Die Leber

Februar 2018 | Medizin & Trends

Von wegen „beleidigte Leber“! Unser Entgiftungsorgan steckt viel weg und zählt sogar zu den Schwerstarbeitern unter den Organen: Die Leber macht die Nahrung für den Körper verwertbar und bewerkstelligt die Entgiftung. Zusätzlich hat sie verstärkt mit unserem ungesunden Lebensstil – üppigem Essen und zu viel Alkohol – zu kämpfen: Lebererkrankungen werden immer mehr.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Welche Aufgaben erfüllt unsere Leber?
Die Leber (altgriech. „hepar“) ist unser größtes inneres Organ. Sie filtert jeden Tag rund 2000 Liter Blut und befreit es von Schad- und Giftstoffen. Täglich produziert die Leber rund 900 Milliliter Gallenflüssigkeit, die unverzichtbar für die Aufspaltung und Verdauung von Fetten ist. Außerdem spielt die Leber bei der Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten, Medikamenten und Giftstoffen eine große Rolle. Sie lagert weiters Nährstoffe wie Zucker, Fette und Vitamine ein. Und sie bildet lebenswichtige Eiweißstoffe, etwa für die Blutgerinnung.  
An sich kann sich die Leber sehr gut regenerieren, weshalb sie akute und chronische Schädigungen relativ lang gut bewältigen kann.

Wie ist die Leber aufgebaut?

Die Leber ist ein keilförmiges, dunkel-rostbraunes Organ und wiegt eineinhalb bis zwei Kilogramm. Sie besteht aus einem größeren rechten und einem kleineren linken Lappen. Das Organ liegt direkt unterhalb des Zwerchfells, gut geschützt von den unteren Rippen, und füllt den rechten Oberbauch zur Gänze aus.

Woran erkrankt die Leber häufig?
Erkrankungen der Leber sind weit verbreitet. Jeder vierte Österreicher hat erhöhte Leberwerte. Weil diese lange Zeit keine oder kaum Beschwerden verursachen, bleiben sie oft lange unbemerkt – und sind dann schwieriger zu behandeln. Mögliche Indizien für eine Lebererkrankung sind veränderte Leberwerte im Blut. Weiters können starke Müdigkeit, gelb gefärbte Augen, dunkler Urin, Schmerzen im rechten Oberbauch, Juckreiz oder die Neigung zu Blutergüssen Anzeichen für eine Erkrankung sein.
Zu den häufigsten Lebererkrankungen zählen die alkoholische und nicht-alkoholische Fettleber.
Alkohol ist nach wie vor der Leberfeind Nummer eins. „Alkohol und seine giftigen Abbauprodukte führen in der Leber zu einer Verfettung und Entzündung. Es entsteht die alkoholische Fettlebererkrankung“, erklärt die Gastroenterologin und Hepatologin Assoz. Prof. Priv. Doz. Dr. Vanessa Stadlbauer-Köllner von der Medizinischen Universität Graz.
Deutlich im Aufholen ist Fettleibigkeit (Adipositas): Sie gilt als zweiter Leberfeind. Jeder dritte Über-40-Jährige ist von einer nicht-alkoholischen Fettleber betroffen. Wird ständig zu viel und sehr üppig gegessen, sammelt sich das Fett im Bauchbereich. Dieses Fett ist nicht nur eine Lagerstätte für überflüssige Kalorien, sondern produziert auch Botenstoffe und Faktoren, die zu Entzündungsreaktionen in der Leber führen. Mögliche Symptome einer Fettleber sind Druck- und Völlegefühl im Oberbauch, Übelkeit und Appetitmangel, gelblich verfärbte Haut und Augen. Wird das Leiden frühzeitig erkannt und behandelt – und der Lebensstil entsprechend verändert – kann sich das Organ erholen.
Wenn Viren eine Leberentzündung verursachen, spricht man von einer Virus-Hepatitis.
Vor Hepatitis A und Hepatitis B kann man sich mit einer Impfung wirksam schützen. „Gegen Hepatitis C kann man zwar nicht impfen, aber durch die neuen direkten antiviralen Medikamente kann Hepatitis C mittlerweile in mehr als 95 Prozent geheilt werden“, ergänzt Stadlbauer-Köllner. Auch virale Infektionen der Leber werden oft spät erkannt: Vermutlich haben einige tausend Österreicher Hepatitis C ohne es zu wissen.
Sowohl die alkoholische und nicht-alkoholische Fettleber als auch eine Virus-Hepatitis kann zur Leberzirrhose, einer Verhärtung von Lebergewebe, führen. Bei chronischen Leberentzündungen ist das Leberzellsterben dauerhaft erhöht. Die Zirrhose kann zu tödlichen Komplikationen und Organversagen führen. 250 von 100.000 Menschen sind in westlichen Industrieländern davon betroffen. Eine Zirrhose ist zudem der wichtigste Risikofaktor für Leberzellkrebs. Der sechshäufigste Tumor weltweit ist mit einer sehr hohen Sterblichkeit verbunden. Rechtzeitig erkannt lässt er sich operativ heilen; in einem späten Stadium kann das Tumorwachstum durch moderne Immuntherapien zumindest für einige Zeit gestoppt werden.

Wie können wir unsere Leber schützen?
Bitter schmeckendes Gemüse wie Artischocken und bittere Salatsorten wie Radicchio oder Chicorée dürften der Leber guttun, weil sie den Gallefluss anregen. Aus demselben Grund unterstützt Pfefferminztee – in Maßen genossen – die Leber. Auch Kaffee schmeckt dem Entgiftungsorgan: In Studien konnte ein Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und niedrigen Leberwerten hergestellt werden. Alkohol hingegen sollte, wenn überhaupt, nur in geringen Mengen getrunken werden. Auch Medikamente, etwa Schmerzmittel, sollten nur so hoch wie nötig dosiert und so kurz wie möglich eingenommen werden.

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Regelmäßig zur Gesundenuntersuchung:
Blutwerte als wichtigste Parameter

Damit eine Lebererkrankung rechtzeitig erkannt wird,  sollte man regelmäßig einen Blutbefund erheben lassen. Die wichtigsten Leberwerte: ALAT (GPT), ASAT (GOT) und Gamma-GT (GGT). Speziell der Gamma-GT-Wert „schlägt“ bei der kleinsten Leberschädigung an. „Ein normaler Gamma-GT-Wert liegt unter 55. Hat man über drei Monate hinweg einen Wert über 100 oder 110, muss man beginnen, Ursachenforschung zu betreiben“, erklärt die Leberspezialistin Assoz. Prof. Priv. Doz. Dr. Vanessa Stadlbauer-Köllner. Es sollten der Stoffwechsel untersucht, Blutfette und Blutzucker kontrolliert und eine Virushepatitis ausgeschlossen werden.

Buchtipp:
Müller, Baumgart
Beleidigte Leber. Hepatitis, Zirrhose, Leberkarzinom & Co.

ISBN 978-3-99052-59-4, € 14,90
148 Seiten, Verlagshaus der Ärzte

Stand 01/2018

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