Immer im Stress?

August 2019 | Fitness & Entspannung

Welche negativen Auswirkungen Stress auf unsere Gesundheit hat.
 
– Von Mag. Sabine Stehrer

Haben Sie heute Nacht gut geschlafen? So, dass Sie sich auch gut erholt fühlen?“ Das fragt Dr. Doris Eller-Berndl ihre Patienten meist als Erstes und erklärt, wieso ihr als Allgemeinmedizinerin, die sich auf Präventivmedizin spezialisiert hat, die Schlafqualität so wichtig ist: „Wer nicht gut geschlafen hat und sagt, dass dies öfter so ist, steht häufig unter Stress.“ Und zwar nicht unter ­positivem, stimulierendem Stress, der die Arbeit erleichtert, das Leben schön macht und so wie er aufkam auch wieder von selbst verschwindet. Sondern unter chronischem Stress, solchem, der anhält und als negativ, als Belastung, empfunden wird. ‘

Wer glaubt, dass davon nur wenige Menschen betroffen sind, der irrt: Dauerstress ist ziemlich verbreitet. Laut einer aktuellen Umfrage von Marketagent.com leiden sogar mehr als 40 Prozent der Österreicher daran, und fast genauso viele fühlen sich zumindest hin und wieder gestresst. „Das sind weit mehr Menschen als noch vor dreißig, zwanzig oder vor zehn Jahren, weiß Eller-Berndl.


Überforderung durch Informationsflut

Nur warum stehen immer mehr Menschen immer wieder oder ständig unter Stress? Als einen Grund dafür betrachten Ärzte wie die Wiener Präventivmedizinerin die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt. Anders als früher muss vieles, wie etwa die Beantwortung von E-Mails, sofort erledigt werden, und das oft auch noch nach Dienstschluss am Abend und am Wochenende. Hinzu kommt: Viele sehen es als ein Muss an, laufend die Informationsflut aus Nachrichten und Bildern in den verschiedenen Social Media-Kanälen zu beobachten und zu kommentieren. Kommt es dann im sonstigen Leben mit seinen sowieso schon bestehenden vielfältigen Verpflichtungen noch dazu, dass Probleme auftauchen und gelöst werden sollten, sind Überforderung, Gereiztheit und eben Stress programmiert.


Schmerzen, Lustlosigkeit, Bluthochdruck

Zu den Folgen von Stress zählen nicht nur schlechter Schlaf bis hin zu Einschlaf- und Durchschlafstörungen, die für sich genommen schon belastend genug sind. Stress hat auch andere negative Auswirkungen auf die Gesundheit, die teils auf Schlafprobleme zurückzufüh­ren sind, teils auf andere Faktoren. So kann die psychische Anspannung etwa dazu führen, dass sich Muskeln im Nacken und Rücken verspannen, was Kopf- und Rückenschmerzen zur Folge hat. Die stressbedingt oft einsei­tige, schlech­te Ernährung mit Fast Food und Fertigprodukten, Chips, Schokolade & Co lässt den Verdauungstrakt leiden und Verstopfung, Durchfall, Magenbeschwerden oder Sodbrennen entstehen. Auch schwächelt bei erhöhter Anspannung das Immunsystem – das macht unter anderem anfälliger für Infektionskrankheiten wie Erkältungen und die Grippe. Hält Stress länger an, und wird außerdem noch viel Alkohol konsumiert und geraucht, stellt sich oft Bluthochdruck ein, der weitere Herz- und Kreislauf­erkrankungen nach sich ziehen kann bis hin zu solchen, die das ­Leben gefährden, wie ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt. Wird aufgrund des Stresses auf einen Ausgleich in Form von Bewegung vergessen, nach der Arbeit nur noch daheim gesessen, ist der Weg zu – auch sexueller – Lustlosigkeit, zu depressiven Verstimmungen, zu Depressionen und ins Burn-out nicht nur nicht mehr weit, sondern sozusagen geebnet.‘


