Wüste im Gesicht

Januar 2012 | Kosmetik & Pflege

Trockene Haut aus Sicht der TCM
 
Sie spannt, fühlt sich rau an, neigt zu Schuppungen und Entzündungen und macht vor allem im Winter viele Probleme: trockene Haut. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist die „Wüste im Gesicht“ allerdings oft nicht allein auf Wind und Wetter zurückzuführen. Lesen Sie, welche Ursachen hinter der angespannten (Haut-)Situation noch stecken können und wie man sie mit Kräutern und der richtigen Kost beruhigt.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Eiseskälte, rauer Wind, trockene Heizungsluft: Auch wenn der Winter mit seinen Begleitern für die Haut oft buchstäblich zur Durststrecke wird – aus chinesischer Sicht ist Hauttrockenheit oft „nur“ ein – offensichtliches – Symptom mit komplexen Hintergründen.
Um spröder Haut wieder zu Frische und Spannkraft zu verhelfen, muss deshalb erst die zugrunde liegende Ursache gefunden werden. Danach startet die individuell zugeschnittene Therapie, indem die TCM-Ärztin bzw. der TCM-Arzt die passende Kräuterrezeptur und die richtige Ernährung „verschreibt“. Schließlich ist, was man isst, aus chinesischer Sicht von essenzieller Bedeutung: Nahrungsmittel gelten als hochwirksame Medizin und werden entsprechend ihrer energetischen und thermischen Wirkung eingesetzt. Zu den chinesischen Kräutern wiederum zählen neben Heilkräutern auch Wurzeln, Rinden und sogar Mineralien.

Haut und Natur

Warum neigen wir überhaupt in der kalten Jahreszeit vermehrt zu Trockenheit? Die TCM erklärt dies u. a. mit dem Zyklus der Natur, dem auch der menschliche Organismus unterliegt: Demnach ist der Herbst die Zeit der Trockenheit, in der sich die Säfte zurückziehen, sodass uns in der kalten Jahreszeit äußere Einflüsse wie Kälte, Wind und trockene Luft besonders zusetzen. „Trockenheit ist aus chinesischer Sicht ein krankmachender Faktor, der in den Körper eindringt und
die Energiezirkulation stört“, berichtet Dr. Maria Seidl, Allgemeinmedizinerin und Ärztin nach Traditioneller Chinesischer Medizin. Diese Trockenheit könne nicht – wie man vermuten möchte – dadurch ausgeglichen werden, dass man mehr trinkt. „Das funktioniert nicht“, so Seidl, die das Ganzheilzentrum Wien leitet. „Man muss sie aus dem Organismus wegbewegen, indem man sie zum Beispiel mit Hilfe scharfer Kräuter abschwitzt. Die Situation verbessert sich aber auch, wenn man Getränke wie Hagebutten- oder Melissentee und saftige, leicht scharfe Nahrung wie Radieschen, Kohlrabi, Rettich zu sich nimmt.“

Haut und Lunge

Leicht scharf sind die (Nahrungs-)Mittel der Wahl auch dann, wenn die Ursache für Hauttrockenheit in einer Abwehrschwäche liegt. „Im chinesischen Sinn spricht man dann von einem geschwächtem Wei-Qi, einer geschwächten Abwehrenergie, meist bedingt durch chronische Erkrankungen oder Ernährungsfehler“, erklärt die Salzburger Dermatologin und TCM-Ärztin Dr. Adelheid Stöger. Eine entscheidende Rolle punkto Abwehr spielt die Lunge, die in engem Zusammenhang mit dem Schutzorgan Haut steht. Sie ist etwa dafür verantwortlich, Wei-Qi unter der Hautoberfläche zu verteilen. „Die Abwehrenergie zirkuliert unter der Haut wie ein feuchter Dampf und schützt uns vor den klimatischen Faktoren“, verdeutlicht Maria Seidl. Ist die Lunge nun geschwächt – sei es, weil sie trocken ist oder es ihr an Energie mangelt –, kann sie die Haut nicht mehr ausreichend mit Wei-Qi versorgen und unsere Schutzbarriere wird durchlässig. „Wind, Kälte, Trockenheit dringen dann in den Körper ein und bringen die Energie, die unter der Haut zirkuliert, zum Stagnieren“, sagt Seidl. Die Haut wird trocken, rau und rissig, und auch andere Organe reagieren: „Es kommt zu trockenem Husten, trockenen Schleimhäuten und einem trockenen Mundgefühl“, weiß die Allgemeinmedizinerin. „Das Trockenheitsgefühl setzt sich im Dickdarm fort und kann Verstopfung verursachen.“
Damit die Energie-Verteilung über die Lunge wieder funktioniert, muss – wie oben beschrieben – Trockenheit vertrieben und das Organ befeuchtet werden. Unterstützend wirken leicht scharfe Nahrungsmittel von zumeist weißer Farbe wie z. B. Rettich, Radieschen, Karfiol sowie Küchenkräuter. Auch das Fleisch von Truthahn, Kaninchen, Wildschwein, Reh oder Fasan ist dazu geeignet. „Die Abwehr stärken zum Beispiel frischer Ingwer, Hafer, süßer Reis, Mandeln, Karfiol, Lauch, Kren, Rettich, Kresse“, ergänzt Dermatologin Stöger. Auf regelmäßigen Konsum von sehr scharfen, energetisch heißen Nahrungsmitteln (z. B. Cayennepfeffer, Chilipulver, Knoblauch, getrockneter Ingwer) sollte hingegen verzichtet werden, weil sie Körpersäfte und Blut austrocknen – und „Bluttrockenheit“ ist eine weitere Ursache für trockene Haut.

