So gesund ist Skifahren

Oktober 2018 | Fitness & Entspannung

Ob wedelnd, carvend oder andere Stile praktizierend: Skifahren macht nicht nur Spaß, sondern hält auch fit und gesund. Wie der Wintersport wirkt.
 
– Von Mag. Sabine Stehrer

Wenn demnächst die Skigebiete eröffnet und die Skilifte in Betrieb genommen werden, empfindet das hierzulande jeder Dritte als besonderes „Highlight“: Das zeigt eine Umfrage von „marketagent.com“, die 2017 unter tausend 14- bis 69-Jährigen durchgeführt wurde. Aus einer weiteren Befragung geht hervor: Etwa ein Drittel folgt dem Ruf der winterlichen Berge auch und fährt zumindest „gelegentlich“ Ski. Und das ist auch gut so.
Denn was jede Skifahrerin und jeder Skifahrer kennt bis erahnt, zeigen nun auch immer mehr wissenschaftliche Studien: Skifahren fördert auf vielfältige Art und Weise das Wohlbefinden sowie die körperliche und geistige Gesundheit. „Schon nach einem Skitag ist die Wirkung des Skisports merk- und messbar“, weiß Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger vom Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG) an den Tirol Kliniken in Innsbruck aufgrund von mehreren Skistudien, die teils unter seiner Leitung in Tirol und Salzburg durchgeführt wurden. Bewiesen ist auch: „Wird ein bis zwei Wochen lang täglich skigefahren, fallen die Effekte stärker aus und halten länger an.“ Wer viele Jahre lang während jeder Skisaison ein- bis zweimal die Woche über die Pisten flitzt, kann sogar damit rechnen, „dass Körper und Geist bis ins höhere Alter fit und gesund bleiben“, ergänzt Univ. Prof. Dr. Erich Müller vom Fachbereich für Bewegungs- und Sportwissenschaften der Universität Salzburg, der eine seit zehn Jahren laufende Langzeitskistudie leitet. Im Folgenden erklären die Experten, wie der Wintersportklassiker Skifahren wirkt.

Wirkung 1:
Bessere Stimmung

Ist es die Sonne, der Panoramablick von der Bergstation aus oder schlicht Spaß an Bewegung? Wahrscheinlich wirkt alles zusammen positiv auf Skifahrerinnen und Skifahrer ein, denn eines eint sie: Oft ist schon nach der ersten Abfahrt jedweder Grant verflogen, die Stimmung wird von Schwung zu Schwung besser, ein Hoch macht sich breit.
Wissenschaftlich belegt ist laut Müller und der Skistudie der Universität Salzburg, für die 400 Skifahrer befragt wurden: „Die Mehrheit der Skifahrer befindet sich beim Skifahren in einer positiven Grundstimmung.“ Medizinisch erklärt werden kann dies damit, dass allein durch die Bestrahlung mit Sonnenlicht, die in der Höhe intensiver ist und von Fels und Schnee reflektiert wird, sowie Bewegung in der Natur „vermehrt körpereigene Glückshormone ausgeschüttet“ werden.

Wirkung 2:
Gestärktes Herz-Kreislauf-System

Liegt es an der Höhenluft, an der freudigen Aufregung, die der Skisport mit sich bringt, oder rein an den Schwüngen beim Abwärtsfahren? Jedenfalls schlägt beim Skifahren das Herz schneller, der Blutdruck steigt, die ruhige Atmung geht in Schnaufen über, das gesamte Herz-Kreislauf-System wird deutlich gefordert.
Auf diese Forderung folgt erwiesenermaßen eine Förderung. Denn: „Die Stimulierung des Herz-Kreislauf-Systems beim Skifahren hat auch schon nach ein bis zwei Wochen des täglichen Skifahrens, etwa während eines Skiurlaubs, einen länger anhaltenden positiven Einfluss auf das gesamte kardiovaskuläre System, den Blutdruck, die Herzgesundheit und die Lungenfunktion“, weiß Schobersberger. Untersuchungen von mehr als hundert Tirolern und Salzburgern, die im Lauf der vergangenen Jahre mindestens einmal pro Woche während der Skisaison im Dienst der Wissenschaft skifuhren, zeigen außerdem: Derart regelmäßig ausgeübt stärkt der Wintersportklassiker das Herz-Kreislauf-System nachhaltig, verbessert die Ausdauer gleich für mehrere Monate.

