Zehn Beauty-Mythen

Oktober 2015 | Kosmetik & Pflege

Manches hält sich hartnäckig in unseren Köpfen. Da gibt es zum Beispiel Mythen rund um Schönheit, an die schon unsere Mütter eisern glaubten. Doch wie wahr sind die heute noch? Wir haben nachgefragt.
 
Von Bettina Benesch

Täglich 100 Bürstenstriche sind gut für’s Haar

Bürsten ist grundsätzlich eine gute Sache: Durch die sanfte Massage der Kopfhaut werden Durchblutung und Talgproduktion angeregt; das bringt die Haare zum Glänzen. Hundert Bürstenstriche braucht es für diesen Effekt allerdings nicht – vor allem dann nicht, wenn die Haare ohnehin eher fettig sind. „Viel bürsten ist bei trockenen Haaren sicher empfehlenswert – aber hundert Mal ist zu viel“, sagt Dr. Monika Fuchs, Ärztin für Allgemeinmedizin in Wien mit Fokus auf ganzheitlicher und ästhetischer Medizin. Wichtig ist auch die Wahl der Bürste: Die Borsten sollten an der Spitze abgerundet sein, damit die Kopfhaut und die Schuppenschicht der Haare nicht verletzt werden. Wichtig ist auch, dass sich die Haarbürste leicht reinigen lässt.

Hämorrhoidensalbe hilft gegen geschwollene Augen

Hämorrhoiden sind erweiterte Venen um den After; im Grunde nichts anderes als Krampfadern. Ein Wirkprinzip von Hämorrhoidensalben ist es, die Blutgefäße zu verengen. Genau dieser gefäßverengende Effekt zaubere geschwollene Augenpartien wieder straff und glatt, hört und liest frau immer wieder. Was ist dran? „Ich halte das für Unsinn“, sagt Monika Fuchs. Denn die Inhaltsstoffe sind für die Augenpartie nicht vorgesehen. Enthält die Hämorrhoidensalbe beispielsweise Cortison, sollte sie keinesfalls verwendet werden, denn Cortison macht die Haut auf Dauer dünn und die Adern zeichnen sich dann deutlich darunter ab. Zudem können manche Inhaltsstoffe allergische Reaktionen hervorrufen.
„Oft liegt der Grund für Tränensäcke und geschwollene Augen nicht in erweiterten Gefäßen, sondern darin, dass sich der Fettpolster um die Augen vorwölbt. Dieser Fettgewebsprolaps kommt vor allem bei älteren Personen vor und lässt sich nur chirurgisch entfernen“, sagt Fuchs. Sie empfiehlt, zur Pflege der Augenpartie nur Augencremes zu verwenden, etwa solche mit Steinklee. Bei stark und langanhaltend geschwollenen Augen ist es sinnvoll, den Augenarzt aufzusuchen. Außerdem wichtig: die Schlafposition. Wer oft am Bauch schläft, dessen Blutzufuhr in den Kopf ist möglicherweise vermindert.

Make-up verstopft die Poren

Das galt früher wohl, als Make-up noch Reisstärke enthielt, die aufquoll und sich tatsächlich wie ein Teppich über die Poren legte. „Heutzutage sind die Substanzen hautfreundlicher, da gibt es auch schon ganz leichte Texturen. Da sehe ich keine Gefahr, dass sich Poren verstopfen“, sagt Monika Fuchs. Vor dem Schminken ist es wichtig, die Haut zu reinigen und eine gute Feuchtigkeitscreme als Basis aufzutragen. Die wichtigste Regel abends lautet: gut abschminken. Für die Augen eignen sich Augen-Make-up-Entferner am besten, da sie auf die empfindliche Haut abgestimmt sind. Dennoch wirken sie intensiv genug, um auch Maskara gründlich zu entfernen. Für den Rest des Gesichts eignen sich Reinigungsmilch, -gel oder -schaum gleichermaßen.

Schokolade macht Pickel

Ernährung spielt sicher eine Rolle, wenn es um Akne geht – die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema ist allerdings noch nicht beendet. „Es gibt keine Studien, die belegen, dass Schokolade Akne verursacht“, erklärt Monika Fuchs. „Aus dem, was wir wissen, kann man aber schließen: Ernährung löst Akne zwar nicht aus, aber sie kann bestehende Akne beeinflussen.“ Eine Studie zeigte, dass eine Diät mit wenig Zucker, wenig Transfetten und mit reichlich komplexen Kohlehydraten (z. B. Vollkorn) Akne verringern konnte. Auch Fisch wirkt durch die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren positiv auf das Hautbild. Es geht bei diesem Mythos gar nicht so sehr um die Schokolade: „Viel mehr dreht sich die Sache um Zucker und Fett“, erklärt die Allgemeinmedizinerin. Wer beides mit Maß und Ziel genießt, hat gute Chancen auf reine Haut.

