Toni Faber

April 2017 | Prominente & Gesundheit

„Zu Ostern wird der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert“
 
Der großen Öffentlichkeit ist er als „Society Priester“ bekannt. Dompfarrer des Wiener Stephansdoms ist Toni Faber seit nunmehr 20 Jahren. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt der 55-Jährige, was ihn dazu motiviert hat, Priester zu werden, was er als Genussmensch alles für seine Gesundheit tut und welchen Sinn das Osterfest hat.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Dompfarrer, demnächst ist Ostern. Wie erklären Sie jemandem, der mit Ostern den Frühling und gefärbte Eier verbindet, was zu diesem höchsten Fest in der katholischen Kirche gefeiert wird?


Toni Faber

Zu Ostern wird mit einem Halleluja der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, der Sieg des Lichts über die Dunkelheit, der Frühling nach dem Winter, die Grundlage für neues Leben. Ostern ist auch ein Fest gegen die Schwerkraft, gegen alles, was uns runterzieht.

Welche sind die bedeutendsten Bestandteile des Osterfestes?

Das sind die Feier der heiligen Karwoche: die Gründonnerstagsliturgie, die Karfreitagsliturgie und die Osternacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag mit dem längsten Gottesdienst des Jahres. Neben den Lesungen ist dabei der Lichtritus ein bedeutender Bestandteil, also das Entzünden des Osterlichts und dessen Weitergabe. Durch das Verströmen des Lichts zeigt sich, dass wir nicht weniger haben, wenn wir etwas hergeben, sondern mehr bekommen. Wie es beim Licht ist, so ist es auch bei der Liebe. Wer Liebe gibt, erfährt auch mehr Liebe.

Der Papst spendet ja zu Ostern den Segen ‚Urbi et Orbi‘, er segnet also die Stadt und den Erdkreis. Wen oder was segnen Sie zu Ostern?

Ich werde bei einer der neun heiligen Messen, die am Ostersonntag im Stephansdom abgehalten werden, die Kirchengemeinde mit dem Ostersegen segnen.

Wer ein Seher des ORF-Fernsehmagazins‚Seitenblicke‘ oder Leser der Society-Berichte in Zeitungen ist, weiß, dass Sie auch außerhalb des Doms häufig Segen erteilen…

(lacht) Ja, würde mich jemand nach einer für meinen Beruf typischen Handbewegung fragen, würde ich so machen (zeichnet ein Kreuz in die Luft). Wenn mich jemand um einen Segen bittet, erteile ich ihn auch, denn die positiven Worte, die beim Segnen gesprochen werden, haben Macht. Sie geben Kraft, und das wird überall sehr dankbar entgegengenommen. Ob das jetzt bei einer Taufe ist, bei einer Erstkommunion, Firmung oder Hochzeit, oder auch in einem Unterwäschegeschäft, wo meine Segnung anlässlich der Eröffnung des Geschäfts den ‚Seitenblicken‘ und einigen anderen Medien einen humorigen Beitrag wert war, in manchen aber auch bespöttelt, in einem sogar kritisiert wurde. Dabei hat der liebe Gott ganz bestimmt nichts dagegen, dass es ein Geschäft gibt, wo man schöne Unterwäsche kaufen kann.

Die Segnung durch Sie war aber auch eine gute Werbung für das Geschäft?

Und für die Kirche. Ich erteile auch deswegen gern Segen und bin viel in der Öffentlichkeit unterwegs, nehme an verschiedensten Society-Events teil, um so Seelen für die Kirche zu gewinnen oder wieder zurückzugewinnen.

Die Zahl der Neu- und Wiedereintritte in die Kirche nimmt in Ihrer Diözese von Jahr zu Jahr zu und stieg zuletzt auf mehr als 1200 pro Jahr. Was motiviert die Menschen abgesehen von Ihren Auftritten in der ­Öffentlichkeit noch dazu, der katholischen Kirche beizutreten oder wieder beizutreten?

Vielen zeigt das Vorleben einer anderen Religion, beispielsweise des muslimischen Glaubens, wie wichtig und wohltuend der Glaube sein kann und sie besinnen sich wieder auf ihren eigenen Glauben zurück. Andere entschließen sich zum Wiedereintritt, weil sie Taufpate, Firmpate werden oder kirchlich heiraten möchten. Manche treten auch aus gesundheitlichen Gründen wieder in die Kirche ein.

Hat der Glaube eine positive Wirkung auf die Gesundheit?

Der Glaube kann sogar heilend wirken. Wer sich der Liebe Gottes in Dankbarkeit öffnet, kann sowohl bei körperlichen Krankheiten als auch bei psychischen Leiden Heilung erleben. Auch die kirchlichen Rituale wirken sich positiv auf die körperliche, psychische und geistige Gesundheit aus, vom Kirchgang über das Beichten bis zum Fasten, das ich übrigens auch selbst regelmäßig praktiziere.

Wie fasten Sie?

Ich fahre seit acht Jahren jedes Jahr im Februar auf Heilfastenwoche, die bei mir aus Saftfasten mit Fas­tenwandern besteht. Beim Fasten geht es mir körperlich gut, und ich fühle mich dabei geistig zunehmend wie schwebend, was wohltuend, erholsam und gesund für mich ist. In der Fastenzeit verzichte ich unter anderem jeden Freitag auf Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol. Wenn ich allerdings eingeladen bin und jeder ein Glas Wein trinkt, trinke ich auch eines, denn da will ich kein ‚Outsider‘ sein.

