Schutz vor Elektrosmog

Mai 2006 | Leben & Arbeiten

Stecker raus und Gute Nacht!
 
Man sieht, hört, riecht, schmeckt ihn nicht, aber immer mehr Menschen können ihn fühlen, und viele leiden darunter: Elektrosmog. Lesen Sie, wie man sich davor schützen kann.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Was ist Elektrosmog?
Elektrosmog heißt der gefährliche Strahlencocktail, dem der Mensch rund um die Uhr ausgesetzt ist. Er geht von elektrischen Geräten, Leitungen, Sendern, elektrisch geladenen Oberflächen und magnetisierten Materialien aus – ist also praktisch überall!

Unsere Welt wird immer „elektrischer“. Fast nichts läuft heutzutage mehr ohne Strom. Ob im eigenen Heim, am Arbeitsplatz oder in der freien Natur: Es gibt kaum einen Ort, an dem keine Strahlung aus künstlich erzeugten elektromagnetischen Quellen auf uns einwirkt. Mit dem zunehmenden Elektrosmog wächst auch die Zahl der Menschen an, die ihn fühlen: Nach einer Studie, die 2002 in Salzburg durchgeführt wurde, ist jeder Fünfte „elektrosensitiv“ und spürt zum Beispiel Strahlung, die von Handys, schnurlosen Telefonen, elektrisch betriebenen Radioweckern, Fernsehern, Stereoanlagen, Fernbedienungen, Mikrowellenherden oder Computern ausgeht.

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen

„Elektrosensibel“ nennt man Menschen, die diese Strahlung nicht nur spüren, sondern darunter leiden, weil ihr Nervensystem vom Elektrosmog durcheinander gebracht wird. Nach Schätzungen sind das drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Die Symptome reichen von Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwächen und Kopfschmerzen über Lernschwierigkeiten, Nervosität, Schlafstörungen und Schweißausbrüchen bis hin zu Herzrhythmusstörungen und Depressionen. Nach verschiedenen Studien wird Elektrosmog auch als Risikofaktor für Fehlgeburten, Krebs und Depressionen betrachtet.

Diagnose: Belastung durch Elektrosmog

Die kleine Melanie, 7, litt unter schweren Alpträumen. Auf Anraten von Bekannten wandten sich die Eltern an einen Baubiologen. Der Mann hielt Klemmlämpchen, die am Stockbett angebracht waren, mit daraus resultierenden hohen elektrischen Wechselfeldern für den möglichen Auslöser. Und wirklich war es so: Nach der Entfernung der Lämpchen hatte das Mädchen keine Alpträume mehr. Kurt L., 40, wachte jede Nacht schweißgebadet auf. Ein Arzt erklärte ihm, dass möglicherweise sein DECT-Schnurlostelefon schuld daran ist. Und tatsächlich: Nachdem der Mann die Basisstation entfernt hatte, schlief er wieder ohne aufzuwachen durch. Doch einige Wochen später begannen die Schlafstörungen von neuem – was war passiert? Ein Stockwerk höher war seine Schwester mit einem DECT-Schnurlostelefon eingezogen. Bei diesem wurde nun jede Nacht der Stecker gezogen. L. hatte wieder seine Ruhe.

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INTERVIEW

Wunder Punkt Schlafzimmer

Der Umweltmediziner des Landes Salzburg und Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer Dr. Gerd Oberfeld im Interview mit MEDIZIN populär.

MEDIZIN populär: Herr Dr. Oberfeld, wir sind alle von Elektrosmog umgeben, aber nicht jeder kann ihn spüren. Ist es auch für jemanden, der nichts von den elektrischen und elektromagnetischen Feldern und Strahlen bemerkt, notwendig, sich zu schützen?

Dr. Gerd Oberfeld:
Elektrosmog kann ein Risikofaktor für die Gesundheit sein. Es ist also gut, an Plätzen, wo man sich lang aufhält, vorsichtig zu sein, etwa im Schlafzimmer. Das Tückische: Elektrosmog ist nicht immer sofort zu spüren. Es kann sehr viele Jahre dauern, bis der Körper auf die Einwirkung elektrischer Felder etwa mit Einschlaf- oder Durchschlafstörungen reagiert.

