Nicht so spröde, bitte!

Oktober 2018 | Kosmetik & Pflege

Wenn es draußen kälter wird, bekommt unsere Haut das als Erstes zu spüren: Wind und Wetter trocknen sie aus, sie wird rissig und spröde. Alles über die optimale Winterpflege und was man sonst für gestresste Haut tun kann.
 
– Von Mag. Alexandra Wimmer

Die größte Belastung für die Haut sind im Winter Kälte und Trockenheit“, schickt die Wiener Hautärztin Dr. Julia Lämmerhirt voraus. Bei Kälte verlangsamt sich die Aktivität der Talgdrüsen zunehmend, ab einer Temperatur von acht Grad und weniger produziert die Haut keinen Talg mehr. Das hat Folgen für den Hydrolipidfilm, den Säureschutzmantel; dieser stellt zugleich die wichtigste Barriere gegen Erreger dar und besteht vor allem aus Schweiß und Talg, also aus Feuchtigkeit und Fetten. „Der Hydrolipidfilm auf der Haut beginnt quasi zu bröckeln, weil nicht mehr genug Fette enthalten sind“, präzisiert Lämmerhirt.

Reaktion auf Umweltreize

Die Haut ist deshalb weniger geschützt vor Umweltreizen wie UV-Licht, Chemikalien und vor diversen Erregern. „Aus diesem Grund kann es in der kalten Jahreszeit wesentlich leichter zu Hautproblemen kommen“, betont die Dermatologin. Neben der Kälte setzt die geringere Luftfeuchtigkeit – draußen wie in geheizten Räumen – dem Kontaktorgan zu: Trockene Luft entzieht der Haut Feuchtigkeit.
Kurzum: Im Winter arbeitet die Haut aufgrund der abnehmenden Talgproduktion und dem Verlust von Feuchtigkeit unter erschwerten Bedingungen. „Hat man auch noch eine Veranlagung für trockene Haut oder sogar Neurodermitis, muss man jetzt besonders sorgsam sein“, erklärt Lämmerhirt.

Intensivere Pflege, mehr Schutz

Abhängig vom jeweiligen Hauttyp muss die Pflege im Winter intensiviert werden. Wer zu fetter Haut neigt und das Jahr hindurch ohne Pflege auskommt, braucht jetzt vielleicht eine leichte Creme. Jene, die ohnehin ständig cremen, brauchen eine reichhaltigere Pflege: Statt auf Öl-in-Wasser-Emulsionen sollte die Winterpflege auf Wasser-in-Öl-Emulsionen basieren. „Eine Bodylotion mit einer Öl-in-Wasser-Formel zieht zwar sehr schnell ein und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit, sie enthält aber nicht genug Fette, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten“, nennt die Dermatologin den Grund. Anstatt eines leichten Fluids braucht trockene Gesichtshaut eine fetthaltige Creme. Oder man funktioniert die reichhaltige Nachtcreme vorübergehend zur Tagespflege um.

Exponierte Hände

Auch die Hände sind besonders exponiert und pflegebedürftig. „Selbst wenn man sie an kalten Tagen mit Handschuhen schützt, brauchen sie zusätzlich eine rückfettende Lotion oder Handcreme“, betont Lämmerhirt. Die Hände sind auch deshalb sehr beansprucht, weil das regelmäßige Händewaschen ein wichtiger Schutz vor Erkältungs- und Grippeerregern ist.
Der Tipp der Hautärztin: Waschen Sie die Hände mit wenig, aber ph-neutraler Seife und cremen Sie sie danach gut ein. „Werden die Hände öfter gewaschen, sollten sie auch deutlich öfter – bis zu zehn Mal statt nur zwei Mal am Tag – eingecremt werden.“ Daneben macht sich im Winter oft die Haut an den Unterschenkeln unangenehm bemerkbar – trotz oder wegen des Schutzes durch Kleidung: Man weiß, dass die Haut unter Stützstrümpfen oder Strumpfhosen besonders trocken ist und mehr schuppt. ‘

Vorsicht, empfindliche Haut

Ganz besonders treffen winterliche Hautprobleme jene, deren Haut ohnehin empfindlich ist und zu Entzündungen neigt. So haben etwa Menschen mit Neurodermitis von vornherein einen schlechteren Hydrolipidfilm, der Stressfaktor Kälte macht einen Schub mit Rötungen und Juckreiz wahrscheinlicher. Und auch jenen mit gesunder Haut legt die Ärztin nahe: „Wenn es trotz Pflege juckt und brennt oder die Haut gerötet ist, sollte man zum Hautarzt gehen.“

Psychischer Stress als Auslöser

Daneben kann auch psychischer Stress der Haut zusetzen – und sie in der Folge anfälliger für Entzündungen machen. „Bei Stress werden vom Nervensystem bestimmte Botenstoffe, Neuropeptide, ausgeschüttet“, erläutert Lämmerhirt. „Diese regulieren das Immunsystem und sind über Rezeptoren auch auf der Haut wirksam.“ Weil in der Haut ein Teil des Immunsystems sitzt, können sich bei Stress bestimmte Hauterkrankungen verschlechtern und Symptome verstärken: Stress kann bei Neurodermitis oder Schuppenflechte einen Schub auslösen oder, aufgrund einer vorübergehenden Abwehrschwäche, zum Ausbruch von Fieberblasen führen. „Viele meiner Patienten haben trotz sehr trockener Haut keine Beschwerden, bis es bei Stress plötzlich zu einer Entzündung, einem Ekzem oder einem Ausschlag in jenem Hautbereich kommt, in dem die Barriere schon gestört war“, beobachtet Lämmerhirt. Zeigt eine intensive Pflege mit beruhigenden, antientzündlichen Inhaltsstoffen keinen Erfolg, muss vom Dermatologen entzündungshemmendes Kortison verschrieben werden.

STAND: 11/ 2018

 

 

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