Die Bauchspeicheldrüse

September 2017 | Medizin & Trends

Welche Aufgaben erfüllt unsere Bauchspeicheldrüse? Wie ist sie aufgebaut? Woran erkrankt die Bauchspeicheldrüse häufig? Wie können wir die Bauchspeicheldrüse schützen? Darüber informiert Dr. Helwig Wundsam, Leiter des Pankreaszentrums im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, für MEDIZIN populär.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Welche Aufgaben erfüllt unsere Bauchspeicheldrüse?

Sie hat zwei Funktionen, eine exokrine und eine endokrine. Das heißt, die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, gibt einerseits etwas exokrin, also „nach außen“, ab, nämlich Verdauungsenzyme in den Verdauungstrakt beziehungsweise in den Zwölffingerdarm. Andererseits gibt sie endokrin, „nach innen“, also ins Blut, Hormone ab. Die Verdauungsenzyme spalten Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, die wir uns über die Nahrung zuführen, in Moleküle, Teile, die so winzig sind, dass sie von der Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden können. Die Hormone werden von bestimmten Zellansammlungen, den Langerhansschen Inseln, hergestellt und abgegeben. Am wichtigsten sind Insulin und Glukagon, sie regulieren den Blutzuckerspiegel. Insulin senkt ihn, wenn er zu hoch ist, Glukagon hebt ihn an, wenn er zu niedrig ist.

Wie ist die Bauchspeicheldrüse aufgebaut?

Sie ist ähnlich geformt wie eine  leicht gekrümmte Banane und besteht aus den Abschnitten Pankreaskopf, der am Übergang zum Zwölffingerdarm liegt, Pankreaskörper und Pankreasschwanz. Der Großteil der Drüse ist aus kleinen Drüsenkörpern zusammengesetzt, wenige Millimeter großen Gewebeläppchen, die wiederum jene Zellen enthalten, die die Verdauungsenzyme produzieren. Die Langerhansschen Inseln, die die Hormone herstellen, machen nur etwa ein bis zwei Prozent der Masse der gesamten Drüse aus.

Woran erkrankt die Bauchspeicheldrüse häufig?

Die mit großem Abstand häufigste Erkrankung des Organs ist die Unterfunktion der insulinproduzierenden Zellen, die wiederum zur Zuckerkrankheit führt, Diabetes mellitus Typ 1 und Diabetes mellitus Typ 2. Wodurch Diabetes Typ 1, der ja meist bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt, genau entsteht, ist unbekannt, die Gene spielen aber eine Rolle dabei, dass die Zellen zu wenig Insulin produzieren. Diabetes Typ 2 ist nicht angeboren, sondern erworben: Wenn zu viel Zucker über die Nahrung aufgenommen wird, kommen die Zellen mit der Produktion von Insulin sozusagen nicht nach. Beide Erkrankungen führen unbehandelt zu einer Fülle von Beschwerden, werden aber heute früh diagnostiziert und sind mit Antidiabetika zum Einnehmen oder Insulin gut behandelbar. Mit bestimmten Enzymen und Hormonen in Tablettenform behandelbar ist auch eine weitere Erkrankung der Bauchspeicheldrüse: eine Unterfunktion jener Zellen, die die Verdauungsenzyme produzieren.
Diese Unterfunktion äußert sich darin, dass fettreiche Speisen schlecht vertragen werden, es zu Verdauungsproblemen kommt und der Stuhl fettig und voluminös ist. Aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum, Rauchen, einer fettreichen Ernährung, schlechten Blutfettwerten, Gallensteinen, auch durch eine Virusinfektion oder eine ererbte Veranlagung, kann es zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, der Pankreatitis, kommen.
Bei der akuten Pankreatitis, die meist durch zu viel Alkohol, Gallensteine oder eine Vireninfektion ausgelöst wird, fließen die Verdauungsenzyme nicht ausreichend nach außen ab, da der Bauchspeicheldrüsengang durch Gallensteine oder ein Ödem eingeengt wird, sondern sie bleiben in der Drüse. Dadurch schwillt die Drüse an und verdaut sich eventuell auch selbst, das heißt, Gewebe stirbt ab. Diese Prozesse verursachen starke Schmerzen und ziehen oft längere Spitalsaufenthalte nach sich.
Die einzige Hilfe besteht in Nahrungskarenz: Wenn nichts gegessen wird, werden keine Verdauungsenzyme produziert, die Drüsengewebe zum Absterben bringen. Um die Nahrungskarenz zu ermöglichen, werden Infusionen benötigt. Zusätzlich kann es zu einem Nierenversagen kommen, wodurch eine Nierenersatztherapie und eine künstliche Beatmung notwendig werden. Schlimmstenfalls treten durch die fortschreitende Selbstverdauung ein Darmdurchbruch und schwere Blutungen auf. Erst wenn die Entzündungsreaktion gestoppt ist, können die abgestorbenen Gewebeteile, Nekrosen, über einen kleinen Schnitt, endoskopisch, entfernt werden.
Anders als die akute Pankreatitis bleibt die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung lang unbemerkt, da sie zunächst keine Beschwerden verursacht, und oft erst nach Jahren zu einer Unterfunktion der enzym- und hormonproduzierenden Zellen führt – mit den genannten Folgen.
Häufig bilden sich auch Zysten oder bösartige Tumore. Drücken diese Geschwulste den Gallengang ab, kann Gallenflüssigkeit nicht wie vorgesehen abfließen, und es kommt zu Gelbsucht, die an dunklem Urin sowie gelber Haut- und Augenfarbe erkennbar ist. Wenn so ein Tumor aber nicht am Gallengang anliegt, verursacht er lang keine Beschwerden. Schmerzen treten oft erst dann auf, wenn sich der Tumor bereits auf umliegendes Gewebe ausgebreitet hat. Entdeckt man den Tumor in einem Stadium, in dem er noch operabel ist, wird der tumortragende Teil der Bauchspeicheldrüse mit angrenzenden Nachbarorganen samt möglicherweise betroffenen Lymphknoten entfernt – oder gleich die gesamte Bauchspeicheldrüse. Der Mensch kann auch ohne die Drüse leben: Ihre Funktion lässt sich durch Medikamente ersetzen.

