Der Magen

Februar 2018 | Medizin & Trends

Rund eine Tonne Nahrung knetet der elastische Muskelsack im Jahr zu Brei. Zwei bis drei Liter Verdauungssäfte produziert er täglich, um fallweise auch schwere Kost zu bewältigen. Unser Magen ist nicht nur außerordentlich tüchtig, sondern mitunter recht empfindlich: Viele verschiedene Probleme können dem Verdauungsorgan zu schaffen machen – von Infekten über Sodbrennen und Reizmagen bis hin zu Tumoren.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Welche Aufgaben erfüllt unser Magen?
Das Verdauungsorgan hat im Körper wichtige Funktionen, angefangen bei der Vorverdauung der Nahrung: Im Magen wird das Enzym Pepsin gebildet, welches Eiweiß in verdauliche Teile spaltet. Weiters bilden bestimmte Zellen in der Magenwand Salzsäure, die den pH-Wert im Magen senkt und dafür sorgt, dass die meisten Bakterien abgetötet werden und nicht in den Darm gelangen. Insgesamt werden im Magen täglich rund zwei Liter Pepsin und Salzsäure, die man zusammen als Magensaft bezeichnet, produziert. Der Magen ist außerdem ein Speicherorgan, erklärt Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Arnulf Ferlitsch, Spezialist für den Magen-Darm-Trakt (= Gastroenterologe) in Wien. „Er speichert die Nahrung und gibt sie nach und nach an den Darm zur weiteren Verdauung ab.“ Dadurch wird der Organismus ständig mit Nährstoffen versorgt ohne, dass wir ständig etwas essen müssen. Wie lange der Speisebrei im Magen bleibt, hängt von der Zusammensetzung der Nahrung ab: Leicht Verdauliches, wie Obst und Gemüse, bleibt ein bis zwei Stunden dort. Schwer verdauliche, fettreiche Kost fünf bis acht Stunden.

Wie ist der Magen aufgebaut?
Der Magen ist ein Hohlorgan und liegt zwischen Speiseröhre und Darm, knapp unterhalb des Brustbeins. Je nach Füllungszustand, Körperlage und Lebensalter verändert sich seine Form und Größe: Ist er mäßig gefüllt, ist er zwischen 20 bis 30 Zentimeter lang. Durchschnittlich fasst er 1,5 Liter. Das Organ besteht aus Muskelgewebe und ist dick mit Schleimhaut ausgekleidet. Die Magenwand setzt sich aus längs, ringförmig und schräg verlaufenden Muskelfasern zusammen: Mit ihren wellenförmigen Bewegungen sorgen sie für die Durchmischung des Speisebreis und seinen Transport zum Dünndarm.
Der Magen gliedert sich in mehrere Abschnitte: Er beginnt beim Mageneingang als Bindeglied zur Speiseröhre und mündet in eine sackartige Erweiterung, den Magengrund, der meist mit der beim Essen verschluckten Luft gefüllt ist. Es folgt der größte Magenabschnitt, der Magenkörper. Den Abschluss bildet eine Engstelle, der Pförtner. Die hier stark verdickte, besonders kräftige Muskulatur der Magenwand reguliert den Eintritt der Nahrung in den Zwölffingerdarm.  

