Richtige Babynahrung

April 2007 | Ernährung & Genuss

So legen Sie den Grundstein für ein gesundes Leben
 
Die Entbindung hat man gut überstanden, der kleine Spatz ist rundum gesund, aber mit dem Stillen klappt es einfach nicht. Viele Mütter haben dann Schuldgefühle – und Stress, denn bei Babys Ernährung will man alles richtig machen. Schließlich sagt die Wissenschaft klipp und klar, dass im ersten Lebensjahr die gesundheitlichen Weichen für die Zukunft gestellt werden. Ein Kinderarzt erklärt, was Mütter und Väter wissen müssen.
 
Von Mag. Petra Hauk

Keine Frage, Muttermilch ist und bleibt das Haubenmenü für den Nachwuchs. Sie liefert die perfekte Nährstoffzusammensetzung, verpackt in leicht verdauliche Bausteine und in stets gleich bleibender Temperatur – diese Leistung schafft kein Labor der Welt. Aber, und das ist die gute Nachricht, der Ersatz aus dem Packerl kommt dem natürlichen Vorbild schon ziemlich nahe, erklärt Dr. Peter Voitl, Kinderarzt in Wien: „Das betrifft in erster Linie die Säuglingsmilchen mit der Bezeichnung ‚Pre‘ oder ‚Anfangsmilch‘, die man von Beginn an geben kann. Die wichtigen Eiweißbestandteile und die dünnflüssige Beschaffenheit sind dem Naturvorbild sehr ähnlich. Außerdem ist die Zutatenliste kurz, das verringert das Allergierisiko.“ Auch bei der Auswahl der Marke kann man nichts falsch machen, sagt Dr. Voitl: „Denn die Auflagen sind für alle Hersteller gleich streng, so dass der Spielraum für Unterschiede so gut wie nicht vorhanden ist.“
Wäre es für Babys (und Mamas) Nachtruhe nicht besser, gleich die dickflüssigere 1er-, 2er- oder 3er-Milch zu geben? Die sättigt doch viel besser! „Auf keinen Fall“, warnt Dr. Voitl. „Sowohl 1er-Anfangsmilchen als auch Folgemilchen sind der Muttermilch schon viel weniger angepasst als die Prenahrung. Folgemilch enthält neben dem leicht verdaulichen Milchzucker auch Stärke und weitere Kohlenhydrate. Das macht zwar schneller satt, das stimmt, es belastet aber den noch unreifen Darm. Verdauungsprobleme können die Folge sein.“ Dr. Voitls Rat: Solange sich die Aufwachzyklen in der Nacht nicht verkürzen und das Baby gut wächst, kann man im ersten halben Jahr bei der Anfangsmilch bleiben.
Besteht eine Allergievorbelastung empfiehlt Dr. Voitl hypoallergene Säuglingsnahrung, die auf der Packung mit HA gekennzeichnet ist. Das im Milchpulver enthaltene Eiweiß ist speziell zerlegt und schont das empfindliche Immunsystem.

Beikost – Selber kochen oder selber kaufen?
Bis zum sechsten Monat ist Milch die Energiequelle Nummer eins. Dann braucht Babys Turbostoffwechsel viele zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe, die Gemüse, Fleisch, Obst und Getreide liefern. Damit haben Beikost und der Löffel ihren ersten Auftritt.
Wie startet man? Dr. Voitl empfiehlt, mit ein, zwei Kaffeelöffeln Karotten- oder Kartoffelbrei vor dem Fläschchen zu beginnen und die Menge jeden Tag zu steigern, bis ein Fläschchen komplett ersetzt ist.
Das stellt viele Mütter vor die Frage: Pürierstab oder Gläschen? Für das Kochen spricht, dass die Eltern die Anzahl der Lebensmittel in gewünschter Weise beschränken können – das senkt das Allergierisiko – und auf die Zugabe von Zucker und Salz ganz bewusst verzichten können. Aber auch Gläschenkost kann ohne Bedenken empfohlen werden, denn, wie Dr. Voitl sagt: „Es gibt kaum Nahrungsmittel in Österreich, die einer stärkeren und strengeren Kontrolle unterliegen.“
Ob Sie selber kochen oder Ihrem Kind Fertignahrung geben: Einige Lebensmittel sind zwar gesund, gehören trotzdem nicht auf Babys Speiseplan im ersten Jahr. Den Grund erklärt Dr. Voitl: „Werden Nahrungsmittel wie Hühnerei, Fisch und Zitrusfrüchte zu früh gegeben, können sie Allergien auslösen. Dasselbe gilt für Nüsse, Sellerie oder Schokolade. Auch Joghurt, Sauermilch und Topfen sollten möglichst spät eingeführt werden. Denn der hohe Eiweißgehalt belastet die noch unreifen Nieren. Hinweise auf eine Allergie können schleimiger, blutiger Stuhl und schlechtes Gedeihen sein.“ Übrigens: auch Honig ist im ersten Lebensjahr tabu. Denn das eigentlich gesunde Süßungsmittel kann bei Säuglingen eine Muskelschwäche und unter Umständen sogar eine lebensgefährliche Atemlähmung zur Folge haben.

