Lästige Schmarotzer

Mai 2020 | Medizin & Trends

Sie mögen es feucht, warm und können äußerst hartnäckig sein. Die Rede ist von Pilzen – kleinen Nutznießern, die unangenehme Beschwerden hervorrufen können.
 
– Von Mag. Sylvia Neubauer

Von den rund 100.000 bisher bekannten Pilzarten sind nur wenige Hunderte für den Menschen von Bedeutung. So unter anderem „Spross- und Fadenpilze“, unterscheidet Dr. Claudia Heller-Vitouch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing zwei Gruppen, die häufig in Zusammenhang mit Pilzerkrankungen stehen.

Hautpilz

Genau genommen ist Hautpilz kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für eine Reihe von Hautinfektionen, die an unterschiedlichen Körperregionen auftreten. Die Ansteckung erfolgt entweder durch direkten Körperkontakt oder indirekt, durch Angreifen von Gegenständen, die mit dem Pilz kontaminiert sind. Besonders wohl fühlen sich die mikroskopisch kleinen Fadenpilze in dunklem, feuchtem und warmem Milieu. Häufige Pilzinfektionen der Haut:

  • Fußpilz

    Dieser mit Abstand häufigste, durch Fadenpilze ausgelöste Hautpilz betrifft die Füße und hier insbesondere die Haut zwischen den Zehen. Von dort aus kann er sich auf weitere Regionen wie etwa die Fußsohle oder die Fußränder ausdehnen.

    Wie kommt es dazu?
    Fußpilz auslösende Mikroorganismen gedeihen mit Vorliebe dort, wo viele Menschen barfuß laufen, und fühlen sich auf den Fußböden öffentlicher Schwimmbäder, Sportumkleideräume, Duschen und Saunen, aber auch im Teppichboden viel besuchter Hotelzimmer wohl.

    Wie verhindern?

    „Die Ansteckungsgefahr lässt sich durch das konsequente Tragen von Badeschlapfen verringern“, empfiehlt die Dermatologin, entsprechende Präventionsmaßnahmen zu setzen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, die Zehenzwischenräume nach dem Duschen immer gut abzutrocknen. „Man kann dazu auch einen Fön verwenden“, so der Tipp der Wiener Pilzexpertin.

    In länger nicht getragenen Schuhen legt der Pilz in Form von Sporen quasi einen Dämmerschlaf ein. „Sobald man die Schuhe wieder anzieht, kann er im warmen Milieu wieder in seine aktive Form übergehen“, erklärt Heller-Vitouch die Notwendigkeit einer gründlichen Schuhdesinfizierung, auch nach bereits ausgeheilten Pilzinfektionen.

  • Handpilz

    Manchmal übertragen Betroffene die Fadenpilze von ihrem eigenen Fußpilz auf Hand und Finger. Wird der Pilz von Mensch zu Mensch weitergegeben, reicht oft schon ein einfacher Händedruck aus, um sich anzustecken.

  • Kopfpilz

    Pilzinfektionen der behaarten Kopfhaut treten größtenteils bei Kindern auf, kommen aber auch bei Erwachsenen vor. Es erscheinen schuppige Rötungen, Knötchen oder Pusteln, Krusten oder Eiter. Auch im Gesicht und an Stellen mit Bartwuchs sind diese Symptome möglich.

    Wie nachweisen?

    „Die Hauptsymptome aller Pilzinfektionen der Haut – meist gerötete, schuppende Stellen, Jucken, Brennen – können auch bei vielen anderen Hautkrankheiten auftreten“, rät Heller-Vitouch dahingehende Symp­tome immer dermatologisch abklären zu lassen. Üblicherweise wird der Erreger entweder durch Anzüchten in einem speziellen Nährmedium oder durch die mikroskopische Untersuchung einer Hautprobe nachgewiesen.

    Was tun?
    Zur Behandlung eines Hautpilzes stehen sowohl Cremes, Puder und Tinkturen, welche lokal auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden als auch Tabletten zur Verfügung. Alle diese Medikamente enthalten Antimykotika, sprich bestimmte Substanzen, die das Wachstum und die Vermehrung der Pilze hemmen oder diese abtöten. Da Antimykotika unterschiedlich wirken und Faktoren wie Schweregrad der Infektion sowie die gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente eine Rolle spielen, sollten Hautpilzmittel nicht ohne ärztliche Absprache angewendet werden.

Nagelpilz

Wenn Pilze die Nägel befallen, spricht man von Nagelpilz. Meist am vorderen Rand des Nagels beginnend, befällt der Pilz allmählich die gesamte Nagelplatte und verändert die Struktur des Nagelmaterials.
Die Nägel werden brüchig und verfärben sich weißlich bis gelblich-braun. Ebenso können weiße Streifen oder Flecken sowie Entzündungen am Nagelbett auftreten.

