Wege zum Glück

Januar 2012 | Psyche & Beziehung

10 Strategien für mehr Lebensfreude
 
Viel Glück wünschen wir einander jetzt zum Jahresanfang. Und glaubt man einer aktuellen Studie, können wir tatsächlich mehr davon gebrauchen. Denn den Ergebnissen nach sind die Österreicher unglücklicher als die meisten anderen Europäer. Dabei zeigt die medizinische Forschung immer deutlicher, dass gerade die Fähigkeit, Glück zu empfinden, immens wichtig für die seelische und körperliche Gesundheit ist. Lesen Sie in MEDIZIN populär, wie Sie mit Hilfe von zehn Strategien zu mehr Lebensfreude finden können, wie ein Land von Glück statt von Geld regiert werden kann, und warum die heute um sich greifende Ich-Bezogenheit nicht glücklich macht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Sich selber mögen

„Ich bin so blöd!“ – „Jetzt habe ich schon wieder nicht …“ – „Mir gelingt aber auch gar nichts!“ Selbstanklagen wie diese kommen einem nur allzu leicht über die Lippen. Im Streben nach Glück sollte man das allerdings vermeiden, rät Prim. Dr. Manfred Stelzig, Glücksforscher und Leiter des Sonderauftrags für Psychosomatik der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. „Glücksfähig ist, wer sich selbst mag“, sagt Stelzig. Und bei der Entwicklung der Selbstliebe hilft es, so der Experte weiter, sich selbst bewusst und immer wieder Anerkennung, Lob und Wertschätzung zu geben. So können wir in unserem Inneren ein Gleichgewicht zu den anderen Teilen schaffen, die wir ohnehin spüren, nämlich nichts wert zu sein, versagt oder dumm gehandelt zu haben.

Probleme als Anreiz sehen

„Warum muss das ausgerechnet mir passieren?“ – Wer hadert nicht mit sich selbst, wenn Probleme im Job, im Privatleben oder finanzieller Art auftreten? Doch das ist eine Herangehensweise, die ganz sicher nicht glücklich macht, weiß Univ. Prof. Dr. Peter Gathmann, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Klinische Psychosomatik und Klinische Psychotherapie sowie Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Wien. „Auch wenn es schwer fällt, sollte man versuchen, Probleme als Anreiz zu sehen“, sagt Gathmann. „Denn wir sind für Reize, für Stimulationen gebaut.“ Gehen wir ein Problem an, ohne zu hadern, und stellen uns stattdessen die Frage: „Was kann ich tun, um weiterzukommen?“, hilft uns das bei der Lösung. Und ist sie gefunden, werden wir mit der Ausschüttung einer Menge an Glückshormonen belohnt.

Einen inneren Schutzwall errichten

Der Kollege, der weiß, wie er einen ärgern kann, die Nachbarin, die sich dauernd über alles und jedes beschwert, der Onkel, der einem bei jeder Familienfeier auf die Nerven geht: Vor solchen Hindernissen auf dem Weg zum Glück kann man sich gut schützen, indem man, wie Stelzig sagt, „einen inneren Schutzwall errichtet“. Draußen vor dem Wall können die Mitmenschen dann weiter nerven, so lang sie wollen. Denn selbst sitzt man geschützt im Inneren, wo man sich auch einen imaginären „Seelengarten“ mit Bäumen, Blumenbeeten etc. anlegen kann.

Gute Beziehungen pflegen

Vor Menschen, die einen sehr oft in Rage bringen oder einem das Gefühl des Ausgeliefertseins vermitteln, schützt der beschriebene Rückzug in den inneren Seelengarten nur kurzfristig. Mittel- und langfristig behindern diese Menschen unsere Glücksfähigkeit. Stelzig: „Erkennt man, dass einen ein Mensch dauerhaft unglücklich macht, sollte man sich möglichst von ihm trennen.“ Beziehungen zu Menschen, die einem gut tun, sollte man hingegen pflegen, indem man umgekehrt auch ihnen Gutes tut. Denn das führt zur Ausschüttung von Glückshormonen und daher zum Glücksempfinden beim Gebenden und Nehmenden, sagt Stelzig.

