Empfindliche Zähne

Januar 2018 | Medizin & Trends

Wodurch werden Zähne schmerzempfindlich? Was hilft gegen die Schmerzen? Gibt es Möglichkeiten, schmerzempfindlichen Zähnen vorzubeugen? Fragen wie diese beantwortet Univ. Prof. DDr. Andreas Moritz von der Universitätszahnklinik an der Medizinischen Universität Wien für MEDIZIN populär.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Wie fühlt sich der Schmerz bei empfindlichen Zähnen an?


Univ. Prof. DDr. Andreas Moritz

Der Schmerz fährt wie ein Blitz in den Zahn ein, wird als stark und stechend empfunden, hält aber meistens nur kurz, wenige Sekunden, an und verschwindet danach wieder genauso blitzartig, wie er aufgetreten ist.

Wann tritt der Schmerz auf?
Klassischerweise beim Zähneputzen und beim Kontakt des Zahns mit Süßem, Saurem, Heißem oder Kaltem. Bei Süßem sind es oft die Mehlspeisen, Schokolade oder Torten, bei Saurem saure Äpfel, Essiggurken oder Fruchtsäfte. Bei manchen schmerzen die empfindlichen Zähne auch dann, wenn sie auf hartes Brot beißen oder  wenn es draußen sehr kalt ist und beim Atmen und Sprechen der eisige Luftzug auf die Zähne trifft. Oft tritt der blitzartige, stechende Schmerz nicht bei jedem Kontakt auf, sondern nur hin und wieder.

Wodurch werden Zähne schmerzempfindlich?
Die Schmerzempfindlichkeit oder Dentinhypersensibilität eines Zahns entsteht, wenn der Zahnhals freiliegt, also das Zahnbein beziehungsweise Dentin nicht von Zahnzement bedeckt ist, so wie das beim gesunden, schmerzunempfindlichen Zahn der Fall ist. Fehlt der Zahnschmelz am Zahnbein, liegen die Eingänge zu winzigen Kanälen frei, die sich im Zahnbein befinden. Die Kanäle führen zum Zahnnerv und leiten die Reize von außen dorthin. Dadurch tritt letztlich der Schmerz auf.

Was führt dazu, dass Zahnhälse freiliegen?
Die häufigste Ursache dafür ist das Altern. Zu den natürlichen Alterungsprozessen zählt, dass bei dem einen früher, bei dem anderen später, der Zahnhalteapparat zurückgeht und mit ihm das Zahnfleisch. Durch diesen altersbedingten Zahnfleischschwund, die Parodontose, werden die Zahnhälse dort freigelegt, wo sie in jüngeren Jahren von Zahnfleisch bedeckt sind. Zu Zahnfleischschwund kann es aber auch bei Jüngeren kommen, etwa bedingt durch eine Zahnfleischentzündung, die Gingivitis, oder eine Entzündung des Zahnhalteapparats, die Parodontitis. Dabei geht die Entzündung auf den Kieferknochen über, wodurch sich der Knochen abbaut und größere Teile des Zahnhalses frei liegen. Dadurch verstärkt sich die Schmerzempfindlichkeit eines Zahns oder mehrerer Zähne. Seltener stecken übermäßige Belastungen der Zähne und des Zahnhalteapparats hinter Zahnfleischschwund und freiliegenden Zahnhälsen.

Wodurch können der Zahnhalteapparat und die Zähne übermäßig belastet werden?
Durch falsches Zähneputzen mit zu viel Druck auf Zähne und Zahnfleisch oder Scheuern in die falsche Richtung, also von links nach rechts, statt von Zahnfleisch zu Zahn. Wenn Fehlstellungen der Zähne bestehen, die entweder angeboren oder zum Beispiel durch zu hohe Füllungen entstanden sind, werden Zähne auch stark belastet. Ebenfalls belastend ist nächtliches Zähneknirschen.

