Die Milz

April 2018 | Medizin & Trends

Das kleine Organ spielt eine wichtige Rolle in der Immunabwehr und filtert unser Blut. Wie die Milz gesund bleibt und warum ein Milzriss lebensgefährlich sein kann.

– Von Mag. Alexandra Wimmer

Welche Aufgaben erfüllt unsere Milz?
Als Blutfilter sortiert die Milz alte rote Blutkörperchen und Blutplättchen (Thrombozyten) aus und baut sie ab. Dabei fungiert das Organ wie eine Art Schwamm, in den Blut gepresst wird: Junge, biegsame Blutkörperchen gelangen problemlos durch. Ältere rote Blutzellen – sie sind rund drei Monate alt – bleiben hängen und werden abgebaut. Auch kleine Blutgerinnsel werden auf diese Weise aus dem Blutkreislauf „gefischt“. Dabei betreibt das Abbauorgan mithilfe der dort ansässigen Fresszellen (Makrophagen) perfektes Recycling. „Alles, was in der Milz abgebaut wird, wird wieder für den Aufbau neuer Blutzellen im Knochenmark verwendet“, informiert Univ. Prof. Dr. Günther Gastl, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin V in Innsbruck. Als Teil des Immunsystems hat die Milz noch eine weitere wichtige Aufgabe: Sie speichert verschiedene weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und schützt den Körper mit diesen Immunzellen vor Krankheitserregern.
Beim Embryo ist die Milz übrigens vor allem für die Blutbildung verantwortlich – diese Aufgabe übernimmt ab der Geburt das Knochenmark.

Wie ist die Milz aufgebaut?
Die Milz ist rund elf Zentimeter lang, sieben Zentimeter breit und vier Zentimeter dick. Es liegt versteckt im linken Oberbauch über der linken Niere und direkt unter dem Zwerchfell. Die Milz hat die Form einer Bohne und wiegt bis zu 200 Gramm. Eine straffe Kapsel aus Bindegewebe, von der kleine Bindegewebsbalken (Trabekel) abgehen, schützt das weichere Innere. Dieses wird in die rote und weiße Pulpa unterteilt. Die rote Pulpa dient dem Abbau und Recycling alter Blutkörperchen. „Sie stellt ein Netzwerk von Bindegewebe dar, in dem sich Millionen alternder roter Blutkörperchen befinden“, erklärt der Arzt. Das zweite Bindegewebenetz, die weiße Pulpa, speichert die Immunzellen.
Über die Milzarterie wird das Organ mit Blut versorgt. Über die Milzvene wird das Blut ab- und weiter zur Leber geführt. Aufgrund ihrer Funktionen ist die Milz extrem gut durchblutet. „Jeden Tag durchströmt unser gesamtes Blut rund 500 Mal die Milz“, informiert Gastl.