Wirkung 3:
Kräftigere Muskeln und Knochen

Hängt es mit dem Bemühen um eine möglichst sportliche Haltung zusammen, mit der Steilheit der Hänge oder der Zahl der Abfahrten? Fest steht: Nach einiger Zeit des Skifahrens sind die Muskeln der unteren Körperhälfte zu spüren, die Oberschenkel brennen.
Die Bewegung auf der Piste belastet die Muskeln – wobei die Belastung kurzfristig eine Ermüdung mit sich bringt, mittel- und langfristig aber eine Kräftigung: Nicht nur der Muskeln, sondern über den Zug, den die Muskeln ausüben, auch der Knochen. Besonders deutlich zeigt sich das am körperlichen Zustand der Teilnehmer an der Salzburger Langzeitskistudie, die zehn Jahre nach Studienbeginn zwischen 72 und 86 Jahre alt sind. „Ihre muskuläre Situation ist im Vergleich zu jener der Teilnehmer in der inaktiven Kontrollgruppe sehr gut, sie haben mehr Kraft und sind beweglicher“, so Müller. Auch sind die Skifahrer wohl besser vor altersbedingtem Knochenschwund, der Osteoporose, geschützt.

Wirkung 4:
Verbesserte Reaktion und Kordination

Geht es auf die komplexen Bewegungsabläufe zurück oder darauf, dass  immer wieder auf Unerwartetes reagiert werden muss?
Jedenfalls werden beim Skifahren die Reaktions-, Koordinations-, und Gleichgewichtsfähigkeit gefordert und nach einigen Wochen des – mindestens einmal wöchentlichen – Skisports auch verbessert.

Wirkung 5:
Vorteilhaft für die Figur

Liegt es an der frischen Luft, der Anspannung oder der ungewohnten Anstrengung? Bestimmt spielt all das eine Rolle, wenn es darum geht, dass Skifahrer nach einiger Zeit des Wedelns, Carvens oder Parallelschwungs eines gemeinsam haben: Einen überaus guten Appetit. Wen wundert’s, wird doch während des Skifahrens der Fettstoffwechsel in ähnlichem Ausmaß angekurbelt wie beim Bergwandern, und es werden auch ungefähr so viele Kilokalorien verbraucht: je nach Geschlecht, Größe, Gewicht und Alter zwischen 400 und 800 pro Stunde.
Wer öfter pro Woche mehrere Stunden lang skifährt und sich bei den Einkehrschwüngen nicht mehr Kilokalorien zuführt, als er verbrennt, kann laut Experten mit dem Wintersportklassiker demnach gut die Figur halten – oder sogar abspecken, wenn er weniger Kilokalorien zu sich nimmt als er braucht.

Wirkung 6:
Gut für die Psychosoziale Gesundheit und das Gehirn

Ist es die Freude an der ja meist mit anderen zusammen ausgeübten Aktivität, sind es die Plaudereien, die sich beim Skiliftfahren oder der Hüttengaudi ergeben, ist es die Anforderung, sich im Skigebiet zurechtzufinden? Fest steht: Skifahren fördert – mittel- und langfristig – die psychosoziale Gesundheit und die Leistung des Gehirns. Das weiß Müller aufgrund der Salzburger Langzeit-Skistudie: „Die skifahrenden Teilnehmer haben seit Studienbeginn ihr geistiges Leistungsniveau behalten“, sagt er. Sie sind aber nicht nur geistig fit geblieben, sondern leiden auch kaum an altersbedingten depressiven Verstimmungen, sind unternehmungslustig, gesellig und erfreuen sich daher einer guten psychosozialen Gesundheit.

Skifahren – so bereiten Sie sich vor
Tipps von Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger und Univ. Prof. Dr. Erich Müller

*   Untrainierte sollten idealerweise acht Wochen vor dem ersten Skifahren mit einem Training von Ausdauer, Kraft, Koordinations- und Gleichgewichtsfähigkeit beginnen. Anleitungen für Skigymnastik finden sich zum Beispiel im Internet im Videokanal Youtube. Da Skifahren den Körper ähnlich fordert wie Bergabgehen, sind auch Bergwandern, über Hügel spazieren und Stiegensteigen eine gute Vorbereitung.
*   Vor allem Untrainierte und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems oder des Bewegungsapparats sollten vor dem Beginn des Trainings für den Skiwinter immer eine sportmedizinische Untersuchung durchführen lassen. Dies mit dem Ziel, individuell angepasste Empfehlungen für das vorbereitende Training und für das Skifahren zu erhalten – wo es darum geht, welcher Herzfrequenzbereich und Fahrstil ideal ist, um Überbeanspruchungen und Übermüdung vorzubeugen.
*   Anfänger sowieso, aber auch Wiedereinsteiger, die viele Jahre nicht skigefahren sind, sollten einen Skikurs buchen – und besuchen, um unter Anleitung eines Skilehrers in das gesunde, die Fitness fördernde Skifahren eingeführt zu werden.
*   Rechtzeitig sollte des Weiteren die Ausrüstung überprüft werden: Sind Ski und Bindung in Ordnung, brauche ich noch einen Skihelm, eine taugliche Skibrille oder Protektoren?
*   Unmittelbar vor der ersten Abfahrt sollte ein weiterer Schritt der Vorbereitung nicht fehlen: Das Aufwärmen. Einige Schritte mit angeschnallten Skiern gehen, die Arme schwingen, mit den Hüften kreisen, in den Knien wippen: Das kurbelt die Durchblutung des Körpers an und schützt so bis zu einem gewissen Grad vor Verletzungen. 

