Essen für die Zahngesundheit

Mai 2019 | Ernährung & Genuss

Mythen und Wahrheiten
 
– von Mag. Sabine Stehrer

Schokolade ist schlecht für die Zähne, einen Apfel verspeisen reinigt sie, und nach dem Essen gleich Zähneputzen ist ideal: Zehn Mythen und Wahrheiten rund um die Frage, was unseren Zähnen schmeckt.

 
Mythos 1
Schokolade ist schlecht für die Zähne

Auch wenn dieser Satz immer wieder gesagt und gehört wird, stimmt er so nicht, sondern ist und bleibt ein Mythos. Naschen wir tagsüber einmal ein Stück Schokolade, etwa als Nachspeise nach dem Mittagessen, schaden wir unseren Zähnen nicht, sagt DDr. Oliver Jandrasits von der Universitätszahnklinik Wien. „Wichtig ist, nicht den ganzen Tag hindurch Schokolade oder andere Süßigkeiten zu naschen, denn die Zähne brauchen Zeit, um sich von der Nascherei zu erholen.“ Genaugenommen benötigen die Zähne Erholung von der Zuckerattacke beziehungsweise dem Angriff von Bakterien, die Zucker zu Säure verdauen, die wiederum den Zahnschmelz schädigt. Was den Zähnen sogar schmeckt, ist das Naschen dunkler Schokolade: Denn diese Variante enthält viel Kakao und damit viel Fluor und viel Magnesium – was vor Karies und Zahnfleischentzündungen schützt.

Mythos 2
Einen Apfel verspeisen reinigt die Zähne

Diese Annahme wird wohl von dem Gefühl genährt, das entsteht, wenn wir einen Apfel essen: Danach fühlen sich unsere Zähne durchaus sauber an, was daran liegt, dass beim Verspeisen des harten Obstes tatsächlich Beläge von den Zähnen entfernt werden. Dies allerdings nur sehr oberflächlich. Mit der Putzleistung durch Putzen mit der Zahnbürste und Zahnpasta samt Reinigen mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen ist das Essen eines Apfels laut Jandrasits nicht zu vergleichen. Außerdem gilt es zu bedenken, dass Äpfel wie jedes andere Obst und Gemüse Fruchtzucker und Fruchtsäure enthalten, die dem Zahnschmelz schaden.

Mythos 3
Salz greift den Zahnschmelz an

Weil Kochsalz, ob aus dem Berg oder dem Meer gewonnen, ein Salz der Salzsäure ist, liegt der Gedanke nahe, dass Salziges von gesalzenen Nüssen über das Salzstangerl bis hin zur gesalzenen Suppe den Zähnen schadet, indem es den Zahnschmelz angreift. Doch auch diese Annahme ist ein Mythos, weiß Jandrasits: „Salziges greift die Zähne nicht an.“ Im Gegenteil: Salz ist meist fluoridiert und Fluoride sind Spurenelemente, die den Zähnen schmecken beziehungsweise der Gesundheit unserer Zähne dienen. Denn die Substanzen binden sich an Kalzium aus dem Speichel, legen sich an die Zähne an und schützen sie so vor Attacken von Bakterien beziehungsweise Karies und Kariesschäden.

Mythos 4
Nach dem Essen gleich Zähneputzen

Gleich nach dem Essen die Zähne putzen, und das idealerweise nach jedem Essen: Diese Empfehlung sollte der Vergangenheit angehören, denn dass dieses Putzverhalten die Gesundheit unserer Zähne fördert, ist ein Mythos. „Wer die Zähne gleich nach dem Essen putzt, belastet sie binnen einer kurzen Zeitspanne doppelt, nämlich erst durch das Kauen, dann durch das Putzen“, erklärt Jandrasits, warum das so ist. Auch tut es den Zähnen nicht gut, mehr als zweimal täglich mit der Zahnbürste in Kontakt zu kommen. Besser ist, die Zähne nur in der Früh und am Abend frühestens eine Viertelstunde nach dem Frühstück und Abendessen zu putzen. Ist das nicht möglich, werden die Zähne am besten vor dem Essen geputzt: Dann ist der Zahn durch die Inhaltsstoffe der Zahnpasta vor dem Einwirken von schädigenden Substanzen aus der Nahrung geschützt.

Mythos 5
Viel Salat ist immer gut

Salat ist gesund, voller wertvoller Nährstoffe und sollte daher am besten so oft wie möglich gegessen werden: Das wird immer wieder gesagt, und ist wohl im Sinn der Gesundheit vieler unserer Organe. So ganz der Zahngesundheit dienlich ist viel Salat essen aber nicht, gibt Jandrasits zu bedenken: „Salat enthält wie jedes Gemüse und Obst Fruchtsäure, die den Zahnschmelz angreift“, sagt er. Darüber hinaus ist Salat oft mit Essig mariniert, und die Essigsäure im Essig attackiert die Zähne ebenfalls. Dies ist ein Grund dafür, warum Vegetarier und Veganer, die sehr viel oder ausschließlich pflanzliche Kost in Form von Salat, Obst und Gemüse zu sich nehmen, häufig Probleme mit den Zähnen haben.