Offenbar ist das Schlafzimmer so etwas wie ein wunder Punkt. Wie kann man den Schlafplatz möglichst frei von Elektrosmog halten?

Elektrische Geräte und Kabel im Umkreis von ein bis zwei Meter ums Bett sollten während des Schlafes spannungsfrei sein. Das beginnt bei der Nachttischlampe: Die steckt man aus oder koppelt sie mit einem so genannten Netzfreischalter vom Stromkreis ab. Das gilt auch für Leuchten in einem Bettverbau. Ein wirklich Elektrosmog-reduziertes Schlafzimmer ist aber nur mit der Hilfe eines baubiologischen Messtechnikers zu schaffen, der Strahlenquellen orten kann und Schutzmaßnahmen empfiehlt.

Viele haben nicht nur Lampen, sondern auch Radiowecker, Fernseher, Heizdecken, Telefone, Computer im Schlafzimmer stehen und in Verwendung.

Auch hierfür gilt: Vor dem Schlafengehen den Stecker aus der Steckdose ziehen.

Als besonders empfehlenswert gelten „geschirmte“ Geräte? Was halten Sie davon?

Geschirmte Lampen, Anschlusskabel und Verteilerdosen sind im Schlafzimmer, aber auch im Wohn- und Arbeitszimmer sinnvoll. Computerbildschirme und Fernseher sollten ein TCO-Pickerl tragen – dieses Label zeigt, dass der Bildschirm besonders strahlungsarm ist.

Wo können außerhalb der eigenen vier Wände Elektrosmog-Gefahren lauern?

Erfahrungen zeigen, dass Schnurlostelefone nach dem gängigen DECT/GAP-Standard zu erheblichen gesundheitlichen Beschwerden führen können, sogar wenn sie in Nachbarwohnungen stehen. Solche Geräte geben ständig hochfrequente Strahlung ab, auch wenn gar nicht telefoniert wird, und sollten besser durch Schnurtelefone ersetzt werden. Ebenfalls zu deutlichen Belastungen führt drahtloses Internet. Weitere hochfrequente Strahlenquellen, die bis in Wohnräume hinein wirken, sind Mobilfunksendeanlagen.

Wie kann man sich davor schützen?

Als wirksam haben sich Dämpfungsmaßnahmen erwiesen. Man kann zum Beispiel an der Fassade feinmaschige Metallgitter oder Kohlenstoffanstriche anbringen. Metallisierte Glasscheiben, Metallfensterrahmen und Blechdächer stellen auch einen guten Schutz dar. Gesundheitliche Probleme, die nachweislich auf Mobilfunksendeanlagen zurückzuführen sind, weil sie erst nach deren Inbetriebnahme auftraten, sollten auf jeden Fall dokumentiert und dem Hausarzt sowie dem Gesundheitsamt mitgeteilt werden.

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Gut geschützt vor Elektrosmog

+ Elektroinstallationen mit geschirmten Mantelleitungen und geschirmten Installations- und Hohlraumdosen. Rat und Hilfe bietet der Fachhandel.

+ Im Nahbereich (also im Umfeld von ein bis zwei Meter) nur geschirmte Verlängerungskabel und Tischverteiler verwenden.

+ Leuchten im Nahbereich wie zum Beispiel Nachttischleuchten, Schreibtischleuchten, Leseleuchten, Stehleuchten oder Hängeleuchten mit geschirmten Leuchtenanschlusskabeln ausrüsten. Als Fassung für die Glühlampe sollte eine mit dem Schutzleiter kontaktierte Metallfassung verwendet werden (siehe Bild Mitte). Ihr Elektriker kann Sie über eine eventuelle Nachrüstung beraten.

+ Mit einem beim Elektriker erhältlichen Zweiphasenschalter können ungeschirmte Geräteanschlusskabel und Geräte spannungsfrei abgeschaltet werden.


   

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