Monika Culen

Dezember 2017 | Prominente & Gesundheit

„Wenn der Clown scheitert, versucht er es noch einmal und noch einmal. Er gibt nicht auf.“
 
Sie weiß aus eigener Erfahrung ganz genau, wie sich kranke Kinder im Spital fühlen. Mit dem Ziel, mehr Freude in den Krankenhausalltag zu bringen, gründete sie vor 23 Jahren die „Rote Nasen Clowndoctors“ in Österreich und übernahm auch gleich das Präsidentenamt der internationalen Organisation. Für ihr soziales Engagement wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Silbernen Verdienstzeichen der Republik Österreich. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt die Wienerin, was sie zur Gründung der Roten Nasen bewogen hat, wie die Hilfe der Clowndoctors funktioniert und wie sie sich von der vielen Arbeit erholt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Frau Präsidentin Culen, Sie waren beruflich sehr erfolgreich als Öffentlichkeitsarbeiterin und PR-Managerin tätig, als Sie vor 23 Jahren die ‘Rote Nasen Clowndoctors’ gründeten. Was hat Sie damals dazu bewogen?

Monika Culen
Die Idee, die Rote Nasen Clowndoctors zu gründen, um kranken Kindern im Spital zu helfen, ist an mich herangetragen worden. Ich habe sie vor allem deswegen umgesetzt, weil ich selbst als Kind wegen einer Erkrankung an Scharlach viele Wochen in einer Lungenheilanstalt war. Ich hatte damals große Angst, war sehr verzweifelt und habe viel geweint. So sollte es keinem kranken Kind im Spital ergehen, dachte ich mir. Und ich war überzeugt davon, dass ihnen Clowndoctors Freude bereiten und sie zum Lachen bringen können.

Sie haben dann ja auch gleich die Präsidentschaft der Organisation übernommen…

Anfangs haben wir in einer Gruppe ein Konzept für das Projekt erstellt, und plötzlich hatte ich die gesamte Projektleitung inne (lacht). Die Anfänge waren recht schwierig. Die Krankenhäuser haben befürchtet, dass die Clowns eher störend als hilfreich sind. Doch schon nach einer Versuchsphase von wenigen Wochen hat sich die Stimmung gewendet. Und heute sind wir so weit, dass Ärzte und Pflegekräfte den Besuch der Clowndoctors begrüßen, weil sie spüren, welche positive Wirkung die Clowns auf die Patienten, aber auch auf sie selbst haben. In den weltweit zehn Ländern, in denen wir mittlerweile tätig sind, besuchen jährlich zirka 350 Clowndoctors in fast 800 medizinischen und sozialen Einrichtungen mehr als 700.000 kranke Kinder, ältere Menschen in Pflegewohnheimen und seit einiger Zeit auch Flüchtlinge. In Österreich sind rund 70 Clowndoctors unterwegs.
    
Wie funktioniert die Hilfe der Clowndoctors?

Jeder Clowndoctor nutzt die Kraft des Humors. Die Figur des Clowns spiegelt die Emotionen des Menschen und spiegelt seine Fehler wider. Darüber lachen wir. Wenn der Clown scheitert, versucht er es noch einmal und noch einmal. Er gibt nicht auf und steht am Schluss gut da. Das stärkt uns seelisch. Was während der Clownvisite genau geschieht, hängt davon ab, wer besucht wird: Pflegebedürftige in Seniorenwohnheimen blühen beispielsweise auf, wenn Lieder aus ihrer Jugend gesungen werden und dazu getanzt wird. Kranke Kinder lachen herzhaft, wenn die Clowns ungeschickter sind als sie selbst, und freuen sich über Zaubertricks. Die Clowns sind alle Künstler, die in unserer Internationalen Schule für Humor ausgebildet werden, und ein medizinisches und psychologisches Basiswissen haben.

Sind Sie selbst auch als Clowndoctor unterwegs?

(Lacht). Nein, ich bin zwar ein fröhlicher Mensch, aber meine Talente liegen ganz bestimmt nicht in der Clownerie. Aber ich liebe es, den Clowndoctors zuzusehen, sie berühren mich immer wieder unvergleichlich.
 
