erhöhen. „Dies kann entsprechend der eigenen Bedürfnissen sehr sinnvoll sein und die Trainingsmoral extrem heben“, betont Schödl. Der Sportmediziner weiß aber auch, dass gerade praktische Aspekte wie Erreichbarkeit, Sauberkeit oder Öffnungszeiten unterm Strich den Erfolg ausmachen. „Wer nicht gern ins Studio geht oder wegen der langen Anreise viele Termine ausfallen lässt, wird dort auf lange Sicht auch nicht fitter werden“, betont Schödl.

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In fünf Schritten:
Der Weg zu Ihrem perfekten Workout

  • Check-up. Lassen Sie einen ausführlichen Gesundheitscheck bei einem Sportarzt durchführen.
  • Trainingsempfehlung. Infor­mieren Sie sich über die für Sie passende Trainingsform.
  • Studioauswahl. Finden Sie das für Sie passende Fitnessstudio (siehe „Faktencheck beim Probetraining“).
  • Coach. Suchen Sie sich einen Coach, der Ihnen einen exakten Trainigsplan erstellt.  
  • Disziplin. Trainieren Sie regelmäßig und bleiben Sie dran!

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Faktencheck beim Probetraining:
Darauf sollten Sie achten

Fast jedes Fitnesscenter bietet ein Probetraining an, in dem Sie alle relevanten Fakten prüfen können – machen Sie davon Gebrauch! Diese sieben Kriterien sollten auf dem Prüfstand stehen:

  • Ausrichtung. Passt das Studio zu Ihren Anforderungen? Hat der Sportarzt Ihnen Krafttraining an Maschinen angeraten oder bevorzugen Sie koordinatives Training?
  • Lage. Schauen Sie bei der Anreise auf  die Uhr und prüfen sie die Parkplatzsituation oder die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Die Überwindung zum Training ist bei langer Anfahrt größer.
  • Öffnungszeiten. Ist das Studio zu den von Ihnen favorisierten Trainingszeiten geöffnet?
  • Sauberkeit & äußerer Eindruck. Mögen Sie den Einrichtungsstil und passt die Hygiene? Sie sollten sich in Umkleidekabine und Trainingsräumen behaglich fühlen.
  • Betreuungspersonal. Sind Ihnen die Trainer und Ansprechpartner sympathisch, wirken sie kompetent?
  • Ausstattung & Angebote. Wünschen Sie Spezialkurse, Wellness oder Gastronomie? Manche Studios bieten auch Hallenbäder.
  • Preis & Vertragsdetails. Das Studio sollte zum Budget passen. Prüfen Sie zudem den Vertrag hinsichtlich Laufzeiten, Kündigungsmöglichkeiten und kostenpflichtiger Extras.

Stand 09/2017

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