Fieber nach den Ferien?

September 2009 | Medizin & Trends

Beschwerden nach dem Urlaub, die gefährlich werden können
 
Durchfall und Hautausschläge sind die häufigsten unerwünschten Souvenirs, die man aus dem Urlaub mitbringt. Sie sollten unbedingt vom Arzt abgeklärt werden. Tritt nach der Rückkehr aus dem Urlaubsland plötzlich Fieber auf, herrscht höchste Alarmstufe. Der Reise- und Tropenmediziner Univ. Prof. Dr. Heinrich Stemberger über „Reiseandenken“, die Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten.
 
Von Mag. Michael Krassnitzer

Ein bisschen Fieber – das ist ja nichts Schlimmes, glaubt man. Eine Erkältung im Herbst, im Übergang von der warmen zur kalten Jahreszeit, oder im Winter – das ist ja nichts Besonderes oder? Falsch! „Fieber darf man nie auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Univ. Prof. Dr. Heinrich Stemberger, Leiter des Instituts für Reise- und Tropenmedizin in Wien: „Ganz besonders ernst aber muss man Fieber nehmen, wenn man in den Monaten davor in einem Malariagebiet war.“

Malaria ist eine gefährliche Krankheit, mit der sich alljährlich 200 Millionen Menschen weltweit neu infizieren. Zwei Millionen Menschen pro Jahr sterben an dieser Erkrankung. Für die Todesfälle verantwortlich ist die schlimmste Form der Malaria: die Malaria tropica. Sie wird von der Anopheles-Mücke übertragen und äußert sich in Fieber, allgemeinem Unwohlsein, Übelkeit und Gliederschmerzen. Das für die milderen Malariaformen charakteristische Krankheitsbild – regelmäßige Fieberschübe – bleibt ausgerechnet bei der Malaria tropica aus. Die Symptome lassen daher nicht unbedingt an Malaria denken.  

Malaria kommt in zahlreichen Regionen Afrikas, Mittel- und Südamerikas sowie Ostasiens vor. Genaue Informationen, wo Malaria zu Hause ist und wie hoch das Ansteckungsrisiko ist, gibt es in jedem Tropeninstitut. Selbst wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen – Moskitonetz, Insektenvertreibungsmittel, Einnahme einer medikamentösen Malariaprophylaxe – gewissenhaft befolgt hat und nur in Hotels mit gehobenem westlichen Standard verkehrte, ist man vor einer Infektion nicht sicher. 1996 z. B. erkrankte der deutsche Wirtschaftsminister Günther Rexrodt nach einer Dienstreise nach Südafrika an Malaria tropica. Malaria kann bis zu vier Monate nach der Rückkehr aus einem Malariagebiet ausbrechen!  

Malaria: Jede Stunde zählt!

Wird die Malaria tropica rechtzeitig behandelt, kann jeder Erkrankte gerettet und komplett geheilt werden. Doch die Chance, eine Malariaerkrankung zu überleben, sinkt mit jeder Stunde, in welcher die Krankheit unbehandelt bleibt. „Bei einem Malariaverdacht darf keine Stunde vergehen“, betont Stemberger, „denn es gibt einen Zeitpunkt, von dem an die beste Therapie wirkungslos ist.“ Wer nach einer Fernreise plötzlich Fieber bekommt, sollte sofort ein Tropeninstitut oder eine Krankenhausabteilung aufsuchen, die mit Malaria vertraut ist. Keinesfalls sollte ein paar Tage abgewartet werden, z. B. bis das Wochenende bzw. ein Feiertag vorüber ist, oder der Hausarzt aus dem Urlaub zurück ist. Es geht um Leben oder Tod!
Malaria ist zwar eine der gefährlichsten Krankheiten, aber bei weitem nicht die einzige, die man sich beim Urlaub in fernen Ländern einfangen kann. „Gewöhnliche“ Touristen infizieren sich normalerweise nicht mit gefürchteten Tropenkrankheiten wie Typhus, Cholera oder Gelbfieber, sondern mit anderen Leiden, die in erster Linie die Verdauung und die Haut betreffen.

Montezumas Rache

Ein häufiges unerwünschtes Reisesouvenir ist der Durchfall. Meist handelt es sich dabei um eine gewöhnliche Reisediarrhö, je nach Urlaubsland „Montezumas Rache“ oder „Die Rache der Pharaonen“ genannt. Dieses unangenehme Leiden erwischt, je nach Region, zehn bis 50 Prozent der Reisenden, klingt aber meist nach einigen Tagen komplikationslos ab.

