Verkühlt?

Dezember 2014 | Medizin & Trends

Das hilft gegen die 7 Erkältungsplagen
 
Halsweh, Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Fieber, Kopfweh, Ohrenschmerzen – das sind die sieben Plagen, die jetzt in der Erkältungszeit wieder vielen zu schaffen machen. Was wirklich dagegen hilft, und wann man zum Arzt gehen sollte.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

1. Halsweh

Der Hals brennt, das Schlucken tut weh, und auch das Sprechen schmerzt: So fangen Erkältungskrankheiten meistens an. „Wenn Erkältungsviren in den Körper eindringen und auf die Schleimhäute der Atemwege treffen, reagiert unser Immunsystem zunächst mit einer Entzündung der Rachenschleimhaut“, erklärt Dr. Josef Schlömicher-Thier, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Neumarkt am Wallersee, den Hintergrund dieser Erkältungsplage. „Die Infektion dient dazu, die Erreger loszuwerden.“

Was hilft?
Schlömicher-Thier: „Am Beginn einer Verkühlung ist es besonders wichtig, viel zu trinken, um die Schleimhäute im Bereich der Atemwege zu befeuchten.“ Die Feuchtigkeit hilft dabei, die Hautschäden durch die Infektion in Grenzen zu halten, und lindert die Schmerzen. Laut Schlömicher-Thier ist Tee mit Vitamin C-Pulver besonders empfehlenswert, wobei das Pulver erst dann zugegeben werden darf, wenn der Tee lauwarm geworden ist, denn Hitze zerstört das Vitamin. Ebenfalls gut: Das Lutschen von Pastillen mit Mineralsalzen, denn, so Schlömicher-Thier: „Die Salze unterstützen die Regeneration der Schleimhäute im Rachenraum.“ Außerdem ratsam: Sich beim Essen auf Suppen oder leichte Speisen beschränken, damit der Körper durch Essen nicht noch zusätzlich belastet wird.

Wann zum Arzt?
„Hält das Halsweh länger als fünf bis sieben Tage an, und wird es nicht schwächer, sondern stärker, sollte man einen Arzt aufsuchen“, rät der HNO-Arzt. Denn dann könnten Krankheiten hinter der Plage stecken, die medikamentös behandelt werden sollten, wie eine Bronchitis, eine Kehlkopfentzündung oder andere Infektionskrankheiten.    ‘

2. Schnupfen

Sind wir Opfer von Erkältungsviren geworden, gesellt sich zum Halsweh meist schon bald ein Schnupfen, der aufgrund der Entzündung der Nasenschleimhaut entsteht. „Auf diese Entzündung lässt uns unser Immunsystem  mit Niesen und einer rinnenden Nase reagieren, um so die Erkältungsviren auszustoßen und auszuschwemmen“, informiert Schlömicher-Thier. Durch das ebenfalls entzündungsbedingte Anschwellen der Nasenschleimhaut und die erhöhte Produktion von Nasensekret verstopft die Nase und kann schmerzen, was die Plage weiter verschlimmert.

Was hilft?
„Die Schnupfenbeschwerden lassen sich mit speziellen Nasensprays oder Kochsalzlösungen aus Wasser und Salz lindern“, so Schlömicher-Thier. Sowohl der Spray als auch die Lösung wirken entzündungshemmend und bringen zugleich die Schleimhaut zum Abschwellen.

Wann zum Arzt?
„Dauert der Schnupfen länger an oder kommen Fieber und Kopfschmerzen dazu, sollte man sich vom Arzt untersuchen lassen“, rät Schlömicher-Thier. Die lange Dauer oder die zusätzlichen Symptome können darauf hindeuten, dass sich zur viralen eine bakterielle Infektion gesellt hat und dass sich z. B. eine Nasennebenhöhlen- oder Kehlkopfentzündung anbahnt. Beides sollte mit Medikamenten behandelt werden.

3. Husten

Haben uns die Erkältungsviren bereits Halsweh und Schnupfen beschert, vergehen oft nur ein bis zwei Tage, bis eine weitere Erkältungsplage auftritt: der Husten. „So wie Schnupfen und Halsweh geht auch Husten auf die Entzündung der Schleimhäute in den Atemwegen zurück“, weiß Josef Schlömicher-Thier. Die virale Infektion reizt die Hustenrezeptoren in der Schleimhaut, was zunächst zu trockenem Husten führt, später kommt schleimiger Auswurf dazu. Auch der Husten hat den Sinn, uns möglichst schnell wieder gesund zu machen: „Mit dem Schleim hustet man Krankheitserreger aus“, verdeutlicht der Arzt.

Was hilft?

„Eibisch- oder Salbeitee wirken entzündungshemmend und stillen den Hustenreiz“, rät Schlömicher-Thier zu den heißen Getränken. Auch spezielle Hustensäfte oder -tropfen, die reizstillend und schleimlösend wirken, helfen, die Erkältungsplage zu lindern.

Wann zum Arzt?
„Wenn der Husten, der durch Erkältungsviren ausgelöst wurde, auch nach zwei bis drei Wochen noch nicht verschwunden ist, sollte man zum Arzt“, empfiehlt Schlömicher-Thier. Denn dann kann es sein, dass der Husten das Symptom einer anderen Erkrankung ist, die bedingt durch eine bakterielle Infektion entstanden ist. Das kann eine Bronchitis oder – noch schlimmer – eine Lungenentzündung sein.

