Wenn´s „hinten“ juckt

Oktober 2018 | Medizin & Trends

Analbeschwerden sind äußerst unangenehm und den Betroffenen oft extrem peinlich. Das sollte kein Grund sein, den Arztbesuch aufzuschieben. Die möglichen Ursachen können banal, aber auch gefährlich sein.
 
– Von Mag. Alexandra Wimmer

Es juckt, schmerzt und brennt in der Afterregion und manchmal kommt es außerdem zu kleinen nässenden Wunden und Blutabgängen: Analbeschwerden (Proktalgien) sind in mehrerer Hinsicht quälend. „Da man im Analbereich sehr empfindlich ist, kann schon ein einfaches Fremdkörpergefühl als unangenehm erlebt werden“, erklärt der Internist Prim. Univ. Prof. Dr. Felix Stockenhuber. Erschwerend kommt hinzu, dass den Betroffenen die Beschwerden oft sehr peinlich sind, sodass sie sich scheuen, einen Arzt aufzusuchen.

Viele mögliche Ursachen

Als Analbeschwerden bezeichnet man alle krankhaften Veränderungen im Bereich des Analkanals. Der bis zu sechs Zentimeter lange Kanal schließt den Magen-Darm-Trakt ab und reicht vom Enddarm bis zu den Schließmuskeln des Afters.
Die möglichen Ursachen für Proktalgien sind vielfältig. So kann es sein, dass das Material der Unterwäsche oder ein Intimpflegeprodukt nicht vertragen wird. Auch Verdauungsprobleme wie Verstopfung oder Durchfall kommen als Ursachen in Frage.
Abgesehen davon können verschiedene Erkrankungen hinter dem Jucken, Brennen oder Nässen stecken.
Besonders häufig sind Hämorrhoiden für die Beschwerden verantwortlich ­– Ausstülpungen von Blutgefäßen im oder um den After, die reißen und neben Schmerzen und Jucken auch Blutabgänge verursachen können. Auch kleine Einrisse im After, Analfissuren, zählen zu den möglichen Verursachern. Wenn sich außerdem kleine nässende Wunden bemerkbar machen, kann ein Analekzem – eine Entzündung der Haut am Übergang zum Analkanal – dahinterstecken.   
Warzen im Analbereich können ebenfalls zu den Beschwerden führen: Feigwarzen (Kondylome) sind gutartige Gewebswucherungen, die durch die sexuell übertragbaren HP-Viren verursacht werden. Weiters kann Juckreiz im After durch Madenwürmer oder eine Schimmelinfektion verursacht werden. In sehr seltenen Fällen kann ein Analkarzinom, ein Tumor im Analbereich, hinter den Symptomen stecken.

Juckreiz- und schmerzstillende Sitzbäder

Eichenrinden-, Kamillen- oder Ringelblumensitzbäder könnten lindernd auf die Beschwerden wirken: Die Extrakte von Kamille und Ringelblume wirken gegen Entzündungen und den Juckreiz. Die in der Eichenrinde enthaltenen Gerbstoffe wirken adstringierend, zusammenziehend – das hat positive Effekte auf Hämorrhoiden oder ein Analekzem. Auch juckreizstillende, entzündungshemmende Salben können Linderung bringen.
„Insbesondere, wenn es immer wieder zu Blutabgängen kommt, sollte man sich ärztlich untersuchen lassen“, betont der Facharzt. Selbst, wenn es im Analbereich „nur“ brennt oder juckt – nicht zu lange zuwarten: „Bringen Eichenrindensitzbäder oder juckreizstillende, entzündungshemmende Salben keine Linderung, ist ein Arztbesuch angezeigt“, erklärt Stockenhuber. Man kann sich an den Hausarzt, einen Gastroenterologen oder einen auf Anus- und Enddarmbeschwerden (= Proktologie) spezialisierten Chirurgen wenden. Dieser kann je nach Ursache juckreiz- und schmerzstillende Medikamente, eine Wurmkur oder eine Antischimmelcreme verschreiben bzw. einen chirurgischen Eingriff vornehmen.