Doch es gibt auch andere Durchfallerkrankungen. Geht der Durchfall mit hohem Fieber einher, so liegt eine Form der bakteriellen Ruhr vor. Diese kann mit Antibiotika gut behandelt werden. Wird der Durchfall auch nach einer Woche nicht besser und ist er von übelriechenden Blähungen begleitet, so liegt wahrscheinlich eine so genannte Giardia Lamblia vor. Auch dieser von einem primitiven Einzeller ausgelösten Erkrankung wird mittels spezieller Antibiotika der Garaus gemacht. Seit der Bergsteiger Reinhold Messner vor vielen Jahren an Amöbenruhr erkrankte, erfreut sich diese durch blutigen Durchfall gekennzeichnete Infektion relativ großer Bekanntheit. Doch keine Angst: Diese unter Umständen tödliche Krankheit trifft den Normalreisenden nur äußerst selten.

Larven unter der Haut

Häufige unliebsame Urlaubsmitbringsel sind hingegen diverse Hauterkrankungen. Larva migrans heißt eine davon. Die typischen, stark juckenden, gebogenen roten Linien gehen auf die Larven des Hunde- oder Katzenhakenwurms zurück, die sich ihren Weg durch die Haut bahnen. Die eigentlichen Wirte dieser Parasiten sind Hund und Katze, in deren Darm die Larven leben, doch befallen sie einen Menschen, so irren sie in der Haut umher und sterben bald ab. Zuvor allerdings verursachen sie furchtbar juckende Entzündungen. Die Larven lauern im Sand auf ihre Opfer. Häufig betroffen sind daher Fußsohlen, Gesäß oder Rücken. Ein besonders hohes Risiko, sich mit Larva Migrans zu infizieren, birgt Beachvolleyball, da dieses beliebte Spiel im Sand gespielt wird. Wenn es einen Beachvolleyballer erwischt, können die wandernden Larven am ganzen Körper ihr Unwesen treiben.   

Eine weitere Hauterkrankung, die sich Urlauber einfangen können, ist die Krätze, die sich in starkem Juckreiz, ekzemartigen Hautveränderungen und Hautknötchen äußert. Die Übertragung erfolgt durch engen Hautkontakt, etwa beim Geschlechtsverkehr. Auslöser der Hauterkrankung ist die Krätzmilbe, die Gänge in die Hornhaut gräbt und dort ablegt. Die nach kurzer Zeit schlüpfenden Larven bohren sich bis zu drei Wochen lang durch die Hornhaut, was zu unerträglichem Jucken führt. „Sextouristen sollen sich das eine Warnung sein lassen“, merkt Stemberger an.

Juckende Beulen aus Südeuropa

Weit weniger bekannt als die Anophelesmücke ist die Schmetterlingsmücke. Dieses kleine Insekt mit seinen charakteristischen, behaarten Flügeln kommt nicht nur in tropischen Breiten, sondern auch in Süditalien oder Südspanien vor. Immer häufiger kommen Reisende mit einer Hautinfektion nach Hause zurück, die von Schmetterlingsmücken übertragen wird. Typisch dafür sind kleine, juckende Beulen, deren Anzahl ständig wächst. Andere, seltenere von der Schmetterlingsmücke übertragene Krankheiten sind etwa die berüchtigte Orient-Beule oder andere mitunter tödliche Krankheiten aus der Gruppe der Leishmaniosen. Die Schmetterlingsmücken sind schlechte Flieger und wehrlos gegen Wind. Reisemediziner Stemberger empfiehlt als Schutz vor diesen Mücken, bei Campingurlauben niemals ebenerdig zu schlafen und an windstillen Orten einen am Boden stehenden Ventilator laufen zu lassen.

Zu guter Letzt können Fernreisende eine Pyodermie mit nach Hause bringen. Diese durch Stechmücken übertragene Infektion äußert sich in Form von Furunkeln, die immer mehr werden, sich über den gesamten Körper ausbreiten und schließlich tiefe Geschwüre ausbilden. Als Erreger kommen entweder Staphylokokken oder Streptokokken in Frage. Beide können mit Antibiotika gut behandelt werden.

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Schweinegrippe nach dem Urlaub?

Auch an eine Infektion mit der „Neuen Grippe“, auch Schweinegrippe genannt, sollte man denken und einen Arzt aufsuchen, wenn sich nach dem Urlaub Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel-, Kopfschmerzen & Co zeigen. Wie gefährlich die Krankheit wirklich ist? „Das wissen wir erst, wenn der Winter kommt“, erklärt Univ. Prof. Dr. Heinrich Stemberger. Auch wenn mehr und mehr Fälle kolportiert werden, scheine es sich derzeit um einen harmlosen Erreger zu handeln, analysiert der Reise- und Tropenmediziner. Zum Vergleich: Die gewöhnliche, alljährlich auftretende Grippe fordere in Österreich jedes Jahr rund 2000 Todesopfer, der Erreger der Neuen Grippe habe bisher auf dem gesamten Erdball weniger Schaden angerichtet. Doch das sei kein Grund zur Entwarnung, betont Stemberger: Auch die Spanische Grippe, die in den Jahren 1918 und 1919 weltweit 40 bis 50 Millionen Opfer forderte, zeigte sich in den Sommermonaten relativ harmlos. Stemberger: „Doch sobald es Winter wurde, explodierten die Todesfälle.“    

      
 

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