Woran erkrankt der Magen häufig?
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung dürfte wenigstens einmal im Leben eine Magenerkrankung bekommen. Zu den häufigen Erkrankungen zählen die Magenverstimmung oder ein Magen-Darm-Infekt (= Gastroenteritis). Außerdem macht vielen der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre, die Refluxerkrankung, Probleme. Mögliche Symptome sind Sodbrennen, chronischer Hustenreiz, Mundgeruch und Infekte im Mund- und Rachenbereich. Zu den Ursachen zählen Stress und falsches Essverhalten. „Wenn man sehr spät am Abend isst und wenig Zeit bis zum Schlafengehen vergeht, kann dies Sodbrennen verursachen“, informiert Ferlitsch. Auch Alkohol oder sehr stark gewürzte Speisen können zu Sodbrennen führen. Die Therapie der Wahl erfolgt mit Medikamenten, die die Säurebildung im Magen unterdrücken: Protonenpumpenhemmer (PPI).
Die Gastritis, eine Entzündung der Magenschleimhaut, ist ebenfalls ein häufiges Leiden. Zu den Symptomen zählen etwa drückende oder stechende Schmerzen. Bei einer akuten Gastritis kann es auch zu heftigen Beschwerden wie Brechreiz, Erbrechen oder Völlegefühl kommen. Mögliche Auslöser: eine Virusinfektion, Stress oder Medikamente. „Auch die Infektion mit einem Bakterium, dem Helicobacter pylori, kann eine Gastritis auslösen“, ergänzt Ferlitsch. Da eine solche Infektion außerdem das Risiko für ein Magengeschwür und Magenkrebs erhöht, muss sie unbedingt behandelt werden: mit Antibiotika kombiniert mit einem PPI.
Was sind die Ursachen einer chronischen Gastritis? Bei der autoimmunologischen Gastritis richten sich Antikörper im Magen gegen Magenzellen. Weiters kann eine chronische Gastritis durch den Helicobacter pylori verursacht werden. Die chemisch bedingte Gastritis wird durch falsche Ernährung, Stress oder Medikamente ausgelöst. Besonders problematisch ist die längere Einnahme von Schmerz- und fiebersenkenden Mitteln.
Medikamente sind neben einer Infektion durch den Helicobacter pylori auch eine mögliche Ursache für ein Magengeschwür: Dabei wird die Magenschleimhaut immer dünner, sodass es zu mitunter lebensbedrohlichen Blutungen kommen kann.
Das Risiko für Magenkrebs steigt bei einer länger andauernden, schweren Gastritis. Weiters kann die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln, der übermäßige Konsum von Alkohol sowie das Rauchen die Magenschleimhaut schädigen und letztlich Magenkrebs verursachen. Aufgrund sehr unspezifischer Symptome – plötzlicher Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Leistungsabfall, Völlegefühl oder Bauchschmerzen – wird Magenkrebs oft sehr spät erkannt. „Die Therapie der Wahl ist, wenn möglich, eine Operation“, sagt Ferlitsch.
Ursache für Magenprobleme könnte nicht zuletzt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sein – sei es gegen Gluten, Fruktose, Laktose, Histamin oder ein spezielles Nahrungseiweiß.
Um schweren Magenerkrankungen vorzubeugen, sollte bei Beschwerden möglichst frühzeitig ein Facharzt oder eine Fachärztin für innere Medizin oder Gastroenterologie aufgesucht werden. Je nach Ausprägung der Symptome wird der Arzt zuerst PPI verschreiben oder gleich eine Magenspiegelung (Gastroskopie) machen und Gewebeproben entnehmen, um festzustellen, ob der Magenkeim Helicobacter pylori vorliegt. Dieser lässt sich auch mittels Stuhl- bzw. Atemtest feststellen.

Wie können wir unseren Magen schützen?

Der Magen wird entlastet, indem man in Ruhe isst und die Speisen gründlich kaut. Am besten tut dem Magen eine ausgewogene Mischkost. Was dem Magen nicht schmeckt: zu kalte und zu heiße Speisen und Getränke, allzu fettiges, scharfes oder salziges Essen.
„Zur Vorbeugung von Magenbeschwerden wie Sodbrennen ist es günstig, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu essen statt eine oder zwei große“, informiert der Gastroenterologe. Wenn man die Hauptmahlzeit am Abend einnimmt, sollten idealerweise vier Stunden bis zum Schlafengehen vergehen. Empfindliche sollten Kaffee nur in kleinen Mengen genießen. Noch ungünstiger wirken Nikotin und Alkohol. Werden für länger Schmerzmittel eingenommen, empfehlen sich die als „Magenschutz“ bezeichneten PPI, sie sollten auch nach einem Magengeschwür bzw. einer Magenblutung zur Anwendung kommen.

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Hilfe bei Reizmagen

Psychische Belastungen und Stress können dem Magen zusetzen: Der Reizmagen wird immer häufiger. Dabei verursacht das Organ Beschwerden, ohne dass eine körperliche Ursache gefunden wird. „Der Reizmagen spricht typischerweise nicht auf Medikamente an, die die Säurebildung im Magen unterdrücken“, erklärt Gastroenterologe Arnulf Ferlitsch. Um die Verdauungsorgane zu beruhigen, sollte man ganz bewusst tief in den Bauch atmen. Auch Methoden wie Yoga oder sanfte Bauchmassagen sind oft hilfreich.

Kräuter gegen Krämpfe
Bei Blähungen sind Anis, Fenchel, Kümmel oder Pfefferminze in Form von Tee probate Mittel: Die enthaltenen ätherischen Öle wirken krampflösend und verdauungsfördernd.
In Teemischungen wirken Nelken verdauungsanregend und entzündungshemmend – und sind damit eine Wohltat bei Magenkrämpfen. Auch die in der Ingwerwurzel enthaltenen ätherischen Öle und Bitterstoffe sind wohltuend bei Krämpfen. Käsepappel- und Salbeitee wiederum schützen die Magenschleimhäute.
Hilfreich gegen Völlegefühl sind Fenchel- und Kümmeltee. Besonders günstig wirken nicht zuletzt die Extrakte aus der Artischocke. Wer kleine Portionen über den Tag verteilt isst, beugt auch Sodbrennen vor.

Stand 02/2018

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