Harry Gatterer

Februar 2018 | Prominente & Gesundheit

„In Zukunft wird zunehmend Resonanz gefordert und, wie ich denke, auch vermehrt gegeben.“
 
Was bringt die Zukunft? Jetzt um den Jahreswechsel ist besonders gefragt, womit er sich das ganze Jahr über beschäftigt: Als Trendforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts prognostiziert er, welche Entwicklungen sich in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens abzeichnen. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt der 43-Jährige, wo dieses Wissen Anwendung findet, wie er auf die jeweiligen Erkenntnisse kommt, und welche Trends die größten des Jahres 2018 und der folgenden Jahre sein könnten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Gatterer, welche werden die größten Trends des neuen Jahres 2018 sein?

Harry Gatterer
So punktuell lässt sich dies nicht sagen, denn Entwicklungen, Trends, die mit dem 1. Jänner eines Jahres beginnen und mit dem 31. Dezember des Jahres wieder aufhören, gibt es nicht. Was ich aber sagen kann, ist, was das zentrale gesellschaftliche Thema der bevorstehenden Jahre sein wird, wo es ein Defizit und daher einen Bedarf daran gibt, und das ist die Resonanz.

Ein Begriff, der aus dem Lateinischen übersetzt ‚Widerhall‘ bedeutet…
Tatsächlich leben wir in einer Welt, in der wir beruflich und privat viel zu tun haben, viel geben, und das meist, ohne dass auch nur annähernd gleich viel zurückkommt. Die Tatsache, dass es vielen an einer angemessenen Entlohnung und an Wertschätzung mangelt, dass also das, was sie geben, keinen entsprechenden Widerhall erfährt, nicht ausreichend Resonanz darauf spürbar ist, lässt viele an ihrer Wirksamkeit in der Welt zweifeln. Dies führt zum Ausbrennen, letztlich dazu, krank zu werden. Das wird aber nicht mehr gewollt und ist der Grund dafür, warum in Zukunft zunehmend Resonanz gefordert und, wie ich denke, auch vermehrt gegeben werden wird.
    
Widerhall oder Resonanz bekommen wir doch heute verstärkt im Internet, etwa auf Social Media-Plattformen?

Dort schreibt jemand etwas, und bekommt sofort ein Like oder das Gegenteil davon, eine wüste Beschimpfung oder sogar Gewaltandrohung. Geht jemand etwa zu einem Vortrag, würde er, wenn ihm der Vortrag nicht gefällt, wohl eher nicht aufstehen und dem Vortragenden sagen „Das gefällt mir nicht“. Social Media-Plattformen existieren noch nicht so lang, so wie das Internet überhaupt, das wir uns ja erst vor dreißig Jahren als zweite Welt geschaffen haben. Bis wir auf diesen Plattformen den richtigen Umgang miteinander praktizieren und eine gesunde Resonanz erfahren, werden noch viele Jahre vergehen.

Wie kommen Sie zu diesen Erkenntnissen?
Zum Beispiel aufgrund der Tatsache, dass es eine neue, internationale Jugendbewegung gibt, Human Connection Movement genannt. Dabei vereinbaren Jugendliche über das Internet Treffen mit anderen Jugendlichen, die sie nicht kennen, um über Verschiedenes zu reden. Bevor sie dann beispielsweise in einem Park beginnen, jeweils zu zweit ein Gespräch zu führen, setzen sie sich einander gegenüber und schauen einander eine Minute lang in die Augen. Und nur wenn das funktioniert, also eine Resonanz spürbar ist, wird ein Gespräch begonnen, das aus der Erfahrung heraus dann besser verläuft.
 
Was außer Resonanz fordern und geben werden wir in Zukunft noch für unsere Gesundheit tun?

