Rheuma

September 2009 | Medizin & Trends

Die Krankheit der jungen Frauen
 
Die rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis ist hierzulande mit bis zu 80.000 Betroffenen die weitaus häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und geht mit Schwellungen der Gelenke, Schmerzen und Gelenkssteifigkeit einher. Unbehandelt führt sie zur Gelenkszerstörung und zu Invalidität. MEDIZIN populär über die Wichtigkeit der Früherkennung und die Wirksamkeit moderner Therapien.
 
von Mag. Sabine Stehrer

Ist ein Fingergelenk geschwollen, tut es weh, ist es morgens steif? Oder fällt es manchmal schwer, eine Faust zu machen und jemandem die Hand zu geben? „Dann ist es höchste Zeit für einen Arztbesuch“, sagt Univ. Doz. Primar Dr. Ludwig Erlacher, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie sowie Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung des SMZ Süd in Wien. Denn: „Treten die genannten Symptome auf, ist die Wahrscheinlichkeit groß, an rheumatoider Arthritis bzw. chronischer Polyarthritis erkrankt zu sein.“

Mehrere Untersuchungen nötig

Um letzte Gewissheit zu erlangen, sind mehrere Diagnoseschritte notwendig. Sie reichen von der Erhebung des Rheumafaktors im Blut und anderer Blutwerte über ein Röntgen der betroffenen Gelenke bis hin zur Magnetresonanztomographie und einem Ultraschall. Wer all das sofort oder zumindest binnen weniger Wochen nach dem ersten Auftreten der typischen Beschwerden machen lässt, hat heutzutage gute Chancen, sich den langen und schmerzvollen Leidensweg von Rheumakranken zu ersparen.

Erlacher: „Wird Rheuma diagnostiziert, muss sofort mit der sogenannten Basistherapie begonnen werden.“ Diese bestehe in der Gabe von Medikamenten, die genau auf den Bedarf des Betroffenen abgestimmt sind. „Durch die Therapie verschwinden bei einem Großteil der Patientinnen und Patienten nach einiger Zeit nicht nur die Gelenksschwellungen, sondern auch krankheitstypische Begleiterscheinungen wie etwa Müdigkeit“, sagt Erlacher. Was die Krankheit verursacht, weiß man übrigens noch nicht genau. Erlacher: „Wir glauben, dass eine Virusinfektion der Auslöser ist, dass aber auch genetische Faktoren den Ausbruch begünstigen.“  

Von der Schwellung zur Zerstörung

Geht man nach dem Ausbruch zu spät zum Arzt oder bleibt die Erkrankung unbehandelt, geht man ein großes Risiko ein. Dann gehen nämlich durch die permanente Überaktivität des Immunsystems, die hinter der Krankheit steckt, die Schwellungen und Schmerzen in eine Gelenkszerstörung über: Vor allem in den Fingern, in den Füßen, aber zum Teil auch in anderen Gelenken. Dies führt schließlich zu Invalidität und meist auch zur Arbeitsunfähigkeit. Aber nicht nur das: Die Erkrankten haben auch eine um sechs bis zehn Jahre verkürzte Lebenserwartung. „Die Entzündungen dehnen sich unbehandelt auch auf die Blutgefäße aus“, erklärt Erlacher, „und das kann über kurz oder lang einen todbringenden Schlaganfall oder Herzinfarkt nach sich ziehen.“

Was kann man tun, wenn die Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass bereits Gelenke zerstört sind? Erlacher: „In den meisten Fällen kann man auch dann noch mit Medikamenten den Krankheitsfortschritt aufhalten und die Symptome lindern.“ Zudem verbessere sich die Lebensqualität der Betroffenen, wenn zerstörte Hüft-, Knie-, Hand- und Fußgelenke durch künstliche Gelenke ersetzt werden.

Mit 60.000 bis 80.000 Betroffenen ist die rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis in Österreich die häufigste entzündlich rheumatische Erkrankung. Warum sie trotzdem oft zu spät erkannt wird? „Weil die Betroffenen zum Zeitpunkt der Erkrankung meist jung sind“, weiß Erlacher. „Sie denken sich, die Beschwerden werden schon wieder vorübergehen. Und selbst wenn dies nicht der Fall ist und die Symptome immer eindeutiger auf Rheuma hinweisen, meinen sie, Rheuma könne das doch nicht sein, denn das kriegen nur alte Leute.“ Dabei sind die meisten Betroffenen junge Frauen.

Zahlen und Fakten

Rheumatoide Arthritis, auch chronische Polyarthritis genannt, zählt zu den Erkrankungen des Bewegungsapparats, von denen nach Schätzungen zwei Millionen Österreicher betroffen sind. An rheumatoider Arthritis leiden 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung. 80 Prozent davon sind Frauen im Alter von 25 bis 55 Jahren.
0,1 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung sind von so genannten Spondylarthopathien betroffen. Dazu zählen z. B. Entzündungen der Wirbelsäule wie Morbus Bechterew oder die Schuppenflechten-Arthritis, bei der die Entzündung über die Haut auf die Gelenke übergreift.

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