Mythos 6
Schwarzer Tee ist schlecht für die Zähne

Schwarzer Tee zählt wie auch Kaffee und Rotwein zu jenen Getränken, die vielen Österreichern munden. Nur machen sich bei regelmäßigem Konsum der beliebten Genussmittel gelbe Verfärbungen auf den Zähnen breit, die wir mit der Zahnbürste nicht wegputzen können. Das lässt die Zähne zwar nicht so gut aussehen, doch anders als vielfach vermutet, schaden die Verfärbungen nicht. Auch lassen sie sich durch eine  professionelle Mundhygiene wieder entfernen. Zu schwarzem oder grünem Tee sollten wir laut Jandrasits im Sinn der Zahngesundheit sogar öfter greifen, enthält er doch verschiedene Substanzen, Polyphenole, die den Zähnen schmecken, unter anderem, weil diese Pflanzenstoffe Bakterien bekämpfen.

Mythos 7
Kaugummis ersetzen die Zahnbürste

Nach dem Essen reicht es statt die Zähne zu putzen einen Kaugummi zu kauen, um so die Zähne zu reinigen und sie vor Karies zu schützen: Dieser Satz stimmt nur bedingt, und Kaugummis schmecken den Zähnen auch nur, wenn sie zuckerfrei sind. „Durch das Kauen wird erreicht, dass der Speichelfluss angeregt wird“, so Jandrasits über den Nutzen der Kautätigkeit für die Zähne. Speichel spült wiederum Speisereste weg und neutralisiert Säure aus der Nahrung, die den Zahn angreifen kann. Kaugummis mit bestimmten Zuckerersatzstoffen wie Xylit verringern außerdem noch die Zahl an Bakterien. Dennoch: Die Reinigung der Zähne mit Zahnbürste und Zahnpasta zweimal täglich, Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen einmal täglich ersetzen Kaugummis, auch mit Xylit, nicht.

Mythos 8
Zuckerfrei ist immer gut

Ob zuckerfreier Kaugummi, zuckerfreies Zuckerl oder zuckerfreie Getränke: Wer zu diesen Naschereien und Durststillern greift, bewahrt die Zähne vor Zucker und tut ihnen daher Gutes. Auch diese Annahme verweist Jandrasits in das Reich der Mythen. Denn alles, wo „zuckerfrei“ draufsteht, ist nicht unbedingt frei von Zucker, sondern lediglich von Haushaltszucker. Andere Zuckerarten wie Traubenzucker, Fruchtzucker, Milchzucker oder Malzzucker dürfen darin enthalten sein – und sie können unsere Zähne ebenfalls gefährden, den Zahnschmelz schädigen und das Risiko für Karies steigern.

Mythos 9
Viel trinken dient der Zahngesundheit

Etwa zwei Liter Flüssigkeit sollten wir täglich zu uns nehmen, lautet die gängige Empfehlung. Doch vor allem, wenn es um die Zahngesundheit geht, ist es ganz und gar nicht egal, was wir trinken und wann wir was trinken, so Jandrasits. Wer täglich Cola, andere Limonaden, Fruchtsäfte oder Milchgetränke konsumieren möchte, sollte nicht über den gesamten Tag verteilt, sondern nur einmal ein Glas davon trinken.
Denn werden die Zähne andauernd von Zucker, Kohlensäure, Fruchtzucker oder Milchzucker umspült, drohen Schäden. Unseren Zähnen schmecken ungesüßte Tees und stilles Wasser besser.

Mythos 10
Betthupferl sind strikt verboten

Das gilt für alle, die um ihre Zahngesundheit bemüht sind, als No-Go: Nach dem Zähneputzen abends noch etwas essen und dann mit ungeputzten Zähnen schlafen gehen. Doch das strikte Verbot von Betthupferln war einmal. Wenn es denn sein muss, sollten wir allerdings Abstand von Süßigkeiten und anderen zuckerreichen Nahrungsmitteln halten, auch von Brot, denn Zucker und Kohlenhydrate, die in Brot reichlich stecken, verdauen die Bakterien im Mund zu Ablagerungen, die die Gefahr für Karies erhöhen. Nüsse und ein Stück Parmesan oder anderer lang gereifter Käse zählen zu den geringsten Übeln. Diese greifen die Zähne nicht an, reifer Käse enthält aufgrund des längeren Reifungsprozesses kaum noch Milchzucker, dafür neutralisiert er sogar den pH-Wert im Mund und enthält viel Kalzium, das unseren Zähnen schmeckt.


Putzen, Zahnseide & Bürstchen – all das reinigt die Zähne:

  • Zweimal täglich gründlich die Zähne putzen, mit einer Technik, die der behandelnde Zahnarzt empfiehlt.
  • Einmal täglich mit Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürstchen die Zahnzwischenräume reinigen, ob in der Früh oder abends, vor oder nach dem Zähneputzen ist egal. Eventuell eine Mundspülung verwenden.
  • Mindestens einmal jährlich eine professionelle Mundhygiene durchführen lassen, eventuell im Zuge der einmal jährlichen Kontrolle beim Zahnarzt.

 

Stand 04/2019

    

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