Ab in den Urlaub

Mai 2018 | Leben & Arbeiten

Wie urlauben wir? Lieber in gewohnter Umgebung oder zieht es viele von uns doch eher in die Ferne? Warum mehrere Kurzurlaube pro Jahr im Trend liegen und „reiner“ Badeurlaub vielfach nicht mehr gefragt ist, zeigt der folgende Überblick.
 
– Von Mag. Silvia Feffer-Holik

Die Zeiten, wo viele den Urlaub zu Hause verbracht haben, sind vorbei – Herr und Frau Österreicher packen wieder ihre Koffer und machen sich auf den Weg. Wenn wir auch nicht so mobil sind wie andere Europäer – wie etwa die Niederländer oder Schweden – so verreisen im Urlaub doch sechs von zehn Österreichern.
„Im Trend liegen kürzere Urlaube, diese werden dafür öfter im Jahr konsumiert“, fasst Prof. Mag. Peter Zellmann vom Institut für Freizeit und Tourismusforschung zusammen. Statt einmal im Jahr drei Wochen zu verreisen, sind es zunehmend die kleinen Auszeiten vom Alltag, die zählen. Meist wird auch per Kurztrip das eigene Land bereist – bevorzugt Kärnten, Steiermark, Salzburg und Tirol. Dabei geht es um gutes Essen, Erholung aber auch Sport und Spaß.
Zellmann: „Ob nun im In- oder Ausland: Nur am Strand liegen, möchten die wenigsten – auch wenn im Sommer naturgemäß Sand und Sonne im Mittelpunkt stehen. Erholung ist zwar sehr wichtig, dennoch sollten Aktivitäten nicht zu kurz kommen. Vielen ist es auch im Urlaub ein Bedürfnis etwas zu tun, das sich von ihrem beruflichen Alltag unterscheidet.“

Wo wir am liebsten hinfahren
Urlaub beim Nachbarn ist den meisten noch immer das Liebste – so nach dem Motto „nicht zu weit weg, aber doch nicht daheim“. Italien ist nach wie vor das beliebteste Auslandsziel der Österreicher, dicht gefolgt von Kroatien und Deutschland. „Die Österreicher bleiben am liebsten geografisch in nächster Nähe, sie sind keine Fernreisenden. Wenn man die Personengruppe hernimmt, die verreist, dann liegt der Anteil der österreichischen Fernreisenden – sprich bei Reisen außerhalb von Europa – seit Jahrzehnten bei etwa zwölf Prozent“, erklärt Freizeitforscher Zellmann.

Beruhigter verreisen
Auch wer seinen Urlaub in Europa plant, sollte sich darauf vorbereiten. „Jede Reise ist ein guter Anlass, seinen Impfstatus zu überprüfen. Erwachsene sollten alle zehn Jahre die Basisimpfungen auffrischen. Bei Personen ab 60 Jahren verkürzen sich die Impfabstände“, rät Univ. Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Med Uni Wien. Dazu zählen in erster Linie:

  • Polio/Diphtherie/Tetanus/Pertussis
  • Masern/Mumps/Röteln
  • Hepatitis A und Hepatitis B
  • FSME 

Wiedermann-Schmidt: „Hepatitis A ist für Reisende in den Süden Europas, besonders nach Süditalien, sinnvoll. Außerdem gibt es in Italien immer wieder Masern-Epidemien, daher sollte auch hier der Impfschutz aufgefrischt werden. Bei jungen Erwachsenen sehen wir massive Impflücken – entweder wurde gar nicht oder nur einmalig gegen Masern geimpft, es sollte zweimal geimpft werden. Großeltern, die mit den Enkerln in den Urlaub fahren, können anlässlich der Reise daran erinnert werden, sich gegen Pneumokokken und FSME zu schützen.“

