Sporteln für die Liebe

Oktober 2017 | Partnerschaft & Sexualität

Warum gemeinsames Schwitzen Paare zusammenschweißt
 
Die Schmetterlinge sind ausgeflogen, der Alltag hat sich ins Liebesleben eingeschlichen? Schwelende Konflikte und wiederkehrende Ärgernisse sorgen für Stress und Frustration?
Dagegen können Paare aktiv etwas tun: Beim gemeinsamen Sporteln werden Stresshormone ab- und Botenstoffe
der Liebe aufgebaut. Nehmen Sie Ihr Liebesleben sportlich!
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Sie halten einander fest an den Händen und tauschen noch einen intensiven Blick, um einander Mut zu machen. Dann stürzen sich Maria und Walter Hell-Höflinger aus dem Flugzeug. Der Fallschirmsprung ist der krönende Abschluss ihrer Paartherapie bei dem Wiener Beziehungscoach Dominik Borde. „Die Partner erleben, dass sie gemeinsam etwas schaffen können, was sie nicht für möglich gehalten hätten“, beschreibt Borde den Effekt. Mit dem Sprung ins Ungewisse tankt das Paar Kraft und das Vertrauen, die alltäglichen Herausforderungen zu bewältigen. Es ist fit für das „Abenteuer Beziehung“.
Körperliche wie emotionale Fitness sei wesentlich für geglückte Liebesbeziehungen, betont Borde. „Wenn man sich abgespannt und energielos fühlt, führt man eine andere Beziehung als wenn man energiegeladen, kraftvoll und voller Freude ist.“ Die beste Möglichkeit, um emotional und körperlich fit zu bleiben? Sport!

Bekämpft wirksam Stress
„Sport killt Stresshormone“, schickt der Coach voraus. Davon profitiert auch die Liebe. Wenn wir gestresst und überarbeitet sind, wird der Körper mit dem Stresshormon Cortisol quasi überflutet. Cortisol beeinträchtigt unter anderem die Kommunikationsfähigkeit. Man verliert den Draht zu sich selbst – und zu seinem oder seiner Liebsten.
Zwar ist man nach dem Laufen oder der Tennisstunde vielleicht zunächst müde und ausgepowert, danach kommen neue Energien. Überhaupt fühlen sich sportlich Aktive wohler ihrer Haut. Wer sich selbst mag, sich sexy findet, ist auch für den Partner attraktiver. „Wir können uns nur in dem Maß von anderen geliebt und angenommen fühlen, in dem wir uns selbst lieben und annehmen“, betont Borde.

Laufen statt sich-Gehen-Lassen

Leider sind sportliche Aktivitäten in Langzeitbeziehungen alles andere als selbstverständlich. Während man sich auf Partnersuche von der Schokoladenseite zeigt und um ein attraktives, fittes Äußeres bemüht ist, rückt dies bei Langzeitpaaren in den Hintergrund. Studien zufolge betreiben Liebespaare umso weniger Sport, je länger sie zusammen sind. Anstatt zu schwimmen, zu wandern oder zu laufen – lassen sie sich gehen.
Menschen in glücklichen Partnerschaften sind besonders gefährdet – auch, was die Gewichtszunahme betrifft. Dies bestätigt eine repräsentative Befragung von rund 2000 Menschen durch den deutschen Soziologen Prof. Dr. Thomas Klein von der Universität Heidelberg: Jene, die in langjährigen, glücklichen Beziehungen leben, nehmen eher zu. Der Grund? Glückliche Paare betreiben nicht nur weniger Sport, sie schlemmen auch regelmäßig gemeinsam. Singles und Menschen in kriselnden Beziehungen sind weniger gefährdet, Kilos zuzulegen. Klein führt dies auf den (drohenden) Konkurrenzdruck auf dem Partnermarkt zurück. An diesem dürfte sich die Motivation zur Gewichtskontrolle orientieren.

Bewegung als Beziehungsturbo
Die gute Nachricht: Gemeinsame sportliche Aktivitäten halten auch in einer glücklichen Beziehung schlank – und machen die Liebe sogar noch intensiver und schöner. Indem man sich miteinander bewegt, bewegt man sich aufeinander zu. Auch das wird durch Studien untermauert: Paare, die gemeinsam Sport betreiben, fühlen sich einander besonders verbunden, das „Wir-Gefühl“ wird gestärkt.
Davon ist auch die Wiener Allgemeinmedizinerin und Paartherapeutin Dr. Barbara Laimböck überzeugt. „Sport bietet Paaren eine großartige Mischung aus gemeinsamem körperlichem Erleben und dem psychischen Glücksgefühl, dem Flow“, erklärt sie. Schon für sich genommen wirke körperliche Aktivität äußerst günstig. Unter anderem werden verschiedene Neurotransmitter ausgeschüttet. Glückshormone wie Dopamin und beruhigende Substanzen. „All das ist sehr beziehungsfördernd“, sagt Laimböck. Dass gemeinsame körperliche Aktivität ein Liebes-Booster ist, zeigt sich auch bei der Lieblingsbeschäftigung Frischverliebter: beim Sex. Beim Sport gelangen wir in einen Glückszustand, der dem Verliebtsein ähnelt.