Wie können wir die Bauchspeicheldrüse schützen?

Indem wir die Risiken für die genannten Erkrankungen meiden, Alkohol nur in Maßen trinken, nicht rauchen, uns ausgewogen ernähren. Wenn in der Familie gehäuft Krebserkrankungen aufgetaucht sind, sollte mit dem Hausarzt darüber gesprochen werden. Denn dann ist eventuell eine Beratung in einem spezialisierten Bauchspeicheldrüsenzentrum nötig, wo gegebenenfalls eine Magnetresonanztomografie und ein Ultraschallbild der Bauchspeicheldrüse gemacht werden.

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Schwäche der Bauchspeicheldrüse?

Wenn die Bauchspeicheldrüse schwächelt, kann sich dies in Bauchkrämpfen, schmerzhaften Blähungen, verändertem, dünnem Stuhl oder einem Völlegefühl nach schwer verdaulichen, fettreichen Mahlzeiten, wie Pizza, Schweinsbraten oder Torte äußern:
Beschwerden, wie sie auch bei Darmproblemen, dem Reizdarm, oder Gallenerkrankungen auftreten. Meist verschwinden die Probleme wieder von selbst, wenn eine Zeit lang fettarm und ausgewogen nach den Richtlinien der Österreichischen Ernährungspyramide gegessen wird.

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Zahlen & Fakten

  • „Pankreas“, die medizinische Fachbezeichnung für die Bauchspeicheldrüse, stammt aus dem Griechischen, „pan“ für „alles“ und „kreas“ für „Fleisch“. Bereits der griechische Arzt Hippokrates, der etwa 460 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde, verwendete den Begriff. 1796 prägte der deutsche Mediziner Samuel Thomas Soemmering den Ausdruck „Bauchspeicheldrüse“. Den Bereich der Hormonproduktion, die Langerhansschen Inseln, entdeckte der deutsche Pathologe Paul Langerhans 1869.
  • Die Bauchspeicheldrüse liegt in der Nähe der unteren Rückenwirbelsäule, grenzt an den Magen, die Leber, die Milz, den Zwölffingerdarm. Mit dem Magen, dem Gallengang zur Leber und dem Zwölffingerdarm ist sie außerdem verbunden.
  • Etwa zwölf Zentimeter misst die Drüse in der Länge, vier Zentimeter in der Breite, sie ist bis zu zwei Zentimeter dick und wiegt zwischen 40 und 120 Gramm.
  • Pro Tag produziert sie bis zu zwei Liter Flüssigkeit, Verdauungsenzyme und hormonelle Sekrete.
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs ist aufgrund prominenter Erkrankter wie Apple-Gründer Steve Jobs und Schauspieler Patrick Swayze, die den Kampf gegen den Tumor verloren, zwar bekannt. Doch er ist vergleichsweise selten: In Österreich wird das Pankreaskarzinom jedes Jahr bei rund 1650 Frauen und Männern neu diagnostiziert. Die Zahl derer, die jedes Jahr an Bauchpeicheldrüsenkrebs sterben, ist in etwa gleich hoch. Die Ursache dafür ist, dass etwa drei Viertel aller Pankreaskarzinome erst in einem späten Stadium zu eindeutigen Symptomen führen und entdeckt werden, die frühzeitige chirurgische Therapie aber die einzige Möglichkeit der Heilung darstellt.

Stand 09/2017

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