Dem eigenen Wesen entsprechen

„Eigentlich liegt es mir nicht, aber es muss halt sein.“ Wer, egal in welchem Lebensbereich, häufig nach diesem Satz handelt, riskiert mittel- und langfristig, unglücklich zu werden. Gathmann: „Zu den Wegen zum Glück gehört es, das zu tun, was dem eigenen Wesen entspricht.“ Mit den Jahren findet jeder heraus, ob es eher das Abenteuerliche, Herausfordernde oder das Meditative, Geruhsame ist, das ihn in einen Zustand des Glücks versetzt. „Wer sich danach richtet und möglichst oft tut, was ihn glücklich macht, erreicht, dass das vegetative Nervensystem oft Glückshormone ausschüttet.“ So entsteht mit der Zeit ein großes Glücksreservoir, aus dem man lange Zeit schöpfen kann.

Alle fünf Sinne intensiv gebrauchen

Ob Sehen, Hören, Tasten, Riechen, oder Schmecken: Unsere fünf Sinne setzen wir meistens bloß dafür ein, um uns im Alltag zu orientieren und zu organisieren. Doch sie sind auch dafür gedacht, uns Glücksempfindungen zu bescheren, sagt Gathmann. „Die Sinne können glücklich machen, wenn man sie öfter intensiv einsetzt.“ Hinausschauen und sich am Anblick des Baums vor dem Fenster erfreuen, heißt die Devise. Oder wieder einmal be­wusst gute Musik hören, über eine weiche Wolldecke streichen, den Geruch des Partners genießen, Schokolade wohlig auf der Zunge zergehen lassen und alle ihre Nuancen schmecken: Bei all dem entwickelt sich unser Körper zum ­Chemiebaukasten und schüttet all jene Substanzen aus, die uns glücklich ­machen.

Aberglaube ablegen

„Wer hoch fliegt, kann tief fallen“, lautet ein Sprichwort. Wer aber nach der Überzeugung lebt, nicht hoch fliegen bzw. glücklich sein zu dürfen, weil ihm dann Böses droht, steht laut Stelzig seinem Glück im Weg. „Jeder darf glücklich sein, und jeder darf auch die Verantwortung für sein Glück übernehmen.“ Ganz gemäß einem anderen Sprichwort, das da heißt: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Sich Gutes maßvoll gönnen

Ob Bier oder Chips, Wein oder Schwarzwälder Kirschtorte: Bei Ge­nuss­mitteln dieser Art hat wohl fast jeder im Lauf seines Lebens schon einmal über die Stränge geschlagen – und musste das in irgendeiner Weise büßen. Wer sich aber das Gute maßvoll gönnt, kann viel Lebensfreude daraus gewinnen, so Gathmann und Stelzig. „Über den Genuss des Geruchs und Geschmacks und auch durch manche Inhaltsstoffe werden vielfältige Mechanismen in Gang gesetzt, die letztlich zur Ausschüttung von Glückshormonen führen und uns glücklich machen“, erläutert Gathmann.

Ressourcen stärken

Wer seinem Geist und Körper nicht genug Erholung gönnt, um seine geistigen wie körperlichen Ressourcen zu stärken, ist über kurz oder lang überbeansprucht. Und Überbeanspruchung, die sich zum Burn-out entwickeln kann, steht dem Glücksempfinden ganz gehörig im Wege. Stelzig: „Ein sehr taugliches Mittel, seine Ressourcen zu stärken, ist Bewegung.“ Beim Sport werden einerseits belastende und schädigende Stresshormone abgebaut, andererseits werden glücklich machende Hormone ausgeschüttet. Die Wirkung dieser chemischen Prozesse lässt sich noch steigern, wenn man sich nach der Anstrengung entspannt. So erholt sich das vegetative Nervensys­tem, was Mechanismen in Gang setzt, die Körper und Geist gleichermaßen gut tun.

