Rundum wohlfühlen in jeder Lebensphase

September 2018 | Medizin & Trends

Was Körper und Psyche von Frauen mit 20-, 40- und 60plus gesund und vital hält.
 
– Von Mag. Sabine Stehrer

20 Plus: JUNGE JAHRE

Das sagt die Internistin

Ist mit dem 20er der erste runde Geburtstag im Erwachsenenleben gefeiert, sind oft auch schon Weichen für die berufliche und private Zukunft gestellt. Für ihre Gesundheit sollte eine Frau nun vor allem eines tun: eine erste Lifestyle-Bilanz ziehen. Warum das jetzt so wichtig ist, erklärt Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Expertin für geschlechtsspezifische Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen sowie Internistin: „Gewohnheiten, die teils noch aus dem Teenager- und Kindesalter stammen, verfestigen sich im jungen Erwachsenenalter“, sagt sie.
Daher wird nun auch der Grundstein dafür gelegt, wie es mittel- und langfristig um die Gesundheit bestellt ist. Höchste Zeit also, ungesunde Verhaltensweisen abzulegen. Das kann heißen, ein Dasein als Couch-Potato aufzugeben, auf eine gesunde Ernährungsweise zu achten und allem nicht zu oft Fast Food, Fertigprodukte und Süßes zu essen. Bei Vorhandensein sollte Übergewicht abgebaut, falls nötig, der Alkoholkonsum eingeschränkt und gegebenenfalls mit dem Rauchen aufgehört werden.
Gute Gewohnheiten gehören hingegen etabliert – noch besser: ausgebaut. Wer beispielsweise Freude an Sport hat, sollte sich jetzt überlegen, einem Verein beizutreten – was die Wahrscheinlichkeit erhöht, bei einem bewegten und gesünderen Lebensstil zu bleiben, zufriedener mit dem eigenen Körper und selbstbewusster zu werden. Durch eine Vereinsmitgliedschaft steigt außerdem die Zahl der Sozialkontakte, was sich laut Kautzky-Willer positiv auf die gesamte Gesundheit und speziell auf die psychische auswirkt. Das ist zwar immer gut, aber insbesondere dann von Vorteil, wenn es zu Missstimmungen bis hin zu depressiven Verstimmungen kommt – woran Frauen aufgrund der naturgegebenen Schwankungen im Hormonhaushalt oder belastender Lebenssituationen oft schon in jungen Jahren leiden.


Das sagt die Allgemeinmedizinerin

 

Zeit ist es mit 20plus auch dafür, sich entweder erstmals oder ab jetzt jedes Jahr einer Gesundenuntersuchung zu unterziehen, rät Dr. Doris Gapp, Allgemeinmedizinerin in der Wiener Privatklinik mit Ordinationszentrum für frauenspezifische Medizin „Woman & Health“. „Wichtig sind nun eine Blutuntersuchung, eventuell mit Bestimmung der Blutgruppe, und ein ausführliches Gespräch“, sagt sie. Dies dient dazu, Risikofaktoren zu erkennen, was ein frühzeitiges Gegensteuern möglich macht. Außerdem fanden die letzten Impfungen vielfach in der Schulzeit statt – weswegen ein Check des Impfpasses und möglicherweise Auffrischungsimpfungen sinnvoll sind. Mitunter fehlen auch wichtige Impfungen wie jene gegen das Humane Papilloma Virus (HPV), die vor Gebärmutterhalskrebs schützt, oder gegen Masern. Und da eine Erkrankung an Masern unter anderem zu Fehlgeburten führen kann, ist die Masern-Impfung besonders wichtig, wenn eine Schwangerschaft geplant ist.


Das sagt der Gynäkologe

Möchte eine Frau Mutter werden, sollte sie sich diesen Wunsch auch in jungen Jahren erfüllen. „Je früher sie das tut, umso besser“, betont Dr. Christian Matthai, Gynäkologe, Hormonexperte sowie Sport- und Ernährungsmediziner in Wien. Denn mit den Jahren verschlechtert sich die Qualität der Eizellen kontinuierlich, oft wird es allein deswegen bereits ab dem 35er schwierig, schwanger zu werden. Zudem geht die Zahl der Eizellen stetig zurück – und mit ihr reduziert sich die Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden noch einmal, mitunter besteht sie schon mit Ende 30 nicht mehr.
Hat eine Frau keinen Kinderwunsch, ist es laut Matthai wichtig, unter den vielen verschiedenen Verhütungsmethoden die passende, am besten verträgliche, zu finden. Und immerhin können mit der Einnahme bestimmter Antibabypillen und dem Einsatz verschiedener Verhütungsspiralen nebenher diverse Beschwerden gelindert werden. Wie etwa jene, die mit dem verbreiteten Prämenstruellen Syndrom (PMS) einhergehen und von depressiven Verstimmungen und einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit bis hin zu Schmerzen vor der Regelblutung reichen. Menstruationsschmerzen können außerdem auf Endometriose zurückgehen, eine ebenfalls häufige und behandlungsbedürftige Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Die jährliche gynäkologische Untersuchung zahlt sich jetzt aber auch deswegen aus, weil das Risiko für eine Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs, dem Zervixkarzinom, bereits in den 20ern und 30ern so hoch ist wie in mittleren und späteren Jahren – die Gefahr bei Früherkennung durch den Krebsabstrich, den PAP-Test, aber gebannt werden kann.