Schlüssel zu Gefühlen
Was nicht nur Liebespaare interessieren dürfte: Unser Körper ist quasi der Schlüssel zu unseren Emotionen. In ihm erleben wir Stress, Angst, Panik, Liebe, Freude und Glück. Und er ist der Ort, an dem sich negative Emotionen auflösen lassen.
Je nachdem, ob die Liebespartner eher positive oder negative Emotionen empfinden, beeinflusst dies die Beziehungsqualität. Je länger man destruktive Gedanken, Gefühle, Muster kultiviert, desto stärker nehmen sie Einfluss auf das Liebesleben. Und umso ausgeprägter ist die (negative) Bahnung im Gehirn: Aus dem Pfad wird ein Weg und schließlich eine Autobahn. Je öfter wir umgekehrt glücklich und liebevoll miteinander sind, umso glücklicher ist die Beziehung.
Von einer Liebesbeziehung wünschen die meisten sich nicht nur Sicherheit und Geborgenheit, sondern auch Abenteuer und Abwechslung. Wird das Bedürfnis nach Spannung nicht erfüllt, holen manche sich den Kick durch heftige Streits. Der Kick lässt sich allerdings auch auf konstruktive Weise holen – eben durch gemeinsame, herausfordernde Aktivitäten. „Ein Fallschirmsprung löst zwar per se keine Beziehungsprobleme“, betont Borde. „Aber gemeinsame Erlebnisse, bei denen starke Emotionen im Spiel sind, schweißen zusammen.“

Raus aus der Streitfalle

Dank sportlicher Anstrengung lassen sich festgefahrene, emotionale Muster unter- bzw. durchbrechen. Probieren Sie es aus: Gehen Sie beim nächsten Streit vorübergehend auseinander und drehen Sie jeder für sich eine Runde um das Haus. Reagieren Sie sich, statt den Partner anzuschreien, am Box-Sack ab. Gehen Sie auf die Terrasse und machen Sie 20 Liegestütze.
Auch durch die Körperhaltung lassen sich Gefühle beeinflussen: Es ist beispielsweise schwierig, traurig zu sein, wenn man eine Siegerpose einnimmt. Und wer sich im Fitnesscenter verausgabt, kann nicht gleichzeitig von heftigem Liebeskummer überwältigt werden.
Unser emotionaler Zustand spielt in Konfliktsituationen eine besondere Rolle. Wenn wir gestresst sind, reagieren wir mit Panik oder Wut, konstruktive Kommunikation ist nicht mehr möglich. „In einem liebevollen, warmherzigen Zustand lässt sich deutlich leichter über ein schwieriges Thema diskutieren“, ist Borde überzeugt. Dank regelmäßigen Sportelns gelangt man in eben solchen entspannten und gelassenen Zustand. Im Konfliktfall kann man dann von der Autobahn der ewig gleichen Argumente abfahren – und neue Pfade der Liebe entdecken.

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Paare im Profisport:
Aus Leidenschaft wird Liebe

Sport hält Beziehungen nicht nur in Schwung. Durch ihn kommt so manche Liebesbeziehung überhaupt erst zustande. Beispiele gibt es viele. Zuletzt erzählte die spanische Judo-Olympia-Siegerin von 1992, Miriam Blasco, in einem Interview, dass sie im Vorjahr ihre damalige Final-Gegnerin Nicola Fairbrother geheiratet hat.
Auch unzählige andere Profisportler haben über ihre Liebe zum Sport die Liebe ihres Lebens gefunden: Die Tennisprofis Steffi Graf und Andre Agassi, die Skisportler Marlies und Benjamin Raich, Profikicker Bastian Schweinsteiger und die ehemalige Tennisspielerin Ana Ivanovi.

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Von Fallschirmspringen bis Tennis:
Sportarten für die Liebe

Die Fähigkeiten, die man sich beim Sporteln aneignet, sind auch in einer Liebesbeziehung gefragt: Rücksichtnahme, Zusammenhalt, Teamgeist, Flexibilität, Durchhaltevermögen, gegenseitige Motivation. Man lernt, Krisen sportlich zu nehmen und ein fairer Gegner zu bleiben. Dabei haben verschiedene Sportarten unterschiedliche Effekte.

  • Klettern: Einander Halt geben

    „Meine Eltern gingen sehr gern miteinander klettern“, erzählt die Allgemeinmedizinerin und Paartherapeutin Dr. Barbara Laimböck. Für ihre Mutter sei es immer wichtig gewesen, dass ihr Vater das Seil hält. Diese körperliche Erfahrung ist  wertvoll für die Beziehung: Wenn man den Tritt verliert und ausrutscht, landet man im Seil, das der Partner hält, Selbst auf einer steilen Wand fühlt man sich sicher. Gehalten zu werden, ist nicht nur für eine Liebesbeziehung von fundamentaler Bedeutung. Für einen Säugling ist diese Erfahrung sogar der Inbegriff für Liebe.

