Der Schlaf der Frauen

März 2009 | Medizin & Trends

Tipps gegen Schlafstörungen
 
Frauen brauchen mehr Schlaf als Männer, kriegen ihn aber oft nicht, sie sind häufiger von nächtlichen Unruhegefühlen in den Beinen betroffen, gefährliche Atemaussetzer werden bei ihnen seltener entdeckt, und ihr Schnarchen wird meistens verschämt verschwiegen. MEDIZIN populär über weibliche Schlafprobleme und deren Lösung.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Geht es um die Schlafgewohnheiten, so bringt eine Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung keine wesentlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ans Licht. Geht es um die Frage, ob der Schlaf normalerweise tief sei und ungestört verlaufe, antworteten jedoch deutlich mehr Frauen mit Nein.
„Eine amerikanische Studie hat vor kurzem gezeigt, dass viele Frauen mit Mehrfachbelastung Zeit einzusparen versuchen, indem sie sich weniger Schlaf gönnen“, sagt Univ. Prof. Dr. Birgit Högl von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck. Ein gefährliches Verhalten, wie die Schlafmedizinerin weiß, riskieren doch die Betroffenen damit ernste Gesundheitsschäden. Zudem schätzt man, dass das nächtliche Ruhebedürfnis von Frauen – aus bisher ungeklärter Ursache – um eine Stunde größer ist als jenes von Männern.

Stress als Schlafkiller

Fest steht, dass psychische Faktoren den Schlaf beider Geschlechter störungsanfälliger machen. Stress, Sorgen, Konflikte und Angstgefühle halten wach, weil die Gedanken unablässig im Kopf kreisen. Rastlos wälzt man sich im Bett und fühlt sich tagsüber erschöpft. „Es liegt selbst dann eine Schlafstörung vor, wenn man subjektiv gut ein- und durchschläft, der Schlaf aber dennoch nicht erholsam ist“, erläutert Högl, die das Innsbrucker Schlaflabor und die Spezialambulanz für Schlaf-Wach-Störungen leitet. Das Erlernen und konsequente Ausführen von Entspannungstechniken kann als erste Maßnahme Besserung bringen. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation begünstigen das gedankliche Abschalten und Loslassen.            
Auch die so genannte Schlafhygiene fördert den süßen Schlummer: Dazu gehört das Achten auf regelmäßige Einschlafzeiten und ausreichende Schlafdauer ebenso wie der Verzicht auf späte Mahlzeiten, abendlichen Alkoholkonsum und körperliche Anstrengung vor dem Zubettgehen.

Bessert sich der Zustand jedoch nicht und treten die Ein- oder Durchschlafprobleme einen Monat lang in mindestens drei Nächten pro Woche auf, rät die Neurologin dazu, das Problem abklären zu lassen. „Insbesondere Frauen kämpfen darum, alles zu schaffen und opfern dafür die Zeit, die sie eigentlich schlafen sollten“, sagt Högl.

Hormonelles Ungleichgewicht

In der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus spielen Hormone eine große Rolle. Und gerade der weibliche Hormonhaushalt unterliegt starken Schwankungen, etwa im Menstruationszyklus. Schlafstörungen in den Wechseljahren sind aber nicht immer auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen. Oft liegen ihnen andere Ursachen zu­grunde, z. B. das Restless Legs-Syndrom oder das Schlafapnoe-Syndrom (siehe Kästen).

Mit zunehmendem Alter können altersbedingte Erkrankungen und Schmerzen die Nachtruhe zusätzlich behindern. Außerdem leiden Frauen nach der Menopause deutlich häufiger unter Schnarchen oder Atemaussetzern, was unter anderem durch Übergewicht, das Erschlaffen des Gewebes in den oberen Luftwegen und die hormonelle Situation begünstigt wird. Für diese Einflüsse aber kennt die Medizin heute Erfolg versprechende Gegenstrategien.
Högl: „Die möglichen Ursachen für das Schlafproblem sollten in jedem Fall abgeklärt werden.“ Wer immer wieder nachts nicht schlafen kann und Mühe hat, untertags wach zu bleiben, der sollte unbedingt zum Arzt anstatt selbst mit Hausmitteln oder rezeptfreien Medikamenten zu experimentieren, empfiehlt die Schlafmedizinerin. Denn: Für die über 90 verschiedenen Schlafstörungen gibt es ein vergleichbar weites Behandlungsspektrum, das an die individuellen Gegebenheiten angepasst werden muss.

Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist die präzise Diagnose. In einem Teil der Fälle ist dazu eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig, wo verschiedene Körperfunktionen wie Hirnströme, Augenbewegungen, Atmung und Muskelaktivität aufgezeichnet werden.

Restless Legs-Syndrom: Ruhelose (Frauen)-Beine

Zwei Drittel der RLS-Betroffenen sind Frauen.
Warum das so ist, wird derzeit intensiv erforscht.