Abgesehen von der nötigen Resonanz sind Ernährung und Sport noch wichtige Eckpfeiler, wenn es um die Erhaltung der Gesundheit geht. Auch in diesen beiden Bereichen zeichnen sich zentrale Entwicklungen ab. Sport wird eher nicht mehr betrieben werden, um in einiger Zeit eine bestimmte Leistung zu erzielen, also etwa möglichst schnell einen Laufwettbewerb absolvieren oder so und so viel Kilo stemmen zu können. Das Ziel wird eher sein, sich gleich einmal besser zu fühlen, weshalb Sportarten wie zum Beispiel Yoga weiter einen starken Aufschwung verzeichnen werden. Und was die Ernährung anbelangt, hält der Trend, der bereits seit 2008 besteht, dem Jahr, wo der Fleischkonsum am Zenit war und anfing, zurückzugehen, weiter an: Gemüse wird mehr und mehr zur Hauptspeise, Fleisch zur Beilage. Hinzu kommt nun, dass beim Essen und Trinken der Genuss immer mehr im Vordergrund stehen wird und daher die ja geschmackvolleren regionalen und saisonalen Produkte wichtiger werden. Aber auch in der Medizin sind Entwicklungen zu beobachten, die mit großer Wahrscheinlichkeit vermehrt unserer Gesundheit dienen.

Welche zum Beispiel?
Wir sind zwar schon auf dem Weg dahin, aber wir werden im Bereich der Medizin eine immer stärkere positive Mensch-Maschinen-Verbindung eingehen. Medizinische Datenbanken werden Ärzten immer bessere Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs geben. Statt Ärzten werden immer öfter Roboter Operationen durchführen, und verschiedene neue Geräte werden Messungen von immer mehr gesundheitlich relevanten Parametern ermöglichen, die Patienten selbst durchführen können. Das alles wird die Ärzte entlasten, ihnen mehr Raum, mehr Zeit, geben, um sich auf die Patienten einlassen zu können. Außerdem wird die Genforschung zu zahlreichen neuen Erkenntnissen kommen, die das Vermeiden und Behandeln von Krankheit in noch ungeahnter Art und Weise erleichtern werden.

Wie viele Ihrer Prognosen treten ein, wie viele nicht?
Ich möchte nicht verhehlen, dass auch einmal etwas nicht so eintritt, wie wir das aufgrund unserer Forschungen vermuten. Zum Beispiel ist ein von uns prognostizierter starker Anstieg der Geburtenrate in den Städten nicht eingetreten. Doch meist liegen wir richtig, wie zum Beispiel beim Thema Sicherheit. Da haben wir vor fünf Jahren prognostiziert, dass uns unsere physische Sicherheit und die Cybersicherheit mindestens die nächsten zehn Jahre intensiv beschäftigen wird.

Geben Sie auch Prognosen darüber ab, welche Parteien in Zukunft erfolgreich oder weniger erfolgreich sein werden?
Die Politik sagt zwar, sie beschäftigt sich mit der Zukunft, aber was sie damit meint, sind Momentaufnahmen, die höchstens eine Legislaturperiode dauern, also vier bis fünf Jahre. Deswegen erstellen wir keine Prognosen über Parteien.

Wie sehr beeinflussen Ihre Prognosen Ihre eigene Zukunft?
Ich denke schon darüber nach, was die Prognosen mit meinem Leben zu tun haben könnten. Wie das jeder für sich und sein Unternehmen machen kann, das beschreibe ich in meinem neuen Buch ‚future room‘ (siehe Buchtipp). Und natürlich ist es so, dass ich aufgrund der beruflichen Beschäftigung mit Trends immer wieder einmal privat Neues versuche, das ich sonst vielleicht nicht gemacht hätte.

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Kurz & Persönlich

  • Familienstand: verheiratet
  • Hobbys: Lesen, Wandern
  • Lieblingsort in Österreich: die Berge
  • Lieblingsland: Italien
  • Lieblingsurlaubsland: Thailand
  • Lieblingsautor: Peter Sloterdijk
  • Lieblingsmusik: Prince
  • Liebste Speise: Steak
  • Liebstes Getränk: Espresso


Buchtipp:

Harry Gatterer
Future Room. Entdecken Sie die Zukunft Ihres Unternehmens

ISBN 978-3-86774-596-3
ca. 220 Seiten, € 39,90
Murmann Verlag, Januar 2018

Webtipp:
www.zukunftsinstitut.de

Stand 01/2018

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