Die Nase

Mai 2017 | Medizin & Trends

Welche Aufgaben erfüllt unsere Nase? Wie ist sie aufgebaut? Woran erkrankt die Nase häufig? Wie können wir die Nase schützen? Fragen wie diese beantwortet Prim. Univ. Prof. Dr. Gerd Rasp, Vorstand der Universitätsklinik für Hals-, Nasen-, und Ohrenkrankheiten der Salzburger Landeskliniken für MEDIZIN populär.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Welche Aufgaben erfüllt unsere Nase?

Die wichtigste Aufgabe der Nase ist ihre Aufgabe als Atemorgan. Durch die Nase atmen wir frische Luft ein und verbrauchte Luft aus – was  zwar auch durch den Mund möglich ist, aber nur, wenn er geöffnet ist und wir nicht gerade essen oder trinken. Das Ein- und Ausatmen erfolgt von uns unbemerkt im Wechsel einmal stärker durch das linke Nasenloch, dann wieder stärker durch das rechte, damit sich die Schleimhaut auf jeweils einer Seite erholen kann. Dabei arbeitet die Nase wie eine effektive Klimaanlage. Sie erwärmt die eingeatmete Luft und feuchtet sie an. Beides dient der Lunge, da sie sich beim Einatmen wärmerer, durchfeuchteter Luft bei ihrer Arbeit, der Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut und der Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut an die ausgeatmete Luft, leichter tut.
Eine weitere wichtige Funktion der Nase ist jene als Abwehrorgan: Als solches dient sie uns, sobald wir einatmen. Die Flimmerhärchen der Nasenschleimhaut und das Nasensekret wehren unerwünschte Eindringlinge wie Schmutzpartikel, Viren, Bakterien oder Allergene ab. Bei starker Verunreinigung wird der Niesreflex ausgelöst: Durch das Niesen werden die Eindringlinge rasch wieder aus dem Körper hinausbefördert. Ist die Atemluft in die obere Nasenhöhle gelangt, erfüllt die Nase ihre Aufgabe als Sinnesorgan, mit dem wir, wie vermutet wird, etwa 10.000 verschiedene Gerüche wahrnehmen können. Beim Essen und Trinken wird die Wahrnehmung des Geruchs der Speisen und Getränke mit der Geschmackswahrnehmung kombiniert, erst dadurch können wir den Geschmack so richtig empfinden. Guten Geschmack genauso wie schlechten, was uns zum Beispiel vor Verdorbenem warnt. Zudem hat unser Riechorgan auch eine soziale Funktion: Von der Nase werden die Gerüche der Mitmenschen sowie deren Pheromone, Sexualbotestoffe, wahrgenommen und für angenehm oder unangenehm befunden. So liegt es sozusagen an der Nase, ob man jemand ‚riechen‘ kann oder nicht, sympathisch findet oder nicht, was vor allem bei der Partnerwahl entscheidend ist.

Wie ist die Nase aufgebaut?

Die Nase besteht außen aus der Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen, den Nasenflügeln auf den beiden Seiten und dem Nasenrücken mit der Nasenspitze. Das Eingangstor in die Nase bilden die beiden Nasenlöcher, sie führen in die Nasenhöhle. Die Nasenhöhle ist durch die Nasenscheidewand aus Knorpel und Knochen in die linke und die rechte Nasenhöhle gegliedert und von vorn bis hinten mit der Nasenschleimhaut ausgekleidet, die Nasensekret bildet und von Flimmerhärchen überzogen ist. Im oberen Bereich der Nasenhöhlen liegt die Riechschleimhaut, an den Innenseiten der Nasenhöhlen die unteren, mittleren und oberen Nasenmuscheln. Sie können je nach Ausmaß der Durchblutung unseres Riechorgans an- und abschwellen, was die Temperatur der Atemluft beeinflusst. Zwischen den Nasenmuscheln befinden sich die Gänge zu den Nasennebenhöhlen, die der Belüftung der Nase dienen.

Woran erkrankt unsere Nase häufig?

