Haut im Sommer

Mai 2017 | Kosmetik & Pflege

Braucht die Haut im Sommer eine besondere Pflege? Worauf sollte beim Sonnenschutz geachtet werden? Muss die Haut vor Hitze geschützt werden? Fragen zur richtigen Pflege von Haut und Haaren in der warmen Jahreszeit beantwortet Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto von der Abteilung für Allgemeine Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien für MEDIZIN populär.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Braucht die Haut im Sommer eine besondere Pflege?


Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto

Die wichtigste Pflege im Sommer ist der Sonnenschutz. Ansonsten benötigt die Haut im Sommer eher weniger Pflege als in der kalten Jahreszeit. So ist trockene Haut in der warmen Jahreszeit zum Beispiel weniger trocken, und entzündliche Hautkrankheiten wie Akne werden besser.

Ist Sonnenschutz täglich nötig, also auch dann, wenn man sich nur von der Wohnung zur Arbeit und wieder zurück bewegt?

Das hängt davon ab, wie die Haut auf UV-Bestrahlung reagiert. Wer schon binnen kurzer Zeit, also etwa während des Wartens auf die Straßenbahn, einen leichten Sonnenbrand bekommt, sollte auch auf täglichen Wegen einen Sonnenschutz verwenden.    

In vielen Pflegeprodukten, also Tagescremen und Make-up-Produkten, ist laut Herstellern bereits ein Sonnenschutz enthalten. Reicht dieser für die täglichen Wege aus?

Bezüglich des UV-Schutzes in diesen Produkten ist zu bedenken, dass er aufgrund der Zusammensetzung der Produkte meist niedriger ausfällt, als auf der Packung angegeben. Aber wenn jemand nicht sehr empfindlich auf die Sonne reagiert, kann der Sonnenschutz in diesen Produkten ausreichen.

Bei längeren Aufenthalten im Freien: Worauf sollte beim Sonnenschutz geachtet werden?

Beachten sollte man, dass die Mittel einen Breitbandschutz vor UVA- und UVB-Strahlung bieten, schweiß- und wasserfest, gut verträglich sind und einen ausreichend hohen Lichtschutzfaktor haben.

Was ist der Lichtschutzfaktor?

Die Hersteller benennen damit, um wievielmal länger man in der Sonne bleiben kann, als es der Eigenschutz der Haut erlaubt, also wie lang sich die Haut selbst vor UV-Strahlen schützt, ohne sich zu röten. Ist sie imstande, sich 20 Minuten lang zu schützen, ist mit einem Lichtschutzfaktor 8 erreichbar, dass die Haut 8 mal 20 Minuten vor Sonnenschäden sicher ist, also 160 Minuten oder zweieinhalb Stunden. Man sollte aber auch auf die Wirkungsweise der Mittel achten.

Welche Wirkungen gibt es, und welche sind empfehlenswert?

Mittel mit chemischer Wirkungsweise nehmen die Strahlen auf und wandeln sie in Wärmestrahlung um. Leider zersetzen sich die meisten davon nach kurzer Zeit. Mineralisch wirkende Mittel decken die Haut ab und reflektieren das Sonnenlicht. So schützen sie die Haut gut.

Benötigen die Lippen einen besonderen Sonnenschutz?

Für die Lippen gibt es eigene Balsame mit UV-Schutz, deren Verwendung durchaus empfehlenswert ist, wenn man empfindlich ist.

Wenn man im Wasser war: Müssen die Sonnenschutzmittel danach wieder neu aufgetragen werden?

Wer empfindlich auf UV-Strahlen reagiert, sollte dies tun. Denn auch wasserfeste Mittel zersetzen sich im Wasser bis zu einem gewissen Grad.

Sollten auch die Haare vor der Sonne geschützt werden, und wenn ja, wie?

Die Haare können sich durch die Sonnenbestrahlung verfärben. Wen das stört, der sollte die Haare vor der Sonne schützen, am besten mit einem Hut oder einer Kappe.

Gelten im Urlaub am Meer oder in den Bergen andere Empfehlungen?