Je eher man einen Pickel ausdrückt, desto besser

„Sinnvoll ist das Ausdrücken nur dann, wenn dabei der gesamte Talg entfernt wird“, erklärt Fuchs. Andernfalls kann sich das Areal entzünden, mitunter bildet sich eine Narbe. Besser ist es, abzuwarten bis der Pickel reif ist, und eventuell mit warmen Kompressen nachzuhelfen. Anschließend den Pickel mit sauberen Händen und einem sauberen Tuch ausdrücken, bei Bedarf mit einer desinfizierten Nadel ein wenig anstechen. Hilfreich sind auch Pickel-Gels oder Stifte, die punktuell aufgetragen werden. Sie wirken u.a. desinfizierend und trocknen den Pickel aus.
 
Lippenpflegestifte machen süchtig

„Ich würde nicht sagen, dass sie süchtig machen, aber bei billigen Produkten kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen“, sagt Monika Fuchs. Sie rät Personen mit trockenen Lippen zu hochwertigen Lippenpflegestiften, etwa solchen mit Alpha-Acetoxysäuren. Diese nur ein bis zwei Mal pro Tag auftragen, bei Bedarf auch als Grundlage für den Lippenstift.

Aufhellende Zahnpasten sind schädlich

Nicht alle Zahnpasten mit aufhellendem Effekt sind schädlich. „Aber man sollte darauf achten, über welchen Mechanismus die Zahnpaste ihren aufhellenden Effekt erzielt“, sagt Dr. Bledar Lilaj vom Fachbereich für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wien. Kommt der aufhellende Effekt durch eine hohe Scheuerwirkung (Abrasivität) zustande, ist Vorsicht angebracht: Je höher der so genannte RDA-Wert ist (RDA=Radio­active Dentin Abrasion), der die Abrasivität anzeigt, desto weniger ist die Zahnpaste für den regelmäßigen Gebrauch geeignet, „weil bei regelmäßiger Anwendung einer Zahnpaste mit zu hoher Abrasivität der Zahn aufgeraut wird. Das lässt die Zähne kurzfristig heller erscheinen, jedoch wird die Zahnhartsubstanz geschädigt und die raue Zahnoberfläche neigt dazu, sich viel schneller zu verfärben“, erklärt Lilaj. Um Schäden am Zahn zu vermeiden, ist es sinnvoll, sich individuell vom Zahnarzt des Vertrauens beraten zu lassen.

Körperlotionen sind besser als Körperöl

Pauschal lässt sich eine solche Aussage nicht treffen, denn jeder Hauttyp braucht eine andere Pflege. „Personen mit trockener, feuchtigkeitsarmer Haut brauchen eher eine Lotion“, rät die Allgemeinmedizinerin Monika Fuchs – trockene fettarme Haut dagegen verlangt nach einem guten Hautöl. Wie lässt sich der eigene Hauttyp erkennen? Trockene, feuchtigkeitsarme Haut spannt, erscheint eher fahl, mit kleinen Fältchen. Trockene, fettarme Haut spannt, schuppt, hat Risse und juckt. „Es ist auch möglich, Öl und Lotion zu mischen oder abzuwechseln“, sagt Fuchs. Egal, ob Lotion oder Öl: Beide ziehen am besten in die Haut ein, wenn sie nach dem Duschen oder Baden auf die abgetrocknete, noch feuchte Haut aufgetragen werden.

Weiße Flecken an den Fingernägeln deuten auf einen Nährstoffmangel

 
Nein, in der Regel nicht. Zwar können Nagelrillen, weiche und brüchige Nägel oder Hohlnägel auf einen Mangel oder eine Erkrankung hinweisen – weiße Flecken dagegen entstehen in den meisten Fällen nach kleinen Verletzungen am Nagelbett; etwa durch das Zurückschieben des Nagelhäutchens bei der Maniküre. Weiße Flecken können aber auch auf ein geschwächtes Immunsystem hinweisen. „Eine gute Mineralstoffversorgung ist sicher wichtig für die Nagelbildung“, sagt Fuchs. „Auch Putzmittel und zu häufiges Händewaschen sind schlecht für die Nägel; es trocknet sie aus.“ Wenn die Veränderungen am Nagel sehr auffällig sind, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.
Auch zu viel Nagellack schadet den Findernägeln: Sie werden trocken und brüchig. „Bei normaler Anwendung ist das Verwenden von Nagellack sicher kein Problem – wichtig ist allerdings, den Nägeln hin und wieder eine Auszeit zu gönnen“, sagt Monika Fuchs. Es ist sinnvoll, lackfreie Tage einzulegen und ein gutes Nagelpflegeöl zu verwenden. Unterlack vor dem farbigen Lack aufzutragen hilft gegen Verfärbungen.

Wer sich die Beine rasiert, verstärkt dort den Haarwuchs

Nein – allerdings fallen die nachwachsenden Stoppel mehr auf als Haare, die etwa nach dem Epilieren wieder nachwachsen. Wer auf die Stoppel verzichten möchte, kann zu anderen Methoden greifen, die den Haarwuchs schwächen: Epilieren und Harzen sind die Klassiker. Auch dauerhafte Haarentfernung mit Laser oder so genanntem Intense-Pulsed-Light (IPL) ist laut Fuchs eine Möglichkeit. Beide nutzen Lichtenergie, um die Haarfolikel zu schädigen, sodass daraus keine neuen Haare mehr wachsen können.

Stand 09/2015

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