Kein Kind mehr?!

Mai 2013 | Partnerschaft & Sexualität

Welche Verhütungsmethode jetzt sinnvoll ist
 
Für die meisten Paare in Österreich ist die Familienplanung nach spätestens zwei Kindern abgeschlossen. Die Verhütungsmethode der Wahl sollte dann nicht nur sicher, sondern auch schonend sein, so der Expertenrat. MEDIZIN populär über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Die durchschnittliche Frau in Österreich bekommt laut aktueller Statistik 1,4 Kinder. Das heißt, dass für die meisten Paare die Familienplanung nach spätestens zwei Kindern abgeschlossen ist. „Wie sollen wir jetzt verhüten?“ – lautet die Frage, die sich in den Schlafzimmern nun stellt. „Für Frauen und Männer, die keinen Kinderwunsch mehr haben, ist es besonders wichtig, eine sehr sichere Verhütungsmethode zu wählen“, weiß Univ. Prof. Dr. Christine Kurz, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am AKH in Wien. „Und da der Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft meist noch für viele Jahre anhalten soll, empfiehlt sich auch eine möglichst schonende Methode“, ergänzt die Expertin.
Sicher und schonend sollte Verhütung für Frauen und Männer jenseits der 35, 40 also sein. Dass diese Kriterien in Wirklichkeit kaum berücksichtigt werden, zeigt der Österreichische Verhütungsreport 2012. Dafür wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Integral im Auftrag des Wiener Gynmed-Ambulatoriums 1060 Frauen und Männer aus ganz Österreich im Alter von 16 bis 49 Jahren zu ihren Verhütungsmethoden befragt. So verwendet die große Mehrheit der Paare in fortgeschrittenem Alter Kondome, die nicht wirklich sicher vor Schwangerschaften schützen. 30 Prozent der älteren unter den befragten Frauen nehmen die Pille, die zwar sicher ist, doch nicht für alle schonend. Nur wenige der Paare ohne (weiteren) Kinderwunsch setzen auf Methoden, die besser auf ihre Situation abgestimmt sind. Expertin Kurz nennt die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten:

Hormonspirale

Eine sichere und weitgehend schonende Verhütungsmethode ist die Hormonspirale, sagt Kurz: „Durch die Platzierung der Spirale in der Gebärmutter wird verhindert, dass sich eine Eizelle einnistet.“ Noch dazu hemmt das Gelbkörperhormon Gestagen, das die Spirale kontinuierlich abgibt, das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Und baut sich die Schleimhaut nicht mehr richtig auf, kann sich dort keine Eizelle einnisten. Abgesehen von dieser doppelten Sicherheit sorgt die Hormonspirale für einen Nebeneffekt: „Dadurch, dass die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr so stark wächst, fällt die Regelblutung schwächer aus“, erklärt Kurz: „Das empfinden viele Frauen als angenehm.“
Da das Hormon nur an Ort und Stelle wirkt und die Spirale zudem für mindestens fünf Jahre jeglichen Gedanken an Verhütung überflüssig macht, kann man sie auch als schonend bezeichnen, so Kurz. Allerdings kann das Einführen des T-förmigen Gebildes aus Kunststoff über den Muttermund in die Gebärmutter unangenehm sein – obwohl es während der Regelblutung erfolgt, wo sich der Muttermund öffnet und leichter passierbar ist. Kurz: „Wer keine Schmerzen erdulden will, hat die Möglichkeit, sich für das Prozedere kurz in Narkose versetzen zu lassen.“ Für manche ein weiteres Problem: zu akzeptieren, permanent einen Fremdkörper in sich zu tragen.

Kupferspirale

„Die Kupferspirale ist sicher und relativ schonend“, so Expertin Kurz. So wie die Hormonspirale verhindert sie für mindestens fünf Jahre lang allein durch ihre Präsenz in der Gebärmutter Schwangerschaften. Die kontinuierliche Abgabe von Kupfer macht zudem die Spermien unschädlich. Der Nachteil der Kupferspirale, so Kurz: „Oft verstärkt sie die monatlichen Regelblutungen, und das ist für ältere Frauen, die oft ohnedies schon stärker bluten, nicht nur lästig, sondern kann sie auch schwächen.“ Eingesetzt wird die Kupferspirale wie die Hormonspirale – so kann auch der mögliche Schmerz dabei ein Problem sein, oder das unangenehme Gefühl beim Gedanken daran, einen Fremdkörper in sich zu tragen.

