Schmerzen in der Gallenblase

Oktober 2018 | Medizin & Trends

Typischerweise treten heftige Schmerzen im Oberbauch nach dem Verzehr fettreicher Speisen auf. Was bei Gallenschmerzen Linderung verschafft.
 
– Von Mag. Alexandra Wimmer

Warum Schweinsbraten, Schlagobers oder üppige Torten zu den besonderen Übeltätern zählen? Bei fettreichen Mahlzeiten wird das Hormon Cholezystokinin (CCK) freigesetzt. „Dieses Hormon führt dazu, dass sich die Gallenblase zusammenzieht, also kontrahiert“, erklärt Univ. Prof. Dr. Thomas Hinterleitner, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie in Graz. An sich werden diese Kontraktionen der Gallenblase nicht bemerkt.
„Befindet sich in der Engstelle der Gallenblase allerdings ein Hindernis, etwa ein Gallenstein, kann sich die Gallenblase nicht entleeren“, erklärt der Experte. In der Folge führen die heftigen Kontraktionen zu Schmerzen im rechten Oberbauch, die man als „Kolik“ bezeichnet. Oft gehen sie mit Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen einher. Der Großteil der Gallensteine, rund 75 Prozent, macht keine Symptome. In rund 25 Prozent der Fälle kommt es zu genannten Beschwerden.

Ausfallprodukt der Gallenflüssigkeit
Bei einem Gallenstein handelt es sich um ein festes, kristallisiertes Ausfallprodukt der Gallenflüssigkeit, das durch ein Ungleichgewicht von löslichen Stoffen entsteht. In der Gallenblase, einem kleinen birnenförmigen Sack im rechten Oberbauch, wird die Galle eingedickt und bei der Verdauung von Fetten in den Darm ausgeschieden. Da die Leber jedoch viel mehr Gallensaft als notwendig – bis zu einen Liter täglich – bildet, bleibt stets ein überschüssiger Rest in der Gallenblase. Die Gallenblase hält Gallenflüssigkeit zurück, um beispielsweise nach einer besonders fettreichen Mahl­­zeit mehr davon ausschütten zu können.
Gallenflüssigkeit, auch „Galle“ genannt, ist eine gelblich bis grünlich oder bräunlich gefärbte Körperflüssigkeit, die zur Verdauung von Speisen in der Leber produziert und zur Speicherung in die Gallenblase transportiert wird. Sie besteht aus einer Mischung aus Cholesterin, Wasser, Eiweißen, Gallensäuren und Bilirubin.

Wärmeflasche als erste Hilfsmaßnahme
Leidet man aufgrund von Gallensteinen unter krampfartigen Schmerzen, könnte man zur Entspannung und zur Linderung der Beschwerden eine Wärmeflasche auflegen.
Schließlich ist die Gallenblase ein Hohlmuskel mit glatter Muskulatur, der sich bei Wärme entspannt. „Oder man sprüht als erste Maßnahme Nitroglyzerin unter die Zunge“, erklärt Hinterleitner. Die Substanz, die etwa in Pumpsprays zur Verfügung steht und unter anderem als Herzmittel eingesetzt wird, hat eine gefäßerweiternde Wirkung. Auch führt Nitroglyzerin zur Entspannung der glatten Muskulatur und bewirkt eine Erschlaffung der Gallenwegsmuskulatur. „Die Gallenblase entspannt sich, der Schmerz verschwindet“, erklärt der Mediziner. „Dann ist zu hoffen, dass der Stein zurück in den Körper der Gallenblase rutscht, sodass diese nicht länger an der Entleerung gehindert wird.“

Nach einer Stunde Schmerzen: Ab zum Arzt!

