Haut im Wechsel

September 2018 | Kosmetik & Pflege

Die beste Pflege nach der Menopause
 
Was während der Wechseljahre mit der Haut passiert und welche Wirkstoffe sie im Wandel unterstützen.
 
– Von Mag. Helga Schimmer

Dank der weiblichen Geschlechtshormone haben Frauen von Natur aus eine zartere Haut als Männer. „Östrogene sind maßgeblich an der Bildung von faserartigen Proteinen beteiligt, die die Grundstruktur der Haut, die sogenannten Kollagene, ausmachen“, sagt MR Dr. Johannes Neuhofer, Bundesfachgruppenobmann der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie.
In jungen Jahren sind die Kollagenfasern stark miteinander vernetzt und bilden ein festes, flexibles Gerüst vergleichbar mit einem Geflecht aus Gummibändern. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, verliert die Haut insgesamt an Kollagen und die noch vorhandenen Fasern werden brüchiger.

Dünnere Haut

In der Folge lässt die Spannkraft der Haut nach, sie wird schlaffer, Falten entstehen. „Auch die Verzahnung von Oberhaut und Lederhaut nimmt nach der Menopause ab, die Oberhaut ist nun merklich dünner und verletzlicher. Frauen ab 50 Jahren weisen oft trockener, empfindlicher und juckender Haut auf, außerdem heilen Wunden langsamer“, führt der Dermatologe aus.
Mit ein Grund für die Hauttrockenheit ist der Verlust an Hyaluronsäure, der zwar schon mit Mitte 20 beginnt, in den Wechseljahren aber so weit fortgeschritten ist, dass die Haut Feuchtig
keit merklich schlechter halten kann. „Dazu kommt noch, dass die Talgdrüsen ihre Arbeit allmählich verringern, wodurch die natürliche Regulierung des Fettgehaltes nicht mehr so effektiv funktioniert wie in der Jugend“, so der Experte.
Manchmal jedoch entstehen unverhofft besonders am Anfang der Wechseljahre Unreinheiten und Pickel, da es durch den sinkenden Östrogenspiegel zu einem Übergewicht am männlichen Hormon Testosteron kommt, dessen Produktion auf dem gleichen Stand bleibt.

Reichhaltigere Pflege
Viele Frauen fragen sich nun, wie sie ihre tägliche Pflege an die veränderte Hautbeschaffenheit anpassen sollen. „Zunächst ist es wichtig, durch geeignete Reinigungsprodukte die Haut nicht zusätzlich zu reizen. Verwenden Sie daher seifenfreie Syndets und Gesichtswasser ohne Alkohol“, rät Dr. Neuhofer. Gesichtspflegecremen dürfen jetzt fettigere Substanzen enthalten, wobei hier allerdings bei der erwähnten Neigung zu Hautunreinheiten Vorsicht geboten ist. Für den Zellschutz reiferer Haut haben sich Cremen und Seren mit Vitamin C und E bewährt, die tagsüber aufgetragen werden. Dr. Neuhofer: „Wie auch Flavonoide schützen sie vor freien Radikalen und regen die Reparaturprozesse in der Haut an.“
Retinol, Vitamin A und Phytohormone dagegen fördern die Kollagenproduktion, wodurch sich die Spannkraft des Unterhautbindegewebes erhöht. Bei regelmäßiger Anwendung wird die Haut straffer. „Diese Wirkstoffe machen die Haut jedoch sonnenempfindlicher und sollten daher nur in Nachtcremen enthalten sein“, schänkt der Hautarzt ein. Ebenso sei bei fruchtsäure- und harnstoffhaltigen Zubereitungen Fingerspitzengefühl gefragt, da ein Zuviel davon Juckreiz und Rötungen verursachen kann.
Obwohl sie äußerlich angewandt allenfalls kurzzeitige Wirkung auf die Haut haben, vertragen viele Frauen Cremen mit Hyaluronsäure besonders gut. Das mag daran liegen, dass diese feuchtigkeitsbindende Substanz vom Körper selbst produziert wird und mit zunehmendem Alter schwindet. Der Ausdruck „Duo Hyaluronsäure“ bedeutet, dass in der Kosmetikzubereitung lang- und kurzkettige Moleküle enthalten sind. Erstere sollen der Hautoberfläche ein frischeres Aussehen verleihen, letztere etwas tiefer eindringen und Fältchen glätten.
Alles in allem empfiehlt Dr. Neuhofer, bei der Auswahl von Pflegeprodukten auf das subjektive Empfinden zu achten. „Wenn eine Creme der Haut guttut und sie strahlend frisch macht, ist das ein verlässlicheres Zeichen als Werbebotenschaften, ein klingender Markenname oder ein hoher Verkaufspreis.“ Bei etwaiger Unsicherheit fragen Sie am besten Ihren Hautarzt.
Übrigens: Die beste Anti-Aging-Pflegeserie nützt wenig, wenn Sie regelmäßig zur Zigarette greifen, häufig in der Sonne braten und wenig schlafen. Nicht umsonst spricht der Volksmund vom Schönheitsschlaf: Die während der Nachtruhe vermehrt ausgeschütteten Hormone Melatonin und Somatotropin regenerieren auch die Hautzellen, die mit schönem Aussehen danken.