4. Heiserkeit

„Durch das häufige Husten während einer Verkühlung wird der gesamte Stimmapparat überbelastet“, weiß Schlömicher-Thier, der auch als Stimmarzt der Salzburger Festspiele tätig ist, gerade von dieser Erkältungsplage ein Lied zu singen: „Das führt dazu, dass man nur noch behaucht, leise und mit rauer Stimme sprechen kann.“ Das Fatale: „Wer heiser ist, muss sich oft räuspern, hüsteln oder husten, was den Stimmapparat ebenfalls stark beansprucht und dazu führen kann, dass die Stimme gänzlich versagt.“

Was hilft?
„Bei Heiserkeit gilt es, die Stimme zu schonen, also möglichst wenig zu sprechen und das Räuspern, Hüsteln und Husten zu vermeiden“, nennt der Arzt das oberste Gebot. Letzteres kann mit sogenannten Antitussiva erleichtert werden, also mit Hustensäften oder -tropfen, die den Hustenreiz unterdrücken. „Ebenfalls ein sehr gutes Mittel gegen Heiserkeit ist das Gurgeln mit Eibisch- oder Salbeitee“, so Schlömicher-Thier. Auch Inhalationen mit einer Salzlösung (zwei Teelöffel Kochsalz auf einen Liter warmes Wasser) lindern die Plage.

Wann zum Arzt?
„Zum Arzt sollte man, wenn die Heiserkeit, die im Zuge einer Erkältung aufgetreten ist, auch nach zwei Wochen noch nicht abgeklungen ist“, rät Schlömicher-Thier. Dann könnte eine andere Erkrankung dahinterstecken, die behandelt werden muss.

5. Fieber

Erst frösteln, dann schwitzen: Sind Erkältungsviren in den Körper eingedrungen, kommt über kurz oder lang zu Halsweh und Schnupfen oft auch noch Fieber dazu. Was für uns eine zusätzliche Plage darstellt, ist für das Immunsystem nichts anderes als ein weiteres Mittel im Kampf gegen die Erreger: „Steigt die Körpertemperatur an, können sich Erkältungsviren schlechter vermehren“, erläutert der HNO-Arzt. Außerdem wird vermutet, dass es bei höheren Temperaturen den weißen Blutkörperchen leichter fällt, Erreger zu vernichten.    

Was hilft?
„Bei Fieber sollte man viel Tee trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen auszugleichen. Und man sollte sich schonen“, rät Schlömicher-Thier, warnt aber auch davor, den ganzen Tag im Bett zu liegen:?„Um den Kreislauf anzuregen, sollte man zwischendurch immer wieder einmal aufstehen“, so seine Empfehlung. Da das Fieber bei der Heilung hilft, sollte man es nur dann mit Medikamenten senken, wenn es einen stark belastet. Erträglicher wird das Fieber durch kühle Auflagen auf die Stirn, kühle Halswickel oder Patscherln.

Wann zum Arzt?
Schlömicher-Thier: „Steigt das Fieber nach einigen Tagen an oder ist es auch nach einer Woche noch nicht gesunken, sollte man zum Arzt.“ Dann besteht die Gefahr, dass man sich zusätzlich zur viralen eine bakterielle Infektion eingehandelt hat, die zu anderen Erkrankungen geführt hat. Das kann eine Bronchitis, eine Nasennebenhöhlen-, Kehlkopf- oder Lungenentzündung sein – allesamt gesundheitliche Probleme, die in ärztliche Hände gehören. Bei anhaltendem Fieber kann es aber auch sein, dass man sich zusätzlich zum Erkältungs- ein Grippevirus eingefangen hat. Auch die Influenza ist ein Fall für den Arzt.

6. Kopfweh

Der Kopf dröhnt, fühlt sich dumpf an und schmerzt so stark, dass man nicht mehr richtig denken kann: Ein bis zwei Tage nach dem Angriff von Erkältungsviren werden wir häufig von Kopfweh geplagt. „Das hängt mit der Beeinträchtigung der Atemwege und den dadurch geänderten Druckverhältnissen im Kopf zusammen“, nennt Josef Schlömicher-Thier den Grund dafür. Vermutet wird, dass das Immunsystem bei einer Verkühlung außerdem Substanzen erzeugt, die zwar die Erreger bekämpfen, aber zu Kopfschmerzen führen.

Was hilft?
Wer nicht zu Kopfschmerztabletten greifen will, um diese Plage zu lindern, kann es mit kühlenden Auflagen auf die Stirn oder Einreibungen der Schläfen mit Pfefferminzöl versuchen.

Wann zum Arzt?
Verschwindet das Kopfweh auch nach mehreren Tagen nicht oder tritt zusätzlich hohes Fieber auf, sollte man ärztliche Hilfe suchen, rät Schlömicher-Thier: „Dann könnte eine weitere, bakterielle, Infektion aufgetreten sein, die zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung wie einer Nasennebenhöhlen- oder Stirnhöhlenentzündung geführt hat.“

7. Ohrenschmerzen

„Wenn Erkältungsviren über die Nase, den Nasenrachenraum und die Eustachische Röhre in das Mittelohr gelangen, können sie dort eine Entzündung auslösen, die Ohrenschmerzen verursacht“, erklärt Schlömicher-Thier den Hintergrund dieser Pein. Oft tritt die Plage nur an einem Ohr auf, manchmal trifft sie auch beide Lauscher, was besonders unangenehm ist.

Was hilft?
„Bis man ärztliche Hilfe bekommt, kann man die Ohrenschmerzen mit Medikamenten lindern“, nennt der Mediziner das Mittel der Wahl, das man aber nur für möglichst kurze Zeit einsetzen sollte (siehe unten).

Wann zum Arzt?
„Treten im Zuge einer Erkältung Ohrenschmerzen auf, sollte man am besten sofort zum Arzt“, so der dringende Rat von Schlömicher-Thier. Denn bleiben Mittelohrentzündungen länger unbehandelt, kann es zu Komplikationen durch Eiterungen und/oder zu bleibenden Hörschäden kommen.

Stand 12/2014

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