Wenn man am Meer oder auch an einem See Urlaub macht, sollte man bedenken, dass das Wasser die UV-Strahlung reflektiert, also stärker macht, und noch größeren Wert auf den Sonnenschutz legen. In den Bergen ist allein aufgrund der Höhe die Sonneneinstrahlung intensiver. Hält man sich im Bereich eines Gletschers auf, wird die UV-Strahlung vom Schnee reflektiert und ist gefährlicher.

Was, wenn man sich einen Sonnenbrand geholt hat?

Ist der Sonnenbrand eher leicht, helfen kühlende Lotionen oder Salben, kalte Umschläge oder Eisbeutel. Auch herkömmliche Schmerzmittel, zum Beispiel Kopfschmerztabletten, helfen, die Schmerzen zu lindern. In schwereren Fällen, also wenn sich Blasen gebildet haben, ist die Verwendung von kortisonhaltigen, entzündungshemmenden Salben ratsam. Und egal, ob der Sonnenbrand leicht oder eher schwer war: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, also viel Wasser trinken, ist ebenfalls empfehlenswert, um den durch den Sonnenbrand belasteten Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.

Warum ist der Sonnenschutz so immens wichtig?

Das Ausgesetztsein der Sonne beziehungsweise den UV-Strahlen ohne ausreichenden Sonnenschutz erhöht das Risiko für krankhafte Hautveränderungen von der so genannten Lichtallergie bis hin zur Erkrankung an Hautkrebs.

Kann man die Haut auch von innen vor der Sonne schützen, etwa durch bestimmte Nahrungsmittel oder Präparate?

Bis zu einem gewissen Grad schützen Nahrungsmittel, die viele Karotinoide enthalten, wie Karotten oder entsprechende Präparate. Ein Ersatz für Sonnenschutzmittel sind sie aber nicht.

Ist die Haut besser vor Sonnenschäden geschützt, wenn sie im Solarium vorgebräunt wird?

Nein, das ist ein Irrglaube. Die UV-Strahlung in Solarien schädigt die Haut, sie trocknet sie aus und beschleunigt die Hautalterung.

Muss die Haut auch vor Hitze geschützt werden?

Bei Hitze geht durch das vermehrte Schwitzen mehr Flüssigkeit über die Haut verloren. Um ein Austrocknen der Haut zu vermeiden, sollte man daher viel trinken, am besten zwei Liter Wasser am Tag.

Worauf sollten Menschen mit Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis oder Psoriasis im Sommer achten?

Diese Hauterkrankungen verbessern sich in der warmen Jahreszeit oft. Wasser, das mit Chlor durchsetzt ist, kann Betroffenen aber zusetzen. Daher sollten sie darauf achten, nach dem Baden oder Schwimmen in Chlorwasser ausgiebig zu duschen.

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Wann ist die Sonne hilfreich?

Hauterkrankungen, von Akne über Neurodermitis bis hin zu Psoriasis, Schuppenflechte, bessern sich durch Sonnenbestrahlung oft – weswegen UV-Strahlen auch in der Therapie der Hauterkrankungen eingesetzt werden. UV-Bestrahlung ist außerdem nötig, damit der Körper Vitamin D bilden kann.

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Wann zum Arzt?

  • Wenn ein Sonnenbrand stark ausgeprägt ist, sich z.B. Brandblasen zeigen. Dann helfen kortisonhaltige Mittel.
  • Wenn die Haut brennt und juckt, sich Rötungen, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, Schwellungen bilden. In dem Fall leidet man eventuell an einer Lichtallergie: Das, was im Volksmund „Mallorca Akne“ genannt wird, ist an sich keine Allergie, sondern eine Hauterkrankung, polymorphe Lichtdermatose genannt, die mit Medikamenten behandelt werden muss.
  • Wenn durch die Verwendung von Sonnenschutzmitteln die Haut brennt, sich Bläschen bilden oder sie juckt. Dann kann es sein, dass die Haut aufgrund von Wechselwirkungen der Sonnenschutzmittel mit bestimmten Medikamenten die Beschwerden verursacht.

Stand 05/2017

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