Hält der Schmerz länger als eine Stunde an, sollte man ärztliche Hilfe suchen. „Dann braucht es Infusionen, mit denen man die Muskulatur der Gallenblase lähmt und dadurch die Kolik vermindert“, betont Hinterleitner.
Und wie behandelt man den Gallenstein? „Ist der Stein nicht zu groß und nicht verkalkt, kann man ihn medikamentös auflösen“, informiert der Experte. In allen anderen Fällen muss bei wiederkehrenden Schmerzen der Gallenstein zusammen mit der Gallenblase operativ entfernt werden. „Die Entfernung der Gallenblase wird empfohlen, wenn ein Gallenstein wenigstens drei Mal die Gallenblase verschließt und diesbezüglich weiterhin mit Problemen gerechnet werden kann“, präzisiert der Arzt. Auch ohne Gallenblase kann man gut leben, die Verdauung ist dadurch nicht beeinträchtigt.
   
Jährlich werden weltweit mehrere hunderttausend Gallenblasen entfernt, Millionen Menschen leben ohne Gallenblase. „Im Prinzip benötigt man die Gallenblase nicht. Sie dient nur als Reservoir von Gallenflüssigkeit“, erklärt Hinterleitner. Ohne Gallenblase rinnt die Galle kontinuierlich aus der Leber und wird auf direktem Weg in den Dünndarm befördert – und übernimmt hier problemlos die Verdauung. Die Leber scheidet über die Galle und den Darm viele Substanzen und Medikamente aus.

Diäten und fettreiche Speisen erhöhen Risiko
Weil auch genetische Faktoren an der Entwicklung von Gallensteinen beteiligt sind, ist eine Vorbeugung nur begrenzt möglich. „Was man beeinflussen kann, ist die Entleerung der Galle“, betont Hinterleitner. Bei einer leeren Galle besteht theoretisch ein geringeres Risiko, dass sich Steine bilden. Die Entleerung erfolgt nach Mahlzeiten. „Ist die Gallenblase leer, entstehen auch keine Herde, in denen Kristalle ausfallen“, veranschaulicht der Mediziner. Umgekehrt kann es bei Nahrungskarenz – aufgrund einer Diät oder weil man künstlich ernährt werden muss – dazu kommen, dass die Gallenblase immer gefüllt und das Risiko für Gallensteine erhöht ist. Hat man bereits Gallensteine und neigt man zu Koliken, sollte fettreiche Kost vermieden werden. Es wird viel von dem Hormon Cholezystokinin freigesetzt, welches die Gallenblase zu heftigen Kontraktionen veranlasst – mit dem Risiko für kolikartige Schmerzen.
Gallensteinen lässt sich auch mit körperlicher Aktivität entgegen wirken. Menschen, die viel Zeit im Sitzen verbringen, haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Gallensteinen.

Frauen doppelt so oft betroffen

Zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen haben Gallensteine, welche die Größe eines Sandkorns bis hin zu der eines Golfballs haben können. Frauen sind  etwa doppelt so oft wie Männer betroffen. Die Entwicklung wird gefördert durch: Schwangerschaft, familiäre Disposition, Diabetes mellitus, ein hoher Cholesterinspiegel, Adipositas, fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel.
Kleine und kleinste Gallensteine sind außerdem die häufigste Ursache für eine akute Entzündung der Gallengänge. Verstopft der Stein den Gallengang und unterbricht damit den Gallenfluss, staut sich Galle in der Gallenblase. Durch eine bakterielle Infektion kann das auch zur Entzündung  der Gallenblase führen. Beides äußert sich durch Schmerzen und Fieber.

So gut ist bitter
Seit langem gilt bitteres Gemüse als probates Mittel, um die Leber bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Speziell die distelartige Artischocke hat es in sich: Sie enthält viele gesunde Inhaltsstoffe wie den sekundären Pflanzenstoff Cynarin, der auch für den bitteren Geschmack verantwortlich ist. Cynarin sorgt außerdem dafür, dass der Körper mehr verdauungsfördernden Magensaft produziert. Bitterstoffe wie Cynarin regen außerdem die Leberzellen zur vermehrten Produktion von Gallensäure, die wichtig für die Fettverdauung ist, an und unterstützen damit die Leber bei der Entgiftungsarbeit. Neben Cynarin steckt auch das Flavonoid Cynaridin in der Artischocke. Cynaridin schützt vor oxidativem Stress und wirkt damit der Zellalterung entgegen.     

 

Stand 10/2018

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