Christian Köberl

Dezember 2017 | Prominente & Gesundheit

„Ich trainiere zweimal in der Woche in einem Fitnessstudio.“
 
Seit sieben Jahren leitet er mit dem Naturhistorischen Museum eines der bedeutendsten Naturmuseen der Welt. Das Haus hat sich unter seiner Führung zu einem gefragten Forschungszentrum und Publikumsmagnet entwickelt. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt der 58-Jährige, der auch Universitätsprofessor für Impaktforschung und Planetare Geologie ist, wie er sich neben der vielen Arbeit fit hält, was demnächst im Naturhistorischen Museum zu sehen sein wird, warum man es besuchen sollte und welches unter den 30 Millionen Sammlungsobjekten sein liebstes ist.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Generaldirektor Köberl, im Naturhistorischen Museum lagern 30 Millionen Sammlungsobjekte. Welches davon ist Ihr liebstes?


Christian Köberl

Das ist der Hraschina-Meteorit, ein fast 40 Kilogramm schwerer Meteorit aus Eisen, der im Jahr 1751 in Hraschina bei Zagreb in Kroatien auf den Boden gefallen ist, auf damals österreichisches Territorium. Deswegen wurde der Meteorit an den Wiener Hof geliefert und hat die Wiener Meteoritensammlung begründet. Die Sammlung ist die weltweit älteste ihrer Art und umfasst heute rund 8500 Meteoriten.

Wo sind die alle untergebracht?

So wie alle unsere Objekte befinden sich auch unsere Meteoriten bei uns im Haus. Das Naturhistorische Museum besteht ja nicht nur aus den sichtbaren fünf Stockwerken über der Erde, sondern auch aus einem Tiefspeicher über vier Stockwerke unter der Erde. Die Schaufläche macht etwa 15 Prozent der Gesamtfläche aus, und ausgestellt ist rund ein Prozent unserer Objekte. Wo sich die Besucher bewegen und was sie sehen, das ist also sozusagen die Spitze des Eisbergs.

Warum soll man das Naturhistorische Museum besuchen?

Weil die Kenntnis von der Natur, von der Entwicklung des menschlichen Lebens, und auch von den Zusammenhängen zwischen der Natur und der technischen Entwicklung wichtig ist. Was diese Zusammenhänge anbelangt, sind ja viele völlig disconnected, also sie haben keine Ahnung davon, was alles aus der Natur in Geräten steckt, die sie dauernd verwenden, wie zum Beispiel Metalle und Minerale in ihren Mobiltelefonen.   

Ist die Venus von Willendorf, Ihr prominentestes, vielleicht wertvollstes Stück, noch ein Publikumsmagnet?

Die Figur fasziniert tatsächlich nach wie vor viele. Sie ist mit ihrem Alter von rund 30.000 Jahren auch ein wertvoller steinzeitlicher Fund in unserer prähistorischen Schau, die vor kurzem genauso neu gestaltet wurde und ein Publikumsmagnet ist, wie der Meteoritensaal, die Mineralienschau, der Sauriersaal und natürlich die anthropologische Schau.

Dem Kunsthistorischen Museum vis-à-vis des Naturhistorischen Museums kam ja vor einigen Jahren ein äußerst wertvolles Stück abhanden, die Saliera, das Salzfässchen…

…deswegen ist die Venus besonders gesichert, durch Hochpanzerglas und eine Videoüberwachung, wie aber übrigens auch unsere anderen wertvollen Ausstellungsstücke.

Gibt es ein Exponat, das Sie gern bei sich daheim hätten?

Nein, ich würde zuhause nichts aufbewahren wollen, was sich als Ausstellungsobjekt für das Museum eignen würde. Da käme ich ja jedes Mal, wenn ich auf etwas Interessantes stoße, in ein gefährliches Dilemma. Ich müsste mich fragen, kaufe ich das jetzt für mich, oder kaufe ich es für das Museum.

Sie sind jetzt sieben Jahre Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Museums: Was betrachten Sie als Ihren größten Erfolg, was ist nicht so gut gelaufen?

