Was bei Hitze hilft

Juni 2024 | Medizin & Trends

Hat es über 30 Grad und hält die Hitze länger an, kann das zu körperlichen sowie psychischen Belastungen führen und sogar die Gesundheit gefährden. Wie wir uns davor schützen.

Von Mag.a Sabine Stehrer

Bei 60 Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittlich hohe Temperaturen in den bevorstehenden Sommermonaten laut „GeoSphere Austria“, der Bundesanstalt, die den nationalen Wetterdienst beinhaltet. Auch geht GeoSphere davon aus, dass wie in den vergangenen Jahren wieder etliche Hitzewellen auf uns zukommen werden.
Hitzewelle bedeutet, dass es an mindestens drei aufeinander folgenden Tagen 30 Plusgrade Celsius hat oder mehr und in der Nacht nicht weniger als 20 Grad. Anhaltend hohe Temperaturen belasten so wie alle Lebewesen auch uns Menschen und können unsere Gesundheit gefährden, sogar unser Leben bedrohen. Assoc.-Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien, weiß, was uns vor hitzebedingten gesundheitlichen Gefahren schützt.

Hilfen gegen Hitze besorgen

„Der erste Schritt, wenn es um den Schutz vor gesundheitlichen Hitzefolgen geht, ist, die hohen Temperaturen ernst zu nehmen und sich entsprechend darauf vorzubereiten, also rechtzeitig vorzusorgen“, sagt Hutter. Es gilt, Hilfen gegen die Hitze zu besorgen, und das sollte laut dem Experten nicht unbedingt gleich eine Klimaanlage sein. „Wichtig ist, dass die Hitze soweit wie möglich draußen bleibt, und das gelingt auch mit Jalousien, die tagsüber geschlossen bleiben“, so Hutter weiter. Zusätzlich heißt es, das Lüften auf die Zeiten zu beschränken, wo es draußen kühler ist, also auf die frühen Morgenstunden und den späten Abend. Andere taugliche Hilfsmittel sind Ventilatoren, eine Wanne für das kalte Fußbad zwischendurch oder eine Wärmflasche, die mit kaltem Wasser befüllt zu unserer Kühlflasche wird.

Hitzetaugliche Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille

Anders als wohl viele vermuten, zählen nicht zwangsläufig das T-Shirt, der Rock oder die kurze Hose zu hitzetauglicher Kleidung. Welches Kleidungsstück bei Hitze am besten gewählt wird, darüber entscheiden vielmehr das Material, aus dem es besteht, der Schnitt und die Farbe. „Unter den Materialien top sind Leinen, Baumwolle und Seide, da sie Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben, was kühlend wirkt“, weiß Hutter. Schnittmäßig ist weite Kleidung angesagt, am besten mit langen Ärmeln und langer Beinbedeckung. Denn derartige Blusen, Hemden, Kleider, Röcke und Hosen verfügen über gleich zwei kühlende Faktoren: Sie engen nicht ein und fächeln beim Gehen Luft zu. Auch die Farbe spielt in Sachen Hitzetauglichkeit eine Rolle. So halten uns helle Teile eher kühl, dunkle schützen dafür besser vor der UV-Strahlung. Ebenfalls empfehlenswert sind Kopfbedeckungen wie ein Hut oder eine Kappe, da sie Schatten bieten und so den Kopf kühl halten und eine Sonnenbrille zum Schutz der Augen.

Wasserreiches essen, lauwarm trinken

Bei Hitze heißt es außerdem, anders als an kühleren Tagen zu essen und zu trinken. „Ideal wäre, zu wasserreichem Gemüse und Obst zu greifen, wie zu Gurken und Paradeisern oder zu Erdbeeren und Pfirsichen, um damit auch gleich einen Teil des erhöhten Bedarfs an Flüssigkeit und Mineralstoffen zu decken, der durch das Schwitzen besteht“, erklärt Hutter. Damit der Körper durch das Essen nicht noch zusätzlich belastet wird, sollten die Speisen außerdem leicht verdaulich sein und einen kühlenden Effekt haben. Diesbezüglich top sind Joghurt, Kompotte, Mus, Salate und Suppen. Zudem hilfreich ist, mindestens zwei Liter lauwarmes Wasser oder lauwarmen Pfefferminztee zu trinken, denn Minze kühlt gut. Wichtig für uns ist auch, auf Alkoholkonsum zu verzichten oder diesen zumindest drastisch einzuschränken, denn Alkohol kann bei Hitze den Blutdruck senken und so zu Kreislaufproblemen bis hin zu Bewusstlosigkeit führen.

