Mit Druck gegen Schmerzen

Oktober 2018 | Medizin & Trends

Wie Manuelle Medizin hilft
 
Immer deutlicher zeigt sich: Druck, der mit den Händen ausgeübt wird, ist oft die beste Medizin – wenn Rücken, Knie & Co schmerzen.
 
– Von Mag. Sabine Stehrer

Wo tut es weh? Wird jenen rund 1,5 Millionen Österreichern, die laut Österreichischer Schmerzgesellschaft (ÖSG) an chronischen Schmerzen leiden, diese Frage gestellt, verweist die große Mehrheit auf den Bewegungsapparat. Dort wiederum schmerzen vor allem Bänder, Gelenke, Muskeln und Sehnen des unteren Rückens und Nackens sowie der Knie, Hüften und Schultern – und zwar andauernd oder immer wieder einmal, zumindest aber einmal im Jahr über mehrere Tage. Das ergab eine Befragung von rund 15.500 Österreichern, die erst im Vorjahr für eine Studie von Wissenschaftern der Medizinischen Universität Wien und des Wiener Orthopädischen Spitals Speising durchgeführt wurde. Worauf die Schmerzen meist zurückgehen, das wissen die Forscher auch: Auf Verspannungen aufgrund von Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen.

Behandelt wird dort, wo es weh tut
In der Frage, wie Kreuzweh, Knieschmerzen & Co beizukommen ist, zeigt sich nach Erfahrungen, die Ärzte und Patienten in den vergangenen Jahren im Spital  Speising gemacht haben, immer deutlicher: Manuelle Medizin – also mit den Händen behandeln – ist zwar nicht immer, aber oft die beste Medizin. Zu den Ärzten in Speising, die Manualmedizin anwenden, zählt Dr. Peter Guglia. Er arbeitet nach einer der Behandlungsformen, die sich mit der beginnenden Forschung über das Bindegewebe beziehungsweise die Faszien steigender Beliebtheit erfreut: dem Fasziendistorsionsmodell, kurz FDM.   
Wie diese Behandlung vorstellbar ist? „Die Schmerzbereiche, die der Patient als solche benennt und wo er hindeutet, werden mit der Hand abgetastet“, erklärt Guglia und ergänzt: „Dort, wo der Patient beim Abtasten die größten Schmerzen spürt, also auf den Schmerzpunkten, Schmerzbändern oder Schmerzregionen, wo es am meisten weh tut, wird mit der Hand oder auch nur mit dem Daumen drauf gedrückt – und das ist dann auch schon die Behandlung.“ Die verschiedenen Drucktechniken, die viel Kraft seitens des Arztes erfordern, wirken schnell. Guglia: „Vielfach erleben die Patienten schon binnen weniger Minuten eine Verringerung der Schmerzlast und der Bewegungseinschränkung.“ Die Erklärung dafür, die auf weltweit gleichwertigen Erfahrungen beruht: Durch die Behandlung lösen sich Verspannungen, Verklebungen oder sonstige schmerzhafte Veränderungen des Gewebes beziehungsweise der Faszien, die um Muskeln, Gelenkkapseln, auch um innere Organe gespannt sind. So findet das Gewebe in seine ursprüngliche – gesunde – Form zurück.

Oft reicht schon eine Behandlung
Wenn der Arzt mit der Hand oder dem Daumen auf die schmerzende Stelle drückt, ist dies für die Betroffenen allerdings oft sehr schmerzhaft. Guglia, der wie alle Manualmediziner nach FDM auf den bevorstehenden Schmerz und blaue Flecken sowie muskelkaterartige Schmerzen als mögliche Nebenwirkungen hinweist: „Für die meisten ist dies akzeptabel, einige entscheiden sich in Anbetracht dessen aber lieber für eine andere Therapieform.“ Dabei ist, wie Guglia betont, die Erfolgsquote hoch. Oft reicht sogar schon eine Behandlung aus, um die Schmerzen für eine Zeit lang weitgehend zu lindern. Ein paar weitere Therapiesitzungen sind für ein länger anhaltendes Ergebnis nötig. Manchmal wirkt die Manualmedizin aber auch nach mehrfacher Anwendung nicht. Daher ist diese Art der Behandlung, wie Guglia sagt, „eine durchaus individuelle Therapieform“. Studien mit Patienten des Spitals Speising sollen noch zeigen, wie manuelle Medizin nach FDM bei verschiedenen Schmerzen am Bewegungsapparat – meistens – wirkt. Wie Guglia schon jetzt weiß, eignet sich die Kurztherapie gegen die häufigsten Schmerzen im Bewegungsapparat „sehr gut“, also bei Schmerzen an der gesamten Wirbelsäule, die wegen Verspannungen und Blockaden oft auch in den Kopf oder die Arme und Beine ausstrahlen. Auch bei Schmerzen im Schultergürtelbereich, an der Hand und am Ellenbogen, im Bereich der Hüften, in den Knien, den Sprunggelenken und Füßen hat der Orthopäde gute Erfahrungen mit der Manuellen Medizin gemacht, die in ihrer Ursprungsform eine lange Tradition hat.

Training beugt einer Wiederkehr vor
Neben der Manualmedizin helfen bei Schmerzen im Bewegungsapparat, die auf Veränderungen der Faszien zurückgehen, noch Medikamente in Form von Salben oder Tabletten. Auch Heilmassagen und Wärmeanwendungen bringen Linderung. Mit physiotherapeutischen Übungen, Yoga und Pilates sowie einem Faszientraining, bei dem über eine Schaumstoffrolle selbst Druck auf die schmerzenden Stellen am Körper ausgeübt wird, kann aktiv etwas gegen die Beschwerden getan – beziehungsweise nach einer Behandlung ihrer Wiederkehr vorgebeugt werden. Nichts gegen die verbreiteten Schmerzen zu unternehmen, ist übrigens keine gute Idee: Denn dann steigt das Risiko, dass sich die Faszien immer mehr verfestigen, und dadurch kann es in Muskeln und Gelenken zu Reizungen, Entzündungen und zusätzlichen Schmerzen kommen.

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Was ist Manuelle Medizin?

Manuelle Medizin ist eine medizinische Schule, die zur Heilbehandlung angewendet wird, wenn Funktionsstörungen des Bewegungsapparats Beschwerden verursachen. Befund und Behandlung werden mit der Hand durchgeführt. Die Behandlung befasst sich mit der Wiederherstellung der Beweglichkeit von Wirbelsäule und Gelenken, deren Form und Zusammensetzung intakt sind, deren Funktion aber gestört ist. Zielpunkte der Manualmedizin sind die Wirbelsäule, die Muskeln, die Gelenke und die Faszien beziehungsweise das Bindegewebe. Es gibt mehrere Behandlungsformen, eine davon ist jene nach dem Fasziendistorsionsmodell.

Buchtipp:
Kollmann,
(Kreuz-)Schmerz lass nach!
Was tun bei Hexenschuss, Bandscheibenvorfall und Kreuzschmerzen?
ISBN 978-3-99052-134-2, 128 Seiten
Verlagshaus der Ärzte, € 14,90

Webtipp:
Informationen über das Fasziendistorsionsmodell und Kontaktdaten von Therapeuten auf: www.fdm-europe.com

Stand 10/2018

 

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