Salben und operative Methoden
Die Behandlung von Hämorrhoiden richtet sich nach dem jeweiligen Schweregrad. „Hämorrhoiden von Grad eins und zwei behandelt man typischerweise mit entsprechenden Salben und Eichenrindensitzbädern“, berichtet Stockenhuber.
Bei Hämorrhoiden zweiten Grades bewährt sich außerdem die Gummibandligatur, bei der die erweiterten Blutgefäße mit Gummibändern abgebunden werden. Ab Schweregrad drei kommen operative Methoden zum Einsatz.
„Analfissuren werden mit Wundsalben und schmerzlindernden Salben behandelt“, erklärt der Internist. Wundsalben verhindern, dass die Fissur wieder aufreißt. Entzündungshemmende Salben sorgen dafür, dass keine wuchernden Narben zurückbleiben. Eine Fissur, die länger als zwei Wochen besteht, gilt als chronisch und sollte chirurgisch behandelt werden.
Ein Analekzem wird je nach seiner Ursache mit Zinkpaste, fettenden oder pilzhemmenden Salben behandelt. Bei Feigwarzen wird eine Salbe aufgetragen, die die Zellteilung verhindert und dazu führt, dass die Kondylome quasi absterben. Und welche Methoden werden bei einem Analkarzinom angewendet? Tumore des Analrands werden meist operativ entfernt, alle anderen Analkarzinomformen werden am effektivsten mit der kombinierten Radiochemotherapie behandelt – einer Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie.

Richtige Ernährung, maßvolle Intimhygiene

Inwieweit sich den Beschwerden vorbeugen lässt, hängt von der Ursache ab. Werden bestimmte Materialen oder Körperpflegeprodukten nicht vertragen, sollte man diese vermeiden bzw. etwa auf atmungsaktive Wäsche aus Baumwolle umsteigen. Manche Probleme, zum Beispiel Hämorrhoiden und Fissuren, lassen sich weitgehend verhindern, indem man für regelmäßigen und weichen Stuhlgang sorgt. Gefördert wird dieser durch Bewegung, eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit.

Hämorrhoidalleiden weit verbreitet

Hämorrhoiden sind die für den „Feinverschluss“ des Analkanals zuständigen Blutgefäße.
Zum Problem werden sie erst dann, wenn sie beispielsweise aufgrund chronischer Verstopfung oder im Zuge einer Geburt verletzt werden. Sie werden größer und zunehmend aus dem After gedrückt – und sorgen für Beschwerden wie Jucken, Brennen und Blutabgänge.
Das passiert gar nicht selten:
Rund die Hälfte der Über-40-Jährigen haben ein Hämorrhoidalleiden, das außerdem mit Schmerzen, Knotenbildungen und im fortgeschrittenen Stadium mit Schmieren, Nässen und Druckschmerz einhergehen kann.

Außerdem wichtig

Schieben Sie das „große Geschäft“ nicht auf und pressen Sie beim Stuhlgang nicht zu fest.
Der After sollte mit reinem Wasser sauber gewaschen, nicht mit Toilettenpapier sauber geputzt werden. Im Analbereich wimmelt es von Erregern, sodass das Infektionsrisiko sehr hoch ist. „Ist der Analbereich etwa aufgrund von Stuhlresten nicht ganz sauber und es liegen kleinste Schrunden oder Fissuren vor, besteht die Gefahr, dass diese sich entzünden“, warnt Stockenhuber.

Stand 10/2018

Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren:

Keine weiteren Artikel zu diesem Thema gefunden

aktuelle Ausgabe

MP Cover 2023-01

Sie wollen mehr?

Das freut uns!

WÄHLEN SIE EINFACH AUS:
» ABO «
» E-MAGAZIN «
» MEDIZIN-populär-APP «

Abo bestellen

E-Magazin

Abo Service

Gewinnspiel

Kontakt

Newsletter

aktuelle Ausgabe

MP Cover 2023-01

Sie wollen mehr?

Das freut uns!

WÄHLEN SIE EINFACH AUS:
» ABO «
» E-MAGAZIN «
» MEDIZIN-populär-APP «

Abo Service

E-Magazin

Gewinnspiel

Kontakt

Newsletter

Abo Service

Gewinnspiel

E-Magazin

Newsletter