Nackenschmerzen: Zuviel Last für einen allein

Mai 2007 | Medizin & Trends

Welche Behandlungen wirklich helfen
 
Der Nacken tut weh, der Hals ist steif, und jede Bewegung fällt einem schwer: Jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens zumindest einmal von diesen Beschwerden betroffen. Viele ertragen ihr Leiden heldenhaft und warten, bis der Schmerz von selbst vergeht. Doch das müsste nicht sein: Ärztinnen und Ärzte kennen gute Therapiemöglichkeiten – und sie wissen auch, wie man die Wiederkehr des Problems verhindern kann. Zum Beispiel mit der Reflexzonenbehandlung.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Ob schon in jungen Jahren oder erst im fortgeschrittenen Alter: Irgendwann im Leben ist jeder Mensch von Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich betroffen – sie sind zum regelrechten Volksleiden geworden.

Der Grazer Facharzt für Orthopädie, orthopädische Chirurgie und Sportorthopädie Dr. Eduard Lanz erklärt, warum das so ist: „Unser grundsätzliches Problem ist, dass wir alle Kopfmenschen geworden sind“, sagt er: „Wir neigen dazu, jede Bewegung und jede Körperhaltung mit dem Kopf und den Augen zu kontrollieren, und das führt zu Verkrampfungen und Verspannungen.“ Diese Verspannungen verursachen die Schmerzen im Nacken und im Schulterbereich, die oft auf den gesamten Rücken ausstrahlen.

Als zweite Hauptursache für das Leiden nennt Dr. Lanz die „Schildkrötenhaltung“, die wir alle einnehmen, wenn wir Stress haben: Wir ziehen den Kopf ein, die Schultern in die Höhe, machen den Rücken rund und überstrecken so den Hals. Viele finden auch dann nicht mehr aus dieser Haltung heraus, wenn sie sich in einer Phase der Entspannung befinden – und das belastet die Gelenke, blockiert und verursacht Schmerzen.

Andere häufige Ursachen für Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen sind Erkältungen, rheumatische Erkrankungen, Zugluft. Auch Abnützungen der Wirbel und Bandscheiben oder Fehlbildungen und Funktionsstörungen der Wirbelsäule können Verspannungen und Schmerzen im Rückenbereich hervorrufen. Manchmal löst eine plötzliche falsche Bewegung die Beschwerden aus, oder ein Ruck, dem man etwa bei einem Unfall ausgesetzt ist. In seltenen Fällen stecken Tumore oder Metastasen dahinter.

Aktiv gegen den Schmerz
Wie wird die Ursache diagnostiziert? Die Ärztin oder der Arzt beurteilen die Körperhaltung, untersuchen manuell die Halswirbelsäule, tasten die schmerzhaften Stellen ab und führen ein Röntgen oder Blutuntersuchungen durch. Ist der Schmerz akut, kann er durch Schmerzmittel (gespritzt oder oral eingenommen) sowie das Auflegen von Eisbeuteln beseitigt oder zumindest gelindert werden. Gegen chronischen Schmerz wirken ebenfalls Schmerzmittel oder das Auflegen einer Wärmeflasche. Taugliche Behandlungsmethoden sind auch die Akupunktur oder die manuelle Therapie.

Um die Beschwerden nicht nur loszuwerden, sondern auch der Wiederkehr vorzubeugen, empfiehlt Dr. Lanz: Selbst aktiv werden und Rückengymnastik betreiben – mit Dehnungs-, Koordinations- und Kräftigungsübungen. Wer einen sitzenden Beruf hat, sollte sich außerdem einen Bürostuhl mit Armlehnen zulegen, „auf dem man auch lümmeln kann“, sowie eine gute Matratze und eventuell einen Nackenpolster. Idealerweise gewöhnt man sich auch an, den Rücken im Sitzen, Gehen und Stehen immer wieder einmal zu bewegen und gönnt sich regelmäßig eine Massage.
Wenn Stress oder Angst die Haupt- oder eine Mitursache der Schmerzen sind, werden Entspannungsübungen empfohlen, mitunter auch eine Psychotherapie.