Impfen bei Fernreisen

Wer eine Fernreise plant, sollte auf die Basisimpfungen achten und mindestens vier Wochen vor Abreise mit den für die Region erforderlichen Impfungen beginnen. Wo genau geht die Reise hin, wie lange soll sie dauern? Ist ausschließlich ein Badeurlaub oder eine Schiffsreise geplant, geht es mit dem Rucksack quer durchs Land – all diese Fragen sollten spätestens fünf bis sechs Wochen vor der Abreise mit dem Hausarzt oder Reisemediziner besprochen werden. Bei manchen Impfungen wie der Tollwut sind mehrere Teilimpfungen nötig, die einen Zeitraum von drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen.
Infektiologin und Immunologin Ursula Wiedermann-Schmidt: „Oft ist auch der Aufenthaltsort und die Dauer der Reise entscheidend dafür, ob geimpft wird oder nicht. Bei einem Aufenthalt von mehr als vier Wochen in Ländern wie Kambodscha oder Myanmar kann eine Impfung gegen Japanische Encephalitis sinnvoll sein, während bei einem zweiwöchigen Badeurlaub im Süden von Thailand diese Impfung primär nicht anfällt. Manchmal stellen Infektionen für Touristen keine unmittelbare Gefahr dar: die Typhusimpfung macht in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen (wie Indien, Nepal) absolut Sinn, kann aber in vielen Ländern mit verbesserter Hygienesituation unnötig sein.“ Ein zunehmendes Problem sind weltweit Erkrankungen, die von Mücken übertragen werden und gegen die es keine Impfungen gibt.

Erkrankungen durch Mücken
Zu den häufigsten Erkrankungen, die in Afrika, Südamerika, in der Karibik und in Südostasien vorkommen, gehört das Denguefieber. Außerdem haben Zika- und das Chikungunyafieber zugenommen, die ebenso durch Mücken übertragen werden. „Gegen Dengue, Zika und  Chikungunya gibt es (noch) keine Impfungen – sie sind zwar in Entwicklung, das wird aber noch dauern. Das Einzige, was sinnvoll hilft, sind vorbeugende Maßnahmen, die das Stechrisiko eindämmen. Dazu gehört ordentlich Mückenspray auf die Haut zu sprühen, langärmelige Blusen und lange Hosen anzuziehen – diese mit Mückenspray zu imprägnieren – sowie Moskitonetze, Insektengitter sowie Klimaanlagen zu verwenden“, rät Ursula Wiedermann-Schmidt. Mücken, die Dengue, Chikungunya und Zika übertragen, sind tagaktiv – im Unterschied zu den Überträgern der Malaria, die in erster Linie in der Dämmerung unterwegs sind.
Sollte man das Pech haben, an Chikungunya zu erkranken, dann gibt es keine spezifische Therapie, sondern es können fiebersenkende Mittel und Flüssigkeitsersatz verabreicht werden bzw. auch Mittel gegen starke Schmerzen in Gelenken und Muskeln. Ist die Erkrankung sehr heftig – verbunden mit starken Schmerzen und hohem Fieber – ist ein Krankenhausaufenthalt nötig.

Brutstätten reduzieren

 „Es sind jene Tigermücken, die Chikungunya übertragen, fallweise auch in Italien aufgetreten und haben kurzfristig zu lokalen Ausbrüchen geführt. Diese konnten aber relativ rasch wieder eingedämmt werden“, so die Ärztin.

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Urlaub doch zu Hause?

Rund 40 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher verreisen auch in ihrem Urlaub nicht, sei es, weil sie das Geld anderweitig investieren. Oder auch, weil ihnen Reisen schlichtweg zu stressig ist. Peter Zellmann: „Das eigene Wohnumfeld bietet oft viele Angebote in unmittelbarer Umgebung, so lässt sich der Urlaub auch zu Hause aktiv gestalten.“

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Klassiker unter den Reiseimpfungen

Auch wenn jedes Reiseziele eigene Bedingungen vorgibt – es gibt einige Reiseerkrankungen, die weltweit verbreitet sind:

  • Hepatitis A und Hepatitis B
    Hochansteckende Viren können Leberentzündungen verursachen, die teilweise zu einer Leberzirrhose bzw. zu Leberkrebs führen können.