Neugierig bleiben

Wer immer dasselbe tut, nach der alltäglichen Anspannung auch immer dieselbe Entspannung sucht, bekommt mittel- oder langfristig das Gefühl, sich wie ein Hamster im Rad zu drehen. Was das Nagetier glücklich macht, tut dem Menschen aber nicht gut. Der braucht, so Gathmann, immer neue Reize, um sich weiterzuentwickeln. „Und Weiterentwicklung ist einer der Wege zum Glück.“ Es empfiehlt sich also, so der Experte, sich immer wieder neu zu fragen: „Worauf bin ich noch neugierig?“ Für den einen ist das eine neue berufliche Herausforderung, für den anderen sind es neue Länder, die er auf Reisen erkunden möchte, oder neue Sprachen, die er gern lernen würde.

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Glück statt Geld

Im asiatischen Königreich Bhutan steht nicht das Bruttosozialprodukt, sondern das Bruttosozialglück im Vordergrund. Prim. Dr. Manfred Stelzig hat sich kürzlich vor Ort ein Bild davon gemacht. Im Interview mit MEDIZIN populär erzählt er, wie es funktioniert, wenn ein Land von Glück statt von Geld regiert wird.

MEDIZIN populär
Herr Primar Stelzig, Sie kommen gerade aus Bhutan zurück, wo das Glück von oben gewünscht bzw. sogar verordnet ist. Wie kann man sich das vorstellen?

Prim. Dr. Manfred Stelzig
Der König und einige Regierungsmitglieder haben länger in westlichen Industrieländern gelebt und studiert. Sie haben bemerkt, dass der dortige Führungsstil die Menschen nicht besonders glücklich macht. Deswegen haben sie ein Konzept erarbeitet, wonach in Bhutan bedacht werden muss, ob Regierungsentscheidungen das Volk glücklich machen und so dem Bruttosozialglück dienen.

Bemerkt man diese Wertung im Alltag?
Ja, die Leute begegnen einem sehr fröhlich und freundlich.  

Und wie funktioniert das?
Es gibt eine eigene Glückskommission, die an die Menschen Botschaften richtet, die das Gefühl des Glücks sichern sollen. Die wichtigsten Botschaften sind die, dass sich jeder um dieses Glücksgefühl bemühen muss und gut mit seiner Zeit umgeht. Glück muss sich zudem immer mit wirtschaftlichem oder technischem Fortschritt die Waage halten. Geld regiert also nicht die ganze Welt. Auch Gesundheit, die soziale Einbindung in die Gemeinschaft, Kulturbewusstsein und ein schonender Umgang mit der Umwelt sind wichtige Kriterien. Schließlich werden noch der Lebensstandard und die Zufriedenheit mit der Regierung als Glücksfaktoren genannt.

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Unglückliches Österreich: Jeder Dritte ist unzufrieden

Stimmen Sie der Aussage: „Ich bin persönlich glücklich mit meinem Leben“ zu? Das fragte die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen 15.400 Menschen in 13 Ländern Europas. Unter den 1000 befragten Österreichern stimmten zwei  Drittel, 63 Prozent, dieser Aussage zu. Die übrigen 37 Prozent antworteten mit „Nein“: Jeder Dritte ist hierzulande also unglücklich, mit diesem Ergebnis erreichte Österreich im Europa-Vergleich den neunten Platz. Am glücklichsten fühlen sich nach den Ergebnissen der Studie, die 2011 veröffentlicht wurden, die Dänen mit 96 Prozent Glücklichen, am unglücklichsten die Russen mit nur 37 Prozent Glücklichen.

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Buchtipp:

Stelzig, Keine Angst vor dem Glück, ISBN 978-3-902404-56-5
176 Seiten, € 19,95, Ecowin Verlag, 2008

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