Besser leistungsreduziert Sport betreiben

Weil das Herz-Kreislauf-System allein schon durch die Hitze belastet ist, sollten wir an heißen Tagen besser weniger Sport betreiben, so Hutter. „Alternativ könnte man den Sport in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen oder beim Sport die Leistungsanforderungen etwas reduzieren, indem man an Hitzetagen Sportarten betreibt, die den Kreislauf weniger belasten.“ Dazu zählen zum Beispiel Schwimmen im noch dazu kühlenden Nass, Wandern im Wald, Gymnastik oder Yoga.

In der Arbeit zurückschrauben

Wenn hohe Temperaturen bevorstehen oder bereits herrschen, ist es in der Arbeit hilfreich, die Anforderungen an sich selbst zurückzuschrauben und sich weniger als an kühlen Tagen vorzunehmen, so gut das eben geht, sagt Hutter: „Denn an heißen Tagen ist die Leistungsfähigkeit generell eingeschränkt, und zwar die körperliche wie auch die geistige.“ Deshalb fallen uns körperliche Tätigkeiten und das Denken schwerer, und es kann schwierig bis unmöglich werden, so viel wie an kühleren Tagen zu erledigen.

Auf hilfsbedürftige Nachbarn achten

Noch einmal mehr als für fitte und gesunde Menschen ist die Hitze für Hilfsbedürftige anstrengend, sagt Hutter: „Deswegen sollte man Hilfsbedürftige in der Nachbarschaft bei hohen Temperaturen immer wieder einmal fragen, ob man ihnen etwas aus dem Supermarkt mitbringen soll, oder ob sie andere Unterstützung brauchen.“ Da bei der starken Belastung des Herz-Kreislauf-Systems an heißen Tagen Älteren eher Stürze passieren, sollten wir bei Hitze auch mehr auf ältere Nachbarn achten.

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Hitze und Notfall

Hat man sich zum Beispiel der Kombination von Hitze und größerer körperlicher Anstrengung beim Arbeiten oder beim Sport ausgesetzt, und wird einem schwindlig oder leicht übel, sollte man dies als Anzeichen für einen möglichen Hitzschlag betrachten. Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall, weshalb es gilt, schnell kühlende Maßnahmen setzen. Also aus der Sonne zu gehen, etwas Kühlendes zu trinken und den Kopf zu kühlen. Tritt keine Besserung ein, oder kommt es zu Erbrechen, Kopfweh oder Verwirrung, heißt es, die Rettung zu rufen.

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Hitze und Medikamente

  • Wer dauerhaft Medikamente einnehmen muss, sollte diese wie alle lagernden Medikamente vor allem bei Hitze möglichst kühl, vor Licht geschützt und in der Originalverpackung aufbewahren. Muss bei Hitze nach dem Kauf von Medikamenten eine längere Strecke zurückgelegt werden, ist der Transport in einer Kühltasche empfehlenswert.
  • Werden Medikamente wie besonders Blutdrucksenker, Entwässerungstabletten oder Psychopharmaka eingenommen, sollte rechtzeitig mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, ob bei Hitze die Dosis zu verändern ist. Bei Blutdrucksenkern und Entwässerungstabletten kann das erforderlich sein, weil der Blutdruck bei Hitze abgesenkt wird und schon das Schwitzen entwässert. Bei der Einnahme von Psychopharmaka ist ein Nachfragen beim Arzt empfehlenswert, da sich psychische Erkrankungen bei Hitze verschlimmern können.

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Hitze und Psyche

Hitze führt über die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems zu körperlichem Stress, der auch psychisch belastet. Eine Folge davon ist, dass Gereiztheit und Aggressivität zunehmen, was sich wiederum dadurch bemerkbar macht, dass es zu mehr Verkehrsunfällen und Gewalttaten kommt. Parallel macht sich bei Hitze aber auch Lethargie breit, und die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit ist herabgesetzt. Vor diesen Auswirkungen der Hitze auf die Psyche schützt uns, die Umgebungsbedingungen so zu verändern, dass der körperliche Stress reduziert wird, der zu den psychischen Belastungen führt.

 

Foto: (c) gettyimages_JGIJamie-Grill

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