Medikamente, Licht, Computerverzicht

Die Frage, was sich dagegen tun lässt, wird ­Eller-Berndl oft gestellt. „Der Mensch in seiner Gesamtheit ist ein komplexes System, und in diesem System gibt es viele Schrauben, an denen gedreht werden kann“, sagt sie dann. Um zu erkennen, welche Schrauben die richtigen sind, welche Therapie optimal ist, ist es nötig, möglichst ausführlich in mehreren Untersuchungsschritten und mit mehreren Methoden danach zu suchen (siehe Kasten auf Seite 15). Wie bei vielem gilt auch bei Stress darüber hinaus: Je früher eingegriffen wird, desto besser. Wer sich also gestresst fühlt und über Wochen immer wieder zum Beispiel an Schlafstörungen leidet, sollte nicht lang warten, sondern bald einmal ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Diese kann eine Zeit lang in medikamentöser Therapie bestehen – manchmal sind etwa Schlafmittel eine gute Lösung, um wieder zur Ruhe zu kommen. „Stellt sich bei der Untersuchung heraus, dass im Hormonhaushalt etwas durchei­nander geraten ist, etwa, dass die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin oder der Glückshormone Dopamin und Serotonin zu gering ist, wird vor allem Bewusstseinsbildung über die Bedeutung von Sonnenlicht für die Hormonbildung anstehen, mit dem Ziel, dass mehr Zeit im Freien verbracht wird“, so die Präventivmedizinerin über verbreitete Defizite und wie sie wettgemacht werden können. Außerdem ist eventuell der Schutz vor schlafraubendem Blaulicht empfehlenswert, das etwa von Computerbildschirmen und Smartphones ausgeht: durch das Tragen einer Blaulichtfilterbrille oder den Verzicht auf PC- und Phone-Nutzung vor dem Schlafengehen. Zusätzlich erweist sich manchmal die vorübergehende Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln als ratsam.


Bewegung, Yoga, Musik

Wem es aufgrund von Hilfen wie diesen schon einmal besser geht, der tut sich oft auch leichter dabei, darüber nachzudenken, was gegen die Wurzel des Übels getan werden kann – also wie ein Stressausgleich ausschauen kann. Hier ist die Palette des Möglichen ebenfalls breit, weiß Eller-Berndl. Sie reicht von Bewegung in der Natur, Ausdauersport, Gymnastik und Krafttraining über Yoga, Autogenes Training und Atem­übungen bis hin zu passivem Genuss, etwa von Musik oder Massagen.


Stressauslöser besser meiden

Freilich wäre es gut, Stress nicht nur auszugleichen, sondern ihn auch zu reduzieren, indem jene Dinge, die ihn ausgelöst haben, gemieden werden – so gut das eben geht. Dass dies oft das Schwierigste am Weg in Richtung Entspannung sein kann, hat Eller-Berndl selbst erlebt. Sie, die es stressig findet, den Erwartungen der Absender entsprechend E-Mails so schnell wie möglich zu beantworten, installierte in ihrem Outlook die automatische Antwort: „E-Mails an mich werden nur einmal wöchentlich beantwortet.“ Zunächst war ein Sturm der Entrüstung die Folge – der sich nach einiger Zeit aber legte.

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Bin ich im Stress?
Stress ist messbar


Diagnose

Die Diagnose „Stress“ stellt die Wiener Präventivmedizinerin Dr. Doris Eller-Berndl aufgrund…

… eines ausführlichen Arzt-Patient-Gesprächs.

… eines Bluttests, um andere medizinische Gründe für chronische Erschöpfung wie zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen oder Eisendefizite auszuschlie­ßen und für Stress relevante Werte zu bestimmen.

… einer Urinprobe. Mit dem Urin scheidet der Körper das Schlafhormon Melatonin aus. Über eine Messung kann erkannt werden, wie hoch der Gehalt an Mela­to­nin im Körper ist. Je höher, desto besser ist die Schlafqualität.

… einer Messung der 24-Stunden-Herzratenvariabilität. Diese erlaubt bei einem gesunden Herzen die Abschätzung der Funktion des Vagusnervs, des größten Nervs im unwillkürlich funktionierenden Nervensystem, das für den automatischen Ablauf verschiedener Körperfunktionen wie der Atmung und Verdauung zuständig ist – und maßgeblich für Regeneration und Entspannung sorgt. 

Therapie

Sie wird bei Stress aufgrund der Untersuchungsergebnisse maßgeschneidert.

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Stand 09/2019

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