Länger fit im Kopf

September 2011 | Medizin & Trends

Neue Erkenntnisse über den Schutz vor Alzheimer
 
Wenn wir älter werden, altert auch unser Gehirn. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis lässt mit den Jahren nach, wir werden immer vergesslicher. Diesen Prozess können wir zwar nicht aufhalten, aber verlangsamen. Das belegen auch erste Ergebnisse einer Studie, die derzeit in Wien läuft. MEDIZIN populär über Gedächtnisstützen, die am besten dabei helfen, die grauen Zellen länger fit zu halten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Sie haben heute früh wieder einmal länger nach Ihrer Brille gesucht? Und als Sie sie dann auf der Waschmaschine im Badezimmer gefunden haben, konnten Sie sich nicht mehr erklären, wie sie dahin gekommen ist? Gestern haben Sie mitten in einem Gespräch bemerkt, dass Sie das, was Sie erzählten, schon einmal erzählt haben? Und vorige Woche sind Sie einem früheren Kollegen begegnet, dessen Name Ihnen partout nicht einfallen wollte? „Alles das können Anzeichen für einen beginnenden, leichten Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit sein“, weiß Univ. Doz. Dr. Margot Schmitz, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie sowie Leiterin des Instituts für Psychosomatik und des Brainlive Instituts für präventiven Gehirnservice in Wien. Dieser Verlust, der sich wie eingangs beschrieben äußert, wird auch als „mild cognitive impairment“, kurz MCI, bzw. leichte kognitive Beeinträchtigung oder leichte Vergesslichkeit bezeichnet.

Jeder Zehnte bekommt Alzheimer

Muss man sich Sorgen machen, wenn man von MCI, also von leichter Vergesslichkeit betroffen ist? „Es gibt Hinweise darauf, dass MCI bei jedem zehnten Betroffenen im Lauf von zehn Jahren, nachdem die Beeinträchtigung bemerkt wurde, zur Erkrankung an Alzheimer-Demenz führt“, so Schmitz über die schlechte Nachricht. Gut ist: „Der weitaus überwiegende Teil der leicht Vergesslichen, immerhin neun von zehn, kann den Alterungsprozess des Gehirns mit bestimmten Maßnahmen verlangsamen und so der Alzheimer-Demenz vorbeugen bzw. den Beginn der Erkrankung hinauszögern.“ Das haben, so Schmitz, weltweit bereits mehrere wissenschaftliche Forschungen gezeigt. Und auch erste Ergebnisse einer Studie über die leichte Vergesslichkeit, die noch bis Ende 2012 am Institut für Psychosomatik in Wien läuft, belegen, dass man selbst etwas dazu tun kann, um den Alterungsprozess des Gehirns zu verlangsamen.

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Bin ich Alzheimer-gefährdet?

Ob eine Alzheimer-Demenzerkrankung droht, kann nur durch eine ausführliche ärztliche Untersuchung in Absprache mit dem Hausarzt festgestellt werden.
Einer ersten Einschätzung der Gefahr dient ein kurzer Selbsttest, der vom Institut für Psychosomatik in Wien entworfen wurde und kostenlos unter www.alzheimervorsorge.at/test gemacht werden kann.

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Die besten Gedächtnisstützen
1. Auf die Gesundheit schauen
Schmitz: „Um das Gedächtnis so gut wie möglich zu erhalten, sollte man darauf schauen, dass bestimmte Risikofaktoren für ein rasch alterndes Gehirn durch eine entsprechende Behandlung beseitigt werden.“ Zu diesen Risikofaktoren zählen vor allem Bluthochdruck, Herzprobleme wie Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Atemwege und Diabetes. Der Grund: Die Belastung durch diese Probleme belastet die Gefäße des gesamten Körpers, so auch des Gehirns, das dadurch schneller altert – und uns vergesslicher werden lässt.

2. In Bewegung bleiben
„Je mehr man sich körperlich bewegt, desto besser“, sagt Schmitz. Denn jegliche Art von Bewegung reduziert nicht nur das Risiko für die bereits genannten Krankheiten, die das Gehirn rasch altern lassen. Bewegung steigert auch die Durchblutung des Körpers und damit des Gehirns. Und werden die grauen Zellen häufig gut durchblutet, erhält sie auch das länger fit.

3. Lebenslang lernen
„Wer etwas Neues lernt, also z. B. eine neue Sprache oder ein Musikinstrument, trainiert das Gehirn“, sagt Schmitz. „Und so wie ein Muskel länger kräftig bleibt, wenn man ihn trainiert, bleibt auch das Gehirn bei mehr Beanspruchung länger fit.“ Auch Sudokus und Kreuzworträtsel eignen sich gut als Gehirntraining.

4. Gut essen und trinken
Entscheidend beeinflusst wird die Fitness des Gehirns offenbar auch durch die Substanzen, die ihm über Lebensmittel und Getränke zugeführt werden. Viele verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass es sich günstig auf das Gedächtnis auswirkt, wenn wir viel Obst und Gemüse sowie viele Lebensmittel essen, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, wie Fisch oder Oliven- und Rapsöl. Schmitz: „Nachweislich gut auf das Gedächtnis wirkt sich auch der Konsum von Nüssen, schwarzem Sesam, frischen Kräutern, Safran und grünem Tee aus.“ (siehe Safran und Sesam unten)

5. Nicht rauchen
„Rauchen schädigt die Blutgefäße“, sagt Schmitz. Und zwar so wie jene im ganzen Körper auch jene im Gehirn. Die Folge: Das Gehirn wird schlechter durchblutet – so verliert das Gedächtnis an Leistungsfähigkeit.

6. Kontakte pflegen
Schmitz: „Wer kontaktfreudig ist, also Freundschaften pflegt, immer wieder einmal mit den Nachbarn tratscht und auch auf unbekannte Leute zugeht, trainiert durch die Begegnungen und daraus resultierenden Gespräche das Gehirn, und es bleibt länger fit.“

7. Optimistisch sein
Auch eine optimistische Lebenseinstellung beeinflusst die Fitness des Gehirns günstig, weiß Schmitz. So führte in Studien mit älteren Menschen allein die Anweisung „Denken Sie positiv und verhalten Sie sich so, als ob Sie 20 Jahre jünger wären“ dazu, dass sie optimistischer waren und die Gedächtnisleistung zunahm.

8. Neues erleben
Schmitz: „Wer immer wieder Neues erlebt, setzt das Gehirn immer wieder neuen Reizen aus.“ Reisen, aber auch besondere Unternehmungen im Alltag, wie der Besuch einer Ausstellung, eines Konzerts, eines Kinos oder einer Sportveranstaltung fördern demgemäß ebenfalls die Gedächtnisleistung.

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Neue Studie belegt:
Safran & Sesam helfen gegen Vergesslichkeit
95 Frauen und Männer im Alter von 50 bis 84 Jahren werden im Zuge einer Vergesslichkeitsstudie am Institut für Psychosomatik in Wien über zwei Jahre und noch bis Ende 2012 regelmäßig befragt und untersucht. „Es geht um die Frage, wie sich Lebensstilfaktoren auf das Fortschreiten der altersbedingten Vergesslichkeit auswirken“, sagt Mag. Jana Goldmann, Psychologin im Forscherteam. Zu diesen Lebensstilfaktoren zählt auch die Ernährung – und in diesem Bereich gibt es bereits erste neue Ergebnisse. Offenbar helfen, so Goldmann, z. B. Safran und schwarzer Sesam gut gegen Vergesslichkeit.


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