 

Im Akutfall zur Massage
„Wenn der Nacken, die Schultern oder der Rücken akut weh tun, hilft eine Massage“, sagt die Allgemeinmedizinerin sowie Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Dr. Astrid Reitinger, die eine Ordination im Wiener Kur- und Heilinstitut Casa Piccola führt. „Bei einer Rückenmassage ist aber Vorsicht geboten. Sie bringt nur dann etwas, wenn die Patientin oder der Patient das so genannte Wohl-Weh vom Weh-Weh unterscheiden kann.“ Das bedeutet: Es ist wichtig, bei der Massage die Schmerzgrenze nicht zu überschreiten, denn sonst kann sich das Problem verschlimmern.

Heilen über einen Fernpunkt
Dr. Reitinger: „Empfehlenswerter als Massagen am Ort des Schmerzes sind Fuß- und Handreflexzonenmassagen, aber auch Akupressur und Akupunktur.“ Die Vorteile dieser Behandlungsart: „Wenn man die Reflexzonen punktiert, drückt oder massiert, stimuliert man Stellen, die zwar über die Nervenbahnen mit den schmerzenden Muskeln verbunden sind, sich aber fern dieser Stellen befinden. Am Ort des Schmerzes wird die Durchblutung trotzdem gesteigert, wodurch sich die schmerzenden Muskeln rasch entspannen. “

Schmerzen im Rückenbereich entstehen, so Dr. Reitinger weiter, „wenn wir im Leben mehr ertragen müssen, als wir tragen können. Wir krampfen die Muskeln zusammen, und irgendwann sind wir nicht mehr imstande, sie zu lösen, loszulassen, es kommt zu einer Dauerkontraktion, und das ist es, was weh tut.“ Aus dieser Erkenntnis heraus ergebe sich der zweite Grund, warum bei Schmerzen im Rücken-, Schultern- oder Nackenbereich Akupunktur, Akupressur und Reflexzonenmassagen so gut funktionieren. Mit den Techniken kehre man sozusagen den Entstehungsprozess der Schmerzen um. „So wie man die Muskeln über die ferne Psyche belastet, entlastet man sie auch wieder über einen Fernpunkt.“

Patient hilft mit
Woran man eine gute Behandlung erkennt? Dabei wird der Patient aufgefordert, dem Masseur mitzuteilen, an welchen Stellen es gut tut, massiert oder akupressiert zu werden, an welchen es weniger gut tut, und wo es regelrecht schmerzt. Entsprechend dieser Empfindungen werde weiter gearbeitet, um die Beschwerden an den eigentlich betroffenen Stellen zu lindern und zu beseitigen – oder auch, um diesen vorzubeugen.

Sich selbst die Füße oder Hände zu massieren oder Druckpunkte zu stimulieren, bringt übrigens nichts. Dr. Reitinger: „Dabei kann man sich nicht entspannen, die heilende Wirkung bleibt aus.“ Sind die Schmerzen bereits chronisch geworden, sollte unbedingt eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Ist die Ursache abgeklärt, folgt auf der Basis der Diagnose die Behandlung – oft wird eine Physiotherapie verschrieben, die ebenfalls Massagen beinhaltet.

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Der wichtige Unterschied:
Akut oder chronisch?

Als akut gelten Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich bis zu einer Dauer von drei Wochen, als subakut, wenn sie vier bis zwölf Wochen anhalten. Von chronischen Schmerzen spricht man ab einer Dauer von mehr als zwölf Wochen.

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Reflexzonenbehandlung:
Woher kommt sie?

Das Prinzip, über Reflexzonen, Meridiane oder Druckpunkte Krankheiten zu heilen, ist uralt, der Import nach Europa für das 19. Jahrhundert dokumentiert. Den Ursprung kennt man nicht genau, manche siedeln ihn vor 5000 Jahren in China oder Indien an. Andere verweisen auf eine Darstellung an einem ägyptischen Grabmal aus 2330 v. Chr., die vier Menschen bei einer Fuß- bzw. Handmassage zeigt, und nehmen an, dass die Methode auf die Ägypter zurück geht.
       

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