  • Cholera
    Durch verunreinigtes Trinkwasser und infizierte Lebensmittel kommt es zu starkem Durchfall und Erbrechen, im Extremfall zu Nierenversagen.

  • Typhus
    Diese schwere Infektionskrankheit mit Durchfällen und Benommenheit kann zur Gefahr für Leber und Milz werden.

  • Tollwut
    Wird man von einem tollwütigen Tier gebissen, bleibt nur wenige Tage Zeit, die lebensrettende Impfung zu erhalten – ohne diese ist Tollwut tödlich.

  • Gelbfieber und Malaria
    Werden durch Mückenstiche übertragen. Hohes Fieber, Erbrechen, Gliederschmerzen sind die Folgen. Fieber kann in Schüben auftreten.

  • Meningokokken-Meningitis
    Infolge der Tröpfcheninfektion kommt es zu heftigen Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteife und Bewusstseinsstörungen.

  • Japanische Encephalitis
    Charakteristisch sind grippeähnliche Beschwerden bis hin zu Hirnhautentzündung. Wird durch Mückenstich übertragen. Kommt in erster Linie im asiatischen Raum vor.    

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Was unbedingt mit in den Koffer sollte….
Bevor das Auto gepackt bzw. das Flugzeug in Richtung Sonne, Meer und Freizeit abhebt, ist vielerorts noch einiges zu erledigen: Wer schaut auf die Katze, wer versorgt die Blumen auf dem Balkon bzw. im Garten, ist der Koffer fürs Einchecken schon zu schwer und gilt die Reiseversicherung noch?

Auch wer mit Kindern verreist, muss darauf achten, die Anreise so angenehm wie möglich zu gestalten (siehe „Sind wir endlich da?“). In diesem Zusammenhang ist oft auch die Reiseapotheke das wertvollste Gepäckstück. Sonnenschutz, Wund- und Heilsalben bzw. Sprays, Verbandszeug, Schmerzmittel, Ohrentropfen, Abführmittel, Pflaster, Reisekaugummi – all diese Dinge dürfen in keiner Reiseapotheke fehlen, können sie doch das Leben im Krankheitsfall ungemein erleichtern, wie der folgende Überblick zeigt:

Checkliste Reiseapotheke

  • Verbandmaterial wie Mullbinden, bunte Kinderpflaster, Schere, Wundkompressen und eventuell blutstillender Erste-Hilfe-Spray
  • Schere, Pinzette, Einmalhandschuhe, ev. Blasenpflaster
  • Desinfektionsmittel, das auf der Haut nicht brennt
  • Fieberthermometer
  • Schmerz- und Fieberzäpfchen oder Säfte
  • Hustensaft, Nasentropfen (abschwellende Nasensprays erleichtern zudem den Druckausgleich bei Flugreisen)
  • Medikamente gegen Durchfall, Elektrolytmischungen, Präparate zur Wiederherstellung der Darmflora
  • Mittel gegen Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung bzw. gegen Reiseübelkeit
  • Augentropfen gegen trockene Augen und Bindehautentzündung
  • Brand- und Wundgel
  • Salbe gegen Blutergüsse
  • Mittel gegen Insektenstiche, wenn nötig auch Antiallergika
  • Sonnenschutzmittel: Ob beim Sport in freier Natur, im Urlaub oder beim Schulausflug – Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor gehören in jede Reiseapotheke
  • Unterstützende Mittel bei Blasenentzündungen: Stressbedingt bzw. aufgrund von Infektionen sind Blasenentzündungen im Sommer sehr häufig
  • Medizinische Dokumente wie Diabetikerausweis, Allergiepass oder Notfallpass
  • Die E-Card

Wer regelmäßig Medikamente braucht, sollte ausreichend davon einpacken, denn in vielen Ländern heißen die Medikamente anders oder sind nicht in derselben Zusammensetzung erhältlich. Hilfreich kann auch der Beipackzettel oder eventuell eine Übersetzung davon sein.

Stand 05/2018

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