Mundgeruch, was tun?

März 2015 | Medizin & Trends

Wie man die Brutstätte des Übels findet
 
Schlechter Atem ist nicht in jedem Fall die harmlose Folge von Knoblauch & Co. Wer über einen längeren Zeitraum an Mundgeruch leidet, sollte sich auf die Suche nach der Brutstätte des Übels machen. Denn in den meisten Fällen stecken Erkrankungen dahinter, die ärztlich behandelt werden sollten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Ob in der Früh gleich nach dem Aufwachen, nach dem Tsatsiki beim Griechen, dem Seidel Bier nach Feierabend und erst recht nach der Zigarette zwischendurch: Wer zu Gelegenheiten wie diesen schlecht aus dem Mund riecht, braucht sich zumindest darüber keine Sorgen zu machen. „Diese Arten von Mundgeruch sind völlig harmlos“, beruhigt Univ. Ass. DDr. Oliver Jandrasits von der Bernhard Gottlieb-Universitätszahnklinik Wien. Sie gehen auf die normalen nächtlichen Aktivitäten von Mundbakterien, das Aroma würziger Speisen und den Eigengeruch von Alkohol bzw. Tabak zurück. Und die Kombination aus Zähneputzen, Zungenreinigung und Mundspülung reicht aus, um die üble Duftwolke zum Verschwinden zu bringen. Jandrasits: „Bedenklich ist Mundgeruch dann, wenn er unabhängig vom Konsum verschiedener Lebensmittel, alkoholischer Getränke oder Tabak auftritt und nach dem Zähneputzen nicht nachlässt.“
Von diesem Problem, das in der medizinischen Fachsprache Halitosis genannt wird, ist nach verschiedenen internationalen Studien jeder Dritte irgendwann in seinem Leben eine Zeit lang betroffen. Ältere haben deutlich häufiger schlechten Atem als Jüngere und Kinder, doch auch schon Dreijährige können permanent unangenehm aus dem Mund riechen. „Wer ständig mit dem Problem zu kämpfen hat, sollte sich an seinen Zahnarzt wenden und sich untersuchen lassen“, empfiehlt Jandrasits, der in seiner Ordination in Wien eine eigene Sprechstunde für Menschen mit Mundgeruch abhält. Denn so könne die Brutstätte des Übels erkannt und beseitigt werden:

Brutstätte 1

Zahnfleisch, Zahngewebe & Kieferknochen

„Bei mehr als 90 Prozent der Betroffenen geht Mundgeruch auf eine Entzündung des Zahnfleisches und des Kieferknochens zurück“, nennt Jandrasits die am weitesten verbreitete Ursache für Halitosis. Bei dieser Erkrankung, der sogenannten Parodontitis, stammt der Mief hauptsächlich von Schwefelverbindungen, die mit der Atemluft entweichen, nachdem die Parodontitis-Bakterien an den Entzündungsherden Nahrungsreste zersetzt haben. Experte Jandrasits: „Besonders intensiv fällt der schwefelige Geruch nach dem Essen von stark eiweißhaltigen Lebensmitteln wie Eiern, Fleisch, Joghurt, Käse oder Milch aus, da diese viel Schwefel enthalten.“ Schwefelig bis süßlich riecht es, wenn sich an den Entzündungsherden bereits Eiter gebildet hat.

Was hilft? „Das einzige, was hilft, ist eine Behandlung der Parodontitis durch einen Zahnarzt, der auf diese Erkrankung spezialisiert ist“, betont Oliver Jandrasits. Sind die Entzündungen abgeklungen, gehört meist auch der Mundgeruch der Vergangenheit an.

Brutstätte 2

Kariöse Zähne

Auch eine andere Zahnkrankheit entpuppt sich oftmals als Wurzel des Übels: Karies, die ebenfalls von Bakterien hervorgerufen wird. „Genauso wie die Parodontitis-Bakterien zersetzen die Karies-Bakterien winzige Nahrungsbestandteile, um sich davon zu ernähren, während sie den Zahnschmelz schädigen“, beschreibt Jandrasits, wie Halitosis bei Karies zustande kommt: „Von diesem Zersetzungsprozess bleiben die Schwefelverbindungen in der Luft übrig. Daher riecht es auch bei einer Erkrankung an Karies leicht schwefelig-scharf aus dem Mund.“

Was hilft? „Mundgeruch, der kariösen Zähnen entströmt, verschwindet, sobald die Karies vom Zahnarzt behandelt worden ist“, nennt Jandrasits den einzigen Ausweg aus der Misere.