Jeder zehnte Erwachsene in Europa leidet am Restless Legs-Syndrom (RLS). Die Betroffenen klagen über schmerzhaftes Ziehen, Kribbeln oder andere unangenehme Empfindungen in den Beinen, die nach dem Zubettgehen auftreten und das Einschlafen erheblich erschweren. Unbehandelt führen die Beschwerden oft zu ausgeprägten Schlafstörungen mit hohen gesundheitlichen Folgerisiken. „Wir raten den Patientinnen und Patienten, zum Arzt zu gehen. Häufig sind Hausärzte die ersten Ansprechpartner, die mit diesen ernstzunehmenden Symptomen konfrontiert werden“, betont Univ. Prof. Dr. Birgit Högl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung.

Zwei Drittel der RLS-Patienten sind aus bisher ungeklärten Ursachen Frauen. „Dies kann unter Umständen ein weiterer Faktor dafür sein, dass das quälende Unruhegefühl in den Beinen vielfach nicht ernst genommen und zu spät diagnostiziert wird“, erklärt die Spezialistin. Als Ursachen für das Leiden nennt sie Veränderungen im Gehirn und Rückenmark: „Aus den intensiven Forschungen der letzten Jahre wissen wir bisher, dass die Eisenregulation und der Haushalt des Botenstoffes Dopamin beeinträchtigt sind.“ Deshalb wird das Syndrom der ruhelosen Beine mit ähnlichen Medikamenten behandelt, die auch Parkinson-Kranken verordnet werden.

Schlafapnoe
Nächtliche (weibliche) Atemaussetzer

Zwar betrifft Schlafapnoe Frauen und Männer gleichermaßen, bei weiblichen Patienten wird die Störung aber seltener erkannt. Über die Gründe gibt es nur Spekulationen.

„Unter Schlafapnoe versteht man wiederholte Atemstillstände im Schlaf, die meist mit unregelmäßigem Schnarchen einhergehen. Sie dauern bis zu 60 Sekunden an und treten in schweren Fällen bis zu 80 Mal pro Stunde auf“, erklärt Dr. Arschang Valipour, Lungenfacharzt im Wiener Otto-Wagner-Spital. Die Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden sind beträchtlich: Es kommt unter anderem zu einem chronischen Sauerstoffmangel im Blut, beschleunigtem Puls und wiederholten Aufweckreaktionen. Dadurch bleibt die Erholung im Schlaf aus, die Betroffenen fühlen sich tagsüber erschöpft, können sich schlechter konzent­rieren und werden vor allem in eintönigen Situationen schnell müde.

Lenken sie ein Fahrzeug, besteht erhöhte Unfallgefahr durch Sekundenschlaf.
Zwar leiden Frauen und Männer gleichermaßen an Schlafapnoe, bei weiblichen Patienten wird die Störung aber seltener diagnostiziert. „Mediziner überweisen weniger Frauen als Männer zur Abklärung in ein Schlaflabor“, sagt Valipour. „Eine Ursache könnte sein, dass Frauen ihre Symptome dem Arzt so schildern, dass er sie schlechter als Krankheitsanzeichen erkennt.“ Auch mangelt es nach Meinung des Lungenfacharztes an Aufmerksamkeit des Bettpartners. „Meist wissen die Patientinnen selbst nicht, dass sie schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer haben. Ihre Männer fühlen sich davon offenbar weniger gestört als es umgekehrt der Fall ist.“ Viele Betroffene ignorieren das Problem auch, weil Schnarchen bei Frauen nach wie vor als unschicklich gilt.

Schlafapnoe tritt häufiger nach dem Wechsel auf. Auch Übergewicht begünstigt die vorübergehenden Atemstillstände, die unbehandelt zu Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Schlaganfall führen können. Wenn Frauen unter Beschwerden wie Tagesmüdigkeit, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, unruhigen Beinen und verstärktem Harndrang in der Nacht leiden, ist es an der Zeit, sich an einen Arzt zu wenden. Auch hinter einer mit Schlaflosigkeit gepaarten Depression kann sich eine Schlafapnoe verbergen. „Daran sollten Mediziner denken“, appelliert Valipour.

Die Therapie erfolgt mit einer so genannten CPAP-Maske. Sie wird den Betroffenen in einem Schlaflabor angepasst, muss jede Nacht getragen werden und verhindert die Atemaussetzer sowie deren negative Folgeerscheinungen wirkungsvoll.

Rezepte für einen gesunden Schlaf

  • Nehmen Sie sich täglich sieben bis neun Stunden Zeit für Ihre Nachtruhe.
  • Sorgen Sie durch Stille, gedämpfte Farben und ausreichend Frischluft für eine entspan­nende Schlafumgebung.
  • Wenn Sie den Alltagsstress nur schwer bewältigen können, erlernen Sie eine Entspannungsmethode.
  • Vermeiden Sie spätes Essen, abendlichen Alkoholkonsum und körperliche Anstrengungen vor dem Zubettgehen.

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