Außerdem sind Sie ja auch vom ‚Wirtshausführer Österreich‘ zum ‚Weinmensch 2017‘ gewählt worden…

… Genau (lacht), über diese Auszeichnung habe ich mich sehr gefreut, denn sie geht an Menschen, die beruflich mit Wein verbunden sind, so wie ich es mit dem Messwein bin. Aber auch privat schätze ich die Gabe des Weingenusses hoch.

Was, abgesehen von Fasten, tun Sie sonst noch für Ihre Gesundheit?

Ich treibe gern Sport, trainiere in einem Fitnessstudio. Im Winter gehe ich immer eine Woche Skifahren, im Sommer gehe ich Wandern und Bergsteigen. Letzteres mit Peter Habeler (Anm.: Bergführer und Extrembergsteiger aus Mayrhofen im Zillertal, der durch die Erstbesteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bekannt wurde), wo ich mich dann des Öfteren auf ziemlich herausfordernden Klettersteigen wiederfinde.

Auf den Stephansdom klettern Sie ja auch immer wieder.

So bleibe ich in Übung (lacht). Aber da klettere ich nur die letzten 25 Meter außen bis zur Spitze.

Sie sind ja nicht nur Dompfarrer, sondern schreiben auch Kolumnen für den ‚Kurier‘ und arbeiten an verschiedenen Sozialprojekten mit. Wie erholen Sie sich von einem anstrengenden Arbeitstag?

Durch Spaziergänge, Aufenthalte in der Natur, Musikhören, Lesen, die Beschäftigung mit Architektur und bildender Kunst. Sehr selten schaue ich auch fern. Krimis, die ja häufig gezeigt werden, mag ich allerdings weniger, ich finde, die haben eine negative Wirkung auf die Seele. Die Serie ‚Vorstadtweiber‘ habe ich gern angeschaut, da freue ich mich schon auf die nächste Staffel.

Bei den Vorstadtweibern geht es vorrangig um Beziehungen, mit all ihren Freuden und Leiden. Meinen Sie, es wäre möglich, Ihren Beruf so auszuüben, wie Sie das tun, wenn Sie eine eigene Familie, eine Frau und Kinder hätten?

Für mich wäre das nur sehr schwer möglich. Hätte ich eine eigene Familie, käme die bestimmt zu kurz, und so verzichte ich auf die eine, einzige, glückliche Beziehung. Ich bin aber beziehungsmäßig sehr gut aufgehoben in einigen sehr guten Freundschaften.

Sie haben sich aufgrund einer Erkrankung dazu entschlossen, Priester zu werden. Nun, vor zwei Jahren, hatten Sie eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Hat Sie diese Krankheit wieder zu einem weitreichenden Entschluss in Bezug auf Ihr Leben motiviert?

Durch eine immer wiederkehrende Bauchspeicheldrüsenerkrankung war ich acht Wochen im Spital. Die lange Zeit des Krankseins habe ich dankbar angenommen, sie als Chance genützt, mich auf mich konzentriert, viel gelesen und beschlossen, nach meiner Genesung alles etwas langsamer anzugehen. Das hat bis jetzt auch ganz gut funktioniert. Und was den Entschluss, Priester zu werden, angeht: Den habe ich so um meinen 18. Geburtstag herum gefasst. Damals wurde mir gesagt, aufgrund einer Nierenerkrankung hätte ich nur noch ein, zwei Jahre zu leben. Ich war Ministrant und als solcher sehr engagiert und habe mich erst gefragt, ‚warum ausgerechnet ich?‘. Dann habe ich mir gesagt, ‚wenn mir Gott mein Leben schenkt, widme ich mein Leben ihm‘. Als meine damalige Freundin gemeint hat, ‚da kannst Du ja nicht heiraten!‘, habe ich es mir kurz noch einmal überlegt, dann aber Theologie studiert und den Weg, den ich gehen wollte, eingeschlagen.

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Kurz & Persönlich

  • Geboren in Wien
  • Aufgewachsen in Wien, Rodaun
  • Hobbys: Skifahren, Wandern, Moderne Kunst, Lesen, Reisen, Fitness
  • Lieblingsliteratur: Romane und Sachbücher
  • Lieblingsbuch/Lieblingsautor: Garcia Marquez, Andreas Salcher, Johannes Huber, Manfred Lütz
  • Lieblingsmusik: Klassik, Mozart, Bruckner, Vivaldi
  • Lieblingsessen: Fisch, Steak
  • Lieblingsgetränk: Neben Wiener Hochquellwasser: Wiener Gemischter Satz, Gelber Muskateller aus der Südsteiermark oder ein roter Cuvée aus Deutschkreuz
  • Schönster Ort in Österreich: Die Wiener Innenstadt aus der Perspektive vom Kahlenberg
  • Bevorzugte Urlaubsorte: Seewinkel am Neusiedlersee und das Salzkammergut


Webtipp:

www.dompfarre.info

 

Stand 04/2017

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