Brutstätte 3
Belag auf Zähnen & Zahnprothesen

Sind Zähne und Zahnhalteapparat gesund, lässt der Mundgeruch aber dennoch nicht nach, dann geht er meist schlicht auf mangelnde Hygiene zurück. „Wenn die Zähne oder Zahnprothesen nicht ausreichend gereinigt werden“, warnt der Zahnarzt, „so bleibt von der Nahrung ein Belag zurück.“ Davon ernähren sich Bakterien: „Sie zersetzen den Belag und wandeln ihn in schwefeligen Geruch um“, beschreibt Oliver Jandrasits den Hintergrund.

Was hilft? Richtige Mundhygiene, das heißt: Morgens und abends jeweils zwei bis drei Minuten lang die Zähne von Rot nach Weiß bürsten, dabei nicht zu stark aufdrücken und die Zahninnenseiten nicht vergessen. „Am besten ist, sich beim Zahnarzt zeigen zu lassen, wie man es richtig macht, insbesondere wenn man Zahnprothesen trägt“, regt Jandrasits an. „Zusätzlich sollte man die Zunge reinigen und, wenn das der Arzt empfiehlt, den Mund mit einer antibakteriellen Mundspülung ausspülen.“ Außerdem wichtig: ein- bis zweimal im Jahr eine professionelle Mundhygiene durchführen lassen.

Brutstätte 4

Mundschleimhaut, Mandeln & Nase

Nur bei knapp zehn Prozent der Menschen mit Mundgeruch befindet sich die Brutstätte des Übels nicht im Bereich von Zähnen und Zahnhalteapparats. „Dann geht der Geruch meist auf Entzündungen der Mundschleimhaut, der Mandeln oder Nasenschleimhaut zurück“, weiß Jandrasits und erklärt: „Der unangenehme, dann faulig-scharfe Geruch kommt von Gewebe, das während des Entzündungsprozesses von Bakterien zersetzt wird und zerfällt.“

Was hilft? Jandrasits: „Liegt der Mundgeruch an Erkrankungen der Mundschleimhaut, der Mandeln oder der Nase, hilft eine Behandlung durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt.“

Brutstätte 5
Verdauungstrakt

Auch wenn der Volksmund die Brutstätte von Mundgeruch oft einmal im Magen vermutet, ist das tatsächlich äußerst selten der Fall. Wenn doch, dann zählen laut Zahnarzt Jandrasits „Sodbrennen, bei dem scharf riechende Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt, und eine meist durch Bakterien verursachte Entzündung der Magenschleimhaut, also eine Gastritis“, zu den möglichen Ursachen. In Einzelfällen können auch ein Pilzbefall, ein schlecht regulierter Diabetes mellitus, Gallen-, Leber-, Nieren- und Krebserkrankungen schuld am schlechten Geruch aus dem Verdauungstrakt sein.

Was hilft?
„Besteht der Verdacht, dass Mundgeruch aufgrund von Erkrankungen des Verdauungstrakts entsteht, helfen eine Untersuchung und eine Behandlung durch einen Internisten“, so Jandrasits.

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Warum Stress übel riechen kann

Über mehrere Wege kann belastender Stress üble Gerüche aus dem Mund provozieren. So vernachlässigen viele in stressigen Lebensphasen die Zahnhygiene, was zu schlecht riechenden Belägen, schlimmstenfalls zu den Zahnerkrankungen Karies und Parodontitis mit Halitosis als Folge führt. Zudem werden bei Stress Hormone ausgeschüttet, die die Verdauung behindern und so Mundgeruch auslösen.

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Warum man selber nicht dahinterkommt

An sich selbst festzustellen, dass man Mundgeruch hat, ist fast unmöglich“, weiß Univ. Ass. DDr. Oliver Jandrasits. Selbst sich in die Hand zu hauchen und am Atem zu riechen, bringt wenig, da sich die eigene Nase schnell an den eigenen – auch schlechten – Geruch gewöhnt und diesen nicht mehr als übel wahrnimmt. Jandrasits: „Gerade deshalb sollte man Nahestehende, Verwandte und Freunde, bei denen man Mundgeruch riecht, darauf ansprechen.“ Zwar gebe es auch ein Messgerät für Mundgeruch, den sogenannten Halometer, laut Jandrasits sei dieser aber für wissenschaftliche Analysen gedacht und nicht nötig, um Halitosis zu diagnostizieren oder zu behandeln.

Stand 02/2015

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