40 plus: MITTLERE JAHRE

Das sagt die Internistin

Bei über 40-Jährigen ist eines angesagt: Sich nach dem oft zeit- und energieraubenden Fußfassen im Beruf und einer etwaigen Familiengründung weiter – oder wieder stärker – der Gesundheit zu widmen. Immer wichtiger wird es laut Kautzky-Willer nun, bestehende soziale Kontakte zu pflegen und neue aufzubauen, um einer Vereinsamung jetzt und in späteren Jahren vorzubeugen.
Den gesunden Lifestyle machen nun ein Mix aus Ausdauersport, Kraftsport und Koordinationstraining komplett sowie eine ausgewogene und gesunde Ernährung, die mengenmäßig dem in den 40ern und 50ern sinkenden Energiebedarf angepasst ist: Das hilft dabei, Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen. Außerdem heißt es wie auch schon in jungen Jahren: Alkohol nur in Maßen zu genießen und nicht zu rauchen.
Wer so lebt, beugt gesundheitlichen Gefahren vor, die mit den Veränderungen im Hormonhaushalt in den Wechseljahren einhergehen, und im Wesentlichen auf das Schwinden des weiblichen Sexualhormons Östrogen zurückzuführen sind. „Dazu zählen zum Beispiel erhöhte Blutfettwerte, erhöhte Blutzuckerwerte, Bluthochdruck, Osteoporose, der frühzeitige Knochenschwund, auch depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen“, weiß Kautzky-Willer.


Das sagt die Allgemeinmedizinerin

Bei der jährlichen Gesundenuntersuchung sind zwar weiter Routinechecks wie die Blutuntersuchung angesagt, doch sollte nun auch verstärkt auf Risiken geachtet werden, die möglicherweise ererbt wurden, sagt Gapp. „Hat oder hatte die Mutter zum Beispiel ein Problem mit der Schilddrüse, ist ein Ultraschall der Schilddrüse empfehlenswert.“
Jetzt außerdem ratsam: Alle ein bis zwei Jahre die Muttermale kontrollieren lassen, ab 45 alle zwei Jahre zur Mammografie gehen, mit 50 zur Darmkrebsfrüherkennung, der Koloskopie, und um die Wechseljahre zu einem Gefäßcheck und zu einer Knochendichtemessung.


Das sagt der Gynäkologe

In die Wechseljahre kommen Frauen zwischen 40 und 55 Jahren, bei vielen sind sie mit 51 Jahren abgeschlossen. Die hormonelle Umstellung bereitet nicht jeder Beschwerden, weiß Matthai: „Ein Drittel der Frauen bemerkt gar nichts davon, ein weiteres Drittel hat hin und wieder Hitzewallungen, kann aber damit leben, und nur ein Drittel leidet so stark auch an anderen typischen Symptomen wie an Nervosität oder Schlafstörungen, dass eine Behandlung nötig ist“, sagt er.
Ansonsten bereitet mit 40plus oft eine bis dahin unentdeckte Erkrankung an Endometriose Probleme. Oder Myome, gutartige Geschwulste in der Gebärmutter, machen zu schaffen. Sie können etwa zu starken Menstruationsblutungen führen. Weiterhin gegeben ist das Risiko für Gebärmutterhalskrebs, weswegen der jährliche PAP-Test beim Gynäkologen nach wie vor wichtig ist – genau wie die Tastuntersuchung der Brust bzw. die Mammografie.

 

60 plus: SPÄTERE JAHRE

Das sagt die Internistin

Der 60er ist gefeiert, und meist naht nun, was viele Ruhestand nennen. Ruhen sollte jetzt und in den nächsten Jahren aber nur die berufliche Tätigkeit, nicht das Bemühen um einen gesunden Lebensstil. „Viel für die Gesundheit tut nun, wer eine Gruppe Gleichgesinnter für verschiedene Unternehmungen um sich hat“, betont Kautzky-Willer. Denn ein anregendes Sozialleben schützt vor altersbedingten Missstimmungen und geistigem Abbau.
Nach wie vor wichtig sind viel Bewegung und Sport. Zwar mag es für über 60-Jährige, die bisher eher der Couch-Potato-Fraktion angehörten, schwierig sein, jetzt noch ein bewegtes Leben zu starten, doch es zahlt sich aus. Sowohl die Koordination, als auch die Muskelkraft und die Ausdauer verbessern sich auch in den 60ern, 70ern, 80ern und 90ern schon nach drei bis vier Wochen konsequenten Trainings spürbar: So lässt sich nun bestehenden Risiken wie Bewegungseinschränkungen und Stürzen vorbeugen, die in späteren Jahren oft dazu führen, sich ohne Hilfsmittel nicht mehr fortbewegen zu können.
Auch eine gesunde, ausgewogene und vitaminreiche Kost, die vor alterstypischen Mangelerscheinungen schützt, bewahrt bis zu einem gewissen Grad vor Erkrankungen, die oft mit dem Alter einhergehen: „Das sind Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, Osteoporose, Altersdepression und Alzheimer-Demenz“, weiß Kautzky-Willer.