Haut und Blut

Was man unter trockenem Blut versteht? „Wenn im Körper zu wenig Säfte sind – man spricht dann von Yin-Mangel – wird über kurz oder lang auch das Blut, das ja zu den Säften zählt, trocken. Es wird zäh und stockt“, berichtet TCM-Ärztin Seidl. „Kommt außerdem ein Blutmangel hinzu, so gelangt das Blut nicht mehr an die Hautoberfläche und kann die Haut nicht mehr feucht halten.“ Das Kontaktorgan wird in der Folge nicht mehr ausreichend ernährt, es wird spröde, schuppt und juckt. Um das Blut zu stärken und Körperflüssigkeiten zu erzeugen, empfiehlt Adelheid Stöger folgende Nahrungsmittel: „Äpfel, Birnen, Oliven, Pflaumen, Süßkartoffeln, Tofu, rote Rüben, Buchweizen, nierenförmige Bohnen, Pfefferminze, Spinat, Erbsen, Mandeln, Rettich, Brunnenkresse, Mandarinen.“ Eine blutbewegende Wirkung hat das Gewürz Kurkuma, die Gelbwurz.

Haut und Energie

Nicht zuletzt führen Störungen im Flüssigkeitshaushalt zu spröder, rissiger Haut. „Das Problem dabei ist nicht, dass man zu wenig Flüssigkeit hat, sondern zu viel Flüssigkeit am falschen Ort“, erklärt Seidl. „Ursache für die Fehlverteilung ist wieder ein Energiemangel, zum Beispiel aufgrund von zu viel Arbeit, zu wenig Bewegung, unregelmäßiger und hastiger Nahrungsaufnahme, qualitativ schlechter Ernährung oder emotionalen Belastungen.“ Weitere Symptome dabei sind: Wasseransammlungen unter der Haut, fehlender Durst bei trockenem Mund, Schweregefühl in den Beinen, Übelkeit und flauer Magen, Lethargie und Antriebslosigkeit. „Beseitigt man die Flüssigkeitsverteilungsstörung mit trocknenden, warmen und bewegenden Nahrungsmitteln, bessert sich auch der Zustand der Haut“, betont die praktische Ärztin. Zur heilenden Kost zählt neben Kräutern gekochtes Getreide, weil es in der Lage ist, viel Wasser zu binden.

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Wind, Kälte, wenig Tageslicht:
Jetzt geht’s der Haut ans Leder

Welche Ursache auch immer hinter Hauttrockenheit stecken – die winterlichen Einflüsse verschärfen die angespannte Situation zusätzlich: „Im Winter leidet die Haut unter der Kälte draußen, der trockenen Wärme drinnen und den vielen Schichten Kleidung“, präzisiert die Salzburger Dermatologin Dr. Adelheid Stöger. „Es mangelt ihr an Fett, da die Talgdrüsen langsamer produzieren, sowie an Feuchtigkeit durch verminderte Schweißbildung. Auch nimmt die im Sommer aufgebaute Lichtschwiele, also die Verdickung der Hornhaut, ab und es kommt zu einer Verdünnung der Hautschicht.“ Besonders betroffene Regionen sind exponierte Bereichen wie Gesicht und Hände, die Unterschenkel sowie die Streckseiten der Arme. Um Folgeprobleme auszuschließen, muss rechtzeitig etwas gegen das Problem unternommen werden. „Lang anhaltende, unbehandelte Trockenheit kann zu Austrocknungsekzemen führen“, warnt Stöger.

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