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INTERVIEW

Die Eckpfeiler einer gesunden Entwicklung

Wissenschaftliche Studien belegen: Falsche Ernährung im ersten Lebensjahr spielt eine große Rolle bei der Entstehung späterer Erkrankungen wie Diabetes, Allergien und Herz-Kreislauf-Problemen. Für junge Mütter bedeutet das einen großen Druck, alles richtig zu machen. Schließlich will man das Beste für sein Kind. MEDIZIN populär hat den Wiener Kinderarzt Dr. Peter Voitl nach den Eckpfeilern einer gesunden Entwicklung befragt.

MEDIZIN populär
Als junge Mutter sieht man viele Ernährungsfallen, das macht unsicher. Ist Kinderernährung heutzutage tatsächlich so schwierig geworden?

Dr. Peter Voitl
Nein! Die Unsicherheit kommt daher, dass das Wissen über die Auswirkungen bestimmter Ernährungsweisen einfach größer geworden ist. Erst in jüngerer Zeit hat man erkannt, dass das erste Lebensjahr eine sensible, programmierende Phase ist.

Warum ist diese Phase so wichtig?
Ein Baby muss in Bezug auf seine Entwicklung Höchstleistungen vollbringen. Es wächst rasant, immerhin zwei Zentimeter pro Monat, bestimmte Organe sind noch nicht vollständig funktionsfähig, der Stoffwechsel spielt sich ein, die Zähne beginnen sichtbar zu werden, Gehirn und Nervensystem steigern ihre Funktion im Eilzugstempo. Hierfür benötigt ein Kind besonders hochwertige Nahrung.

Was heißt hochwertig?
Eine ausgewogene Zusammensetzung schadstofffreier, qualitativ hochwertiger Lebensmittel. Dazu gehören Eiweiß in ausreichender Menge aus Milch und Fleisch, das für den Aufbau von Gewebe, Muskeln und Knochen nötig ist, gutes Fett wie Oliven- oder Rapsöl und optimale Kohlenhydrate wie Reis, Getreide, Kartoffeln und Nudeln als Energielieferanten. Aber auch Vitamine und Mineralstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann, aus Obst und Gemüse.

Um das perfekt zu machen, muss man eigentlich ein Ernährungsexperte sein, oder?
Ganz sicher nicht. Die beste Grundlage für Babys Entwicklung legt man mit gesundem Menschenverstand, indem man Ernährungs-Extreme vermeidet und bei Unsicherheiten die Kinderärztin oder den Kinderarzt um Rat fragt.

Nicht nur das Was, auch das Wie ist bei der Ernährung wichtig, stimmt das?
Ja, das Stichwort hier lautet Regelmäßigkeit. Babys können Energie in viel geringerem Ausmaß speichern als Erwachsene. Deshalb ist ein regelmäßiger Mahlzeitenrhythmus, der die leeren Speicher wieder auffüllt, ausgesprochen wichtig für die Entwicklung. Allerdings geht es nicht darum, die Zeiten mit der Stoppuhr einzuhalten. Bei Wachstumsschüben melden sich Kinder öfter und schneller, dem sollte man dann auch Rechnung tragen.

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Die häufigsten Fragen & Antworten rund um Babys Ernährung

Mein Baby trinkt sein Fläschchen nicht aus, bekommt es trotzdem genug?
Die Mengenangaben auf der Packung sind als Anhaltspunkte zu verstehen und keine Sollwerte. Wichtiger als diese Zahlen ist die Frage: Bringt es das Baby auf vier bis sechs gut nasse Windeln pro Tag, sind Stuhlgang und Gewichtszunahme regelmäßig?
In den ersten Wochen soll das Baby etwa 200 Gramm pro Woche zulegen. Wenn das alles zutrifft, muss man sich um halbgeleerte Fläschchen keine Sorgen machen.

Darf ich Fläschchen auf Vorrat machen oder muss jedes frisch zubereitet werden?
Bei Säuglingen ist Keimfreiheit oberstes Gebot, denn die Darmflora hat noch zu wenige Abwehrstoffe, um sich erfolgreich gegen Bakterien zu wehren. Macht man Fläschchen auf Vorrat, können sich in der Abkühlphase belastende Stoffe besonders schnell vermehren. Deshalb darf man Nahrungsreste auch niemals aufheben und wiedererwärmen.
Tipp zur Arbeitserleichterung für die Nacht: Kochen Sie vor dem Schlafengehen Wasser ab, füllen Sie es in eine Thermoskanne. Die exakte Pulvermenge kommt ins leere Fläschchen. In der Nacht nur noch das Wasser darüber gießen und umrühren.

Mein Baby hat schlimme Blähungen, was kann ich tun?
An Koliken sind manchmal die Schaumblasen in der Milch verantwortlich. Sie entstehen, wenn man Pulver und heißes Wasser wie einen Cocktail-Shaker schüttelt. Besser: vorsichtig umrühren.

Wie viel zusätzliche Flüssigkeit braucht mein Baby?
Solange Fläschchen gegeben werden, ist ungesüßter Tee nur bei Sommerhitze notwendig, oder wenn das Baby krank ist. Bei fester Nahrung erhöht sich der Flüssigkeitsbedarf. Wasser und ungesüßte Tees nach Bedarf sind perfekt.

Kann ich meinem Baby zur Not auch einmal Kuhmilch geben?
Nein! Denn frische Kuhmilch kann Allergien auslösen. Auch Soja-Milch oder frische Milch von anderen Tieren wie Ziege, Schaf oder Stute sind für Säuglinge ungeeignet.
            

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