Ich freue mich darüber, dass sich die Zahl der Besucher in meiner Amtszeit auf 700.000 pro Jahr fast verdoppelt hat und wohl auch aufgrund der Modernisierung der Forschungseinrichtungen im Museum dreimal so viele Forschungsprojekte als vor meiner Amtszeit laufen und Forscher aus aller Welt zu uns kommen, um unsere Arbeitssammlungen für ihre Untersuchungen zu nützen. Stolz bin ich auch darauf, dass aufgrund dieser Forschungstätigkeit jährlich etwa 200 wissenschaftliche Publikationen entstehen. Was ich bisher nicht ändern konnte, und was mich ärgert, sind sinnlose Kreisläufe bei der Finanzierung des Museums, die viel Verwaltungsarbeit nötig machen. So bekommen wir von dem einen Ministerium Geld, das wir dem anderen Ministerium zahlen. Was mich auch ärgert, ist, dass wir seit Jahren immer gleich viel Geld bekommen, obwohl unsere Kosten steigen.

Weil Sie die anthropologische Schau angesprochen haben: Angenommen eine der dort ausgestellten Neandertalerpuppen würde wie in der Filmkomödie „Nachts im Museum“ zum Leben erweckt – was würden Sie sie fragen?

Hm, schwierig, denn das müsste ja voraussetzen, dass der Neandertaler sprechen kann und eine logische Sprache hat – und das wissen wir nicht. Sollte das aber rein hypothetisch sein, würde mich als gelernter Astronom interessieren, wie die Neandertaler die Sterne und den Lauf des Mondes interpretiert haben. Oder einfach und banal, wie so ein typischer Tagesablauf in der Altsteinzeit aussah und was gegessen wurde.

Wie sieht denn Ihr typischer Tagesablauf aus und was essen Sie?

(Lacht) Ich komme in der Früh schwer in die Gänge, stehe oft erst um acht Uhr auf und bin dann um halb zehn im Büro. Da arbeite ich dann so bis sieben, halb acht, danach fahre ich heim und koche für meine Frau und mich. Ich koche immer frisch, das ist mir sehr wichtig, und ich koche weitgehend fleischlos, also an sicher fünf von sieben Tagen, weil ich nicht so gern Tiere esse, die nur dafür gehalten werden, um sie zu essen. Nach dem Abendessen arbeite ich meistens noch ein wenig, oder ich lese. Manchmal schaue ich mir Filme an.

Betreiben Sie auch Sport, um sich neben der vielen Arbeit körperlich fit zu halten?

Wissen Sie, ich bin mit Leib und Seele Wissenschafter, Sport hat mich nie wirklich interessiert. Vor einiger Zeit, als ich immer wieder Kreuzschmerzen hatte und Probleme mit den Knien, hat mich meine Frau ohne mein Wissen im Fitnessstudio angemeldet. Die riefen mich dann an, und haben gefragt, wann ich komme (lacht). Also bin ich hin, und seither trainiere ich dort zweimal in der Woche. Meine Rücken- und Knieschmerzen sind nun weg, und beim Stiegensteigen, wo ich früher keuchte, keuche ich jetzt nicht mehr. Das finde ich sehr angenehm, und ich kann nur jedem empfehlen, so etwas zu machen.

Im Naturhistorischen Museum sind ja nicht nur die dauernden Ausstellungsstücke sehenswert, sondern auch die immer wieder neuen Sonderschauen. Welche der aktuellen und kommenden empfehlen Sie möglichen Besuchern?

Unsere dynamische, interaktive Ausstellung Hund & Katz über die beliebtesten Hausgenossen des Menschen, die noch bis April läuft. Noch renovieren wir in unserer Außenstelle, dem Narrenturm auf dem Gelände des Alten Allgemeinen Krankenhauses in Wien, den großen Schauraum. Ab Anfang kommenden Jahres ist dort dann die Pathologie das Thema, unter anderem werden viele gesunde und kranke Organe in Gläsern zu sehen sein.

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Kurz & Persönlich

  • Geboren in: Wien
  • Verheiratet mit: Dona Jalufka, US-amerikanische Künstlerin
  • Lieblingsessen: Selbstgemachte Pasta
  • Lieblingsgetränk: Weißwein
  • Hobbys: Schnorcheln, Tauchen
  • Lieblingsautor: Max Frisch
  • Lieblingsregisseur: Andrej Tarkowski
  • Lieblingsmusik: Klassik und Elektronik
  • Lieblingsort: Coldigioco bei Apiro, Italien
  • Lieblingsurlaubsland: Italien



Webtipp:

www.nhm-wien.ac.at

Stand 11/2017

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