Schielen

Januar 2007 | Medizin & Trends

Was tun, wenn der Blick in zwei Richtungen geht?
 
Fünf bis sieben Prozent der Österreicherinnen und Österreicher schielen.
Das kann nicht nur psychische Belastungen mit sich bringen, sondern auch zu erheblichen Beeinträchtigungen des Sehvermögens führen. Die gute Nachricht: Mit den modernen Methoden der Medizin lässt sich das Leiden lindern und bei frühzeitiger Behandlung in vielen Fällen sogar vollständig beseitigen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Wer Blickkontakt zu einem schielenden Menschen sucht, stellt sich unwillkürlich die Frage: In welches Auge soll ich schauen? Diese Irritation bleibt dem Schielenden nicht verborgen, weiß Dr. Theresia Keindl, Augenärztin und Spezialistin für die Untersuchung und Behandlung von Augenfehlstellungen an der Salzburger Universitätsaugenklinik. Und sie weiß auch: „Viele Menschen, die schielen, fühlen sich durch die Verunsicherung des Gegenübers selber verunsichert.“

Vernachlässigung mit Folgen
Als Schielen bezeichnet man eine Fehlstellung der Augen, die durch eine Störung im Zusammenspiel der Augenmuskeln verursacht wird. Fünf bis sieben Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind davon betroffen. Wenn der Blick sozusagen in zwei Richtungen geht, kann das aber nicht nur zu psychischen Belastungen führen, sondern auch zu gesundheitlichen Beschwerden wie Kopfweh und Schwindelgefühlen.
Tritt das Schielen im Kindesalter auf, kann es außerdem zu erheblichen Beeinträchtigungen des Sehvermögens führen. Denn das schielende Kind setzt ein Auge meist stärker ein als das andere. Das vernachlässigte Auge wird immer schwachsichtiger und irgendwann gar nicht mehr zur Bildwahrnehmung eingesetzt.
Der modernen Medizin steht eine ganze Reihe an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die das Schielen lindern – und sogar vollständig beseitigen können, wenn das Problem früh genug entdeckt und behandelt wird. Dr. Keindl: „Sobald man merkt, dass mit den Augen etwas nicht stimmt, oder sobald man von anderen darauf aufmerksam gemacht wird, dass ein Auge in eine andere Richtung schaut, sollte man zum Augenarzt gehen.“ 

Schielen ist nicht gleich Schielen
Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten des Schielens unterschieden, dem Begleitschielen und dem Lähmungsschielen. Aber nicht nur die Art des Schielens bestimmt die Behandlungsform. Es geht dabei auch um die Fragen, ob das Auge nach außen, innen, oben oder unten ausweicht, wie groß der Schielwinkel ist und ob das Schielen ständig oder nur zeitweise auftritt. Die Palette der Therapiemöglichkeiten reicht vom Verschreiben einer Brille über die so genannte Okklusionsbehandlung, bei der ein Klebepflaster auf das nicht-schielende Auge geklebt wird, um das schielende Auge zu trainieren, bis hin zur Schieloperation, bei der die Augenmuskeln reguliert werden (siehe nächste Seite).

Begleitschielen
Das so genannte Begleitschielen tritt meist im Kindesalter auf. Da häufig auch ein Verwandter des schielenden Kindes von der Sehstörung betroffen ist, gehen die Medizinerinnen und Mediziner davon aus, dass das Begleitschielen vererbt werden kann. Andere Ursachen können im Auge selbst liegen: angeborene Brechungsfehler, einseitige Linsentrübungen, Verletzungen oder Tumore. Auch Weitsichtigkeit kann das Schielen beim Kind auslösen. Rechtzeitig erkannt, kann das Begleitschielen durch das Tragen einer Brille beseitigt werden. Besteht bei der Diagnose bereits eine Sehschwäche am vernachlässigten Auge, hilft die Okklusionsbehandlung. Sieht das Kind nach einiger Zeit der Therapie mit beiden Augen etwa gleich gut, kann eine Schieloperation die Fehlstellung der Augen verbessern oder beseitigen.

Lähmungsschielen
Diese Art des Schielens kann in jedem Lebensalter plötzlich auftreten. Ursachen können eine Entzündung oder Verletzung des Augenmuskelnervs oder eine Lähmung des Augenmuskels durch einen Schlaganfall oder einen Gehirntumor sein.  Die Lähmung eines Augenmuskels kann sich binnen eines Jahres von selbst wieder zurückbilden. Passiert das nicht, raten die Medizinerinnen und Mediziner zur Schieloperation.

Schieloperation
Die Schieloperation wird bei Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 45 Minuten. Mit einem Lidspreizer wird das Lid aufgespreizt. Danach wird die Bindehaut geöffnet, um die darunter liegenden Augenmuskeln so zu korrigieren, dass die Augen parallel stehen. Der Erfolg der Operation hängt von der Schielform und von der Vorbehandlung ab. Manchmal beginnen die Patientinnen und Patienten einige Zeit nach der Operation neuerlich zu schielen. Dann kann die Operation, die relativ schmerzlos ist und von den Krankenkassen bezahlt wird, wiederholt werden. Der Erfolg der Schieloperation hängt nicht vom Alter der Patientinnen und Patienten ab, sie kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen durchgeführt werden.

Schielt mein Kind?
Wenn das Schielen nicht augenscheinlich ist, gibt es einen Trick, um es schon früh zu erkennen: Sind die Augen des Babys zum Licht gerichtet, sieht man auf der Hornhaut beider Augen kleine Spiegelbilder des Fensters oder der Deckenleuchte. Ist ein Spiegelbild verschoben, deutet das auf ein Problem hin, das mit dem Augenarzt abzuklären ist.
Bei Kleinkindern können außerdem folgende Beschwerden Anzeichen für Sehschwächen und beginnendes Schielen sein: Lichtempfindlichkeit, Augentränen, Zukneifen eines Auges, Reizbarkeit, chronische Augenentzündung, schiefe Kopfhaltung, ungeschickte Bewegungen. Wichtig: die im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Augen-Untersuchungen unbedingt durchführen lassen!

5 gesunde Tipps für gesunde Augen

1 Pausen machen
Gönnen Sie Ihren Augen mindestens alle zwei Stunden eine zehnminütige Pause und lassen Sie den Blick schweifen! Zu langes Fokussieren auf einen Punkt oder eine Fläche (z. B. beim Autofahren oder am Computer) schadet den Augen.
 
2 Zwinkern und blinzeln
Um zu verhindern, dass die Augen austrocknen, zwinkern, blinzeln und gähnen Sie immer wieder:
Das regt den Tränenfluss an.

3 Sehschärfe essen
Nährstoffe wie Lutein aus grünem Gemüse (z. B. Brokkoli), Heidelbeerextrakt und Fischöl sind gut für
die Augen.

4 Fliege verfolgen
Verfolgen Sie mit den Augen eine imaginäre Fliege im Raum, variieren Sie die Sehdistanzen, fixieren Sie Punkte für unterschiedlich lange Zeiten – das kräftigt die Augenmuskulatur und erhöht die Konzentrationsfähigkeit!

5 Vor UV-Licht schützen
Sonnenbrillen sind auch im Winter Pflicht, um die Augen zu schützen.

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