Das sagt die Allgemeinmedizinerin

Die Checks im Rahmen der jährlichen Routineuntersuchung richten sich laut Gapp nun im Wesentlichen nach individuellen Gegebenheiten, überstandenen Erkrankungen, chronischen Erkrankungen und den Risikofaktoren, die sich daraus ergeben. „Weiter wichtig sind eine Blutuntersuchung, unter anderem mit Kontrolle des Vitamin D-Status und der Kalzium-Versorgung“, sagt sie. Außerdem angesagt: alle zwei Jahre eine Mammografie, die jährliche Kontrolle der Haut und der Muttermale, eventuell auch eine Knochendichtemessung, ein Ultraschall der Halsschlaggefäße, eine Lungenuntersuchung und eine Koloskopie.


Das sagt der Gynäkologe

Auch wenn Hormonschwankungen und Wechseljahre mit 60plus der Vergangenheit angehören: „Nach wie vor ist es empfehlenswert, jedes Jahr zur Untersuchung zum Gynäkologen zu gehen“, erklärt Matthai. Denn die Gefahr für eine Erkrankung an Brustkrebs, den der Gynäkologe bei der Tastuntersuchung früh erkennen kann, ist in späteren Jahren sogar noch größer als in mittleren und jungen Jahren. Und die Früherkennung erhöht die Heilungschancen – genau wie  auch bei Gebärmutterhalskrebs und Eierstockkrebs, erkennbar durch den PAP-Test und eine Ultraschall-Unter­suchung.

Beim Arzt nicht untertreiben

Frauen neigen beim Arztbesuch vor allem zu einem: „Zur Untertreibung“, weiß Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-­Willer. Das ist laut der Expertin für geschlechtsspezifische Medizin auch der Grund dafür, warum Frauen bei Beschwerden, etwa bei Schmerzen, oft Medikamente erhalten, die nicht ausreichend wirken – oder nur Beruhigungs- und Schlafmittel. Worauf deswegen beim Arzt auf Folgendes geachtet werden sollte:

 

  • Die Beschwerden so schildern, wie sie empfunden wurden oder werden: „Ich hatte/habe starke Kopfschmerzen.“
  • Außerdem: Fragen, welche Ursachen möglich sind – ohne selbst Antworten anzubieten, wie: „Das war/ist wohl so, weil ich so im Stress war/bin.“
  • Wenn mehrere Ursachen möglich sind, zustimmen bzw. darum bitten, dass durch weitere Untersuchungen abgeklärt wird, was genau hinter den Beschwerden steckt, anstatt mit Gedanken wie „da erspare ich mir die Aufregung, Mühe und Zeit“ eine der Ursachen als gegeben hinzunehmen.   


Längeres Leben, höheres Erkrankungsrisiko

Frauen haben hierzulande eine Lebenserwartung von 83,3 Jahren. Also eine, die zwar um etwa fünf Jahre höher ist als jene der Männer, doch Frauen haben ein höheres Erkrankungsrisiko und sind auch öfter krank. Das liegt laut Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer an den Schwankungen im Hormonhaushalt rund um die Menstruation, während der Schwangerschaft und der Wechseljahre, die oft nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend sind, sowie an sozialen Gegebenheiten: Frauen stehen vielfach unter einem großen gesellschaftlichen und ökonomischen Druck, bedingt durch ein geringes Einkommen, die Mutterrolle und Mehrfachbelastungen durch Beruf, Haushalt und Familie.

Buchtipp:
Klein
Pflanzenkraft für die Frau
Wechselbeschwerden, Prämenstruelles
Syndrom, Harnwegsinfekte & Co.
ISBN 978-3-99052-103-8, 136 Seiten,
Verlagshaus der Ärzte, € 14,90

Webtipps:

Informationen zur Gesundenuntersuchung auf:
www.gesundheit.gv.at/leben/gesundheitsvorsorge/vorsorgeuntersuchung/ablauf

Impfplan für Frauen auf:
www.esidog.at/impfplan-fuer-frauen

Informationen zum Brustkrebsfrüherkennungsprogramm auf:
https://www.frueh-erkennen.at/fuer-frauen/

 

 Stand 09/2018

 

 

 

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