  • Joggen: Den Problemen davonlaufen

    „Das gemeinsame Laufen bietet intime Augenblicke, die das Vertrauen fördern“, betont Laimböck. Man stöhnt, keucht und schwitzt gemeinsam – und das in einem gemeinsamen Rhythmus. Dabei werden wohltuende Botenstoffe ausgeschüttet: Nach rund 45 Minuten Ausdauersport steigt der Serotoningehalt im Gehirn an. Beim Mann verringert regelmäßiger Ausdauersport das Risiko für Erektionsstörungen (= erektile Dysfunktion).

  • Segeln: Gleichberechtigt und flexibel sein

    Wer übernimmt das Steuer? Wer gibt das Kommando? Das sind die Herausforderungen, die Paare zu zweit auf einem kleinen Segelboot haben. Im Idealfall gibt einmal der eine, dann die andere das Kommando. Diese Flexibilität punkto Rollen ist heute auch in Partnerschaften gefragt. „Die Gleichwertigkeit beim Sport ist für eine gleichberechtigte Beziehung ein wichtiger Bestandteil“, betont die Medizinerin.

  • Tennis: Spielerisch Aggressionen abbauen

    Aufschlag, Ass – und Sieg: Tennisspielen punktet mit vielen Lektionen. Zum einen ist Fairplay gefragt, zum anderen darf man seinen Aggressionen, die bei fast jedem Paar ein Thema sind, Raum geben. Man hat ein Ventil, um diese auf spielerische Weise auszudrücken und zu integrieren. „Man lernt, miteinander zu kämpfen, ohne den anderen zu vernichten“, sagt Laimböck. Das spielerische Element wirkt in den Alltag hinein: Einander zu necken, kann sehr lustvoll sein.
    Wenn man das Match verliert, übt man, die Stärken des anderen anzuerkennen, sich mit dem anderen zu freuen. „Vor allem bei Männern steigt nach einem gewonnen Match der Testosterongehalt, was sich auch positiv auf die Libido auswirkt“, berichtet die Medizinerin. 

  • Bergwandern: Gemeinsam den Gipfel erklimmen

    Körperliche Anstrengung in freier Natur ist ein besonderes Liebestonikum: Gemeinsame schöne Erlebnisse sind enorm stabilisierend und sinnstiftend für Beziehungen. Nicht nur das gemeinsame Gipfelerlebnis bereichert, allein der Aufstieg kann über so manches Beziehungstief hinweghelfen. In ihren Paartherapien regt Laimböck Bergtouren an, um sich „heiße Themen“ vorzunehmen. Bei einer stundenlangen Tour kommt jeder Partner zu Wort. Die Gefahr, dass jemand wütend den Kontakt abbricht, ist geringer. Während des Gehens werden Stresshormone abgebaut, sodass man gelassener bleiben kann. „Den Zorn steckt man quasi in den nächsten Schritt, der dann energischer ausfällt“, sagt die Paartherapeutin. Während einer langen Bergtour werden Neurotransmitter aktiviert, die beruhigend wirken. Nicht zuletzt kommt man mental in Schwung. Während die Partner sonst vielleicht stur auf ihrem jeweiligen Standpunkt beharren, werden sie geistig beweglicher. Tipp der Expertin: „Seien Sie fair zum anderen und bleiben Sie durchaus hart in der Sache!“

  • Fallschirmspringen: Gemeinsam Grenzen sprengen

    Die starken Emotionen, die beim Fallschirm-Sprung ausgelöst werden, stärken wie bei Maria und Walter Hell-Höflinger stärken das Wir-Gefühl: Wir sind gemeinsam über unsere Grenzen gegangen! Sich in 4000 Metern Höhe bei 300 Stundenkilometern aus einem Flugzeug zu stürzen, ist eine Extremerfahrung, die manchem Paar buchstäblich auf die Sprünge hilft. „Einigen machen massive Kränkungen, schwerwiegende Konflikte, Vertrauensbrüche es schwer, sich aufeinander zuzubewegen“, weiß Borde. Durch das gemeinsame Erleben und Überwinden von Angst und die „Belohnung“ durch Adrenalin kann eine festgefahrene Situation aufgebrochen werden.

  • Tanzen: Miteinander in Gleichklang kommen

    Ein Klassiker für Paare in puncto Sport ist das gemeinsame Tanzen. Ob im Rahmen eines Tanzkurses oder eines regelmäßigen, abendlichen Freizeitvergnügens: Tanzen zu schöner Musik, bei der man sich im selben Rhythmus bewegt, bei der man führt oder geführt wird, ist für viele ein beglückendes Erlebnis.  

Stand 10/2017

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