Was muss denn ein Krankenhaus oder ein Seniorenwohnheim tun, damit die ‘Clowndoctors’ kommen?

Nur sich anmelden. Finanziert wird unser Programm von Spendern.

Neben ihren Präsidentschaften bei den Roten Nasen Österreich und den Roten Nasen International sind Sie auch Präsidentin der ‘European Federation of Healthcare Clown Organizations’ (EFHCO) und des ‘Fundraising Verbands Austria’ (FVA). Woher nehmen Sie die Kraft für die viele Arbeit?

Ich bin fast 150 Tage im Jahr unterwegs, also auf Reisen, und dann doch manchmal müde. Aber wenn ich hier (im Büro der Roten Nasen Österreich und International in Wien, Anm. Red.) bei der Tür hereinkomme und auf mein motiviertes Team treffe, das eine exzellente Arbeit leistet, gibt mir das sofort wieder Energie.

Was, wenn in der Arbeit Stress aufkommt?

Stress habe ich keinen, nur öfter viel zu tun. Und all die kleinen und großen Herausforderungen, die sich so wie bei jeder Arbeit auch bei meiner ergeben, arbeite ich eins nach dem anderen ab. Wenn ich abends das Büro verlasse, lasse ich die Arbeit mitsamt ihren Problemen auf dem Schreibtisch ruhen und nehme sie nicht mit nachhause. Das ist für mich sehr hilfreich, ich habe es mir durch meine Beschäftigung mit der Zen-Philosophie angeeignet.

Wie sind Sie auf die Zen-Philosophie gekommen?

Im Leben sind immer wieder schwierige Phasen zu meistern. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, Schwierigkeiten bewältigen zu können, ohne meine positive, fröhliche seelische Grundhaltung zu verlieren, und diese Möglichkeit fand ich in der Zen-Philosophie.

Zen ist vielfach auch als Meditationsform bekannt…

Die Meditation und die Tai Chi-Übungen, die ich ebenfalls praktiziere, helfen mir immer wieder, zur Ruhe zu kommen und zugleich körperlich einigermaßen fit zu bleiben. Darüber hinaus bewege ich mich auch viel und gern in der frischen Luft.

Was tun Sie sonst noch für Ihre Gesundheit?

Ich versuche, mich gesund zu ernähren. Am liebsten esse ich frische, leichte Sachen. Und wenn ich abends einmal kein Arbeitsessen habe, betreibe ich Dinner-Cancelling. Hin und wieder mache ich auch einen Nachmittagsschlaf, um meine Energiereserven aufzufüllen.

Welche Projekte möchten Sie als nächstes mit den‘Rote Nasen Clowndoctors’ verwirklichen?

In Österreich wollen wir unser Kinderprogramm ausbauen. Ansonsten möchten wir in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen traumatisierten Flüchtlingen in Griechenland, in der Ukraine und in Jordanien helfen und noch vor Weihnachten in Sierra Leone Menschen in Krisengebieten durch Humor neue Perspektiven aufzeigen.

Kurz & Persönlich

  • Geboren und aufgewachsen in: Wien
  • Verheiratet mit: Stefan Culen
  • Kinder: drei
  • Lieblingsort in Österreich: mein Garten
  • Lieblingsort im Ausland: die „One World Foundation“ in Sri Lanka
  • Liebster Urlaubsort: Patmos
  • Lieblingsessen: frisches Butterbrot mit Fleur de Sel
  • Lieblingsgetränk: heißes Wasser
  • Hobbys: Schnorcheln, Tauchen
  • Lieblingsautor: Baltasar Gracián
  • Lieblingsmusik: Tango
  • Hobbys: Singen, Tanzen, Golf, Skifahren, Philosophie und Kunst


Webtipp:

Informationen über die „Rote Nasen Clowndoctors“ und Spendenmöglichkeiten:
www.rotenasen.at
www.rotenaseninternational.com

Stand 12/2017

 

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