Dellen an den Oberschenkeln

Ein Wort noch zur Cellulite, an der 80 Prozent der Frauen mehr oder weniger stark leiden. Allerdings nur kosmetisch, denn Krankheitswert haben die welligen Fettpolster, im Volksmund auch Orangenhaut genannt, keinen. Männer sind so gut wie nie betroffen. Der Gründe dafür liegen im Hormonhaushalt und in der unterschiedlichen Hautstruktur, wie Dr. Neuhofer erläutert. „Bei Frauen sind Ober- und Lederhaut dünner, die Fettschicht ist vor allem an Bauch, Schenkeln und Po dicker, das Bindegewebe elastischer. So zeichnet sich das Muster der größeren Fettzellen bis an die Hautoberfläche durch, Dellen und Noppen entstehen.“ Hat sich erst einmal Cellulite entwickelt, führt auch der schlechtere Abfluss von Lymphe und Blut aus den Problemzonen zu zusätzlichen Schwellungen.
Als Ursache für Cellulite spielen die Gene eine große Rolle. Die Neigung zu schwachem Bindegewebe ist erblich und somit nicht veränderbar. Wie stark sie zum Tragen kommt, hängt jedoch von äußeren Faktoren ab. Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen sind hier die Hauptschuldigen. Wer also Cellulite eindämmen will, muss sich einen gesunden Lebensstil aneignen. „Essen Sie fettarme, ballaststoffreiche Kost, bewegen Sie sich regelmäßig und entledigen Sie sich überflüssiger Kilos. Aber bitte langsam! Crashdiäten führen zum Jojo-Effekt, der die Haut noch stärker ausleiert“, sagt der Dermatologe. Zur Pflege von Orangenhaut bieten sich eine gute Körperlotion oder auch Körperöle an.

Clevere Schminktipps

Wenn die Haut schlaffer und knittriger wird, braucht sie nicht nur dementsprechende Pflege, es ist auch an der Zeit, die tägliche Schmink-Routine zu ändern. Denn was mit 20 schön und verführerisch aussah, lässt uns mit 50 plus wie angemalt aussehen.

  • Flüssige Foundation. „Es fängt schon bei der Grundierung an“, sagt Daniela Kirchmayer, Diplomkosmetikerin in Hainburg an der Donau. „Wenn die Deckkraft des Make-ups zu stark ist, setzt es sich wie Puder in den Fältchen ab und betont sie erst recht.“ Daher eine leichtere, flüssige
  • Foundation mit mehr Gelb- statt Pink-Anteil wählen, was Hautrötungen besser entgegenwirkt. Mit Puder allenfalls die glänzenden Stellen der T-Zone mattieren, nicht das ganze Gesicht, um eine maskenhafte Wirkung zu vermeiden. Und wenn Rouge aussieht, als wäre es gar nicht vorhanden, ist es der perfekte Frischmacher und kann gleich mehrere Jahre wegmogeln. „Am ehesten gelingt das mit sanften Apricot- oder Rosenholztönen“, so Kirchmayer.
  • Sanft modellierte Brauen. Dunkelbrauner Lidschatten zur Korrektur ausfallender oder grau werdender Augenbrauen-Härchen? „Das funktioniert zum Ausfüllen größerer Lücken nicht mehr“, weiß die Kosmetikerin. Vielmehr ist hauchfeines Nachstricheln mit einem gut gespitzten Augenbrauenstift jetzt die richtige Technik. Dabei den passenden Ton zu treffen, ist entscheidend: Lieber eine Nuance heller als die Haarfarbe sollte er sein, denn zu dunkle Augenbrauen-Balken wirken künstlich, drücken die Augenpartie nach unten und lassen den Blick müde erscheinen. Bei stark ausgedünnten Brauen kann Permanent-Make-up eine gute Lösung sein.
  • Abgedeckte Augenschatten. Die dunklen Schatten an der Innenseite der Unterlider deckt man am besten mit einem hellen, flüssigen Concealerstift ab. Davor einen Primer auftragen, damit sich die Farbpartikel des Concealers nicht so rasch in den feinen Fältchen absetzen. Um beim Korrigieren von Schlupflidern den gewünschten Lifting-Effekt zu erzielen, rät die Expertin: „Am unteren Augenrand eine taupé- oder anthrazitfärbige Kajallinie verwischen, in den inneren Augenwinkel und auf das bewegliche Lid einen Elfenbeinton pinseln, dann etwas braunen Lidschatten in die Lidfalte setzen und in Richtung oben-außen zu den Brauen hin verblenden“. Volumenmascara öffnet den Blick zusätzlich.
  • Seidig schimmernde Lippen. Nichts macht älter als zu greller Lippenstift, der über die Kontur hinweg in die Fältchen ausläuft. Daher die Lippen vorab mit Lipliner nachziehen – in einem hautfarbenen Ton, da eine scharfe, dunkle Begrenzung den Mund hart und schmal aussehen lässt. Den Lippenstift dann nicht direkt auftragen, sondern mit einem Pinsel von der Lippenmitte aus zu den Mundwinkeln hin verteilen.
  • Finger weg von knalligen, matten dunklen und auch orangen Farben. Letztere lassen die Zähne gelblicher erscheinen. Kirchmayer: „Mit einem fein schimmernden Rosé- oder Pfirsichton, der ein paar Nuancen dunkler als die natürliche Lippenfarbe ist, liegen Sie richtig.“ Ein wenig Gloss zum Abschluss zaubert Extravolumen auf die Lippen.

Stand 09/2018

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