Was hilft gegen die Schmerzen?
Treten Schmerzen auf, sollte nicht zugewartet, sondern baldmöglichst ein Zahnarzt aufgesucht werden. Denn im anfänglichen Stadium der Schmerzempfindlichkeit helfen oft schon vom Arzt empfohlene Gele, Zahnpasten oder Spülungen. Diese sind mit bestimmten Substanzen wie Aminofluorid, Nitraten oder Zinn angereichert, lagern sich am Zahnhals an, schützen den Zahnhals und stärken zugleich das Zahnfleisch. In fortgeschrittenen Stadien, also wenn die Schmerzempfindlichkeit schon länger besteht oder häufiger auftritt, hilft es, die Zahnhälse mit einem speziellen Lack zu versiegeln oder den freiliegenden Zahnhals mit Kunststoff abzudecken.   

Gibt es noch weitere Methoden?
Bei uns an der Universitätszahnklinik in Wien wurde noch eine weitere Methode entwickelt, die sehr hilfreich ist: Dabei wird Zinnfluoridgel auf die schmerzenden Stellen aufgetragen und mit dem Laser bestrahlt, wodurch sich eine Schicht bildet, die die Dentinkanälchen verschließt, und so den Zahn schützt. Ist der Zahnfleischschwund bereits sehr stark fortgeschritten, kann Zahnfleisch von einer anderen Stelle im Mund entnommen und auf den freiliegenden Zahnhals transplantiert werden. Bestehen eine Zahnfleischentzündung oder eine Entzündung des Zahnhalteapparats, die Parodontitis, müssen natürlich auch diese Ursachen für die Schmerzempfindlichkeit beseitigt werden, um Schmerzfreiheit zu erreichen. Haben Fehlstellungen zur Empfindlichkeit geführt, sind diese zu beheben. Steckte Zähneknirschen dahinter, empfiehlt sich das Tragen einer Kunststoffschiene, die nachts den direkten Kontakt der oberen mit den unteren Zähnen verhindert.

Gibt es Möglichkeiten, schmerzempfindlichen Zähnen vorzubeugen?
Oberstes Gebot ist, die Zähne richtig zu reinigen. Durch die richtige Reinigung werden die Risiken für die Schmerzempfindlichkeit reduziert, wie etwa Zahnfleischentzündung oder Parodontitis. Außerdem werden Zahnschmelz und Zahnfleisch geschont und so vor der Beschädigung beziehungsweise dem Schwund bewahrt. Zur optimalen Reinigung gehört neben dem eigenen Putzen auch eine professionelle Mundhygiene, die so oft durchgeführt werden sollte, wie es der Zahnarzt empfiehlt.

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Wie reinige ich die Zähne richtig?

  • Die Zähne mit der Zahnbürste und der Putztechnik reinigen, die der behandelnde Zahnarzt empfiehlt. Dies idealerweise zweimal täglich nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen mindestens drei Minuten lang. Generell gut: nicht zu viel Druck ausüben, Zähne vom Zahnfleisch zum Zahn putzen, also nicht von rechts nach links schrubben, eher Bürsten mit weicheren Borsten verwenden. Einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürstchen reinigen.
  • Nach dem Frühstück und vor allem nach dem Konsum von stark säurehaltigen Speisen oder Getränken eine Zeit lang warten, da die Säureeinwirkung den Zahnschmelz anfällig für Beschädigungen macht.
  • Mindestens einmal jährlich eine professionelle Mundhygiene in Anspruch nehmen.

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Wie viele Menschen haben empfindliche Zähne?

  • Nach Schätzungen dürfte derzeit etwa jeder Vierte an Schmerzempfindlichkeit der Zähne leiden.
  • Da Erkrankungen des Zahnhalteapparats in gewisser Weise auch eine Alterserscheinung sind, haben Ältere besonders häufig schmerzempfindliche Zähne und Probleme mit dem Zahnfleisch. Doch auch jüngere Erwachsene sowie Jugendliche und Kinder zählen zu den Betroffenen.


Was umhüllt unsere Zähne?

Die äußerste Schicht bildet der Zahnschmelz. Unter dem Zahnschmelz liegt das Zahnbein oder Dentin, das sich bis ganz hinunter zur Zahnwurzel fortsetzt. Das Dentin ist nicht so hart wie unser Zahnschmelz und mit Kanälchen durchzogen, die zum Zahnnerv führen. Treffen Reize auf das Dentin, tut es weh.

Stand 12/2017

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