Interview

„Skifahren macht Spaß und ist Kult“

Skistar Marcel Hirscher im Interview mit MEDIZIN populär zu der Frage, warum wir skifahren sollten.

MEDIZIN populär
Herr Hirscher, Sie sind vor kurzem Vater geworden. Wann bringen Sie Ihrem Sohn das Skifahren bei?

Marcel Hirscher
Die Frage kommt etwas verfrüht… aber meine Eltern haben mich mit zwei Jahren auf Ski gestellt, und das hat gepasst.

Dass Kinder Skifahren lernen, ist nicht mehr so selbstverständlich wie es das zumindest hier in Österreich einmal war…
…und das ist schade, denn Skifahren ist ein Sport, der Spaß macht, und bei uns in Österreich mehr als nur ein Sport. Hier ist Skifahren auch Kult. Ein Kult, der von Generation zu Generation weitergegeben werden sollte.

Ist Skifahren gesund?
Auf jeden Fall. Skifahren nützt sogar ganzheitlich. Abgesehen davon, dass der Sport gute Laune macht, vor allem wegen dem Bezug zur Natur, ist Skifahren ein umfassendes Training.

Auf das man sich aber auch mit einem Training, idealerweise mit Skigymnastik, vorbereiten sollte, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren?
Genau. Aber die Verletzungsgefahr ist mit der heutigen Ausrüstung nicht mehr so groß. Erfahrungen von uns Skirennläufern haben im Lauf der Zeit einiges verändert: Die Ski sind jetzt leichter zu fahren, die Skischuhe sind besser, und der Skihelm gehört nun auch für Hobbyfahrer dazu.

Marcel Hirscher – wie er trainiert

Der siebenfache Gesamtweltcupsieger und doppelte Olympiasieger des vergangenen Skiwinters aus Annaberg im Salzburger Lammertal ist als Perfektionist bekannt. Beim Training lässt er sich von führenden Experten beraten. Darunter von einem Sportmediziner und einem Physiotherapeuten, die MEDIZIN populär zur Betreuung des Skistars befragte. Zu erfahren war, was angesichts der Erfolge des 29-Jährigen wenig verwunderlich ist: Nachahmbar ist das, was er macht kaum – bis gar nicht. „60 Prozent seines Trainings dienen dazu, besser skizufahren, 40 Prozent, die Belastungen durch das Skifahren auszugleichen“, erzählt sein Physiotherapeut. Allein für die 40 Prozent Ausgleichssport sind im Sommer täglich vier Stunden vorgesehen, im Winter zwei. Ob das Training den Skirennläufer, der von sich sagt, ihn motiviere, dass er nicht so gern Zweiter wird, immer freut?
Dass er einmal nicht trainieren mag, komme so gut wie nie vor, sagen Arzt und Therapeut unisono. Hirscher sei eben sehr diszipliniert und habe auch am Training fast immer sehr viel Spaß. Kann er einmal etwas zunächst nicht, wie extra schwierige Übungen auf einer Slackline, Kettlebells schwingend, trainiert er so lang, bis er es kann. Führt etwas nicht zum gewünschten Ergebnis, lässt er den Trainingsplan ändern. Dieser wird übrigens so erstellt, dass noch genug Energie für seine Hobbys bleibt: das Laufen, Bergsteigen, Motocross-Fahren und das Skifahren rein zum Vergnügen.

Skifahren – immer weniger ­Verletzungen

Wenn Skifahrer einen Unfall erleiden, passiert dies laut Kuratorium für Verkehrssicherheit meist aus Überschätzung, daraus resultierender Überforderung und Übermüdung. Die fünf häufigsten Verletzungen, zu denen es bei Skiunfällen kommt, betreffen die Knie, die Schultern, den Kopf, die Handgelenke und die Knöchel. Wohl aufgrund dessen, dass immer mehr Skifahrer einen Helm und Protektoren tragen, und die Pisten immer besser präpariert sind, ging die Zahl der Skiunfälle laut österreichischem Kuratorium für alpine Sicherheit in den vergangenen Jahren zurück. Es kam daher auch zu immer weniger Verletzungen: So wurden im Winter 2017/18 um 700 weniger als im Jahr davor gezählt und um 1300 weniger als im Mittel der vergangenen zehn Jahre.

 

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