Woran erkrankt die Milz häufig?
Schmerzen im Bereich des Oberbauchs oder unter dem linken Rippenbogen können auf eine Vergrößerung (= Splenomegalie) oder Erkrankung der Milz deuten. Häufig steckt eine entzündliche Schwellung der Milz dahinter, die oft durch Infektionen ausgelöst wurde.
Das bedeutet: Die vergrößerte Milz ist meist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern Symptom für verschiedene andere Krankheiten wie Entzündungen, Infektionen oder Tumore des Immunsystems. Sie geht typischerweise mit weiteren Beschwerden einher: Schmerzen im Unterbauch, Völlegefühl, Übelkeit, Blutarmut, Blässe, Müdigkeit.
Eine Milzvergrößerung kann etwa durch akute bakterielle oder virale Infektionen verursacht werden. Auch eine Tuberkulose, Malaria und chronische entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder andere Autoimmunerkrankungen können dazu führen, dass die Milz anschwillt. Daneben sind Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Blutkrebs (Leukämie) und bösartige Tumore (z. B. Lymphdrüsenkrebs) mögliche Ursachen.
Die Milz ist außerdem stark vergrößert, wenn die Blutbildung im Knochenmark aufgrund einer Erkrankung ausfällt. „Dann erfolgt die Blutbildung – wie in der Embryonalzeit – wieder  in der Milz“, informiert Gastl. „Diese schwillt dabei auf bis zu 40 Zentimeter an. Der Bauch kann sich dann wie bei einer Schwangerschaft vorwölben.“
Hinter akuten Milzschmerzen wiederum kann zum Beispiel ein Milzriss oder ein Gefäßverschluss (Milzinfarkt) stecken. „Kommt es nach einem Unfall zu einem Milzriss, ist oft eine lebensbedrohliche Blutung die Folge, weil die Milz so gut durchblutet wird“, warnt der Mediziner. Bei einem Milzriss ist eine Notoperation mit Entfernung der Milz notwendig. Da die Milz trotz ihrer bedeutenden Funktionen kein lebenswichtiges Organ ist, können die Betroffenen auch ohne Milz ein normales Leben führen. Einige Funktionen werden von anderen Organen übernommen – der Abbau alter roter Blutkörperchen etwa von der Leber. Das Speichern der Immunzellen fällt allerdings aus, sodass die Immunabwehr geschwächt ist. „Deshalb neigen die Betroffenen zu bestimmten bakteriellen Infektionen“, erklärt der Facharzt. Das betreffe insbesondere durch Pneumokken verursachte Lungenentzündungen. Aus diesem Grund müssen sich Menschen ohne Milz gegen bestimmte bakterielle Erreger impfen lassen. Neben Pneumokokken zählen Meningokokken und Haemophilus influenzae – die Erreger von Lungen- und Hirnhautentzündung – dazu.
Bei einem Milzinfarkt richtet sich die Behandlung nach der Schwere: Mitunter kann abgewartet werden, in anderen Fällen muss die Milz entfernt werden. Die Therapie der Milzentzündung besteht in der Bekämpfung der Ursache; bei einer bakteriellen Infektion ist das der Einsatz von Antibiotika.

Wie können wir unsere Milz schützen?
Alles, was unser Immunsystem stärkt, tut auch der Milz gut. Dazu zählen insbesondere eine vitaminreiche Ernährung und körperliche Fitness. „Regelmäßige körperliche Aktivität trainiert das Immunsystem und damit auch die Milz“, betont Gastl. „Allein der Blutfluss durch die Milz wird dadurch gestärkt.“ Übertreiben sollte man es mit dem Training aber nicht: „Speziell Untrainierte bekommen dann leicht Seitenstechen – ein Zeichen dafür, dass die Milz im Moment so stark durchblutet ist, dass sie anschwillt, was kurzfristig diese Schmerzen verursacht.“ In Sachen Ernährung empfiehlt sich eine Kost mit viel Obst und Gemüse. „Vor allem bestimmte Gemüsesorten – zum Beispiel Knoblauch, Zwiebel, Rettich oder Radieschen – stärken mit ihren Inhaltsstoffen das Immunsystem“, informiert der Arzt.

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So erkennt man Störungen der Milz:
Ultraschall, Tast- und Blutbefund

Normalerweise ist die Milz unter dem linken Rippenbogen nicht zu ertasten. Kann man das Organ doch ertasten, ist es – aus welchem Grund auch immer – vergrößert. Kommt es außerdem zu Milzschmerzen, ist dies mitunter ein Hinweis auf eine schwerwiegende Erkrankung.
Abgesehen vom Tastbefund können bestimmte Veränderungen im Blutbild auf eine Funktionsstörung oder Erkrankung der Milz deuten: Tauchen „alte“ rote Blutzellen im Blut auf, ist das ein Zeichen, dass die Milz nicht normal funktioniert oder fehlt. „Wenn alte Blutzellen nicht von der Milz abgebaut werden, kann man das am Blutbild erkennen“, informiert der Facharzt für Interne Medizin, Univ. Prof. Dr. Günther Gastl. Insbesondere folgende Blutwerte werden für die Untersuchung herangezogen: Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), die Zahl der Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten und Entzündungsmarker wie das C-Reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit.
Die Milz kann außerdem mittels Ultraschall oder Computertomographie untersucht und ihre Größe und Struktur bestimmt werden.

Stand 04/2018

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