Wie kommt es dazu?
Die  Erreger für Nagelpilz finden sich überall dort, wo sich viele barfuß laufende Menschen auf engem Raum tummeln, etwa in Fitnesseinrichtungen oder in der Sauna. Auch ein erhöhter Druck auf die Nägel, zum Beispiel infolge zu enger Schuhe oder Fußfehlstellungen, kann einen Nagelpilz begünstigen. Vorerkrankungen wie Diabetes, Gefäßerkrankungen, Schuppenflechte und Neurodermitis machen anfällig auf Pilzerkrankungen jeder Art. „Es ist jedoch nicht so, dass nur Ältere Fuß- und Nagelpilze haben“, räumt die Dermatologin mit einem Klischee auf, „es gibt auch junge Patienten mit sogenanntem Athletenfuß. Gemeinschaftsduschen im Fitnesscenter gepaart mit Schwitzen in den Sportschuhen und starker mechanischer Belastung der Füße sind hier die Risikofaktoren.“ Auch kleine Verletzungen durch Scheuerstellen, Blasen oder kleine Risse bieten Pilzerregern ideale Eintrittspforten.

Wie nachweisen?
Der Verdacht auf Nagelpilz sollte immer durch eine entsprechende Diagnose abgesichert werden. „Eine Schuppenflechte am Nagel kann mit freiem Auge nicht von einem Nagelpilz unterschieden werden“, macht Heller-Vitouch auf Krankheiten aufmerksam, die dem Nagelpilz in seinem Erscheinungsbild ähneln. Mithilfe einer mikroskopischen und infektiologischen Untersuchung einer Probe des erkrankten Nagels lässt sich eine Pilzinfektion nachweisen.

Was tun?
Die besten und nachhaltigsten Behandlungserfolge lassen sich durch die Kombination aus Lokal- und Tablettentherapie erzielen. „Lokaltherapeutika mit medizinischen Nagellacken oder Nagellösungen können medikamentöse Maßnahmen ergänzen, als alleinige Option eignen sie nur bei sehr geringem Pilzbefall – und selbst da ist die Heilungsquote eher gering“, spricht sich die Hautärztin für eine innerliche Behandlung mit Tabletten aus. Der pilztötende Wirkstoff erreicht den befallenen Nagel über die Blutbahn und lagert sich in die Nagelmatrix ein, wodurch Neuinfektionen des nachwachsenden Nagels verhindert werden.   

Darmpilz

Bei rund 75 Prozent der Menschen zählen Hefepilze zu den treuen Dauergästen. Der Kontakt mit den Pilzen aus der Gattung Candida lässt sich auch kaum vermeiden, sei es über Nahrung oder Körperkontakt. Zum Problem wird ihre Besiedelung, wenn der „Besucheranstrom“ überhandnimmt: „Der Candida-Pilz macht es sich dann als Schmarotzer im Verdauungstrakt bequem. Er lebt dort von Zucker und erzeugt beim Abbau Giftstoffe, die in der Lage sind, dem Körper langfristig Schwierigkeiten zu bereiten“, weiß Darm- und Leberexperte Dr. Gerhard Wallner und nennt Kohlendioxid und Fuselalkohole, welche bei der Verstoffwechselung aus einfachen Kohlenhydraten entstehen, als Auslöser für eine Pilzinfektion. Typische, mit Pilzinfektionen einhergehende Beschwerden sind Blä­hungen sowie wiederholt auftretende Durchfälle, häufig im Wechsel mit Verstopfungen. „Daneben kommt es oft weit entfernt vom Ort der Infek­tion zu schuppigen und teilweise auch ju­cken­den Hauterscheinungen. Besonders häufig sind das Gesicht, die Ellbogen und Knöchel betroffen,“ weist der Wiener Mediziner auf ein weiteres Symptom hin, das nicht immer in Kontext mit einem Darmpilz gesetzt wird.

Wie kommt es dazu?

Ein aktives Immunsystem sowie die Anwesenheit freundlich gesinnter Darmbakterien schränken die Ausbreitung der Candida-Pilze im Darm nachhaltig ein. Fallen diese schützenden Faktoren weg, können sich die Pilze ungehindert ausbreiten. Besonders gefährdet sind Diabetiker, Senioren, deren Abwehrkräfte nicht mehr so stark sind, Menschen mit Grunderkrankungen, z. B. Tumor- und Aidspatienten sowie Personen, die Hormone, Kortison oder Antibiotika einnehmen müssen.