Die häufigste Erkrankung der Nase ist der Schnupfen. Dieser, auch Rihinitis genannt, geht entweder auf eine akute oder eine chronische Entzündung der Nasenschleimhaut zurück. Durch die Entzündung schwillt die Nasenschleimhaut an, es wird vermehrt Nasensekret gebildet, was die Atmung behindert. Zudem wird der Niesreflex ausgelöst. Ursachen für akute Entzündungen sind meist virale oder bakterielle Infektionen, zu chronischen Entzündungen kommt es meist aufgrund einer Allergie. Allergischer Schnupfen, im Volksmund ‚Heuschnupfen‘ genannt, geht wiederum häufig auf den Kontakt mit Pollen zurück, auch mit Hausstaubmilben und Tierhaaren.Eine weitere verbreitete Erkrankung der Nase ist das Nasenbluten. Zu Nasenbluten kommt es, nachdem ein Blutgefäß in der Schleimhaut im vorderen Nasenbereich geplatzt ist. Die Ursachen dafür sind meist harmlos. So kann heftiges Nasenbohren oder Schnäuzen zu Nasenbluten führen. Auch eine zu trockene Nasenschleimhaut und Reizungen der Schleimhaut, zum Beispiel durch das Einatmen von stechenden Gasen können schuld an dem Leiden sein. Doch das Nasenbluten kann auch auf Erkrankungen zurückgehen, wie Bluthochdruck, die Bluterkrankheit oder Tumore in der Nasenhöhle oder den Nasennebenhöhlen. Letzteres ist aber äußerst selten der Fall. Zu den Erkrankungen der Nase, die ebenfalls viele erleiden, zählen außerdem Nasennebenhöhlenentzündungen, die in Folge von viralen oder bakteriellen Entzündungen der Nasenschleimhaut entstehen, und Nasenpolypen, gutartige Geschwülste in der Nasenschleimhaut, die aufgrund einer Entzündung ohne äußere Faktoren entstehen.

Wie können wir die Nase schützen?

Indem die Schleimhaut feucht gehalten wird: Trocknet sie aus, lassen sich Krankheitserreger weniger gut abwehren. Die beste Maßnahme zur Durchfeuchtung der Nasenschleimhaut: Viel trinken. Auch salzhaltige und pflegende Nasensprays sind hilfreich. Ansonsten lässt sich die Nase höchstens noch vor Nasenbluten schützen – durch die Vermeidung von allzu engagiertem Nasenbohren und Schnäuzen.

Was tun bei…

…Schnupfen?
Geht der Schnupfen auf eine virale oder bakterielle Entzündung zurück, helfen Nasentropfen, die schleimhautabschwellend wirken. Sie sollten jedoch nur kurze Zeit verwendet werden, also vier bis fünf Tage, da sie bei längerer Verwendung die Nasenschleimhaut zu sehr belasten, was die Gefahr für eine neuerliche Infektion erhöht. Steckt eine Allergie hinter dem Schnupfen, helfen akut Antihistaminika, Medikamente, die die allergische Reaktion eindämmen, und spezielle Nasensprays.

…Nasenbluten?
Den Oberkörper nach vorne beugen und die Nasenflügel drei Minuten lang zusammendrücken, auslassen und wieder drei Minuten zusammendrücken. Nach spätestens 15 Minuten sollte die Blutung gestoppt sein. Wenn nicht, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

…Nasenpolypen?

Behindern die Polypen, gutartige Geschwülste der Nasenschleimhaut, die Atmung und das Riechvermögen, hilft eine medikamentöse Behandlung, die sie schrumpfen lässt, oder ein chirurgischer Eingriff.

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Zahlen & Fakten

  • 5,1 Zentimeter lang ist die Nase hierzulande im Durchschnitt bei Frauen,  5,8 Zentimeter bei Männern.
  • Die – gesunde – Nase reinigt sich selbst, und zwar, indem von der Nasenschleimhaut Sekret produziert wird und sich die Flimmerhärchen bewegen: Dies tun sie 450 bis 900mal pro Minute. Binnen rund zwanzig Minuten ist dadurch die Schleimschicht auf der Schleimhaut einmal komplett ausgetauscht.
  • Niesen wir, werden Krankheitserreger, Allergene oder andere Fremdkörper samt dem Nasensekret mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180 km/h aus der Nase ausgestoßen.
  • Die Riechschleimhaut ist in etwa fünf Quadratzentimeter groß. Trifft ein Duftreiz auf die Schleimhaut, wird er über 20 Millionen Sinneszellen und 350 Riechrezeptoren über die Geruchsnerven in das Gehirn geleitet.
  • Mit der Nase als Riechorgan nehmen wir acht Grundgerüche war. Diese werden als „fruchtig“, „blumig“, „grün“, „würzig“, „holzig“ „harzig“, „animalisch“ und „erdig“ bezeichnet. Insgesamt können wir nach Vermutungen der Forscher etwa 10.000 Gerüche wahrnehmen.
  • Unser Wohlbefinden erhöhen besonders die Gerüche von Zitrusfrüchten, Vanille, Sandelholz, Moschus, Erdbeere und Weihrauch.

Stand 05/2017

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