3-Monats-Spritze

Zumindest das Kriterium der Sicherheit erfüllt die 3-Monatsspritze gut. „Sie enthält wie die Hormonspirale das Gelbkörperhormon Gestagen“, erklärt Kurz. „Da das Hormon injiziert wird, durchläuft es den gesamten Blutkreislauf und verhindert eine Schwangerschaft daher gleich mehrfach“, sagt Kurz. So hemmt die Spritze die Eizellreifung, den Eisprung und das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Allerdings kann diese Verhütungsmethode Nebenwirkungen haben, so die Expertin: „Dazu zählen eine Gewichtszunahme, Schmier-, Zwischen- oder auch Dauerblutungen.“ Dieselben Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen wie die Spritze haben Depotstäbchen, die unter die Haut implantiert werden, und Minipillen, die nur Gestagen enthalten.

Pille

„Außer der Minipille enthält jede Pille Hormone, die den Eisprung verhindern, den Schleim im Gebärmutterhalskanal verdicken und das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut hemmen, wodurch sich Eizellen weniger gut einnisten können“, erläutert Expertin Kurz die Wirkungsweise. Durch diese Mehrfachwirkung ist die Pille zwar sehr sicher. Doch schonend sei sie nicht für alle, denn das Hormon-Gemisch kann unangenehme Nebenwirkungen haben wie unreine Haut oder Gewichtszunahme. „Je älter die Frauen sind, die die Pille nehmen, desto stärker steigt darüber hinaus das Risiko für Thrombosen“, warnt Kurz und ergänzt: „Die Gefahr ist besonders groß, wenn Frauen rauchen, übergewichtig oder erblich vorbelastet sind.“ Thrombosen können immerhin lebensgefährlich werden.
Was für die Pille gilt, trifft auch auf das Hormonpflaster zu, das die Hormone über die Haut in den Blutkreislauf einschleust, sowie auf den Vaginalring, der in die Scheide eingeführt wird und prinzipiell wie Hormonpflaster und Pille wirkt.

Vasektomie

Als „sehr sicher“ empfiehlt Kurz die Vasektomie, wie die Durchtrennung der Samenleiter des Mannes in der Fachsprache genannt wird. Durch den Eingriff wird der Samentransport unterbunden, sodass der Mann seine Zeugungsfähigkeit verliert. „Für die Vasektomie reicht eine lokale Betäubung aus, sie ist risikoarm und nebenwirkungsfrei“, erklärt die Expertin. Samenzellen, die gebildet werden, baut der Körper nun selbst ab, ansonsten verändern sich weder die Potenz, noch die Fähigkeit zu ejakulieren, und auch sonst gibt es keine Nebenwirkungen. Und doch scheut die große Mehrheit der Männer vor dieser Art der Verhütung zurück: „Die meisten haben Angst, nach dem Eingriff impotent zu sein.“ Doch diese Angst sei laut Kurz völlig unbegründet. Unter bestimmen Umständen kann die Vasektomie wieder rückgängig gemacht werden.

Sterilisation

Ein wesentlich größerer Eingriff ist die Sterilisation der Frau: Dabei werden die beiden Eileiter mit dem Skalpell durchtrennt. Dadurch wird der Transportweg der reifen Eizellen von den Eierstöcken in die Gebärmutter unterbrochen, sodass keine Schwangerschaft mehr stattfinden kann. Für die Operation wird die Frau in Vollnarkose versetzt. „Schonend ist sie nur für Frauen, die sich im Zuge eines Kaiserschnitts oder einer anderen Unterleibsoperation sterilisieren lassen, denn dann kann alles in einem erfolgen.“ Sich nur wegen einer Eileiterdurchtrennung in Narkose versetzen lassen und einer Operation zu unterziehen – davon würde Expertin Kurz Frauen abraten. Die Sterilisation könne „unter günstigen Umständen“ rückgängig gemacht werden.

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Achtung, nicht sicher!

Mit Hilfe der Selbstbeobachtung verhüten – davon sei Frauen jenseits der 45, 50 abzuraten, so Expertin Univ. Prof. Dr. Christine Kurz. Wer durch Tagezählen und Temperaturmessen die fruchtbaren Tage ermitteln will, an denen dann entweder auf Sex verzichtet, ein Kondom oder Diaphragma verwendet oder aber Coitus interruptus praktiziert werden soll, ist alles andere als gut vor einer ungewollten Schwangerschaft geschützt: „Gerade in den Jahren vor dem Beginn der Wechseljahre eignen sich diese Methoden nicht mehr zur sicheren Verhütung, da der Eisprung dann nicht immer genau zur ermittelten Zeit stattfindet“, gibt Kurz zu bedenken.
Wie wichtig sichere Verhütung gerade in dieser Lebensphase ist, zeigen weitere Daten aus dem Verhütungsreport 2012: Nicht weniger als 20 Prozent der Frauen werden in den Jahren gegen Ende ihrer Gebärfähigkeit noch einmal ungewollt schwanger, das ist jede Fünfte! Jede Zweite davon entschließt sich zu einem Schwangerschaftsabbruch.

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