Wie nachweisen?

„Bei einer Pilzkultur wird der Stuhl auf speziellen Nährböden angezüchtet. Wenn auf diesen Nährböden Pilze wachsen, so ist das ein sicherer Hinweis auf eine Pilzbelastung des Stuhls“, erklärt Wallner eine gängige Methode, um eine Hefeinfektion des Darms zu identifizieren.

Was tun?

Zur Behandlung des Candia-Pilzes wird klassischerweise der aus Bakterien gewonnene Wirkstoff Nystatin eingesetzt. „Die Mikroorganismen setzen diesen Stoff als Waffe gegen Hefepilze ein“, erklärt Wallner das Wirkprinzip dahinter und legt Betroffenen die begleitende Einnahme eines guten Probiotikums nahe. Um den Hefepilzen die Nahrungsgrundlage zu entziehen und dauerhaft zu beseitigen, ist außerdem eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten von Bedeutung. Dabei gilt es auf zuckerreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten, gezuckerte Säfte, Limonaden, Marmeladen, Obstkonserven, aber auch auf Weißmehl und daraus hergestellte Produkte, Kartoffelstärke und Fertigprodukte im Allgemeinen möglichst zu verzichten.
Empfehlenswert sind hingegen in frischem Ge­müse, Salaten und Vollkornprodukten enthaltene Ballaststoffe. Bildlich betrachtet bürsten ihre unverdaulichen Pflanzenfasern den Darm aus und befreien die Darmwände so von den an­heftenden Pilzkolonien. Einigen Lebensmitteln wie Knoblauch, Ingwer, Aloe Vera und Kokosöl wird zudem eine antimykotische Wirkung zugeschrieben – sie helfen also bei Pilzerkrankungen.

Scheidenpilz

Hefepilze bewohnen nicht nur den Darm, sondern auch den äußeren Genitalbereich und die Scheide. Gerät die gesunde Flora aus dem Takt, können sich die Pilze ausbreiten und eine Pilzinfektion im Intimbereich verursachen. Symptome, die auf eine solche hinweisen, sind Ju­cken und Brennen im Vaginalbereich sowie eine gerötete und eventuell rissige Haut um die Scheide. Der Ausfluss kann sowohl weiß und dünnflüssig als auch bröckelig sein. Auch Schmer­zen beim Geschlechtsverkehr kommen bei Pilzerkrankungen gehäuft vor. 

Wie kommt es dazu?
Ein gesundes Scheidenmilieu ist von hormonellen Einflüssen abhängig. Schwankungen im Hormonhaushalt, wie sie in der Schwangerschaft, unter Einnahme der Pille oder in den Wechseljahren vorkommen, erhöhen die Anfälligkeit für Pilzerkrankungen. Die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antibiotika verändern die mikrobielle Besiedelung in der Scheide gleichermaßen wie Stress und psychische Belastungen sowie eine übertriebene Intimhygiene. Pilze können sich leicher vermehren.

Wie nachweisen?
„Nicht alles, was im Vaginalbereich juckt, ist tatsächlich ein Pilz“, weiß Heller-Vitouch zu den Beschwerden: „Auch beim Vaginalpilz gibt es viele Differenzialdiagnosen – also Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild wie jenes der Verdachtsdiagnose.“ Die Dermatologin nennt Vulvaekzeme sowie Lichen sclerosus – eine chronisch entzündliche, gutartige Hauterkrankung an der Vulva – als Beispiele für Erkrankungen, die ebenfalls mit starkem Juckreiz einhergehen, mit einer Pilzerkrankung jedoch nichts zu tun haben. Die Diagnose eines Vaginalpilzes wird durch eine mikrobiologische Untersuchung des Scheidensekrets und den Nachweis von Hefepilzen gestellt.

Was tun?

Einmalig auftretende Scheidenpilz­infektion ohne schwerwiegendere Komplikationen lassen sich in der Regel gut mithilfe von lokal wirksamen Antipilz- bzw. Vaginalmitteln aus der Apotheke behandeln. Die im Allgemeinen gut verträglichen Präparate können auch von Schwangeren und Stillenden verwendet werden. Heller-Vitouch rät von Eigentherapiemaßnahmen dennoch ab, zumal nur ein Arzt die tatsächliche Ursache herausfinden kann: „In schwereren Fällen oder wenn eine alleinige Lokalbehandlung nicht zum Erfolg führt, ist eine Behandlung mit Tabletten zur oralen Einnahme empfehlenswert, auch um eine chronische Reizung der Vaginalschleimhaut zu verhindern.“

 

Stand 05/2020

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